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Chronologie der kurdischen Geschichte
 
Entstehung der Hochkulturen in und um Mesopotamien

Ab 10.000 v.u.Z. (vor unserer Zeitrechnung)
Im sogenannten "Fruchtbaren Halbmond" entstehen die Grundlagen der Zivilisation, des Ackerbaus und der Viehzucht (neolithische Revolution). Die Sesshaftigkeit wird mit der Zeit typisch für die Wohn- und Siedlungsweise; Dörfer und Städte, Tempeln und Festungen werden errichtet und Bewässerungsanlagen angelegt.

10.000 v.u.Z.
Aus dieser Zeit stammt die bisher erste nach gewiesene menschliche Siedlung bei Riha (Urfa) ab.

8000 v.u.Z.
Erste archäologische Nachweise für die Landwirtschaft gehen auf diese Zeit zurück. Erste Tiere wie das Schaf, die Ziege und der Hund werden um diese Zeit domestiert.

6000 v.u.Z.
Das erste bisher festgestellte Bewässerungssystem wird in der Gegend um Halabja (Süd-Kurdistan) konstruiert.

3000 v.u.Z.
Die Hochkultur der Sumerer, die erste der Menschheitsgeschichte, entwickelt sich in Unter-Mesopotamien um die Stadt Uruk.
Die Sumerer stammen aus dem Zagros-Gebirge ab und bilden bis zum Einfall der Akkader im 24. Jh. v.u.Z. einen losen Staatenbund aus autonomen Städten.

3000 v.u.Z.
Das Metall Bronze wird von den Menschen verwendet. Die erste Schrift der Menschheit, die Keilschrift, wird von den Sumerern benutzt.

3. Jahrtausend v.u.Z.
Im Zagros- und Osttaurus-Gebirge treten die indo-europäischen Völker und Stämme der Gutäer, Lulubäer u.a. auf die Geschichtsbühne auf. Diese stehen sich der Abstammung nach sehr nahe. Diese sind diejenigen Völker und Stämme, aus denen in den nachfolgenden Jahrhunderten die Hurri-Mitanni, Kassiten, Nairi, Urartu, Meder usw. abstammen, die mit den heutigen KurdInnen in Verbindung gebracht werden. Die Letztgenannten prägen und formen die heutige kurdische Kultur, wobei noch mit besonderem Vermerk zu erwähnen ist, dass im Laufe der Geschichte viele andere Völker und Stämme durch Kurdistan gezogen sind, die ihre Spuren hinterlassen haben und die auch die heutige kurdische Kultur beeinflussen. Die KurdInnen können wir auch als die Erben vieler im Laufe der Geschichte "verschwundenen" verstehen.

28./27. v.u.Z.
Das Gilgamesch-Epos entsteht in der Herrschaftszeit der Sumerer. Es beschreibt die Beziehungen zwischen der Ebene von Mesopotamien und der gebirgigen Zagros-Region. Es ist zugleich die Suche des mächtigsten Königs seiner Zeit, Gilgamesch, nach dem Unendlichen. Dieses Epos ist das älteste literarische Zeugnis der Menschheit. Niedergeschrieben
wurde es ab 1900 bis 1200 v.u.Z. von den Babyloniern und anderen Völkern.

24. Jh. v.u.Z.
Die aus dem Süden (Südarabische Halbinsel bzw. heutiges Sudan) kommenden Akkader semitischer Abstammung erobern das Land der Sumerer.

2150-2050 v.u.Z.
Die aus dem Zagros-Gebirge stammenden Gutäer erheben sich in einem Bündnis mit anderen Zagros-Völkern und Stämmen fortwährend gegen die Angriffe der Akkader, besiegen sie schließlich und bildeten eine ca. einhundert Jahre andauernde Vorherrschaft im heutigen Unter-Mesopotamien.

2113-2005 v.u.Z.
Die Sumerer gründen zum letzten Mal einen Staat im Süden Mesopotamiens, der 2005 vom Zagros-Stamm der Elamiten eingenommen wird. Diese bleiben bis etwa 1980
dort.

2050 v.u.Z.
Die Akkader vertreiben die Gutäer und kehren nach Mittel-Mesopotamien zurück.

2000 v.u.Z.
Die Sumerer erwähnen in überlieferten Tableaus die "Karda" und die "Qurti", die aus dem Zagros-Gebirge stammen.

2000 v.u.Z.
Die Assyrer gründen ihren ersten Staat, den Altassyrischen Staat. Dieser betreibt schon damals verstärkt Handel in Mesopotamien und Anatolien. Sie errichten erste Handelsniederlassungen.

1984 v.u.Z.
Die semitischen Babylonier werden zum alleinigen Herrscher über Süd- und Mittel-Mesopotamien. Dieser Staat erlebt unter Hammurabi (1792-1750) seinen Höhepunkt. Hammurabi verkündet die "Hammurabi-Gesetze", die ersten systematischen Gesetze zur Bewässerung und Justiz.

19./18. Jh. v.u.Z.
Die Hurriter erscheinen im östlichen Taurus-Gebirge und heutigen Botan und bilden ein frühes Staatsgebilde.


Die Zeit der Gleichgewicht von Mittelmächten

1600 v.u.Z.
Das Hurri-Mitanni Reich wird in Ober-Mesopotamien gegründet. Es umfasst fast ganz das heutige Nord-Kurdistan.
Die aus dem Zagros stammenden Kassiten erobern Süd-Mesopotamien (Babylonien) und errichten eine Herrschaft von vierhundert Jahren mit einer großen aufblühenden Kultur, die sich aus der kassitischen und babylonischen zusammensetzt.
Neben diesen beiden "vorkurdischen" Staaten gibt es im Nahen Osten noch zwei sehr starke Staaten: Das Reich der Hethiter und das Ägyptische Reich.

1200 v.u.Z.
Das Gleichgewicht wird aus verschiedenen Gründen zerschlagen: 1) Die Seevölker aus dem Mittelmeer kommen 2) Die Assyrer erstarken 3) Keine Selbsterneuerung der Staaten - Stagnation


Neuorganisierung des Kräftegleichgewichts und die Eisenzeit

Ab 12. Jh. v.u.Z.
Nach der Auflösung des Hurri-Mitanni Staates bildet sich im Zagros- und im Osttaurus-Gebirge die Konföderation der Nairi. Darin sind auch die Hurriter und die Kassiten (sie zogen sich nach 1200 teilweise wieder in die Berge zurück) organisiert.

12./11. Jh. v.u.Z.
Die Assyrer gründen das Mittelassyrische Reich und erstarken im Nahen Osten sehr schnell. Sie führen Feldzüge in die nördlichen und östlichen Gebirge.

Ab Ende 11. Jh. v.u.Z.
Das Assyrische Reich wird durch die Aramäer sehr geschwächt, die sich für mehrere Jahrzehnte in ganz Mesopotamien ausbreiten. In dieser Zeit können sich die Völker und Stämme der Gebirge sich reorganisieren und an Stärke hinzugewinnen.

1012 v.u.Z.
Ein jüdischer Staat wird in Palästina gegründet. Dieser teilt sich dann in zwei (Israel und Judäa). Dieser Staat wird durch die Assyrer (722) und die Babylonier (587) erobert und verwüstet. Durch diese Eroberungen werden die Juden zu Sklaven, die später 612 v.u.Z. mit der Zerschlagung des Assyrischen Reiches durch die Meder befreit werden.

Anfang 9. Jh. v.u.Z.
Das Neuassyrische Reich wird gegründet. Es gewinnt in Kürze an politischem Gewicht und dehnt sein Machtbereich in die Berge aus. Die gegenüber früher besser organisierten Menschen des Zagros und Osttaurus-Gebirge können sich erfolgreicher widersetzen.

900 v.u.Z.
Die Manni gründen im Norden des Zagros-Gebirge einen Staat.

Ende 10. Jh. / Anfang 9. Jh. v.u.Z.
Der Staat Urartu wird um den Wan-See aufgebaut. Die früher im losen Staatenbund der Nairi organisierten Völker gehen teilweise in diesem Staatsgebilde auf.
Die Urartäer haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen große Ähnlichkeiten in ihrer Sprache, Lebensweise und Geographie mit den Hurritern.

Könige von Urartu:
Sardur I. um 840 - 830
Ischpuini um 830 - 820
Menua um 810 - 785
Argischti I. um 785 - 760
Sardur II. um 760 - 730
Rusa I. um 730 - 713

Von folgenden Königen ist wenig bekannt: Argischti I., Rusa II., Rusa III., Sardur III. und Sardur IV.

810-740 v.u.Z.
Urartu bringt die Assyrer in große Bedrängnis. Es ist jetzt der stärkste Staat im Nahen Osten. Es erlebt mit seiner Hauptstadt Tuspa bei Wan einen Hochglanz der Herrschaft.

Ab 740 v.u.Z.
Die Assyrer ziehen gegen erfolgreich gegen Urartu. Sie steigen jetzt zur absoluten Macht im Nahen Osten auf. Bis zu seinem Ende reicht die Macht des Assyrischen Imperiums bis nach Ägypten und Mittelanatolien.

10./9. Jh. v.u.Z.
Die im heutigen Ost-Kurdistan lebenden Meder gründen ein neues Staatsgebilde, das sich gegen die Assyrer zur Wehr setzt und in diesem Kampf erstarkt. Erste historische Belege bezüglich den Medern stammen von den Assyrern aus dem Jahr 835 v.u.Z. Ihre Hauptstadt ist Egbatana, das heutige Hamadan.
Sie leisten fast drei Jahrhunderte einen großen Widerstand gegen die Assyrer, die ein großes Sklavenimperium errichteten, das zwischen Erfolg und Niederlage hin und her ging.

750 v.u.Z.
Die erste persische Staatsform bildet sich heraus.

700 v.u.Z.
Im Westen Anatoliens werden die zwei Staaten der Lyder und der Phryger gegründet.

Mitte des 7. Jh. v.u.Z.
Fast der ganze Nahe Osten ist unter der Hegemonie der Assyrer (ganz Mesopotamien,
Zagros, Süd- und Mittelanatolien, Palästina-Syrien, Ägypten und Mittelarabische
Halbinsel).

630 v.u.Z.
Zarathustra (Philosoph und Reformator) in Medien geboren. Seine Lehre sind der monotheistische Glauben (Ahura Mazda) und ethischer Dualismus. Für Zarathustra ist das Leben ein ständiger Kampf zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge und Licht und Finsternis.

626 v.u.Z.
Der Neubabylonische Staat wird in Süd-Mesopotamien gegründet.

620 v.u.Z.
Die Skyther kommen aus dem Kaukasus in den Nahen Osten. Sie tragen mit zur Zerstörung des Urartu-Staates bei und bringen zeitweilig auch die Meder in sehr große Bedrängnis. Wenige Jahre danach verschwinden sie wieder von der Bühne.


DAS MEDISCHE REICH

612 v.u.Z.
Die Meder erobern zusammen mit den Babylonier und zerstören die Hauptstadt des assyrischen Imperiums, Ninive (Ninova). Dieses historische Ereignis ging in die kurdische Geschichte ein als das Neujahrsfest Newroz (21. März); dieses Fest symbolisiert den Aufstand der Kurden (hier Aufstand Kawas; mythischer Held) gegen die tyrannische Herrschaft und dessen Zerschlagung.
Die Meder errichten das Reich Medien, welches sich von Ost-Iran bis Mittelanatolien erstreckt. In diesem Prozess des Ausbreitens und Verschmelzens der Meder mit den ansässigen iranischen Völkern (Urartu, Manni, Guti) - dies begann teilweise im Zagros schon früher - war die Grundlage für die Bildung der kulturellen, sprachlichen und territorialen Einheit der Meder, welche die Basis für eine kurdische Zusammengehörigkeit schufen.

