Entwicklungshilfe
"Afrika faengt erst noerdlich des Zambesi an", hat man mir in Namibia gesagt, und ich hab das zunaechst fuer dummes Geschwaetz gehalten; was ist schon "Afrika". Allerdings muss ich zugeben, dass ich erst in Zambia auf all die Bilder und Vorstellungen treffe, die man in Europa so mit "Afrika" verbindet. Hier habe ich das erste Mal einen Elefanten gesehen (und bin von ihm auch gleich angegriffen worden, weil ich ihn mit meiner Kanera genervt hab, s.u.), hier muss ich Malariamedikamente nehmen (es gibt eine verwirrende Vielfalt davon, alle kosten ungefaehr ein Zehntel von dem, was ich dafuer bezahlt hab, und in Deutschland hat man mir ausgerechnet das mit den meisten Nebenwirkungen gegeben, das hier keiner nimmt...) und hier gibt es die nette Mangofliege, die ihre Eier in die Wäsche legt, die man zum Trocknen aufgehängt hat. Die bohren sich in die Haut des Trägers & warten da, bis irgendwann eine Made aus einem schlüpft...
Ausserdem gibt es hier natürlich einen Haufen arme Leute, wie das halt so ist in "Afrika"... Zambia ist eins der ärmsten Länder der Welt, von 11 Millionen Einwohnern haben 400 000 eine offizielle Arbeit. Man braucht nur ein paar Kilometer aus Lusaka rauszufahren und ist mitten drin im Entwicklungshilfehimmel:

Naluyanda ist so ein Projekt, in dem sich die deutsche Gossner-Mission, bei der ich hier wohne, für Schulen, Landwirtschaft, Wiederaufforstung und Wasserversorgung kümmert. Ich fahre mit Peter Röhrig, der die Gossner Mission hier sozusagen vertritt, raus. Peter ist nicht der Leiter des Projekts, das soll sich sozusagen selbst verwalten, mit gewählten ADCs, Entwicklungsräten. Klappt aber alles nicht so ganz. Die Gossner Mission ist hier seit 20 Jahren tätig, aber es bewegt sich anscheinend nicht viel.
Jüngstes Beispiel ist dieser nichtvorhandene Damm:

Eigentlich sollte hier ein Damm gebaut werden, um die Bewässerung für die Umgebung zu sichern. Allerdings hat der Vertragspartner pleite gemacht (natürlich erst nachdem alles bezahlt war) und behauptet jetzt, das Material sei zwar da, aber er könne das Benzin nicht mehr bezahlen, um es herzutransportieren. Die Prozesse laufen, und inzwischen sitzt man da und wenn die Regenzeit kommt, wird das Wasser hier wieder nur so durchlaufen...
Die Schule ist auch eher kaerglich eingerichtet, und zwei Lehrer unterrichten hier 80 Schueler, die teilweise eine Stunde herlaufen muessen.

Die Eltern sind allerdings sehr darauf bedacht, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie muessen nur das Schulgeld zahlen koennen; selbst bei so einer Dorfschule, da die sich gar nicht anders tragen kann. Bildung hat aber einen hohen Stellenwert, das sieht man auch daran, dass die Strassenverkaeufer oft gebrauchte Schul- und Lehrbuecher verkaufen.