Buchvorstellung mit Argyris Sfountouris
Schweigen ist meine Muttersprache

Dienstag, 24. April 2018, 19:30 Uhr, k-fetisch, Wildenbruchstr. 86, 12045 Berlin

Zeit seines Lebens hat sich Argyris Sfountouris vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung für Gerechtigkeit und Humanität eingesetzt. Sein zweites Buch ”Schweigen ist meine Muttersprache” schildert durch Briefe an den Waisenjungen literarisch eindrücklich die Erfahrung eines Lebens mit dem Verlust und der Erinnerung. Zugleich gelingt es ihm, mehr als nur einen persönlichen Erfahrungsbericht vorzulegen. So enthält das Buch zahlreiche reflexive Texte zur besonderen Rolle der Opfer von rassistischen Verbrechen für die gegenwärtige politische Arbeit und anderen Themen.
Weitere Informationen befinden sich hier

Anlässlich der Präsentation des neuen
Online-Zeitzeugenarchivs:
Erinnerung an die ausstehende Entschädigung der Opfer der Okkupation in Griechenland

Montag, 23. April 2018 15:00 Uhr
Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Vorstellung des neuen digitalen Zeitzeugenarchiv
”Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland”

Ganz sicher ist das Erinnern an nationalsozialistische Verbrechen notwendig. Genauso notwendig ist jedoch die Bestrafung der NS-Täter sowie die Entschädigung aller NS-Opfer. Für eine strafrechtliche Verfolgung der Täter ist es nach ihrem Tod allerdings zu spät.

An 10. Juni 1944 überfiel eine der Wehrmacht zugeordnete Einheit der SS das griechische Dorf Distomo und ermordete 218 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Täter wurden nie bestraft. Die Opfer und ihre Angehörigen haben bis heute vom deutschen Staat keine Entschädigung erhalten. Argyris Sfountouris hat den 10. Juni 1944 in Distomo erlebt, überlebt und erinnert uns an all dies.

Doch warum erhalten die NS-Opfer und ihre Hinterbliebenen 74 Jahre nach dem Massaker immer noch keine Entschädigung? Weil dies der erklärte Wille der Bundesregierung ist und bleibt. Die Rechtsabteilung des Auswärtigen Amts war und ist dabei der Motor für das Hintertreiben jeglicher Zahlung.
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Woche der Solidarität mit Griechenland
und der Stadtteilsolidarität mit Perama
vom 27. April bis 5. Mai 2018

Veranstaltungsreihe des Einwohnervereins St. Georg von 1987 e.V. in Kooperation mit verschiedenen Griechenland-Solidaritäts-Initiativen unter Schirmherrschaft des Generalkonsulats der Hellenischen Republik in Hamburg
Das vollständige Programm befindet sich hier als Pdf-Dokument

Veranstaltung des AK-Distomo
Mittwoch, 2.5.2018, 19.00 Uhr, Gemeindesaal, Stiftstraße 15 (1. Stock)
Vorführung und Diskussion der Dokumentation ”Ein Lied für Argyris” (Schweiz 2008, von Stefan Haupt, 105 min) über das SS-Massaker im griechischen Dorf Distomo am 10. Juni 1944
Der Aufruf befindet sich hier als Pdf-Dokument

Vielen von uns machte der arrogante Umgang der Europäischen Union und speziell des deutschen Finanzministers Schäuble mit Griechenland wütend. Die knechtenden Bedingungen der Troika sollten offensichtlich nicht nur den GriechInnen verdeutlichen, was es heißt, die Wirtschafts- und Finanzkrise anders lösen zu wollen als durch Sozialabbau, Massenverarmung und Umverteilung von unten nach oben. Immerhin, es entwickelte sich 2014/2015 auch eine Solidaritätswelle in Europa. Sie ist in den letzten Jahren allerdings weitgehend zum Erliegen gekommen, auch, weil die Bemühungen der griechischen Regierung, wieder auf die (eigenen) Beine zu kommen, nicht nur von populären Maßnahmen gesäumt ist.

