23 September
2006

University of Zambia

Lusaka



Ich bin ja ein Fan von konstruktivistischer Architektur, weswegen ich gleich, als ich die UNZA das erste Mal gesehen habe, auf Fototour gehen wollte.



Der Hauptteil der Uni, 1966 begonnen, wurde von israelischen Architekten gebaut und von Israel finanziert; deswegen aehnelt das Gebaeude auch etwas der Jerusalemer Uni.





Die Bibliothek von aussen



und innen




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University of Zambia

Lusaka

Der labyrinthische Grundriss erinnert mich an Konstanz,




aber mir gefaellt vor allem die Weitlaeufigkeit des Gelaendes, die Offenheit der Gebaeude und die Kombination des Sichtbetons mit Pflanzen.







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University of Zambia

Lusaka

Als Kaunda - Zambia ist Mitglied des Non-Aligned Movement - sich nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 mit den Palästinensern solidarisierte ("Wir haben dasselbe durchgemacht"), brach Israel innerhalb weniger Tage den Bau ab. Dann wurde eine zambische Firma beauftragt, "weiterzubauen", was im Klartext heißt, daß alle Stellen, an denen noch gebaut hätte werden müssen, zugemauert wurden.



Die Statue auf dem ersten Bild ist uebrigens von einem zambischen Kuenstler. Sie stellt, in einem, wie ich finde, ziemlich eigenwilligen Stil (der mich an Comicfiguren erinnert), einen Studenten dar, der in der einem Hand ein Buch, in der anderen Hand eine traditionelle Hacke haelt, eine Mahnung, nicht zu vergessen, wo man herkommt, und die traditionellen, zum Ueberleben wichtigen Faehigkeiten genauso wie die modernen intellektuellen zu pflegen.



Posted by rh at 12:38 | Comments (0) | Trackbacks (0) | edit
19 September
2006

Entwicklungshilfe

"Afrika faengt erst noerdlich des Zambesi an", hat man mir in Namibia gesagt, und ich hab das zunaechst fuer dummes Geschwaetz gehalten; was ist schon "Afrika". Allerdings muss ich zugeben, dass ich erst in Zambia auf all die Bilder und Vorstellungen treffe, die man in Europa so mit "Afrika" verbindet. Hier habe ich das erste Mal einen Elefanten gesehen (und bin von ihm auch gleich angegriffen worden, weil ich ihn mit meiner Kanera genervt hab, s.u.), hier muss ich Malariamedikamente nehmen (es gibt eine verwirrende Vielfalt davon, alle kosten ungefaehr ein Zehntel von dem, was ich dafuer bezahlt hab, und in Deutschland hat man mir ausgerechnet das mit den meisten Nebenwirkungen gegeben, das hier keiner nimmt...) und hier gibt es die nette Mangofliege, die ihre Eier in die Wäsche legt, die man zum Trocknen aufgehängt hat. Die bohren sich in die Haut des Trägers & warten da, bis irgendwann eine Made aus einem schlüpft...
Ausserdem gibt es hier natürlich einen Haufen arme Leute, wie das halt so ist in "Afrika"... Zambia ist eins der ärmsten Länder der Welt, von 11 Millionen Einwohnern haben 400 000 eine offizielle Arbeit. Man braucht nur ein paar Kilometer aus Lusaka rauszufahren und ist mitten drin im Entwicklungshilfehimmel:




Naluyanda ist so ein Projekt, in dem sich die deutsche Gossner-Mission, bei der ich hier wohne, für Schulen, Landwirtschaft, Wiederaufforstung und Wasserversorgung kümmert. Ich fahre mit Peter Röhrig, der die Gossner Mission hier sozusagen vertritt, raus. Peter ist nicht der Leiter des Projekts, das soll sich sozusagen selbst verwalten, mit gewählten ADCs, Entwicklungsräten. Klappt aber alles nicht so ganz. Die Gossner Mission ist hier seit 20 Jahren tätig, aber es bewegt sich anscheinend nicht viel.
Jüngstes Beispiel ist dieser nichtvorhandene Damm:




Eigentlich sollte hier ein Damm gebaut werden, um die Bewässerung für die Umgebung zu sichern. Allerdings hat der Vertragspartner pleite gemacht (natürlich erst nachdem alles bezahlt war) und behauptet jetzt, das Material sei zwar da, aber er könne das Benzin nicht mehr bezahlen, um es herzutransportieren. Die Prozesse laufen, und inzwischen sitzt man da und wenn die Regenzeit kommt, wird das Wasser hier wieder nur so durchlaufen...
Die Schule ist auch eher kaerglich eingerichtet, und zwei Lehrer unterrichten hier 80 Schueler, die teilweise eine Stunde herlaufen muessen.




Die Eltern sind allerdings sehr darauf bedacht, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie muessen nur das Schulgeld zahlen koennen; selbst bei so einer Dorfschule, da die sich gar nicht anders tragen kann. Bildung hat aber einen hohen Stellenwert, das sieht man auch daran, dass die Strassenverkaeufer oft gebrauchte Schul- und Lehrbuecher verkaufen.


