R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N.



Arbeitsprojekte:


In diesem Jahr hatten wir im Workcamp sechs Arbeitsprojekte, in denen sich unsere TeilnehmerInnen mit der Geschichte und der Gegenwart von Buchenwald auseinandersetzten. Es gab vier praktische und zwei theoretische Projekte. Zu den praktischen zählen die Arbeiten am Bahndamm, am Pferdestall, im Steinbruch und auf dem Gelände der ehemaligen Gustloffwerke. Theoretisch befaßten sich TeilnehmerInnen mit dem Bordell und dem Internierungslager.


Bild: Arbeitsguppe bei der Arbeit am "Pferdestall"   Bild: Arbeitsguppe bei der Arbeit am "Pferdestall"

Sehr gefreut hat uns, daß wir in diesem Jahr wieder am Pferdestall arbeiten konnten. An dem Ort, an dem über 7000 sowjetische Offiziere hingerichtet wurden, wobei die Nazis eine eigene Methode der Massenvernichtung entwickelten.   —   Es wurde eine als Meßlatte getarnte Genickschußanlage istalliert. Die Kriegsgefangenen wurden unter dem Vorwand, die Größe bei ihnen zu messen zu wollen vor diese Anlage gestellt und per Genickschuß ermordet.   —   Hier war die Mauer um das Fundament herum zu sanieren, d. h. sie mußte abgetragen und neu aufgemauert werden. In Zusammenarbeit mit den Angestellten der Gedenkstätte schaffte diese Arbeitsgruppe den Teil, den sie sich vorgenommen hatte und noch ein Stück mehr. Dieses Jahr wurden insgesamt 15 m der Umfassungsmauer samt Abdeckplatten rekonstruiert. Die Büsche im hinteren Teil wurden verschnitten, die Fläche im Pferdestall gesäubert.


Bild: Transparent: Restauration des Bahndamms Antifa-Workcamp   Bild: Ein Teil des freigelegten Bahndamms

Bild: Treppe am Bahndamm                Bild: Gruppe bei der Arbeit am Bahndamm

Ein gut sichtbares Projekt war die Freilegung eines Teilstückes des Bahndammes der Strecke Weimar-Buchenwald. Nachdem uns 1997 verboten wurde, auf dem Gelände der Gedenkstätte zu arbeiten, bot man uns für 1998 an, am Bahndamm zu arbeiten. Das tat damals die Stadt Weimar, heute scheint dafür die Gedenkstätte zuständig zu sein. Jedenfalls lag es uns schon damals am Herzen, die Verbindung von Weimar nach Buchenwald zu zeigen, so daß uns dieses Arbeitsprojekt auch inhaltlich sehr gelegen kam. Mit dieser Bahnlinie wurden sowohl Häftlinge in das KZ Buchenwald transportiert als auch amüsierwillige Weimarer Bürger, die den Ettersberg weiter als beliebtes Ausflugsziel nutzten. 1999 hatten wir ein Teilstück einer Mauer am Bahndamm freigelegt. Dieses Jahr mußten wir feststellen, daß Steine herausgebrochen waren, obwohl die Mauer durch eine Tafel deutlich als Bestandteil der Gedenkstätte zu erkennen war. Zur Sicherung wurde der freiliegende Teil der Mauer verfugt. Bei den Säuberungs- und Grabearbeiten fanden unsere TeilnehmerInnen mehrere Schwellen der historischen Bahnlinie. Leider befindet sich genau an dieser Stelle ein Fahrweg für Forstfahrzeuge, die den Damm in den vergangenen Jahren schon ziemlich weit niedergewalzt haben. Zur Erhaltung der historischen Substanz fordern wir deshalb, daß sich der Forstbetrieb eine andere Zugangsstelle in dieses Waldstück sucht.


Bild: Transparent am Weg zum Steinbruch   Bild: Unsere Genossen bei der Arbeit an der Abbruchkante des Steinbruches

Bild: Die Reste einer alten Lore aus dem Steinbruch   Bild: Die Reste der Lore werden aus einem Loch gezogen

1999 wurde auch ein weiteres, nicht im internen Lagerbereich befindliches, Arbeitsprojekt von uns bewältigt. Der Steinbruch, ein Außenlager, das für die dort eingesezten Häftlinge in der Regel zum "Todeskommando" wurde, ist von uns aus dem zwischenzeitlichen Anschein einer idylischen Waldlichtung, teilweise in seinen eigentlichen Zustand zurückversetzt worden. Auch dort wurden wertvolle Funde von uns gemacht. Eine Lore, in der die Häftlinge die Steine eine Rampe hinaufziehen mußten, wurde aus dem Wald geborgen, verschiedene kleinere Gegenstände wie Löffel, Schüsseln und viele Patronenhülsen.


Bild: Auf dem ehemaligen Gelände der Gustloffwerke wird fleißig gearbeitet   Bild: Isolator des elektrischen Todeszauns der Gustloffwerke   Bild: Fundstücke aus den Gustloffwerken

Ein neues Projekt waren die Arbeiten auf den Gelände der Gustloffwerke. Die Gustloffwerke II produzierten in unmittlebarer Nähe zum KZ Munition und kleinere Waffen, bis sie 1943 durch Luftangriffe der Alliierten zerstört wurden. Hier mußten viele Häftlinge Zwangsarbeit leisten und hier wurde auch viel an Sabotage betrieben, da besonders die nicht deutschen Häftlinge die Mordwerkzeuge für ihre eigenen Länder nicht herstellen wollten. Unsere Aufgabe war es, Wege freizulegen, als Vorbereitung für einen gekennzeichneten Rundweg.


Bild: Transparent am Weg zum Steinbruch   Bild: Unsere Genossen bei der Arbeit an der Abbruchkante des Steinbruches

Bild: Die Reste einer alten Lore aus dem Steinbruch   Bild: Die Reste der Lore werden aus einem Loch gezogen

Das Projekt Internierungslager befaßte sich mit der Geschichte und der Darstellung des Speziallagers Nr. 2 auf dem Gelände des KZ Buchenwald nach 1945. Die Arbeitsgruppe ging besonders der Frage nach, welche Biographien dort einsitzende Häftlinge hatten. Außerdem stellen sie Zeitzeugenberichte und die Lagerstruktur in einer Broschüre vor.

Zum Inforeader: Internierungslager



Die zweite "theoretische" Arbeitsgruppe widmete sich dem Bordell, das für die Häftlinge im KZ Buchenwald eingerichtet worden war. Die Zusammenfassung ihrer Arbeit findet sich in der Campzeitung vom 28. Juli. Die Arbeitsgruppe fordert, daß wie in anderen Gedenkstätten auch eine Tafel aufgestellt wird, daß das Fundament des Gebäudes ausgegraben wird und daß das Bordell in den Führungen erwähnt wird, damit die Frauen, die gezwungen waren, dort zu arbeiten, nicht in Vergessenheit geraten.

Zum Beitrag der Arbeitsgruppe Häftlingsbordell