Und warum nun eine Solidaritätswoche des Einwohnervereins St. Georg? Seit dem Jahre 2015 pflegen wir einen partnerschaftlichen Kontakt zur ”Freien Vereinigung” und ihrer Nachbarschaftsküche in Perama. Konkrete Unterstützung sollte es sein, die Bestand hat, erst recht, wenn die eigenen Wünsche und Utopien sich nicht gleich einstellen. Und Perama bot sich an: ein Vorort von Piräus mit knapp 30.000 EinwohnerInnen und einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent, eine Freie Vereinigung, die seit 2012 versucht, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und der Armut zu trotzen, Medikamente zu organisieren, Schulmaterial zu sammeln, eine Gemeinschaftsküche zu unterhalten. Ein Ansatz, der uns als alternativer Stadtteilverein vertraut ist und am Herzen liegt. Mehrmals waren in den letzten drei Jahren St. GeorgerInnen in Perama, jetzt laden wir zwei engagierte Mitglieder von dort ein, um die Solidaritätswoche zu begleiten und über ihr Zuhause und die Probleme zu berichten.

Und wir laden die interessierte Öffentlichkeit ein, sich ein vielfältiges Bild von der Geschichte und Gegenwart Griechenlands, der deutschen Verantwortung in Folge der brutalen Besatzung von 1941 bis 1945, der weithin ausgebliebenen Wiedergutmachung und der katastrophalen Austeritätspolitik der jüngsten Vergangenheit, aber auch der Kultur, dem Engagement und der Solidaritätsarbeit zu machen.
Einwohnerverein St. Georg von 1987 e.V., im April 2018

Das Plakat befindet sich hier als Pdf-Dokument

Lieder aus dem Canto General - Unbesiegbarer Frühling
1. Mai 2018, 18 Uhr Dreieinigkeitskirche Hamburg, St. Georgs Kirchhoft
Das Plakat befindet sich hier

Stellungnahme:
Gegen jeden Nationalismus - für antifaschistische Solidarität!

1. März 2018

Seit vielen Jahren engagieren wir uns für die Entschädigung der Opfer der Naziverbrechen in Griechenland. Wir unterstützen aber auch die Forderung nach Reparationen und Rückzahlung der Zwangsanleihe, die Nazideutschland dem griechischen Staat während der deutschen Besatzung abgepresst hatte. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden aus Griechenland und Deutschland streiten wir für dieses Ziel. Deutschland muss seine Schulden gegenüber den Menschen in Griechenland anerkennen und bezahlen! Dies ist für uns eine zwingende Lehre aus der Geschichte. Die Verbrechen Nazideutschlands müssen zu Konsequenzen führen, sonst droht eine Wiederholung.

Mit großer Sorge beobachten wir das Erstarken rechter bis faschistischer Bewegungen und Parteien in ganz Europa und darüber hinaus. Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie breiten sich überall aus, in Polen und Ungarn regieren die Rechten bereits, ebenso in Österreich. In Deutschland hat sich mit der AFD eine rechte Partei etabliert, deren Nähe zum Nationalsozialismus immer deutlicher wird. In Griechenland treibt die ”Goldene Morgenröte” ihr Unwesen, eine Partei, die sich unverhohlen in der Tradition der NSDAP sieht. In Thessaloniki und Athen fanden kürzlich große Demonstrationen gegen ”Makedonien” statt - unter anderem von der griechischen Rechten organisiert; auch die neonazistische oder neofaschistische Partei ”Goldene Morgenröte” war beteiligt. Besetzte Häuser und Treffpunkte von Linken in Thessaloniki wurden durch Faschisten angegriffen.

Die vollständige Stellungnahme befindet sich hier
als Pdf-Dokument in deutsch und als Pdf-Dokument in griechisch

Documenta 2017
”von Athen lernen? - an Distomo erinnern!”