Die medischen Könige:
Deiokes 700 - 647
Phraortes (Keyfiribzer) 647 - 625
Kyaksares (Kyakser) 625 - 585
Astyages (Keyazdiyak) 585 - 550

585 v.u.Z.
Schlacht in Mittelanatolien am Halys (Kizilirmak-Fluß) der Meder gegen die Lyder endet ergebnislos. Daraufhin wird Frieden geschlossen. Nach einer Sage war eine Sonnenfinsternis der Grund für die Beendigung dieser Schlacht.

560-550 v.u.Z.
Kriege der Meder in der Region um Harran gegen die Babylonier.

550 v.u.Z.
Die Perser unter König Kyros übernehmen u.a. durch den Verrat des medischen Kommandanten Harpagos das Mederreich und gründen das persische Achämenidenreich. Der Verrat des medischen Kommandanten Harpagos ist entscheidend für die Niederlage von Astyages. Dieser steht symbolisch für all die später stattfindenden Verrate und Kollaborationen mit den Feinden der kurdischen Bevölkerung. Doch mindestens genauso beeinflussend für den Untergang ist die Politik des medischen Königs gegenüber seinen Fürsten, deren Kraft er unterschätzt, weshalb diese ihm nicht beistehen, als Kyros die Macht übernimmt.
Der gesamte Nahen Osten und das heutige Gebiet Kurdistans fällt unter die Herrschaft der Perser. Trotzdem haben die Meder im Achämenidenreich eine nicht unbedeutende Stellung in der Verwaltung.
Mit der Niederwerfung der Meder durch die Perser begann von nun an eine Phase der Okkupation, Ausplünderung und der Kriege um Kurdistan.

401 v.u.Z.
Xenophon, ein griechischer Kommandant und Abenteurer, berichtet beim Durchmarsch seiner Armee durch Nord-Kurdistan von seinen Erlebnissen. Er berichtet von den "Karduchen". Sie werden bei ihrem Marsch von Unter-Mesopotamien bis zum Schwarzen Meer von ihnen so angegriffen, dass sie große Verluste hinnehmen müssen.
Diese Berichte des Xenophon ist für die heutige kurdische Geschichtsforschung eine wichtige Quelle ("Anabasis").

331 v.u.Z.
Alexander der Große besiegt das persische Reich. Kurdistan fällt unter hellenische (griechische) Herrschaft. Nach seinem Tod 323 v.u.Z. wird sein Reich in mehrere Satrapate aufgeteilt. Eines davon ist das Satrapat Medien.


Die Großmächte der Parther und Römer

250 v.u.Z.
Im Iran gründen die vom südlichen Kaspischen Meer kommenden Parther einen zentralen Staat. Dieser bringt in kürzester Zeit fast den ganzen Nahen Osten unter seine Herrschaft.

1. Jh. v.u.Z.
Erwähnung der Kyrtii in der Geographie des lateinisch schreibenden Strabon

60 v.u.Z.
Die Römer, die im Westen ein Großreich gegründet hatten, okkupierten die gesamte Region um das Mittelmeer. Beginn der römischen Kolonisierung des Nahen Ostens. Die Römer gelangen bis zum Zagros- und Osttaurus-Gebirge.

50 v.u.Z. - 200 n.u.Z.
Die Parther und die Römer führen viele ihrer Kämpfe und Kriege in Kurdistan.


Das Sassanidische Reich

227 n.u.Z. (nach unserer Zeitrechnung)
Die Parther werden von den Sassaniden besiegt und das Sassanische Reich wird
gegründet.

3. Jh. n.u.Z.
Der Zeichner und Religionsstifter Mani verbreitet im Iran eine neue Schriftreligion (Manichäismus). Diese vereinigt in sich das Christentum, den Zorosatrismus und Buddhismus und formt eine augeprägt tolerante Religion. Es beeinflusst den sassanidischen Herrscher sehr und hat eine große Anhängerschaft in der Bevölkerung. Doch eine Intrige des nachfolgenden Herrschers in Zusammenarbeit mit der zorostrischen Priesterschaft führt zum Tod von Mani.

260 bis 630 nach unserer Zeitrechnung (n.u.Z.)
Das römische Reich und die persische Sassaniden Dynastie bekämpfen sich ununterbrochen um die Vorherrschaft. Der Krieg findet hauptsächlich auf kurdischem Siedlungsgebiet statt. Der ständige Kriegszustand zwang die Kurden sich in die Berge zurückzuziehen, wo sie Schutz für ihre Existenz fanden.

5. bis 7. Jh. n.u.Z.
Das oströmische Reich bzw. Byzanz weiten teilweise nach Nord-West-Kurdistan aus. Gewisse Gebiete kommen unter ihren Einfluß.


ARABISCH-ISLAMISCHE EROBERUNG und kurdischer Widerstand

6./. Jh. n.u.Z.
Die Kirche der Christen in Kurdistan (Assyrer und Kurden) spaltet sich wegen politischem und militärischem Druck von der in Konstantinopel. Dies begünstigt auch den späteren Sieg der Araber in Kurdistan.

637 n.u.Z.
Die Eroberungswelle der arabischen Herrscher breitet sich unter dem Khalif Ömer II. vor allem nach Kurdistan aus. Die bis dahin zumeist zarathustrischen KurdInnen und Perser werden fortan zwangsislamisiert.
Die kurdische Bevölkerung kämpft jedoch bis weit ins 9./10. Jh. gegen die gewaltsame Islamisierung und beteiligt sich an zahlreichen Aufständen gegen die islamische Zentralregierung in Damaskus. Besonders die bergigen Gebiete im Nord-Westen Kurdistans leisten erbitterten Widerstand, während die im Süden an der Grenze zu den Arabern lebenden KurdInnen schnell unter die arabische Kontrolle geraten.
Der Islamisierungsprozess hatte in den folgenden Jahrhunderten neben kulturellen Einflüssen vor allem eine starke Feudalisierung der kurdischen Gesellschaftsstrukturen zur Folge.
Obwohl sich Gemeinden anderer Glaubensrichtungen (Yeziden, Christen, Alewiten,
Juden) innerhalb der kurdischen Gesellschaft erhalten haben, wurde der Islam zum
bestimmenden Faktor und prägenden Element der Traditionen und Lebensweise.
Ein auf ein Stück Leder geschriebener Text ist die erste schriftlich überlieferte Spur der
kurdischen Literatur:

Die grausamen Araber zerstörten
Die Dörfer der Arbeitenden bis zum Scharizur
Die Frauen und die Mädchen sind gefangengenommen
Die tapferen Männer wälzen sich im Blut
Die Riten des Zarathustra blieben verlassen...

7. bis 10. Jh.
Der Widerstand der KurdInnen gegen die arabisch-islamischen Eroberer entfacht trotz der Brutalität und der Niederschlagungen immer wieder auf. Dutzende Aufstände finden in dieser Zeit statt.
Ein Massaker im Fürstentum Hakkari zeigt deutlich die Brutalität der Eroberer: Hunderte Menschen werden entlang der Straße 25 km lang von Meledi (Malatya) nach Mossul gekreuzigt.

Weitere (lokale) Aufstände der KurdInnen:
- 637 Mossul Aufstand
- 642 Sehrizor Aufstand
- 645 Balasagan Aufstand
- 657 - 692: "chawaridschi" oder "charidschien" Aufstand
- 708: Aufstand in Ost-Kurdistan
- 744-746 Sehrizor Aufstand
- 746 Ebu Müslim Horasani
- 777 El-Mukanna Aufstand
- 793 Cizre Aufstand
- 833 Maziyar Aufstand
- 833-838 Cafer Bin-Faharces Aufstand
- 867 - 879: Yakub-al-saffar Aufstand
- 839 - 840: Aufstand unter dem kurdischen Fürst Cafar Hasan Desimi gegen die Zentralacht und den Neuglauben
- 9 Jh. Jahrzehntelange Karmati Aufstände
- 906 Halbani Aufstand
- 951 Seddadi Aufstand

746 - 750
Der aus dem Osten Kurdistans (Horasan) stammende Ebu Müslim Horrasani, ein Fürst und Kommandant, bezwingt die Dynastie der Omajjaden in Zusammenarbeit mit den Abbassiden und nimmt 746 n.u.Z. Damaskus ein. Doch zieht er sich kurze Zeit später zurück, obwohl er die Stelle des Khalifen hätte einnehmen können. Horasani steht sowohl politisch und militärisch als auch in religiöser Hinsicht in Widerspruch mit dem arabischen Islam. Er bildet mit Horasan das Zentrum des Widerstandes. Die neue arabische Dynastie der Abbassiden ab 750 nimmt dabei Horrasani durch ein Komplott gefangen und lässt ihn umbringen.
Ebu Müslim Horasani gilt weiterhin als eine wichtige Stütze zur Herausbildung des heutigen Alewitismus.

ab 750
In der Abbassidenzeit werden die Ländereien höheren Offizieren und Staatsbeamten "als Besoldung überlassen" mit dem Nutzungsrecht, das ihnen vom Kalifen verliehen wurde. So werden staatsabhängige, herrschende Großgrundbesitzer und Aristokraten geschaffen, die nicht nur von den Arabern gebildet werden, sondern auch von anderen Völkern. In dieser Zeit kommen in Kurdistan die ersten Ansätze einer feudalen Großgrundordnung auf. Es tritt auch eine neue Klasse auf: die religiös Privilegierten.
Natürlich sind aber auch noch Überreste der vorfeudalistischen Ordnung nach wie vor vorhanden.
Die Aufstände können wir in drei Ausrichtungen unterscheiden: 1) Aufstand der kurdischen Fürsten und lokalen Großgrundbesitzer 2) Aufstand der kurdischen Bauern und Massen. 3) Aufstände gegen den Islam. Motiv: Zurück zur alten Religion (u.a. Yeziden)
Folgende Aufstände der Bauern und Sklaven richten sich gegen die arabischer Besatzer und die lokalen Großgrundbesitzer und Aristokraten:
- 816 - 837: Babak- Aufstand. Babak - sowohl religiöser Reformator als Organisator - wollte eine Gemeinwesen-Gesellschaft errichten. Religiöse Wurzel stammen von der Lehre Mazdaks. Aufstand greift auch nach Aserbaidschan über.
- 868 - 883: Sklavenaufstand. Ein von den versklavten Schwarzen in Basra erhält große Unterstützung durch die kurdischen Massen. Anführer ist der Perser Ali Ibni Mohammed, gab sich als Nachkomme Alis und "Fatima aus.

9. Jh.
Die Byzantiner liefern sich verstärkt Kämpfe mit den Arabern um die Vorherrschaft in Nord-West-Kurdistan. Ab dieser Zeit schwächt sich die Herrschaft der Araber über Kurdistan u.a. deswegen langsam ab.


Schwächung der Vorherrschaft der Araber und erste kurdische Fürstentümer

Ab 10. Jh.
Das Großgrundbesitzertum und die Aristokratie bilden sich weiter heraus, festigen Besitzerverhältnisse und ökonomische Grundlagen. Es gab Bestrebungen der kurdischen Machthaber, sich von der abbassidischen Zentralregierung unabhängig zu machen. Jetzt haben die Aufstände gegen die Araber auch Erfolg. Es entstehen mehrere kurdische Dynastien mit weitreichender Autonomie:
- 950 - 1095: Die Hassanovid-Dynastie umfasste die Gebiete von fast ganz Süd und
Ost-Kurdistan. Der König Badr-Hassanwaih (979-1014) gilt unter der Bevölkerung als
relativ gerecht.
- 951 - 1164: Das Shaddadid-Königreich umfasste Teile Armeniens und Teile Aserbaidschans. Sie verbünden sich mit den Byzantiner und Seldschuken.
- 990 bis 1096: Die Merwaniden bilden in Nord-West-Kurdistan von Wan bis Riha (Urfa)
mit der Hauptstadt Meya Farqîn (Silvan) den größten kurdischen Staat in dieser Zeit.
- Staat Banu-Annaz in Cibal (Süd-Kurdistan).
- Der Rewadi-Staat umfasst das ganze heutige persische Aserbaidschan. Hauptstadt ist Tebriz.