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Naluyanda





Das Krankenhaus der Gegend sieht auch nicht sehr vertrauenerweckend aus. Die einzige Krankenschwester, die den Laden hier schmeisst, ist auch die oertliche Hebamme, und die Kinder kommen hier zur Welt, weil meistens keine Zeit mehr ist, um die Woechnerin ins grosse Krankenhaus zu bringen. Der Arzt, der fuer ein riesiges Gebiet zustaendig ist, ist dann auch nicht immer zur Stelle.




Eine andere Entwicklungshelferin erzählt mir, das Wasserprojekt (Brunnenbau & Bewässerung), in dem sie arbeitet, steht auf der Stelle, seit es vor zwei Jahren begonnen wurde. Korruption, Regierungsbeamte, die um ihre Pfründe fürchten, und "Einheimische", die sich weigern, die Ratschläge der Entwicklunghelfer anzunehmen, sind nur ein Teil des Problems. Wenn man den EHlern selbst zuhört, gestehen sie ein, dass vieles am System der Entwicklungshilfe selbst liegt. Bürokratische Strukturen und Rangeleien um Zuständigkeiten sind besonders in der deutschen Entwicklungshilfe durch die Konkurrenz zwischen ded (Deutschem Entwicklungsdienst), GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die alle unterschiedliche Strategien verfolgen. Dass die Dörfler oft misstrauisch sind, darf einen auch nicht wundern angesichts der Zahl der gescheiterten Projekte. Die glauben einem natürlich nicht mehr viel, wenn man ihnen zwei Jahre lang anständige Pumpen und Bewässerung versprochen hat und nichts passiert. Auf der anderen Seite werden durch erfolgreiche Projekte die Leute oft in Abhängigkeiten gebracht. Wenn die Pumpe kaputt ist, repariert man sie nicht selber, sondern holt den EH, der kann dann eine neue kaufen...




In Naluyanda versucht man, das Problem mit Selbstverwaltung zu umgehen. Ich sehe aber (und Daniel, der in Naluyanda lebt & das halbe Projekt schmeisst, zusammen mit Jenny, erzählt mir das auch), wie Peter sich in Nayulanda benimmt: wie der Chef des Ganzen, oder in den Worten von Daniel: wie ein kleiner Diktator. Überhaupt fällt mir hier eine spezielle Art auf, mit den Leuten umzugehen; als ob man das Recht hätte, ihnen zu sagen, was sie tun sollen, weil man es besser weiß und es ja schließlich gut meint...Es wundert mich dann auch nicht, dass viele der Leute in den Projekten sich weigern, die "Ratschläge" umzusetzen. Daniel, der aus Nayalanda kommt, Forstwirtschaft, Agrarwissenschaft und BWL studiert hat und Mechaniker ist, ist mir da schon wesentlich sympathischer. Er hängt sich ziemlich rein und hat mit den Strukturen der Entwicklungshilfe und mit Peters arroganter und paternalistischer Attitüde genauso zu kämpfen wie mit der konservativen Einstellung seiner Nachbarn (denen er nur schwer begreiflich machen kann, das sie geplant Bäume pflanzen müssen, da sie auf ihren "traditionellen" Methoden bestehen). Er erzählt mir von dem anderen Projekt, das die Gossner Mission hier laufen hat, das sich inzwischen selbst trägt und enorm erfolgreich ist; die Gegend ist aufgeforstet, Landwirtschaft funktioniert super, Bewässerung und Pumpen laufen & werden von den Leuten selbst gewartet. Laut Daniel liegt das daran, dass sich die entscheidenden Leute – "Headmen" der Dörfer & traditionelle Autoritäten – für das Projekt eingesetzt haben. Das ist in Naluyanda anders; dort sperren sie sich dagegen oder versuchen, die benefits für sich selbst zu nutzen.
Bei allen Problemen, die es hier gibt, bin ich trotzdem beeindruckt von den Entwicklungshelfern "on the spot", die eine hohe Frustrationstoleranz haben müssen, um da weiterzuarbeiten, und von denen zumindest einige durchaus sehen und kritisch reflektieren, dass die gesamte EH-"community" manchmal eine ziemlich paternalistische Einstellung ("Wir müssen denen zeigen, wies richtig gemacht wird") an den Tag legt und die wirtschaftlichen und politischen Ursachen der Armut – Freihandelsideologie, SAPs, Finanzströme, Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft Zambia – zumindest von den Funktionären in den EH-Organisationen kaum berücksichtigt werden. Die Gelder fließen ja weiter, und sie fließen weiterhin zunächst mal in die Kassen der Poitiker & Bürokraten, die hier an den Schaltstellen sitzen, oder in die Aufrechterhaltung der Strukturen.


Posted by rh at 17:55 | Comments (0) | Trackbacks (0) | edit
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