Bericht von der Eröffnung am 9./10. Juni in Kassel

Am Tag der Eröffnung der Documenta 14 waren wir in Kassel, um am Tag dieses kulturellen Großereignisses die Forderung der von Deutschland bis heute verweigerten Entschädigungsansprüche für Opfer von Nazi-Kriegsverbrechen in den Fokus der öffentlichen Debatte zu rücken. Hierfür bietet die Documenta 14, die unter dem Motto ”von Athen lernen” genügend Anknüpfungspunkte. So fiel der Tag der Eröffnung auf den wichtigsten Gedenktag an die Opfer der Naziherrschaft in Griechenland, dem Jahrestag des Massakers von Distomo. Gleichtzeitig ist der 10. Juni auch Gedenktag an die Massaker in Lidice und Oradour.

Den Bock zum Gärtner gemacht: Entschädigungsverweigerer eröffnete Documenta

Die Eröffnungsrede hielt der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Kunstwerk ”die Blutmühle”, welche er - gelernt ist gelernt - zuvor feierlich gedreht hatte. In gewohnt schwülstigen Worten beschwor Steinmeier den deutsch-griechischen Dialog, der dazu diene ”Gemeinsamkeiten zu finden”. Im Hinblick auf ein zukünftiges friedliches Miteinander scheint es uns jedoch angebracht, auf die Unterschiede zwischen Deutschland und Griechenland hinzuweisen: Griechenland hat Reparationsansprüche, während Deutschland Reparationsschulden hat. In Griechenland sind in Folge der Besatzung mindestens 30.000 Zivilisten im Rahmen der ”Bandenbekämpfung” ermordet worden, wohingegen zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte deutsche Zivilisten von griechischen Soldaten ermordet wurden. 58.000 griechische Jüdinnen und Juden wurden deportiert und ermordet - Auschwitz wurde von Deutschen gebaut.

Der vollständige Bericht befindet sich hier als Pdf-Dokument

Documenta 2017
”von Athen lernen? - an Distomo erinnern!”
Zur Eröffnung am 9./10. Juni in Kassel


Zu den folgenden gemeinsamen Aktivitäten laden wir ein:

9. Juni 2017, 19 Uhr (Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Straße 74, 34127 Kassel)
Filmvorführung ”EIN LIED FÜR ARGYRIS”
Vom Leben und Kampf des Argyris Sfountouris, der das Massaker am 10. Juni 1944 als knapp 4-Jähriger überlebte und heute seinen Entschädigungsanspruch vollstreckt. Argyris Sfountouris wird anwesend sein und nach der Vorführung mit uns sprechen.

10. Juni 2017, 10 Uhr Opernplatz Kassel
KUNDGEBUNG IN GEDENKEN AN DIE OPFER DES SS-MASSAKERS VON DISTOMO

Es spricht Argyris Sfountouris.
Das THEATERPROJEKT DISTOMO aus Berlin präsentiert Teile ihres dokumentarischen Theaterstücks über das Massaker von Distomo.

10. Juni 2017, 18:30 - 19:30 Uhr, ”Parlament der Körper” im Rahmen der documenta
Fridericianum, Friedrichsplatz 18, Kassel
Arbeitskreis Distomo mit Argyris N. Sfountouris und Margarita Tsomou
http://www.documenta14.de/de/calendar/22532/arbeitskreis-distomo

Am 10. Juni 2017 öffnet die 14. documenta in Kassel ihre Pforten. Begonnen hat sie am 8. April in Athen. Das Motto dieser weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst lautet ”Von Athen lernen”. Doch was heißt das? Der künstlerische Leiter der documenta, Adam Szymczyk, will von Athen lernen, weil es die ”globale Situation und die ökonomischen, politischen, sozialen Dilemmata Europas verkörpert”. Diese ”Dilemmata” haben eine Geschichte, die sich bis heute fortsetzt.

Der 10. Juni ist in Griechenland der wichtigste Gedenktag an die Opfer der Naziherrschaft. Für uns - dem AK Distomo aus Hamburg, der Gruppe ”Deutschlands unbeglichene Schulden” aus Berlin und der Kassler Griechenland-Solidaritätsgruppe - ist dieser Tag Anlass zu kulturpolitischer Intervention am Tag der Eröffnung der documenta in Kassel.