Unter diesen Dynastien - ein sichtbares Zeichen der Blütezeit des Aufkommens des Feudalismus in Kurdistan - bilden sich bedeutende handwerkliche Zentren und Handelsstädte. Geldwirtschaft wird erweitert und durch bargeldlosen Zahlungsverkehr (Scheck, Gutschrift etc.) erleichtert.
Diese Entwicklung führt nicht zu einem zentralen kurdischen Staat, weil sie ab dem 11. Jh. durch die türkischen und mongolischen Einfälle und Zerstörungen abgebrochen wird.


Einfall von türkischen und mongolischen Stämmen im Nahen Osten

10 Jh.
Die ersten türkischen Stämme aus Mittelasien kommen in den Nahen Osten. Sie nehmen schnell die überlegenere islamische Religion an und werfen den Schamanismus über Bord. Zuerst werden die Stämme zu Soldaten der arabischen Herrscher im Iran. Nachdem die Abbassiden-Dynastie sich abgeschwächte, gewinnen sie an Einfluss.

Mitte 11. Jh.
Von ihren ursprünglichen Wohnsitz in Transoxanien ziehen die Seldschuken (von den Oghusen in Turkestan abstammend) mit dem Stammesverband über Persien und Mesopotamien nach Anatolien.

1055
Einzug der Seldschuken in Bagdad und Befreiung des Kalifen von der Herrschaft der schiitischen Bujiden. Die Seldschuken übernehmen hier die Herrschaft und werden vom Kalifen darin anerkannt.

1071
Die Seldschuken schlagen in der Schlacht von Malazgirt in Nord-Kurdistan die Byzantiner. Alp Arslan (1069-1073) ist ihr Anführer.

Ab etwa 1075
Das Reich der Großseldschuken wird unter Melikschah (1073-1092) gegründet. Es wird zum mächtigsten Staat im Vorderen Orient. Es umfasst Mesopotamien, Kurdistan, Mittelanatolien, den ganzen Iran und teile Syriens. Es kann sich jedoch nicht lange auf den Beinen halten. Die wenigen sich in Kurdistan und anderen Gebieten Mesopotamiens niedergelassenen Seldschuken (hauptsächlich Soldaten) werden mit der Zeit von der einheimischen Bevölkerung durch ihre höher entwickelte Kultur assimiliert. Denn der Feudalismus und die Produktion ist in Kurdistan zu dieser Zeit stark verbreitet.
Das Großseldschukenreich schwächt sich u.a. wegen der Gründung des Ayyubiden
Reiches 1169 ab.

Mitte / Ende 12. Jh.
Das Reich der Seldschuken zerfällt und löst sich in Kleinfürstentümer auf, von denen das Sultanat der anatolischen Seldschuken oder Rumseldschuken mit der Hauptstadt Konya die wichtigste Herrschaftsbildung wird.

1176
Die Seldschuken schlagen entscheidend die Byzantiner und herrschen über fast ganz Anatolien. Jetzt wird auch - u.a. durch die hohe Blüte des Islams - der Grundstein für die einsetzende Türkisierung Anatoliens gelegt.

11. Jh.
In Ost-Kurdistan lebt Baba Tahir, einer der ersten und bedeutendsten kurdischen Dichter. Von ihm sind jedoch wegen den ständigen Überfälle und Besetzungen wenige Verse überliefert.

1187; 1169 - 1250
Der Kurde Sultan Selaheddin Ayyubi von der kurdischen Dynastie der Ayyubiden (1169-1250) leistet den 3. Eroberungszügen der Kreuzfahrer (unter Barbarossa) erfolgreich Widerstand und erobert am 2. Oktober 1187 Jerusalem zurück. Dieser Sieg gilt als eine Vorentscheidung für die weiteren Kreuzzüge.
Das Reich der Ayyubiden-Dynastie umfasst das Gebiet von Ägypten bis Nord-Kurdistan. In der Zivil- und Militärverwaltung sind neben Arabern auch viele Menschen kurdischer Herkunft.

Ab etwa 1240
Die Mongolen ziehen in den Nahen Osten ein, erobern große Teile von Kurdistan und hinterlassen grausame Verwüstungen. Hunderttausende KurdInnen werden ermordet. Städte wie Bagdad, Kermansah, Hamedan und Amed (1250) werden geplündert und niedergebrannt.
Viele kulturelle Hinterlassenschaften werden für immer ausgelöscht. Auch die Natur Kurdistans wird nach den Feldzügen der Mongolen trockener und öder.
Dass die KurdInnen keinen zentralen Staat und Armee besaßen, der Widerstand hätte leisten können, erleichterte zusätzlich die Feldzüge der Mogolen. Die kurdischen Provinzen wurden von mongolischen Emiraten verwaltet.

Mitte 12. Jh. bis etwa 1300
Fast alle Staaten im Nahen Osten werden zu Vasallen der Mongolen.
Durch das Vordringen der Mongolen nach Westen ziehen die türkischen Stämme vollständig nach Anatolien und bilden dort in vielen Gebieten die Majorität. Zwei der wichtigsten in Kurdistan gebliebenen Stämme sind die Akkoyunlar und die Karakoyunlar. Sie herrschen in Kurdistan über viele Städte und Handelsrouten (Seidestraße) bis zum Anfang des 16. Jh.s

1250
In Ägypten wird der Mamlukenstaat gegründet. Dieser existiert bis 1517.

1300
Nach Abzug der Mongolen bildet sich im nordwestanatolischen Bursa der Osmanische Staat unter Osman - dieser stand vorher in Diensten der Seldschuken. Es weitete in kürzester Zeit seine Macht auf andere türkische Fürstentümer aus. In wenigen Jahrzehnten kam West- und Mittelanatolien unter die osmanische Kontrolle.

13./14. Jh.
Im Iran herrscht die mongolische Dynastie der Ilchane.

1375 - ?
Die Gedichte und Prosa vom kurdischen Dichter Feqê Teyran aus Hakkari erlangen zur
Berühmtheit in Kurdistan.

1389
Die Osmanen schlagen die Serben, womit sie in Europa fest Fuß fassen.

1400
Der mongolische Herrscher Timur aus Mittelasien erobert aus dem Osten kommend fast ganz Vorderasien. Auch das osmanische Reich zerfällt auseinander. Seine Verwüstungen, Zerstörungen und Plünderungen übertreffen die ersten Mongolenstürme im 13. Jh.

1420
Nach dem Tod von Timur bündeln die Osmanen ihre Kräfte und gelangen in kurzer Zeit zu ihrer alten Stärke. Ganz Anatolien, Griechenland und viele Teile des Balkans waren um 1500 unter osmanischer Hegemonie. 1453 wird Konstantinopel, die Hauptstadt des Byzanz, eingenommen, womit Byzanz von der Geschichtsbühne ganz verschwindet.

1407-1481
Der bedeutende Dichter Melayê Cizîrî aus Botan ist ein wichtiger Name der kurdischen Literatur. Seine Gedichte handeln u.a. vom Sufismus. Seine Kritik auch gegenüber den kurdischen Feudalherren tritt besonders hervor.

1453
Die Osmanen erobern Konstantinopel, das spätere Istanbul, von den Byzantinern, deren Staat für immer von der Geschichtsbühne verschwindet.

1502
Im iranischen Hochland wird der Staat der Safawiden gegründet. Es steigt in den kommenden Jahrhunderten zum ständigen Rivalen der Osmanen auf. Mit der Schaffung eines einheitlichen Staates und der Einführung der Zwölferschia als Staatsreligion werden die Grundlagen des heutigen Iran gelegt.

ab 1500
Kurdistan wird Schauplatz der Kämpfe zwischen dem Osmanischen und Safawidenreich. Die Türken und Perser benötigen die dringende Unterstützung der kurdischen Feudalherren. Die Osmanen schaffen es, mittels des kurdischen Fürsten Idrisi Bitlisi - er ist die kurdische Geschichte als "Volksverräter" eingegangen - die überwiegend sunnitisch eingestellten KurdInnen an sich zu binden. Die wenigen im Südosten Kurdistans lebenden schiitischen KurdInnen stehen den Persern nahe.
Zuvor allerdings versucht Idrisi Bitlisi und andere Fürsten im Jahre 1510 sich dem Safawidenreich zu nähern, doch dieses traut ihnen nicht und lässt sie verfolgen, woraufhin sie die Fronten wechseln.

Wie heraus geht, beginnen systematisch fremde Mächte schon im Mittelalter, die KurdInnen auf Grundlage der verschiedenen Religionen und Konfessionen zu teilen.


Eroberung Kurdistans durch die beiden Großmächte der Osmanen und Safawiden

1514
In der Schlacht von Caldiran besiegen die Osmanen mit unersetzbarer Hilfe der KurdInnen die Safawiden entscheidend. Fast ganz Kurdistan kam unter die Herrschaft der Osmanen. Den sunnitischen kurdischen Stämmen wurde am 9.8.1515 vertraglich ihre volle Autonomie zugesichert. Im Gegenzug sollen die KurdInnen im Kriegsfalle Soldaten bereitstellen. Auch sollen sie eine kleine Steuer abrichten. Damit bekommen sie aber gleichzeitig die Möglichkeit, Steuer aus dem Handel in und über Kurdistan einzunehmen. Da die Seidenstraße durch Kurdistan verläuft, erhalten die kurdischen Feudalherren regelmäßig hohe Einnahmen. Dies führt zur wirtschaftlichen Entwicklung dieser Gebiete.
Die politischen Zugeständnisse der Zentralregierungen an die kurdischen Herrscherfamilien führten dazu, daß die kurdische Kultur ab dieser Zeit eine Blüte erfuhr. Zahlreiche Fürstentümer wie die von Botan, Soran, Hakkari, Baban, Bazid und Bitlis führten mit einer kulturellen und politischen Entwicklung zu einer umfangreichen Renaissance. Literatur, Architektur, Handwerk, Wissenschaft und Handel erlebten eine große Blüte.

1514
Während des Krieges zwischen den beiden großen Reichen töten osmanische Soldaten alewitisch-schiitische und safawidische Soldaten sunnitische Menschen. So ermordet der osmanische Herrscher Yavuz Sultan Selim I. während seiner Züge nach Kurdistan und Persien mindestens 40.000 alewitische KurdInnen bei Sivas.

16./17. Jh.
Trotz der Blütezeit der kurdischen Fürstentümer finden Aufstände von Bauern nach 1514 und auch nach 1639 statt, die sich sowohl gegen die osmanische Fremdherrschaft als auch gegen die kurdische Feudalobrigkeit richten. Diese werden allesamt blutig unterdrückt.

1596
Das Geschichtswerk "Serefname" (="Prachtschriaft") mit dem ersten vollständigen Überblick über die kurdische Geschichte wird von Serefhan, Fürst von Bitlis und Sohn von Idrisi Bitlisi, fertiggestellt. Diesem bedeutendsten Werk seiner Zeit ist zu entnehmen, dass das Fürstentum Bitlis von Meledi bis zum Urmiasee reichte.

