| Entstehung
der Hochkulturen in und um Mesopotamien
Ab
10.000 v.u.Z. (vor unserer Zeitrechnung)
Im sogenannten "Fruchtbaren Halbmond" entstehen die Grundlagen
der Zivilisation, des Ackerbaus und der Viehzucht (neolithische Revolution).
Die Sesshaftigkeit wird mit der Zeit typisch für die Wohn- und Siedlungsweise;
Dörfer und Städte, Tempeln und Festungen werden errichtet und
Bewässerungsanlagen angelegt.
10.000
v.u.Z.
Aus dieser Zeit stammt die bisher erste nach gewiesene menschliche Siedlung
bei Riha (Urfa) ab.
8000
v.u.Z.
Erste archäologische Nachweise für die Landwirtschaft gehen
auf diese Zeit zurück. Erste Tiere wie das Schaf, die Ziege und der
Hund werden um diese Zeit domestiert.
6000
v.u.Z.
Das erste bisher festgestellte Bewässerungssystem wird in der Gegend
um Halabja (Süd-Kurdistan) konstruiert.
3000
v.u.Z.
Die Hochkultur der Sumerer, die erste der Menschheitsgeschichte, entwickelt
sich in Unter-Mesopotamien um die Stadt Uruk.
Die Sumerer stammen aus dem Zagros-Gebirge ab und bilden bis zum Einfall
der Akkader im 24. Jh. v.u.Z. einen losen Staatenbund aus autonomen Städten.
3000
v.u.Z.
Das Metall Bronze wird von den Menschen verwendet. Die erste Schrift der
Menschheit, die Keilschrift, wird von den Sumerern benutzt.
3.
Jahrtausend v.u.Z.
Im Zagros- und Osttaurus-Gebirge treten die indo-europäischen Völker
und Stämme der Gutäer, Lulubäer u.a. auf die Geschichtsbühne
auf. Diese stehen sich der Abstammung nach sehr nahe. Diese sind diejenigen
Völker und Stämme, aus denen in den nachfolgenden Jahrhunderten
die Hurri-Mitanni, Kassiten, Nairi, Urartu, Meder usw. abstammen, die
mit den heutigen KurdInnen in Verbindung gebracht werden. Die Letztgenannten
prägen und formen die heutige kurdische Kultur, wobei noch mit besonderem
Vermerk zu erwähnen ist, dass im Laufe der Geschichte viele andere
Völker und Stämme durch Kurdistan gezogen sind, die ihre Spuren
hinterlassen haben und die auch die heutige kurdische Kultur beeinflussen.
Die KurdInnen können wir auch als die Erben vieler im Laufe der Geschichte
"verschwundenen" verstehen.
28./27.
v.u.Z.
Das Gilgamesch-Epos entsteht in der Herrschaftszeit der Sumerer. Es beschreibt
die Beziehungen zwischen der Ebene von Mesopotamien und der gebirgigen
Zagros-Region. Es ist zugleich die Suche des mächtigsten Königs
seiner Zeit, Gilgamesch, nach dem Unendlichen. Dieses Epos ist das älteste
literarische Zeugnis der Menschheit. Niedergeschrieben
wurde es ab 1900 bis 1200 v.u.Z. von den Babyloniern und anderen Völkern.
24.
Jh. v.u.Z.
Die aus dem Süden (Südarabische Halbinsel bzw. heutiges Sudan)
kommenden Akkader semitischer Abstammung erobern das Land der Sumerer.
2150-2050
v.u.Z.
Die aus dem Zagros-Gebirge stammenden Gutäer erheben sich in einem
Bündnis mit anderen Zagros-Völkern und Stämmen fortwährend
gegen die Angriffe der Akkader, besiegen sie schließlich und bildeten
eine ca. einhundert Jahre andauernde Vorherrschaft im heutigen Unter-Mesopotamien.
2113-2005
v.u.Z.
Die Sumerer gründen zum letzten Mal einen Staat im Süden Mesopotamiens,
der 2005 vom Zagros-Stamm der Elamiten eingenommen wird. Diese bleiben
bis etwa 1980
dort.
2050
v.u.Z.
Die Akkader vertreiben die Gutäer und kehren nach Mittel-Mesopotamien
zurück.
2000
v.u.Z.
Die Sumerer erwähnen in überlieferten Tableaus die "Karda"
und die "Qurti", die aus dem Zagros-Gebirge stammen.
2000
v.u.Z.
Die Assyrer gründen ihren ersten Staat, den Altassyrischen Staat.
Dieser betreibt schon damals verstärkt Handel in Mesopotamien und
Anatolien. Sie errichten erste Handelsniederlassungen.
1984
v.u.Z.
Die semitischen Babylonier werden zum alleinigen Herrscher über Süd-
und Mittel-Mesopotamien. Dieser Staat erlebt unter Hammurabi (1792-1750)
seinen Höhepunkt. Hammurabi verkündet die "Hammurabi-Gesetze",
die ersten systematischen Gesetze zur Bewässerung und Justiz.