Die Ankündigung als Pdf-Dokument und in griechischer Sprache als Pdf-Dokument (griechisch)

An unsere Freundinnen und Freunde in Griechenland und in Deutschland

Stellungnahme zum deutsch-griechischen Zukunftsfond (DGZ)

14. Oktober 2016

Auch in diesem Jahr war der AK Distomo anlässlich des Jahrestags des Massakers in Distomo vom 10.6.1944 nach Griechenland gereist. In den zahlreichen Gesprächen, die wir in dieser Zeit geführt haben, ist uns deutlich geworden, wie präsent der deutsch-griechische Zukunftsfond vielerorts geworden ist und dass eine Debatte darüber gibt, wie dieser einzuschätzen sei. Wir möchten diese Beobachtung zum Anlass nehmen, unsere Sicht auf diese Initiative des Auswärtigen Amtes und der Bundesregierung zu erläutern. Wir beziehen uns dabei primär auf den DGZ, andere Projekte der Bundesregierung mit ähnlicher Zielrichtung sind das deutsch-griechische Jugendwerk oder die Deutsch-Griechische Versammlung.

Der DGZ ist nach Angaben der Bundesregierung eine Einrichtung, durch die eine gemeinsame deutsch-griechische Erinnerungskultur gefördert und die historische Aufarbeitung der Verbrechen während der Besatzungszeit von 1941-1944 unterstützt werden soll. Dieser Förderfonds soll über vier Jahre (2014-2017) laufen und jährlich mit 1 Mio. Euro bestückt werden. Gefördert wurden u.a. Projekte in verschiedenen Opfergemeinden wie Lechovo, Kommeno oder Kalavryta. Die Entscheidung über Vergabe der Mittel liegt dabei nicht etwa in einer gemeinsamen deutsch-griechischen Kommission, sondern allein bei dem Auswärtigen Amt bzw. dem DAAD (siehe Drucksache 18/4863:5). Der Name dieser Institution enthält also schon eine Irreführung.

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In griechischer Sprache als (pdf)

Reisebericht AK Distomo 4.-12. Juni 2016

Der AK Distomo aus Hamburg nahm auch dieses Jahr am Gedenken zur Erinnerung an das Massaker vom 10. Juni 1944 teil. An diesem Tag überfiel eine Einheit der SS das griechische Dorf Distomo und ermordete 218 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Täter wurden nie bestraft. Die Opfer und ihre Angehörigen erhielten vom deutschen Staat keine Entschädigung.

Anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten um den 10. Juni reisten Vertreter_innen des AK Distomo vom 4.-12.6.2016 nach Athen und Distomo. Wie in den vergangenen Jahren haben wir Freund_innen und Genoss_innen getroffen, mit Vertreter_innen der Opferverbände sowie mit Jurist_innen und Politiker_innen gesprochen. Im Zentrum der Gespräche und Aktivitäten stand wie immer die Frage der Entschädigung für die griechischen NS-Opfer. Aber wie schon in den vergangen Jahren haben wir uns auch mit der fortbestehenden ökonomischen Krise in Griechenland und den Folgen für die Menschen sowie ganz aktuell auch mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt.

Der gesamte Reisebericht befindet sich hier (pdf).

Hagen Fleischer, Karl Heinz Roth und Christoph Schminck-Gustavus

Die Opfer und nicht die Täter sollen in der Bringschuld sein?

Zur Medienkampagne gegen die griechischen Reparationsansprüche
aus dem Zweiten Weltkrieg