1639
Durch das "Kasr-i Schirin-Abkommen" (auch: Vertrag von Zuhab) zwischen Osmanen und Safawiden wurde die osmanisch-safawidische Grenze quer durch Kurdistan festgelegt: Kurdistan wurde zum ersten Mal durch eine vertraglich festgelegte Grenze aufgeteilt. Damit wird dem Prozeß des Zusammenwachsens zwischen den Ost- und West-KurdInnen ein Riegel vorgeschoben.

1683
Die Osmanen belagern zum zweiten Mal vergeblich Wien. Von nun an beginnt der Niedergang dieses Reiches. Im 16. und 17. Jh. erstreckt sich das osmanische Reich von Algerien bis ans Zagros-Gebirge und vom Jemen bis zur südrussischen Halbinsel Krim.

17. Jh.
Im 17. und 18. Jh. entsteht eine Reihe von kurdischer Literatur, die den Keim des Nationalgedanken bilden sollte.

1687
Der Ishak Pascha Palast wird ab 1687 bei Bazid (Dogubeyazit) durch den kurdischen Fürsten Ishak Pascha errichtet. Es ist ein architektonisch unschätzbares Werk voller Prunk und ein Symbol der damaligen sich entwickelnden kurdischen Kultur.

1695
Der Dichter Ahmedê Xanê - Philosoph und Poet - verfasst im Jahr 1695 das wichtigste kurdische Epos: ''Mem û Zîn". Dieses hat für die Weltliteratur auch eine große Bedeutung.

1817-1897
Der revolutionäre Volksdichter Xanî Khoyî ruft in seinen Werken die KurdInnen zur Rebellion gegen die Fremdherrscher und auch gegen die geistliche und weltliche Obrigkeit des kurdischen Feudalherren auf. Er droht mit der "Macht des Volkes".

18. bis 20. Jh.
Im Iran herrscht die Qadscharen-Dynastie.


19. Jh. - erstes Stadium der kurdischen Nationalbewegung

Als das Osmanische Reich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der aufstrebenden industriellen Entwicklung Europas technisch und wirtschaftlich ständig zurückfällt und somit in seinen Fundamenten erschüttert wird, setzen sich in Kurdistan sie feudalen Strukturen fest.
Das im Westen allmählich zerfallende Osmanische Reich - im Balkan finden nationale Freiheitskämpfe gegen die Osmanen statt - legte seinen Schwerpunkt auf Kurdistan, beschränkt die Autorität der kurdischen Fürsten, steigert die wirtschaftliche Ausbeutung, führt ein Steuersystem ein und benutzt das kurdische Volk, um Teile seiner Armee zu rekrutieren.
Aufgrund der sich verstärkenden Unterdrückung durch das Osmanische Reich kommt es unter der Führung kurdischer Fürsten zu zahlreichen Aufständen, die ihren Höhepunkt zwischen 1830 und 1880 erreichen. Doch die kurdischen Aufstände im 19. Jh. beginnen nicht mit der Motivation eines unabhängigen Nationalstaates, vielmehr mit der Befürchtung kurdischer Feudalherren, ihre Privilegien abtreten zu müssen. Die kurdischen Aufstände können auch als das erste Stadium der kurdischen Nationalbewegung bezeichnet werden.

1806
Der erste bedeutende Aufstand des 19. Jh.s war der Baban Aufstand 1806 unter der Führung von Abdurrahman Pascha. Das Fürstentum mit der Hauptstadt Silemani (Süleymaniye) war das in vieler Hinsicht entwickelste von allen in Süd-Kurdistan. Große Teile Kurdistan werden in Richtung Persien befreit, aber eine osmanisch-kurdische (darunter rivalisierende kurdische Fürsten) Allianz bringt nach zwei Jahren die Niederlage.

1812
Babazade Ahmed Pascha Aufstand in Mosul

1830 - 1831
Aufstand der Yeziden in Hakkari, Cezîre Bedirxan Aufstand in Botan, Bitlis Serifxan Aufstand in Bitlis

1833-1837
Mir Mohammed, der Herrscher von Soran ist und Ambitionen hat, König eines kurdischen Staates zu werden, läßt gleich zu Beginn Waffenfabriken bauen. In Kürze befreit er ganz Süd-Kurdistan bis Botan. Botan geht nicht auf ein Bündnis ein. 1834 werden osmanische Soldaten geschlagen. 1835 befreit er ganz Ost-Kurdistan. Persien geht nicht auf ein Angebot gegen die Osmanen ein. 1836 scheitern wieder osmanische Armeen gegen Mir Mohammed.
Durch Bestechungen am kurdischen Klerus und einem erlassenen Fetwa, ein religiöses Dekret, muss widerstrebig Mir Mohammed nach Istanbul zu Verhandlungen reisen. Inzwischen wird Kurdistan in Schutt und Asche gelegt.
Der deutsche General Moltke, der als militärischer Berater bei den Osmanen tätig ist, schreibt in seinen Memoiren, dass er kein vergleichbares Gemetzel ähnlichen Ausmaßes gesehen hat, wie das der Osmanen gegen die KurdInnen.

1837
Aufstand von Sinaar. Nach der Niederschlagung werden erste Deportationen und Umsiedlungen großen Ausmaßes vorgenommen.

1839
Gurzum Aufstand in Amed

1843 - 1846
Bedirxan, Herrscher von Botan, befreit 1843 im Osmanischen Reich ganz Kurdistan und vereinigt alle kurdischen Fürsten unter seiner Führung. Er zog zuvor jedoch die Lehre, dass die Rivalitäten unter den Stämmen aufhören müssen und eine militärische Organisierung notwendig ist. Im befreiten Kurdistan dürfen Christen ihre Religion ausüben und andere Völker werden den KurdInnen gleichgesetzt. Ein kurdischer Staat soll aufgebaut werden.
Die Osmanen schaffen es jedoch, alte Rivalitäten zwischen den kurdischen Fürsten aufleben und die Christen (diese sollten mit Steuerzahlungen den Aufstand mitfinanzieren) gegen Bedirxan auflehnen zu lassen. Yezdan Sher, Neffe von Bedirxan und Kommandeur von der Hälfte der kurdischen Truppen, wird von den Osmanen gekauft. Begünstigt durch Hunger, Kälte und Tod kapituliert Bedirxan 1846 und stirbt 1868 in der Verbannung.
Nach der Niederschlagung des Bedirxan Aufstandes annektiert das Osmanische Reich die letzten noch unabhängigen kurdischen Fürstentümer und ersetzen sie durch sogenanngte Walis (türk.: Gouverneure).

1843
Aufstand von Hakkari.

1853 - 1856
Russisch-Osmanischer Krieg wird vor allem in Nord-Kurdistan mit großen Zerstörungen, Massakern beider Mächte an der Zivilbevölkerung und Hungersnöten geführt.

1855 - 1858
Zweiter Aufstand von Botan. Söhne Bedirxans bauen Botan und Behdinan wieder auf.

1855
Yezdan Sher nutzt nach seiner Entmachtung vom Gouverneursposten in Hakkari durch die Osmanen den osmanisch-russischen Krieg und beginnt mit der Eroberung Kurdistans. Im Frühjahr 1855 ist Wan, Amed, Siirt, Bitlis und Mossul unter seinem Einfluss. Die Biriten schaffen es, Yezdan Sher zu Verhandlungen zu überzeugen, wo er verhaftet wird. Daraufhin verläuft der Aufstand im Sand.

1877
Bedirxan Osman und Hüseyin Pasalar Aufstand in Mêrdîn/Cezîre.

1880 - 1882
Der Ubeydullah Aufstand (auch genannt: Nehriaufstand) in Hakkari ist der letzte große Aufstand. Ubeydullah, Sohn des letzten geistlichen Führers aller KurdInnen, führt den Aufstand im persischen und osmanischen Teil Kurdistans durch. Zu dieser Zeit findet der osmanisch-russische Krieg 1877-78 hauptsächlich in Nord-Kurdistan statt, der zu großen Verwüstungen führt. Zunächst unterstützen indirekt die Osmanen die KurdInnen über die Briten mit Waffen. Als die KurdInnen nach einer großen kurdischen Konferenz Ost-Kurdistan befreien, wandelt sich das Blatt. Auf den Hilferuf der Perser hörend greift die osmanische Armee Ubeydullah an. Jetzt führt er Krieg an zwei Fronten. Er wird von englischen Unterhändlern dazu überredet, nach Istanbul zu Verhandlungen zu fahren. Dort entflieht er der Diplomatie, womit der Aufstand beendet wird, und stirbt im Exil.
Ubeydullah kann fast alle KurdInnen (220 Stammesführer und Scheichs) auf seine Seite bringen und ein nationales Gefühl schaffen. Auch christliche Völker, besonders Nestorianer und Armenier, stehen auf seiner Seite. U.a. durch ihn werden junge aristokratische KurdInnen dazu bewegt, in Europa zu studieren und dort freiheitliche Ideen aufzugreifen.

1889
Bedirxan Emin Ali Aufstand in Erzingan.

Ende des 19. Jh.
Das Versagen der vielen umfangreichen kurdischen Aufstände im 19. Jh. kann mit der feudalen Struktur der Stämme und ihrer Führer, die eine politische Einheit verhinderte, begründet werden. Individuelle, lokale Interessen überwiegen bei den Fürsten.
Dann folgt unter Sultan Abdulhamit II. eine Epoche der Integration kurdischer Stammesführer und ihrer Kinder ins zentrale Machtgefüge des Reiches. Durch diese Anbindung der Stammeseliten und herrschender Klassen wird die erste Phase der "noch indirekten" Assimilation der KurdInnen eingeleitet.
Die KurdInnen haben in dieser Zeit folglich keine einheitliche feindliche Haltung gegenüber der Hohen Pforte (Osm. Reich), sie sind in ihrer Meinung geteilt.

1891
Gleichzeitig läßt der Sultan aus den rückständigen sunnitischen kurdischen Stämmen - in dieser Phase wurden die alewitisch-sunnitischen Gegensätze künstlich geschürt - 36 Truppeneinheiten rekrutieren: die Hamidiye-Reiterei. Daran beteiligen sich diejenigen Stämme, die sich bei den Aufständen neutral verhalten hatten. Daneben sind in dieser Reiterei eine geringere Zahl von Arabern.
Diese Reiterei dient der Sicherung der Vormachtstellung in Kurdistan. Aufbegehren von kurdischen Bauern werden mit dieser Hamidiye-Reiterei niedergeschlagen. Aber besonders hart und brutal werden sie gegen die nichtmoslemischen Völker in und um Kurdistan eingesetzt.


1900 - das zweite Stadium der kurdischen Nationalbewegung

Um die Jahrhundertwende entwickelt sich die erste kurdische Intelligenz. Teilweise in Europa studierte kurdische Jugendliche aristokratischer Familien sind Träger eines neuen modernen kurdischen Nationalgedanken. Beeinflußt von den Ideen der bürgerlichen Revolution gründen sie erste kurdische Organisationen, Vereine, Zeitschriften und Zeitungen.

1897
Das "Erste Kurdische Nationalkomitee" wird gegründet.

1898
Die erste kurdische Zeitung "Kurdistan" wird in Kairo von Mithat Bedirxan in kurdisch und osmanischer Sprache herausgegeben. Verbot der Verbreitung im Osmanischen Reich.

1903-1984
Der aus Mêrdîn stammende große Dichter Cîgerxwîn (Sexmus Hasan) entwickelt früh literarische Fähigkeiten. Er schreibt für Zeitschriften wie Hewar in den 30er Jahren. Cîgerxwîn studiert ausführlich den Marxismus-Leninismus. Er hat 8 Gedichtesammlungen.