19./18.
Jh. v.u.Z.
Die Hurriter erscheinen im östlichen Taurus-Gebirge und heutigen
Botan und bilden ein frühes Staatsgebilde.
Die Zeit der Gleichgewicht von Mittelmächten
1600
v.u.Z.
Das Hurri-Mitanni Reich wird in Ober-Mesopotamien gegründet. Es umfasst
fast ganz das heutige Nord-Kurdistan.
Die aus dem Zagros stammenden Kassiten erobern Süd-Mesopotamien (Babylonien)
und errichten eine Herrschaft von vierhundert Jahren mit einer großen
aufblühenden Kultur, die sich aus der kassitischen und babylonischen
zusammensetzt.
Neben diesen beiden "vorkurdischen" Staaten gibt es im Nahen
Osten noch zwei sehr starke Staaten: Das Reich der Hethiter und das Ägyptische
Reich.
1200
v.u.Z.
Das Gleichgewicht wird aus verschiedenen Gründen zerschlagen: 1)
Die Seevölker aus dem Mittelmeer kommen 2) Die Assyrer erstarken
3) Keine Selbsterneuerung der Staaten - Stagnation
Neuorganisierung des Kräftegleichgewichts und die Eisenzeit
Ab
12. Jh. v.u.Z.
Nach der Auflösung des Hurri-Mitanni Staates bildet sich im Zagros-
und im Osttaurus-Gebirge die Konföderation der Nairi. Darin sind
auch die Hurriter und die Kassiten (sie zogen sich nach 1200 teilweise
wieder in die Berge zurück) organisiert.
12./11.
Jh. v.u.Z.
Die Assyrer gründen das Mittelassyrische Reich und erstarken im Nahen
Osten sehr schnell. Sie führen Feldzüge in die nördlichen
und östlichen Gebirge.
Ab
Ende 11. Jh. v.u.Z.
Das Assyrische Reich wird durch die Aramäer sehr geschwächt,
die sich für mehrere Jahrzehnte in ganz Mesopotamien ausbreiten.
In dieser Zeit können sich die Völker und Stämme der Gebirge
sich reorganisieren und an Stärke hinzugewinnen.
1012
v.u.Z.
Ein jüdischer Staat wird in Palästina gegründet. Dieser
teilt sich dann in zwei (Israel und Judäa). Dieser Staat wird durch
die Assyrer (722) und die Babylonier (587) erobert und verwüstet.
Durch diese Eroberungen werden die Juden zu Sklaven, die später 612
v.u.Z. mit der Zerschlagung des Assyrischen Reiches durch die Meder befreit
werden.
Anfang
9. Jh. v.u.Z.
Das Neuassyrische Reich wird gegründet. Es gewinnt in Kürze
an politischem Gewicht und dehnt sein Machtbereich in die Berge aus. Die
gegenüber früher besser organisierten Menschen des Zagros und
Osttaurus-Gebirge können sich erfolgreicher widersetzen.
900
v.u.Z.
Die Manni gründen im Norden des Zagros-Gebirge einen Staat.
Ende
10. Jh. / Anfang 9. Jh. v.u.Z.
Der Staat Urartu wird um den Wan-See aufgebaut. Die früher im losen
Staatenbund der Nairi organisierten Völker gehen teilweise in diesem
Staatsgebilde auf.
Die Urartäer haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen große
Ähnlichkeiten in ihrer Sprache, Lebensweise und Geographie mit den
Hurritern.
Könige
von Urartu:
Sardur I. um 840 - 830
Ischpuini um 830 - 820
Menua um 810 - 785
Argischti I. um 785 - 760
Sardur II. um 760 - 730
Rusa I. um 730 - 713
Von
folgenden Königen ist wenig bekannt: Argischti I., Rusa II., Rusa
III., Sardur III. und Sardur IV.
810-740
v.u.Z.
Urartu bringt die Assyrer in große Bedrängnis. Es ist jetzt
der stärkste Staat im Nahen Osten. Es erlebt mit seiner Hauptstadt
Tuspa bei Wan einen Hochglanz der Herrschaft.
Ab
740 v.u.Z.
Die Assyrer ziehen gegen erfolgreich gegen Urartu. Sie steigen jetzt zur
absoluten Macht im Nahen Osten auf. Bis zu seinem Ende reicht die Macht
des Assyrischen Imperiums bis nach Ägypten und Mittelanatolien.
10./9.
Jh. v.u.Z.
Die im heutigen Ost-Kurdistan lebenden Meder gründen ein neues Staatsgebilde,
das sich gegen die Assyrer zur Wehr setzt und in diesem Kampf erstarkt.
Erste historische Belege bezüglich den Medern stammen von den Assyrern
aus dem Jahr 835 v.u.Z. Ihre Hauptstadt ist Egbatana, das heutige Hamadan.