Seit Mitte Februar 2016 erschienen in führenden deutschen Medien (Die Welt, Der Spiegel, Focus) Artikel, deren Autoren unter Verweis auf einen ”Experten” die griechischen Ansprüche zur Entschädigung der von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs verursachten Massenmorde und Zerstörungen nicht nur bezweifeln, sondern darüber hinaus eine abenteuerliche Gegenrechnung aufmachen: ”Neuesten Erkenntnissen zufolge” sei nämlich Griechenland Deutschland gegenüber in der Schuld. Dabei berufen sich die Flaggschiffe des journalistischen Mainstreams jeweils auf die gleiche Quelle: einen von dem pensionierten Mannheimer Zeithistoriker Prof. Heinz A. Richter angekündigten Aufsatz. Diesem wird ein neuer Stellenwert zugeschrieben, seitdem der als ”äußerst nüchtern, sachlich” und ”gewissenhaft” gepriesene Autor ”kürzlich” (6. 11. 2015) vor Beamten des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zu dieser Fragestellung referiert hat, wobei unklar ist, von welcher Seite diese Initiative ausging. Mittlerweile wurde allerdings die verschiedentlich kolportierte Behauptung, Minister Wolfgang Schäuble persönlich sei anwesend gewesen, von seinem Büro dementiert.

Der vollständige Text befindet sich hier (pdf).

Griechenland unter deutscher Besatzung
(1941-1944)

Massaker - Ausplünderung - Holocaust

Für heutige Touristen ist Griechenland vor allem ein schönes Urlaubsziel, bestimmt durch Sonne, Tavernen und die Überreste der griechischen Antike - Akropolis, Delphi oder Olympia. Von der jüngeren Geschichte, insbesondere der deutschen Besatzung Griechenlands während des zweiten Weltkriegs, wissen die meisten nur wenig. Griechische Ortsnamen wie Distomo, Kalavryta und Kommeno standen jahrelang in keinem Reiseführer. Sie stehen jedoch beispielhaft für die nationalsozialistischen Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung und die Erinnerung an das erfahrene Leid. Am 10. Juni 2004 jährt sich das Massaker von Distomo zum 60. mal, mit einer Gedenkfeier wird auch dieses Jahr den 218 Menschen gedacht werden, die 1944 von einer SS-Einheit ermordetet wurden.

Am 6. April 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht Griechenland. Die militärische Besatzung dauerte bis zum 3. November 1944 an. Kennzeichen war ein allgegenwärtiger Terror gegen die griechische Zivilbevölkerung, die Vernichtung des größten Teils der jüdischen Bevölkerung und die ökonomische Ausplünderung des Landes unter Inkaufnahme tausendfachen Hungertodes. Ca. 15 % der griechischen Bevölkerung kam während dieser Zeit ums Leben. Auf den Partisanenkrieg des griechischen Widerstands reagierten die Deutschen mit wahllosen Greueltaten. Mindestens 30.000 griechische Zivilisten fielen sogenannten Vergeltungsaktionen der deutschen Besatzungstruppen zum Opfer, hunderte von Dörfern wurden zerstört, Tausende starben in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Die jüdische Bevölkerung Griechenlands wurde systematisch erfasst, in die Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. 58.000 Jüdinnen und Juden, ca. 83 % der griechischen Juden wurden ermordet, die große jüdische Gemeinde in Thessaloniki fast vollständig vernichtet, ihr Vermögen geraubt.

Die Verbrechen während der deutschen Besatzung Griechenlands sind in der Bundesrepublik Deutschland ohne jede rechtliche Konsequenz geblieben. Vor deutschen Gerichten wurde bis heute nicht einer der Täter verurteilt, die meisten Opfer wurden niemals entschädigt. Die bundesdeutschen Nachkriegsregierungen taten alles, um die Kriegsverbrecher vor strafrechtlicher Verfolgung zu schützen, denn die ehemaligen Wehrmachtsoldaten wurden zum Aufbau der Bundeswehr gebraucht. Gleichzeitig widersetzte man sich den griechischen Forderungen nach Entschädigungsleistungen. Bis heute behauptet die Bundesregierung, mit einer einmaligen Zahlung von DM 115 Mio. im Jahr 1961 sei alles erledigt. Dieser Betrag deckte aber noch nicht einmal im Ansatz die Schulden der BRD gegenüber Griechenland ab.