1908
Jungtürkische Revolution. Es wird mehr Gleichberechtigung für alle Menschen und Völker versprochen. Daraufhin treten aus dem Untergrund zahlreiche kurdische Vereinigungen mit klareren politischen Programmen hervor und es werden im Istanbuler Exil Organisationen gegründet. Einige KurdInnen und sogar armenische Organisationen nähern sich zunächst den Jungtürken.

1908-1910
Die Gesellschaft für das Wiedererstehen und Fortschritt Kurdistans wird von kurdischen Lehrern, Künstlern und Studierenden gegründet, und es wird eine kulturelle Zeitung herausgegeben.
Ein Komitee kurdischer Intellektueller in Istanbul gründet die erste kurdische Schule.
In kurdischen Städten entstehen die sogenannten Kürt Kuliipleri (kurdischen Clubs), die sich aus Intellektuellen und "jungen Kämpfern" zusammensetzen. Zentren dieser halbmilitärischen Organisationen sind: Amed, Mus, Erzirom, Bitlis und Mossul.
Kurdische Studierende gründen 1910 den ersten studentischen Verein von KurdInnen namens "Hevi". Mitbegründre ist der aus Wan stammende Memduh Selîm.
Die junge Nationalbewegung ist heterogen zusammengesetzt, so dass bei Streitigkeiten Spaltungen (nach den drei einflussreichsten Stämmen Bedirxan, Nehri, Ubeydullah) hervortreten. Die Fraktionen sind in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg noch zahlreicher und kleiner als bei den Aufständen im 19. Jh.

1909
Die liberalen Verhältnisse werden mit einer erneuten Revolte der Militärkorps im März/April 1909 und mit dem sich endgültigen Durchsetzen der Jungtürken wieder langsam aufgehoben. Diese vertreten jetzt ein sehr chauvinistisches "Türkentum". Damit versuchen sie das auseinanderbrechende Osmanische Reich gestützt auf der "türkischen Nation" zu retten. Viele kurdische und oppositionelle Vereinigungen werden nach und nach wieder verboten. Einige Aktivisten fliehen ins Ausland.

Ab 1909
U.a gegen diese erneute Angriffswelle finden seitens der KurdInnen Aufstände statt.
- 1909-08 Dersim Aufstand
- 1909 Mossul Aufstand
- 1908 Aufstand kurdischer Bauern in Silemani
- 1910 Barzan Aufstand führt zur Befreiung Süd-Kurdistans
- 1910 Bitlis Aufstand

1912
Kurdische Aktivitäten werden u.a. nach den teilweise erfolgreichen Aufständen wieder zugelassen.
Gründung des Vereins "Freunde Kurdistans", der bedeutendste unter den KurdInnen. Aus ihr entsteht später die Partei Mucjedad (Partei der Erneuerung) in der türkischen Nationalversammlung, dessen Ziel primär die Thematisierung der kurdischen Frage ist. Sie steht u.a. für Laizismus, Gleichstellung von Mann und Frau, Lateinisierung des Alphabets.

1913
Die "Heviya Kurd" (Kurdische Hoffnung) gibt die Zeitung "Roja Kurd" (Kurdischer Tag) heraus, die später in "Hetewa Kurd" umbenannt wird. Ihre Ziele sind die "Reformierung des kurdischen Alphabets, die Erziehung des kurdischen Volkes und die Propagierung des kurdischen Nationalismus".


Der 1. Weltkrieg und die 2. Teilung Kurdistans

1914
Beginn des 1. Weltkrieges. Das Osmanische Reich nimmt an der Seite von
Deutschland am Krieg teil. Kurdische Unabhängigkeitsbestrebungen auf politischer Bühne werden abgebrochen. Das Osmanische Reich erklärt nicht den äußeren Feinden den Krieg, sondern in besonderer Härte auch den inneren Feinden.

1914-1918
In den Kriegsjahren geht der Staat gegen die Minderheiten vor und massakriert sie eins nach dem anderen.
Das erste Opfer der pantürkischen Ideologie wurde das Volk der Pontus in der mittleren Schwarzmeerregion in Nord-Anatolien. Bis zu 300.000 Pontus-Griechen wurden im 1. Weltkrieg kaltblütig dahingemetzelt. Die verbleibenden Griechen wurden 1919 von M. Kemal entweder ermordet oder vertrieben.
Bei Massakern an den Armeniern werden insgesamt 1,5 Millionen Menschen systematisch und auf die brutalste Art und Weise ermordet. 800.000 Armenier können diesem Genozid gerade noch entfliehen. In der Vorkriegszeit wurden schon bis zu 300.000 Armenier bei verschiedenen Massakern ermordet. An den Massakern ist auch die Hamidiye-Reiterei entscheidend beteiligt. Dieser bis dahin größter Genozid wird bis heute von der Türkei geleugnet.
Auch werden in den Kriegsjahren zehntausende christliche Assyrer kaltblütig ermordet, ebenfalls auch durch die Hamidiye-Reiterei.
Diese Zeit nutzt das Osmanische Reich auch dafür aus, 700.000 KurdInnen, besonders in den westlichen Regionen wie Marasch, umzusiedeln. Dabei sterben mehrere zehntausende Menschen.

1916
Die Alliierten schließen geheime Verträge (Sykes-Picot-Abkommen) über die Aufteilung Kurdistans und des Osmanischen Reiches. Danach soll der größte Teil Kurdistan dem zaristischen Russland zufallen, was jedoch nach der Oktoberrevolution aufgekündigt wird.

8.1.1918
US-Präsident Wilson fordert in seinem 14 Punkteplan in Punkt 12 die Alliierten auf, neben den anderen Völkern auch den KurdInnen die Möglichkeit der Unabhängigkeit einzuräumen.

30.10.1918
Das Osmanische Reich kapituliert bedingungslos im Waffenstillstandsabkommen von Mudros und soll auf einen türkischen Reststaat reduziert werden.
Das Gebiet des heutigen Irak - darunter Süd-Kurdistan - ist von britischen Truppen und das heutige Syrien - darunter Südwest-Kurdistan - ist von französischen Truppen besetzt.
Izmir (Smyrna), Teile der Ägäis und Ostthrakien ist von griechischen Militärs eingenommen worden. Ganz Anatolien und Nord-Kurdistan befindet sich in einem "Machtvakuum". Zugleich kann diese Zeit als die bisher demokratischste in der Türkei bezeichnet werden. Denn es gründeten sich überall Komitees und lokale militärische Verteidigungseinheiten, die das Leben und die Gesellschaft organisieren, wobei sie sich auf die Bevölkerung stützen und nicht auf feudale Herrscher.

1918-1920
Etablierung der "Gesellschaft für den Aufstieg Kurdistans" im Dezember 1918. 1920 spaltet sich diese Gesellschaft.

1918-1919
Die wöchentliche Zeitschrift "Jin" ("Leben") wird u.a. von Memduh Selîm herausgegeben.

April 1919
Aufstand unter Scheich Mahmud Berzinji in Sulaimania Süd-Kurdistan (Irak) gegen das englische Mandat. Barzinji wird verraten, vor ein britisches Gericht gestellt, zu Tode verurteilt, dann begnadigt und nach Indien verbannt. Der Aufstand der KurdInnen wird niedergeschlagen.

Mai 1919
Der letzte Sultan Mehmed IV. sendet Mustafa Kemal (später "Atatürk" genannt) als Bevollmächtigten nach Kurdistan, wo er nicht, wie von den Alliierten gefordert, die dortigen osmanischen Truppen entmachtet, sondern versucht, einen Widerstand gegen die Besatzungsmächte zu organisieren.
Er schafft es, die KurdInnen mit Versprechungen auf seine Seite zu bringen. M. Kemal versichert bei den Kongressen von Sivas und Erzirom den KurdInnen, einen "zukünftigen Staat der Türken und Kurden zu gründen und Kampf der Muslime gegen die Christen gemeinsam zu führen", wenn sich die KurdInnen am Kampf gegen die griechischen und französischen Besatzungsmächte beteiligen.
Kurz nach diesen Kongressen und dem Beginn Kampfes gegen die Besatzungsmächte gründet sich um M. Kemal eine Parallelregierung in Ankara. Diese schafft es im Laufe der Zeit regionale Widerstände in die ihrige durch verschiedene geschickte Maßnahmen "einzugliedern".

10.08.1920
Vertrag von Sêvres zwischen dem Sultan und den Alliierten: Die kurdische Frage wurde in den Artikeln 62-64 behandelt und es wird ein autonomes Kurdistan - das allerdings nur ein Viertel des ganzen Kurdistan ausmacht - vorgesehen. Eine internationale Kommission soll vor Ort prüfen, ob die kurdische Bevölkerung diese Möglichkeit annimmt.

Weiterhin ist ein armenischer Staat an der östlichen Schwarzmeerregion und im Hochland von Anatolien um den Wan-See vorgesehen. Die Region ums Maramarameer und Istanbul wird englische Besatzungszone und die westliche Mittelmeerregion um Antalya wird italienische Besatzungszone.

6.3.1921
Aufstand der KurdInnen in Kocgiri (östlich von Sivas) gegen türkische Truppen, der nach kurzer Zeit niedergeschlagen wird. Sie werden jedoch von allen anderen KurdInnen allein gelassen. Dies ist der Aufstand von den KurdInnen nach dem 1. Weltkrieg unter der Herrschaft der Türkei.

1921
Ende der Qadscharen Herrschaft in Iran. Reza Chan, der späteren Reza Schah Pahlawi (ab 1925), ergreift die Macht.

Ende 1922
Der unter M. Kemal geführte Kampf gegen die griechischen Truppen, der große Hilfe von den KurdInnen erfährt, endet damit, dass die griechischen Militärs sich aus Anatolien vollständig zurückziehen müssen.

1922
Beginn des Aufstandes von Simko, einem kurdischen Führer aus Ost-Kurdistan (Iran). Als sich aufgrund eines Abkommens die sowjetischen Truppen 1922 aus dem Gebiet zurückziehen, marschiert die persische Armee ein und zerschlägt den Aufstand. Die Truppen Simkos fliehen zu anderen Stämmen der Region.
Simko führt sechs Jahre später erneuert einen Aufstand an. 1930 wird Simko jedoch bei Verhandlungen mit Vertretern Teherans ermordet.

1923
"Kurdische Autonome Provinz" in der sowjetischen Aserbaidschan bis 1929.

24.07.1923
Vertrag von Lausanne: Es hat sich die Lage nicht so entwickelt wie im Vertrag von Sevres vorgesehen wurde. Die Alliierten werden vor vollendete Tatsachen gestellt, weshalb die Regierung von M. Kemal anerkennt wird. Und dass keine KurdInnen in Lausanne dabei waren und die türkischen Vertreter im Namen der KurdInnen gesprochen habe, trägt dazu bei, dass von einem kurdischen Nationalstaat nicht mehr die Rede ist. Nur religiöse Minderheiten werden erwähnt und ihnen Rechte zugesprochen, in ihrer Religion zu praktizieren. Zugleich folgt die vertragliche Aufteilung Kurdistans unter vier Staaten; der Türkei, dem Irak, Iran und Syrien. Es ist 2. Teilung Kurdistans.

29.10.1923
Die Türkische Republik unter Mustafa Kemal wird gegründet. In der Anfangszeit werden 75 KurdInnen ins Parlament einberufen und es wird von der Republik der Türken und Kurden gesprochen.

