19 September
2006

Naluyanda





Das Krankenhaus der Gegend sieht auch nicht sehr vertrauenerweckend aus. Die einzige Krankenschwester, die den Laden hier schmeisst, ist auch die oertliche Hebamme, und die Kinder kommen hier zur Welt, weil meistens keine Zeit mehr ist, um die Woechnerin ins grosse Krankenhaus zu bringen. Der Arzt, der fuer ein riesiges Gebiet zustaendig ist, ist dann auch nicht immer zur Stelle.




Eine andere Entwicklungshelferin erzählt mir, das Wasserprojekt (Brunnenbau & Bewässerung), in dem sie arbeitet, steht auf der Stelle, seit es vor zwei Jahren begonnen wurde. Korruption, Regierungsbeamte, die um ihre Pfründe fürchten, und "Einheimische", die sich weigern, die Ratschläge der Entwicklunghelfer anzunehmen, sind nur ein Teil des Problems. Wenn man den EHlern selbst zuhört, gestehen sie ein, dass vieles am System der Entwicklungshilfe selbst liegt. Bürokratische Strukturen und Rangeleien um Zuständigkeiten sind besonders in der deutschen Entwicklungshilfe durch die Konkurrenz zwischen ded (Deutschem Entwicklungsdienst), GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die alle unterschiedliche Strategien verfolgen. Dass die Dörfler oft misstrauisch sind, darf einen auch nicht wundern angesichts der Zahl der gescheiterten Projekte. Die glauben einem natürlich nicht mehr viel, wenn man ihnen zwei Jahre lang anständige Pumpen und Bewässerung versprochen hat und nichts passiert. Auf der anderen Seite werden durch erfolgreiche Projekte die Leute oft in Abhängigkeiten gebracht. Wenn die Pumpe kaputt ist, repariert man sie nicht selber, sondern holt den EH, der kann dann eine neue kaufen...




In Naluyanda versucht man, das Problem mit Selbstverwaltung zu umgehen. Ich sehe aber (und Daniel, der in Naluyanda lebt & das halbe Projekt schmeisst, zusammen mit Jenny, erzählt mir das auch), wie Peter sich in Nayulanda benimmt: wie der Chef des Ganzen, oder in den Worten von Daniel: wie ein kleiner Diktator. Überhaupt fällt mir hier eine spezielle Art auf, mit den Leuten umzugehen; als ob man das Recht hätte, ihnen zu sagen, was sie tun sollen, weil man es besser weiß und es ja schließlich gut meint...Es wundert mich dann auch nicht, dass viele der Leute in den Projekten sich weigern, die "Ratschläge" umzusetzen. Daniel, der aus Nayalanda kommt, Forstwirtschaft, Agrarwissenschaft und BWL studiert hat und Mechaniker ist, ist mir da schon wesentlich sympathischer. Er hängt sich ziemlich rein und hat mit den Strukturen der Entwicklungshilfe und mit Peters arroganter und paternalistischer Attitüde genauso zu kämpfen wie mit der konservativen Einstellung seiner Nachbarn (denen er nur schwer begreiflich machen kann, das sie geplant Bäume pflanzen müssen, da sie auf ihren "traditionellen" Methoden bestehen). Er erzählt mir von dem anderen Projekt, das die Gossner Mission hier laufen hat, das sich inzwischen selbst trägt und enorm erfolgreich ist; die Gegend ist aufgeforstet, Landwirtschaft funktioniert super, Bewässerung und Pumpen laufen & werden von den Leuten selbst gewartet. Laut Daniel liegt das daran, dass sich die entscheidenden Leute – "Headmen" der Dörfer & traditionelle Autoritäten – für das Projekt eingesetzt haben. Das ist in Naluyanda anders; dort sperren sie sich dagegen oder versuchen, die benefits für sich selbst zu nutzen.
Bei allen Problemen, die es hier gibt, bin ich trotzdem beeindruckt von den Entwicklungshelfern "on the spot", die eine hohe Frustrationstoleranz haben müssen, um da weiterzuarbeiten, und von denen zumindest einige durchaus sehen und kritisch reflektieren, dass die gesamte EH-"community" manchmal eine ziemlich paternalistische Einstellung ("Wir müssen denen zeigen, wies richtig gemacht wird") an den Tag legt und die wirtschaftlichen und politischen Ursachen der Armut – Freihandelsideologie, SAPs, Finanzströme, Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft Zambia – zumindest von den Funktionären in den EH-Organisationen kaum berücksichtigt werden. Die Gelder fließen ja weiter, und sie fließen weiterhin zunächst mal in die Kassen der Poitiker & Bürokraten, die hier an den Schaltstellen sitzen, oder in die Aufrechterhaltung der Strukturen.


Posted by rh at 17:55 | Comments (0) | Trackbacks (0) | edit
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