Die griechischen Opfer der Massaker von Wehrmacht und SS wie auch die meisten Überlebenden des Holocausts haben bis heute keine Entschädigungsleistungen erhalten. Sie fordern von der deutschen Regierung die Anerkennung der Verbrechen und eine angemessene Entschädigungsleistung. Von der gegenwärtigen Bundesregierung wird zwar ”Trauer und Scham” bekundet (Bundespräsident Rau in Kalavryta), an der Haltung der Bundesregierung zur Entschädigungsfrage hat sich indes bis heute nichts geändert. Aus Berlin kommt stets dieselbe monotone Antwort: Es wird nicht gezahlt!

Deutschland ist verpflichtet, allen Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Die Weigerung der Bundesregierung stellt eine permanente Demütigung der Opfer und eine Nichtanerkennung der Verbrechen dar. Nach über 70 Jahre nach dem Ende der deutschen Besatzung muss den Überlebenden und Hinterbliebenen endlich Gerechtigkeit widerfahren.

Diese kategorische Weigerung auch nur in Verhandlungen einzutreten, führte zu einer Welle von Klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland, vor allem vor griechischen Gerichten. Im Fall Distomo gelang dabei ein spektakulärer Erfolg. Deutschland wurde im April 2000 vom obersten griechischen Gerichtshof (Areopag) rechtskräftig zur Zahlung von ca. 28 Mio. verurteilt, dennoch hat Berlin bis heute keinen Cent gezahlt. Mit politisch-diplomatischem Druck wurde die griechische Regierung erfolgreich genötigt, die Vollstreckung gegen Deutschland aus dem Distomo-Urteil zu unterbinden.

Eine Durchsetzung des Urteils in Griechenland wurde somit unmöglich. Die Kläger aus Distomo wandten sich nach Italien und beantragten vor italienischen Gerichten die Vollstreckung der griechischen Urteile. Sämtliche italienischen Gerichte bis hin zum Kassationsgerichtshof in Rom bestätigten die Vollstreckbarkeit der griechischen Urteile. Der Immunitätseinwand Deutschlands wurde zurückgewiesen, da dieser auf Verbrechen gegen die Menschheit nicht anwendbar ist.

Doch Deutschland wollte sich den italienischen Urteilen noch immer nicht beugen und erhob am 23.12.2008 Klage gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Bei einem Gipfeltreffen im Herbst 2008 in Triest hatten die deutsche und die italienische Regierung (Merkel/Berlusconi) einvernehmlich die Einleitung des Verfahrens vor dem IGH beschlossen, um die Durchsetzung der berechtigten Entschädigungsansprüche von NS-Opfern gegenüber Deutschland auf diese Weise zu vereiteln.

Am 3.2.2012 verkündete der Internationale Gerichtshof in Den Haag seine Entscheidung im Fall Deutschland ./. Italien. Er gab der Klage Deutschlands statt und gewährte der Bundesrepublik Immunität gegenüber Klagen von NS-Opfern in Italien. Mit diesem Urteil wurde der Klageweg für NS-Opfer in deren Herkunftsländern versperrt und bedeutet eine Kapitulation des Rechts vor der Macht. Das Ergebnis ist eine faktische Beseitigung des Individualrechtsschutzes für die Opfer von Kriegs- und Menschheitsverbrechen. Selbst schwerste Staatsverbrechen sollen keine Ausnahme mehr vom Prinzip der Staatenimmunität erlauben.

In Italien wurde das Urteil des IGH in italienische Gesetze umgewandelt, nach denen Klagen gegen deutsche Verbrechen während des II. Weltkriegs abzuweisen sind. Allerdings widerspricht dieses Gesetz dem in Italien verbürgten Grundrecht auf Zugang zu den Gerichten. Folglich erklärte am 22.10.2014 das italienische Verfassungsgericht dieses Gesetz für verfassungswidrig!
Die Prozesse von italienischen NS-Opfern gegen Deutschland vor italienischen Gerichten werden weiter geführt. Rechtskräftige Urteile wie im Fall Distomo können von der Bundesrepublik nicht mehr angefochten werden, sondern müssen umgesetzt werden.

Für die sofortige Entschädigung aller griechischen Opfer des Nationalsozialismus!