Anfang 1924
Wenige Monate nach der Ausrufung der Republik verdrängt die Türkei die KurdInnen vollständig aus dem politischen Leben. Das Worte Kurde wird nicht in den Mund genommen. Der Chauvinismus wird nun vorangetrieben.
In der Staatsdoktrin des Kemalismus' haben Minderheiten in der Türkei keinen Platz. "Dieses Land ist ein Land der Türken. Wer nicht von rein türkischer Herkunft ist, hat nur ein Recht in diesem Land; Das Recht, Diener zu werden; Das Recht Sklave zu sein." (Mahmut Esat, ehemaliger Justizminister der Türkei). Die kurdischen Abgeordnete werden verhaftet oder aufgehängt. Kurdische Schulen und Publikationen werden verboten.
Daraufhin verbreiten sich unter der kurdischen Bevölkerung große Unruhen, da sie sich von den Kemalisten hintergangen fühlten; in den folgenden Jahren begannen die Kurden mehrere Aufstände, welche brutal niedergeschlagen wurden.

Januar 1925
Bei einer unter Kontrolle des Völkerbunds durchgeführten Volksabstimmung in Süd-Kurdistan (Irak) entscheidet sich die Mehrheit der Kurden gegen einen Anschluß an den Irak und für die Unabhängigkeit.
Am 16.12.1925 entscheidet sich der Rat des Völkerbunds entgegen der durchgeführten Volksabstimmung und auf britische Forderungen hin, der Annexion des südlichen Kurdistan (Erdölregion Mossul) durch den irakischen Staat zu. Die Anteile der Irakischen Erdölgesellschaft gehen zu 52,5 % an eine englische, zu 21,25 % an eine amerikanische, und zu 21,25 % an eine französische Firmengruppe.


Kurdische Aufstände gegen Verleugnung und für die Freiheit

Als die Türkische Republik die KurdInnen in ihrer Existenz leugnet, die Staaten Irak und Iran den KurdInnen ihre Rechte nicht zugestehen will, finden in Kurdistan in den 20er und 30er Jahren viele unzählige Aufstände statt, die jedoch alle fehlschlagen. Die vorher aufgeführte feudale Führung, die Spaltung unter der kurdischen Bevölkerung und die starken geostrategischen Interessen der imperialistischen und regionalen Mächte sind die Gründe dafür, dass die Aufstände scheitern. Kein Aufstand ist von längerer Dauer und umfasst alle Gebiete Kurdistans. Denn es fehlt eine moderne, zeitgenössische Führung, welche das Stammesdenken und die religiöse Verschiedenheit überwindet und die nationale Entwicklung vorantreibt. Der türkische Staat löscht in der Zeit von 1925 bis 1940 etwa 1/9 der kurdischen Zivilbevölkerung aus. Doppelt so viele werden in den Westen verbannt.

14.2.1925
Unter Scheich Sait beginnt in Nordwest-Kurdistan ein groß angelegter Aufstand. Dieser Aufstand wird jedoch durch eine Provokation des türkischen Staates zu früh ausgelöst. Die kurdische Bewegung ist für einen späteren Zeitpunkt vorbereitet.
Die Aufständischen befreien in kürzester Zeit ein Drittel von Nord-Kurdistan. Amed liegt im Zentrum des Widerstandes. Jedoch schließen sich viele Stämme ihnen nicht an, besonders alewitische halten sich fern.
Der schlecht vorbereitete Aufstand wird von 80.00 türkischen Soldaten mit französischer Unterstützung im April niedergeschlagen. Scheich Sait und 52 andere werden festgenommen und am 4.9.1925 in Elaziz hingerichtet. Im folgenden werden bis zu 20.000 Menschen ermordet.
Mit dem Aufstand wird über Nord-Kurdistan der Kriegszustand ausgerufen und es ist lange Zeit für Ausländer verboten, hier einzureisen.

1925-1927
In Mêrdîn wird der Scheich Sait Aufstand vom Haco Stamm angeführt, der ein Jahr später endet. Es flüchten über 70.000 Menschen nach Syrien. 1927 wird für sie vom türkischen Staat eine Amnestie ausgerufen. Daraufhin kehren viele Frauen und Kinder zurück, die der Staat in einem Dorf massakriert. Es sterben 5.000 Menschen.

Mai/Juni 1926
Erster Aufstand am Araratberg und anschließendes Massaker durch türkische Streitkräfte.

Mai-August 1926
Aufstand in Mutki/Bitlis.

5.6.1926
Anschluss Mosuls an den Irak auf Beschluß des Völkerbunds.

August 1927
Gründungskongress von "Xoybun" (Unabhängigkeit), einer nationalen kurdischen Liga in Libanon. Darin schließen sich alle Organisationen und Parteien zusammen, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet wurden. Es wird auch eine Versöhnung mit den Armeniern (mit der armen. Daschnak Partei) erreicht. Erklärtes Ziel ist es, Kurdistan im bewaffneten Kampf zu befreien. Mitbegründer sind Celadet Alî Bedîrxan und seine zwei Brüder Kamuran uns Süreya, Memduh Selîm.

1928
Der Ararat (kurdisch: Agirî) Aufstand wird angeführt von General Ihsan Nuri, der Xoybun angehört. Forderung nach einem autonomen Staat. Bis 1929 wird das Gebiet um den Berg befreit und die Republik Ararat ausgerufen.

Mai-August 1929
Aufstand von Zilan in der Region Serhat. Dieser wird besonders brutal niedergeschlagen.

September 1930
Massaker am Tendurek Berg bei Bazid.

1930 bis 1932
Der Ararat Aufstand erreicht 1930 in Nordwest-Kurdistan seinen Höhepunkt. Der Iran, welcher erst freundlich gegenüber den KurdInnen sich verhielt, erlaubt es der Türkei, auf iranisches Gebiet vorzudringen. Auch dieser Aufstand wird endgültig blutig niedergeschlagen. Die Rache ist wieder barbarisch. 100 Intellektuelle werden so z.B. im Wan-See ertränkt und hunderte Dörfer mit Brandbomben zerstört. Widerstände dauern bis 1932 lokal noch an.

1930
Die Wahlen zum irakischen Parlament werden in den kurdischen Gebieten boykottiert.
In Silemani kommt es im September zu einer Demonstration von Schülern und Studierenden, welche die Unabhängigkeit fordern. Das Eingreifen der irakischen Truppen wird von den Kurden mit einem bewaffneten Aufstand beantwortet. Auf kurdischer Seite kostet der Aufstand 30 Menschen das Leben, Hunderte werden verletzt.

Mai 1932
Ankara verkündet ein Gesetz zur Deportation und Verschleppung der Kurden. Mehrere 100.000 Kurden werden nach Zentral -und Westanatolien deportiert. Offizielles Ziel ist es, die "türkische Kultur" zu verbreiten.

3.10.1932
Unter Führung von Ahmed Barzani, dem Bruder von Mullah Mustafa Barzani, kommt es in Süd-Kurdistan zu Aufständen, die von der britischen Luftwaffe niedergeschlagen werden. Die Briten nehmen Mullah Mustafa Barzani schließlich fest und stellen beide unter Hausarrest in Silemani.

1932
Celadet Ali Bedirxan fertigt ein lateinisches Alphabet für die kurdische Sprache an, die heute verbreitete Gültigkeit unter den KurdInnen besitzt.

1932-1945
Die Brüder Kamuran und Celadet Ali Bedirxan geben die kurdische Zeitschrift Hawar ("Ruf nach Hilfe") in Damaskus heraus.

1935
Erster Roman der Neuzeit in kurdischer Sprache ist das Werk "Schivane Kurd" von Ereb Schemo.

1935
Das Tunceli Gesetz wird verabschiedet. Danach wird die kurdische Provinz Dersim in Tunceli genannt. Damit wird die gesetzliche Grundlage für das Vorgehen in Dersim gegeben.

8.7.1937
Saadabad-Abkommen zwischen der Türkei, dem Irak, dem Iran und Afghanistan, in dem auch ein koordiniertes Vorgehen bei der Bekämpfung der KurdInnen vereinbart wird.

1936 bis 1938
Der größte der kurdische Aufstände ist in Dersim. Die sehr gebirgige alewitische Region Dersim ist unter den kurdischen Provinzen die am meisten Widerstand leistende Provinz. Seit der Gründung des Osmanischen Staates hat Dersim niemals Steuern gezahlt oder Soldaten für die Besatzungsmacht bereit gestellt. Es stellte sich als erstes gegen die Hamidiye-Truppen und beteiligte sich aktiv am Kampf gegen die Unterdrückung der Armenier.
Der Aufstand wird von Seyit Riza, der seit Anfang des Jh.s die Aufstände leitet, angeführt. Ende 1936 brechen die Kämpfe aus. An seiner Seite stehen Ali Scher und Dr. Vet. Nuri Dersimi, die schon beim Kocgiri Aufstand 1921 mitgewirkt haben. Im Frühjahr finden heftige Gefechte statt, wobei die türkische Armee heftige Verluste erleidet. Doch wird Seyit Riza mit anderen Stammesführern im Herbst 1937 verhaftet noch im November 1937 in Elaziz aufgehängt. Als dann auch Ali Scher, der militärische Kopf des Aufstandes, durch ein Verrat ermordet wird, verliert der Aufstand die Führung.
1938 finden in Dersim die systematischsten und brutalsten Massaker an den KurdInnen in Nord-Kurdistan statt. Es werden nach verschiedenen Schätzungen 50.000 bis 80.000 Menschen massakriert. Etwa 100.000 Menschen werden in die Türkei deportiert. Dieser Aufstand wird Ende 1938 vollständig niedergeschlagen.


Der 2. Weltkrieg und die Friedhofsruhe in Kurdistan

Mit dem Niederschlagen des Aufstandes von Dersim wird Nord-Kurdistan vom türkischen Staat unter die vollständige Kontrolle gebracht. Nach dem physischen Massaker wird von nun in den folgenden Jahrzehnten das "weiße Massaker", die systematische Assimilation, eingeleitet, während in den anderen Teilen Kurdistans die Assimilation weitaus weniger voranschreitet.

1939
Der 2. Weltkrieg beginnt in Europa. In Kurdistan herrscht in dieser Zeit relative Ruhe.

1939 - 1942
Gründung der Partei "Freiheitliebendes Kurdistan" in Ost-Kurdistan. In ihrem Programm fordert die Partei das Selbstbestimmungsrecht für die KurdInnen.

1942 erfolgt die Auflösung dieser Partei. Am 16.09.1942 gründet sich die "Auferstehungspartei Kurdistans", kurz JEKAF. Ihr politisches Programm lautet: "Was man den KurdInnen durch Gewalt weggenommen hat, können die KurdInnen nur durch Gewalt zurückbekommen". Umbenennung der JEKAF in die Demokratische Partei Kurdistans-Iran, I-KDP.

26.12.1939
Bei einem Erdbeben in der Nordkurdischen Provinz Erzincan (Südost-Türkei) sterben 32.372 Menschen. 135.000 Häuser wurden zur Trümmerhaufen.
Weitere Erdbeben in Kurdistan:
- 19.8.1966 Erbeben in Varto bei Mus. Über 3.000 Tote und 20.000 zerstörte Häuser.
- 24.11.1976 Bei einem schweren Erdbeben in Van kommen 3.837 Menschen ums
Leben. Über 100.000 kurdische Bauern und ihre Familien wurden obdachlos. Der
örtliche (türkische) Militärkommandant wird in einer Zeitung zitiert mit dem Satz: "Laßt
die Leute doch sterben, es sind ja nur Kurden".
- 30.10.1983 Erdbeben in Erzincan. 1.331 Tote und Tausende von Verletzten.
- 13.03.1992 Erdbeben in Erzincan. 653 Tote Tausende Verletzte und obdachlose
kurdische Familien.

