II. Meilensteine im Kampf der Kurden

Das Erbe Atatürks
Nach 30 Jahren 'Friedhofsruhe'

Erneute 'Auferstehung' der kurdischen Bewegung
Unsäglicher Terror durch die Militärjunta
Bewaffneter Kampf der PKK
Versuche, 1993 die Kurdenfrage friedlich zu lösen
Verbrannte Erde
Eine Zwischenbilanz des Krieges


Bewaffneter Kampf der PKK

Die kurdische Bewegung versuchte sich im Ausland zu reorganisieren. Aber die türkische Regierung hat alle demokratischen legalen Möglichkeiten zunichte gemacht. Angst und Schrecken waren weit verbreitet. Jeder befürchtete, der andere könne ein Spitzel des Staates sein. Der Staat ließ nur einen Weg frei: den Weg in die Berge. So hat die Arbeiterpartei Kurdistan PKK am 15. August 1984 mit zwei Guerillaeinheiten zwei Kasernen bei Eruh und Semdinli (11) der türkischen Armee angegriffen. Den unterdrückten Kurden erschienen die bewaffneten Aktionen der PKK wie eine willkommene Rettung. Gegen den Staatsterror hat die kurdische Landbevölkerung die PKK mit allen möglichen Mitteln unterstützt und überwiegend als Retter bejubelt.
Anfang der 90er Jahre war der bewaffnete Widerstand der PKK in fast allen Provinzen Kurdistans spürbar. Vom Ararat an der armenischen Grenze bis Hakkari an der irakischen Grenze, von Sivas und Maras an der ethnischen türkisch-kurdischen Linie entlang bis nach Urfa und Mardin an der syrischen Grenze hat die Guerilla Aktionen durchgeführt, sogar in manchen Gegenden das Alltagsleben bestimmt.
Die kurdische Bewegung organisierte sich nicht nur im kurdischen Siedlungsgebiet der Türkei, sondern auch in deren Metropolen und in Europa. So entstand im Juni 1990 die HEP (Arbeitspartei des Volkes). Sie schickte über die Wählerliste der SHP (Sozialdemokratische Volkspartei) über 20 Abgeordnete ins türkische Parlament. Es dauerte nicht lange, bis der Staat wiederum den legalen Weg versperrte und die HEP im Sommer 1993 verbot. Auch die Nachfolgepartei DEP (Demokratiepartei), im Mai 1993 gegründet, wurde von Anfang an verfolgt und schließlich ebenfalls verboten. Die Zentrale und viele regionale Parteibüros wurden in die Luft gesprengt, die führenden Funktionäre verhaftet und viele Kader Opfer der Todesschwadronen. Die Sacharow-Friedenspreisträgerin des Europäischen Parlamentes, Leyla Zana, und weitere Abgeordnete sitzen seit Anfang März 1994 im Gefängnis von Ankara. Die DEP wurde am 16. Juni 1994 offiziell verboten. An ihre Stelle trat die bereits am 11. Mai 1994 gegründete HADEP (Demokratiepartei des Volkes). Zudem entstanden weitere kleine pro-kurdische Parteien wie die DBP (Demokratie- und Friedenspartei, Vorgängerin war die DDP) und die DKP (Demokratische Massenpartei). Die pro-kurdischen Zeitungen, wie Özgür Gündem, haben durch Ermordung vieler JournalistInnen und Verkäufer, sowie durch die Sprengung des Verlagshauses einen sehr hohen Preis im Kampf für bürgerliche Rechte bezahlen müssen.

(11) Die erste Delegation der Friedensbotschafter, die dem Aufruf Öcalans folgte und 1. Oktober 1999 in die Türkei kam, hat sich symbolisch in dieser kleinen Stadt, wo alles vor 15 Jahren begann, mit den türkischen Armeeangehörigen getroffen. Diesmal wurde nicht geschossen.