1943 bis 1945
Mullah Mustafa Barzani gelingt die Flucht aus dem Arrest in Sulaimania, Süd-Kurdistan. Er organisiert neue Aufstände, die sich bis nach Ost-Kurdistan ziehen. Er legt der Regierung in Bagdad ein Memorandum vor, in dem kulturelle und wirtschaftliche Interessen der KurdInnen sichergestellt werden sollen. Bagdad lehnt ab. Erneut folgen irakisch-britische Angriffe auf die kurdischen Gebiete, gegen welche die kurdische Peschmerga ("die für die Freiheit sterben") standhalten können.
1944 kommt es zu einem Waffenstillstand. 1945 flammen die Kämpfe erneut auf, und im September muss sich die Peschmerga, unter Führung Barzanis, mit ihren Familien nach Ost-Kurdistan zurückziehen.

1946
Aufhebung des Kriegszustandes in den kurdischen Provinzen in Nordwest-Kurdistan.

22.01.1946
Gründung der bisher einzigen kurdischen Republik Mahabad in Ost-Kurdistan. Es wird ein Kabinett aufgestellt und alle Geschäfte einer regulären Regierung aufgenommen. Präsident wird Qazi Mohammed. Mustafa Mullah Barzani ist Verteidigungsminister.
Als im November 1946 jedoch die sowjetische Armee, Schutzpatron der Republik Mahabad, ihre Stellungen in Ost-Kurdistan verläßt, dringt am 16.12.1946 die Armee des Schahs von Persien in Mahabad ein. Qazi Mohammed und weitere Mitglieder der kaum ein Jahr existierenden kurdischen Republik werden von iranischen Militärs am 31. Mai 1947 erhängt. Barzani flieht mit mehreren hunderten Kämpfern an der iranisch-türkischen Grenzen in die Sowjetunion, wo er viele Jahre im Exil verbringt.

16.08.1946
Am 16. August wird von Vertretern der kurdischen Intelligenz und dem städtischen Kleinbürgertum in Süd-Kurdistan die "Kurdische Demokratische Partei" PDK gegründet. Barzani wird, trotz Abwesenheit, zum Vorsitzenden gewählt. Von Anfang an gibt es innerhalb der Partei unterschiedliche Bestrebungen über die Zukunft Kurdistans: die einen, die eine kurdisch-arabische Bruderschaft innerhalb des Iraks anstreben, die anderen, die auf eine überregionale Lösung der Kurdenfrage hinarbeitet.

1950 / 51
Kurdische Familien aus Dörfern in der Region Wan werden zwangsdeportiert. In ihren Häusern werden türkische Familien aus Bulgarien und Jugoslawien angesiedelt.

23.02.1955
Bagdad-Pakt zwischen Türkei, Irak und Iran. Gemeinsame Militäroperationen gegen jede kurdische Befreiungsbewegung wurden darin vereinbart. Anfang April tritt England dem Abkommen bei. Die USA nehmen bei den Treffen einen festen Beobachterstatus ein.

1956
Der in einer unzugänglichen Gebirgsregion nördlich von Kermanshah, nahe der irakischen Grenze lebende Stamm Djuwanroj widersetzt sich den Anordnungen der Zentralregierung in Teheran. Mit massiven Militärkräften incl. Luftwaffe wird der Stamm in die Berge vertrieben, ihre Festung wird bombardiert und völlig zerstört.

1956
Nach dem Beispiel der PDK-Irak wird in Syrien die "Kurdische Demokratische Partei-Syrien" von Intellektuellen, Bauern und Arbeitern gegründet. Ziel war die Anerkennung der Kurden als ethnische Gruppe, eine Landreform und eine demokratische Regierung in Damaskus.
Eine große Anzahl der Verantwortlichen der PDK-Syrien werden 1959 verhaftet. Die Partei besteht weiterhin, spaltet sich aber aufgrund großer politischer Differenzen in viele Untergruppen und bleibt politisch wirkungslos.

1958
Sturz der Monarchie im Irak. Die neue Regierung unter Qasim macht Konzessionen an die KurdInnen. Barzani kehrt aus dem sowjetischen Exil in den Irak zurück.

1959
Ein militanter Flügel der PDK-Iran beginnt in der Gegend um Mahabad, Banah und Sardascht mit dem Guerillakampf. Mustafa Barzani von der Schwesterpartei (PDK-Irak) stellt sich an die Seite des Schah und bekämpft die Mitglieder der PDK-Iran.

27.05.1960
Am 27. Mai 1960 putscht das Militär unter Führung von General C. Gürsel gegen die korrupte Regierung von Menderes, der hingerichtet wird.
Eine neue Verfassung, die liberaler ist als die vorherige, wird verabschiedet, garantiert aber keine erweiterten Rechte für die KurdInnen. "Kürtcülük", so wird in der türkischen Sprache der sogenannte "kurdische Separatismus" genannt, wird zum Staatsverbrechen erklärt.


Beginnende kurdische Widerstände nach dem 2. Weltkrieg

1961
Der kurdischen Bewegung in Süd-Kurdistan wird "Separatismus" vorgeworfen, es folgen erste Verbote von kurdischen Zeitungen. Der Generalsekretär der PDK wird wegen einer Rede vor Studierenden in Bagdad festgenommen. Barzani zieht sich in die Region Barzan, die Berge nahe der türkisch-irakischen Grenze zurück.

11.09.1961
Am 11. September beginnt der bewaffnete Aufstand in Süd-Kurdistan, der nach und nach zu einer Volksbewegung der nationalen Befreiung wird. Die irakische Luftwaffe beginnt mit massiver Bombardierung kurdischer Dörfer.

23.08.1962
Die Regierung in Damaskus erläßt das Gesetzesdekret Nr. 93, wonach eine außerordentliche Volkszählung in der Provinz Djazira zulässig ist. Als Ergebnis werden 120.000 KurdInnen zu "Fremden" erklärt. Die syrischen Staatsbürgerrechte werden ihnen entzogen.
Um der "kurdischen Gefahr" entgegenzutreten, entwickelt die Regierung Pläne für die Einrichtung eines "arabischen Gürtels". Danach soll die ganze kurdische Bevölkerung, die entlang der türkischen Grenze lebt, auf einem 280 km langen Gebiet, 15 km breit, umgesiedelt und durch arabische Bevölkerung ersetzt werden.

08.02.1963
Am 8. Februar putscht die "panarabische" Baath-Partei, stürzt General Qasim und übernimmt die Macht in Bagdad. Provisorischer Waffenstillstand an der kurdischen Front.
Im Juni beginnt die irakische Armee eine neue Offensive gegen die kurdische Bewegung. Luftwaffe und Armee von Syrien (Regierung wird ebenfalls von der Baath-Partei gestellt) unterstützen die irakische Armee gegen die KurdInnen.

März 1963
Baath-Partei unter Führung von Michel Aflaq übernimmt die Macht in Syrien. Die Lage der KurdInnen verschärft sich. Im November veröffentlicht der Leiter der Provinz Djazira, eine Studie mit einem 12-Punkte-Plan für eine "Säuberungspolitik".

10.02.1964
Am 10. Februar wird mit Oberst Aref ein Waffenstillstand, der die nationalen Rechte der Kurden in Süd-Kurdistan anerkennt, vereinbart. Das führt zu Streitigkeiten innerhalb der PDK-Irak.
Das politische Büro der PDK-Irak, unter Leitung von Jelal Talabani und Ibrahim Ahmed (Schwiegervater von Talabani) kritisiert Barzani. Der beruft daraufhin einen eigenen Kongreß ein und ernennt ein neues Politbüro. Das ursprüngliche Politbüro spaltet sich ab, und seine Mitglieder fliehen nach einem Angriff von Barzani-Peschmerga nach Ost-Kurdistan.
Die Gruppe um Talabani kehrt schließlich nach Süd-Kurdistan zurück und richtet sich in der südlichen Provinz Silemani, dem sorani-sprachigen Gebiet Südkurdistans, ein. Seitdem kommt es immer wieder zu innerkurdischen Kämpfen der beiden Parteien.

1965
Zum ersten Mal dürfen ausländische Besucher nach Nordwest-Kurdistan einreisen. Die Region war seit 1925 "für Ausländer verbotenes Militärgebiet".

1965
Gründung der Kurdischen Demokratischen Partei der Türkei, PDK-Türkei. Schon ein Jahr später werden die beiden Vorsitzenden, Faik Bucak und Sait Elci, durch Agenten des türkischen Geheimdienstes ermordet. 1970 kommt es zu einer Spaltung. Nach einer weiteren Spaltung 1979 verliert die Partei weitgehend an Bedeutung und nimmt bis heute am politischen Geschehen der KurdInnen überhaupt nicht teil.

1967
Das "Gesetz zur Kulturpflege" bestimmt ein Verbot kurdischer Literatur und Musik in Nordwest-Kurdistan.

1967 / 68
Spaltung innerhalb der PDK-Iran: Eine von den Ideen der weltweiten nationalen Befreiungsbewegungen, besonders von Che Guevara beeinflusste Gruppe kritisiert die passive Haltung der Partei und deren enge Anbindung an die PDK-Irak, die massive Unterstützung vom persischen Schah erhält.
Die Gruppe kehrt in den Iran zurück und bildet bewaffnete Guerillaeinheiten. In Frühjahr 1968 werden ihre führenden Kader, darunter der Priester Mala Avara, der Student Abdullah Moini und der Elektroingenieur Sharif Zadeh getötet. Die Peschmarga der PDK-Irak von Barzani beteiligt sich zusammen mit der persischen Armee aktiv an der Verfolgung der revolutionären Gruppe.

1969
Gründung der "Revolutionären Kulturvereinigungen des Ostens" (DDKO). Massives Vorgehen der türkischen Armee gegen diese Kulturvereinigungen in den folgenden Jahren.

11.03.1970
Am 11. März wird eine kurdisch-irakische Vereinbarung (Märzmanifest) über die "Autonomie Kurdistans" unterzeichnet. Laut Abkommen sollen fünf kurdische Vertreter Kabinettsminister in Bagdad werden. Eine Landreform soll durchgeführt werden. Gesundheitsversorgung und Erziehungswesen sollen auf die entlegensten Flecken ausgeweitet werden. An den Schulen sollen kurdisch gelehrt, eine kurdische Akademie der Wissenschaften gegründet werden.
Doch ist die Zentralregierung in Bagdad nach 2-3 Jahren nicht bereit, die kurdischen Forderungen nach Kontrolle der Erdölgebiete um Kirkuk und Kanaqin zu erfüllen. Die folgenden Jahre sind von ständigen Angriffen, Attentaten auf kurdische Führer und einer Politik der Arabisierung geprägt. Der Autonomiestatus Südkurdistans existiert de facto nicht.

1970
Hafiz Al-Assad wird Staatspräsident in Syrien.

1971
Der 1939 geborene türkische Soziologe Dr. Ismail Besikci befaßt sich seit 1961 wissenschaftlich mit der kurdischen Frage in der Türkei. Er verlor aufgrund seiner engagierten Forschungen 1971 seine Professur an der Universität Ankara. Im gleichen Jahr wurde er zum ersten Mal festgenommen. 1974 freigelassen, veröffentlichte er in den folgenden Jahren eine Vielzahl von Untersuchungen zur kurdischen Frage. Fast jede seiner Schriften wurde kriminalisiert und verboten.
Seit 1978 befand sich Besikci aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit mehr im Gefängnis als in Freiheit. Zuletzt wurden 1990 in einem Verfahren insgesamt 45 Jahre Haft gefordert. Weitere Strafverfahren gegen ihn sind anhängig. 1993 wurde er erneuert ins Gefängnis gesteckt und Oktober 1999 auf Bewährung freigelassen.

12.03.1971
Am 12. März putscht das Militär unter Führung von General Tagmac und Nihat Erim in der Türkei erneut. Linke Parteien und Organisationen werden verboten. Mehrere tausend Menschen werden verhaftet und eingesperrt.

1972
Deportation von mehr als 3.000 Bauern aus der Provinz Hakkari in Nordwest-Kurdistan ins westliche Anatolien.

1972
Gründung der ersten kurdischen Universität, nach der Vierteilung (1923), in Silemani in Süd-Kurdistan.


Aufkommende Freiheitsbewegung in Nord-Kurdistan

April 1972
Der kurdische Student aus Urfa (Riha) Abdullah Öcalan wird bei einer von ihm mitangeführten Protestaktion an der Ankara Universität gegen das Ermorden des türkischen Revolutionärs Mahir Cayan für sieben Monate festgenommen.

März 1973
Am kleinen Cubukcu-Stausee nahe Ankara trifft sich Abdullah Öcalan mit fünf weiteren kurdischen Studierenden. Es ist das erste Treffen für eine frühe Organisationsform, aus der später die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hervorgeht.

1974
Gründung der Sozialistischen Partei Kurdistans, Türkei (PSK-T) in Ankara. Herausgabe verschiedener Zeitungen in kurdisch und türkisch. Nach Verhängung des Ausnahmezustandes 1978 und dem Militärputsch 1980 stellt die Organisation in der Türkei ihre Arbeit ein. Die meisten Mitglieder gehen nach Europa ins Exil, wo sie heute unter dem Namen KOMKAR arbeiten.

März 1974
Im März verkündet Bagdad einseitig ein "Gesetz über die kurdische Autonomie", was aber weit weniger Rechte für KurdInnen vorsieht als 1970. Die KurdInnen lehnen es ab und der Krieg spitzt sich zu. Es kommt zu heftigen Kämpfen, bei denen irakische Artillerie zur Verstärkung der kurdischen Fronten angreift. Hunderttausende von Dorfbewohner fliehen in iranische Flüchtlingslager.

30.04.1974
Hinrichtung der 19-jährigen Leyla Kassim und vier weiterer Studierenden nach schweren Folterungen wegen "Begünstigung und Gutheißung der separatistischen Bestrebungen" in Süd-Kurdistan.

1975
Zwischen den kurdischen Städten Amouda und Derik Südwest-Kurdistan (syrischer Teil) werden in der Provinz Djazira 40 neue Dörfer gebaut. 7.000 arabische Bauernfamilien werden dort angesiedelt und bewaffnet. Seit 1968 haben mehr als 30.000 KurdInnen die Provinz verlassen und im Libanon oder im Landesinneren von Syrien versucht, eine neue Existenz aufzubauen.

05.03.1975
Algier-Abkommen zwischen Iran und Irak, die u.a. die Einstellung iranischer Waffenhilfe an die SüdkurdInnen unter Barzani beinhaltet. Daraufhin beginnt Bagdad eine mörderische Offensive am 8. März. Der kurdische Widerstand bricht zusammen.

01.06.1975
Am 1. Juni wird in Berlin-Dahlem die Patriotische Union Kurdistans, YNK, gegründet. Vorsitzender der YNK ist seitdem Jalal Talabani.

1975
Entlang der iranischen und türkischen Grenze wird ein zehn bis zwanzig Kilometer breiter Streifen von den irakischen Behörden menschenleer gemacht. Ganze Dörfer werden evakuiert. Die südkurdische Bevölkerung wird in strategischen Dörfern oder Lagern angesiedelt. Junge Kurden, unterstützt von städtischer Intelligenz, organisieren in den Bergen unabhängig von der PDK den bewaffneten Widerstand gegen die Deportationen.

1976
der Chef von der PDK-Iran, Abdul Rahman Ghassemlou, lässt sich im Pariser Exil nieder, wo er bis 1978 bleibt. Während dieser Aufenthalt versuchte er Kontakte mit den Verantwortliche anderer Oppositionellen erstellen.

1976
Die Gruppe um Abdullah Öcalan, die sich als "Revolutionäre Kurdistans" bezeichnen, öffnet sich nach der "Dikmenversammlung" im Frühjahr von Ankara aus nach Kurdistan. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt nun dort.

1977
Die "Revolutionäre Kurdistans" verlieren ihren ersten Weggenossen: Aydin Gül in Dersim.
Am 18. Mai wird Haki Karer, Türke, Internationalist und ein wichtiger ideologischer Kopf der Bewegung, in Dîlok (Antep) von einer kurdischen kollaborierenden namens Sterka Sor ermordet.

1977
Gründung der KUK (Partisanen der Nationalen Befreiung Kurdistans) und Gründung der Partei "Rizgarî" (Befreiung) in Nordwest-Kurdistan.

1. Mai 1977
Bei der größten 1. Mai-Demo in der Geschichte der Türkei werden 37 Menschen durch Angriffe türkischer Counterguerillakräfte getötet.
In der Türkei und in Nord-Kurdistan sterben Ende der 70er Jahre bei politischen Auseinandersetzungen zwischen revolutionären und faschistischen Kräften täglich bis zu 20-25 Menschen.

1978
Der alte Mullah Mustafa Barzani zieht sich, schwer an Krebs erkrankt, in die USA ins Exil zurück. Er stirbt dort 1979. Seine Nachfolge treten seine Söhne Idris und Masud Barzani an. Nach dem Tod von Idris Barzani 1987 führt Masud Barzani die PDK-Irak allein.

27.11.1978
Am 27.11.1978 wird die Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK (Partîya Karkêren Kurdistan) im Dorf Fis bei Landkreis Lice in Diyarbakir vollzogen. Vor der Gründung wurde die Partei als "Revolutionäre Kurdistans" oder "Apocular" bezeichnet, die von 1973 bis 1977 ideologisch, politisch und soziologische Untersuchungen zu der kurdischen Gesellschaft durchführten. Gründer, Vorsitzender, Stratege und Ideologe der PKK ist seit der Gründung Abdullah Öcalan.

23.12.1978
Massaker in Marasch an KurdInnen alewitischer Glaubensbekenntnis durch türkische Faschisten (Graue Wölfe), die vom türkischen Geheimdienst unterstützt wird. Bis zu 1000 Menschen werden bestialisch ermordet. Wenige Tage später wird der Ausnahmezustand in acht kurdischen Provinzen verhängt.

Ende 1978 / 1979
Widerstand von Siverek und Hilvan der PKK. Feudale Aghas werden in vielen Gefechten durch kurdische Revolutionäre angegriffen. Die Bevölkerung unterstützt sie in großer Zahl. Die PKK wird zu einer Massenbewegung.

01.02.1979
Die revolutionäre Bewegung im Iran hat großen Zulauf in Ost-Kurdistan. Volksaufstände und Guerilleros breiten sich Ende der 70er rapide aus. So wird kurz vor der Revolution die Garnison von Sardascht (Ost-Kurdistan) von den KurdInnen erobert.

Februar 1979
Der Schah von Persien wird gestürzt. Ajatollah Khomeini übernimmt die Macht. Wie viele andere Oppositionsgruppen des Landes haben die KurdInnen gehofft, unter der neuen Regierung der Mullahs mehr Autonomie zu erlangen; doch werden ihre Erwartungen enttäuscht. Bis zur Machtübernahme der Mullahs haben die KurdInnen sie unterstützt. Khomeini selbst hatte zunächst den ihm zur Seite stehenden Volksgruppen mehr Rechte zugesagt.
Als sich das Regime in Teheran konsolidiert, geht die Armee gegen die KurdInnen vor. Vor allem Anfang der achtziger Jahre mehrere zehntausend KurdInnen den Kämpfen zum Opfer.

14.02.1979
Eine aus 5 Repräsentanten verschiedener Parteien und Stellvertretender bestehende kurdische Delegation trifft sich mit dem Sekretär von der nationalen Front Irans Darius Faruhar. In diesen Verhandlungen stellen die kurdischen Delegierten ihre Forderungen, die sogenannten "sechs Punkte von Mahabad", in denen Autonomie für die kurdischen Regionen gefordert wird.

18.-22. März 1979
Die Soldaten der Garnison von Sanandaj (Ost-Kurdistan) öffnen das Feuer auf die Menge, die Newroz feiern und für ihre Freiheit demonstrieren. Bei der Auseinandersetzungen sterben 178 Menschen.

3.08.1979
Wahlen der "Experten Versammlung" in Iran, die die Verfassung überprüfen soll. A.R. Ghassemlou wird gewählt, darf aber an der Versammlung nicht teilnehmen, da er Laizist ist. In den anderen kurdischen Regionen wie Kurdistan und Kermanschah sind die Wahlergebnisse gefälscht.

17.08.1979
Khomeini erklärt die KurdInnen als untreu und revolutionsfeindlich. Nach dieser Erklärung fangen die Massaker gegen die kurdische Bevölkerung an. Khomeini verdient sich damit den Namen "Metzger von Kurdistan".

23.081979
Die iranische Armee fängt mit der Bombardierung kurdischer Städte an. Am 23. August wird Sakez, am 1. September Bokan, am 2. September Piranschar, am 3. September Mahabat und am 6. September Sardascht angegriffen.

07.08.1979
Die Kämpfer der PDK-Irak schiessen in Unschu (Ost-Kurdistan) auf die demonstrierende Menge. Es gibt mehrere Tote. Die Demonstration wurde von der PDK Iran organisiert.

2. und 3. Dezember 1979
Referendum über die Verfassung der islamischen Republik Irans. Die Verfassung erklärt den Schiismus als die offizielle Religon Irans und lässt keine Form von Autonomie für ethnische und religiöse Minderheiten zu.

Frühling 1980
Die reguläre Armee Irans marschiert in die kurdische Regionen. Am 6. Juni erklärt Iran, daß die kurdische Frage gelöst sei. Ab diesem Datum kündigt die PDK-Iran den Guerillakrieg an. Die Spaltung und Schwächung der PDK-Iran beginnt aber auch damit gleichzeitig.

12.09.1980
Am 12 September 1980 putscht das Militär unter General Kenan Evren zum dritten Mal in der Türkei. Der Putsch wird unterstützt von der NATO und den USA. Die NATO stationiert anschließend schnelle Eingreiftruppen im Herzen Kurdistans, in Van und Batman.
Evren begründet den Putsch mit: "zu den Quellen des Kemalismus zurückzukehren" zu wollen und "die separatistische Umtriebe zu bekämpfen".
Der Putsch richtet sich eindeutig gegen die aufkeimende kurdische Befreiungsbewegung und gegen linke und kommunistische Kräfte. Tausende von politischen Gefangenen werden gefoltert und zum Tode verurteilt. Die PKK ziehte sich schon ein Jahr zuvor teilweise aus Nord-Kurdistan in den Libanon zurück, nach dem Putsch werden alle Gruppen ins Ausland gerufen. Türkische oppositionelle Gruppen gehen auch ins Exil, die meisten nach Europa.

22.09.1980 bis 18.07.1988
Beginn des ersten Golfkrieges zwischen Irak und Iran, der vor allem auf dem Gebiet der KurdInnen tobt. 1987: Durch die Unterstützung der kurdischen Peschmergatruppen erringt das iranische Militär in den Jahren 1982 an der Nordfront einen Sieg über die irakischen Truppen. Bagdad revanchiert sich schon nach 1-2 Jahren mit Giftgasangriffen auf das Hauptquartier der YNK und auf dutzende Dörfer in Süd-Kurdistan.

1981
Streitigkeiten zwischen der YNK und der KDP-Irak bestimmen die politische Landschaft in Süd-Kurdistan. 1981 kommt es sogar zu bewaffneten Zusammenstöße zwischen beiden Parteien.

21.03.1982
Mazlum Dogan, M