Sie leisten fast drei Jahrhunderte einen großen Widerstand gegen
die Assyrer, die ein großes Sklavenimperium errichteten, das zwischen
Erfolg und Niederlage hin und her ging.
750
v.u.Z.
Die erste persische Staatsform bildet sich heraus.
700
v.u.Z.
Im Westen Anatoliens werden die zwei Staaten der Lyder und der Phryger
gegründet.
Mitte
des 7. Jh. v.u.Z.
Fast der ganze Nahe Osten ist unter der Hegemonie der Assyrer (ganz Mesopotamien,
Zagros, Süd- und Mittelanatolien, Palästina-Syrien, Ägypten
und Mittelarabische
Halbinsel).
630
v.u.Z.
Zarathustra (Philosoph und Reformator) in Medien geboren. Seine Lehre
sind der monotheistische Glauben (Ahura Mazda) und ethischer Dualismus.
Für Zarathustra ist das Leben ein ständiger Kampf zwischen Gut
und Böse, Wahrheit und Lüge und Licht und Finsternis.
626
v.u.Z.
Der Neubabylonische Staat wird in Süd-Mesopotamien gegründet.
620
v.u.Z.
Die Skyther kommen aus dem Kaukasus in den Nahen Osten. Sie tragen mit
zur Zerstörung des Urartu-Staates bei und bringen zeitweilig auch
die Meder in sehr große Bedrängnis. Wenige Jahre danach verschwinden
sie wieder von der Bühne.
DAS MEDISCHE REICH
612
v.u.Z.
Die Meder erobern zusammen mit den Babylonier und zerstören die Hauptstadt
des assyrischen Imperiums, Ninive (Ninova). Dieses historische Ereignis
ging in die kurdische Geschichte ein als das Neujahrsfest Newroz (21.
März); dieses Fest symbolisiert den Aufstand der Kurden (hier Aufstand
Kawas; mythischer Held) gegen die tyrannische Herrschaft und dessen Zerschlagung.
Die Meder errichten das Reich Medien, welches sich von Ost-Iran bis Mittelanatolien
erstreckt. In diesem Prozess des Ausbreitens und Verschmelzens der Meder
mit den ansässigen iranischen Völkern (Urartu, Manni, Guti)
- dies begann teilweise im Zagros schon früher - war die Grundlage
für die Bildung der kulturellen, sprachlichen und territorialen Einheit
der Meder, welche die Basis für eine kurdische Zusammengehörigkeit
schufen.
Die
medischen Könige:
Deiokes 700 - 647
Phraortes (Keyfiribzer) 647 - 625
Kyaksares (Kyakser) 625 - 585
Astyages (Keyazdiyak) 585 - 550
585
v.u.Z.
Schlacht in Mittelanatolien am Halys (Kizilirmak-Fluß) der Meder
gegen die Lyder endet ergebnislos. Daraufhin wird Frieden geschlossen.
Nach einer Sage war eine Sonnenfinsternis der Grund für die Beendigung
dieser Schlacht.
560-550
v.u.Z.
Kriege der Meder in der Region um Harran gegen die Babylonier.
550
v.u.Z.
Die Perser unter König Kyros übernehmen u.a. durch den Verrat
des medischen Kommandanten Harpagos das Mederreich und gründen das
persische Achämenidenreich. Der Verrat des medischen Kommandanten
Harpagos ist entscheidend für die Niederlage von Astyages. Dieser
steht symbolisch für all die später stattfindenden Verrate und
Kollaborationen mit den Feinden der kurdischen Bevölkerung. Doch
mindestens genauso beeinflussend für den Untergang ist die Politik
des medischen Königs gegenüber seinen Fürsten, deren Kraft
er unterschätzt, weshalb diese ihm nicht beistehen, als Kyros die
Macht übernimmt.
Der gesamte Nahen Osten und das heutige Gebiet Kurdistans fällt unter
die Herrschaft der Perser. Trotzdem haben die Meder im Achämenidenreich
eine nicht unbedeutende Stellung in der Verwaltung.
Mit der Niederwerfung der Meder durch die Perser begann von nun an eine
Phase der Okkupation, Ausplünderung und der Kriege um Kurdistan.
401
v.u.Z.
Xenophon, ein griechischer Kommandant und Abenteurer, berichtet beim Durchmarsch
seiner Armee durch Nord-Kurdistan von seinen Erlebnissen. Er berichtet
von den "Karduchen". Sie werden bei ihrem Marsch von Unter-Mesopotamien
bis zum Schwarzen Meer von ihnen so angegriffen, dass sie große
Verluste hinnehmen müssen.
Diese Berichte des Xenophon ist für die heutige kurdische Geschichtsforschung
eine wichtige Quelle ("Anabasis").
331
v.u.Z.
Alexander der Große besiegt das persische Reich. Kurdistan fällt
unter hellenische (griechische) Herrschaft. Nach seinem Tod 323 v.u.Z.
wird sein Reich in mehrere Satrapate aufgeteilt. Eines davon ist das Satrapat
Medien.
Die Großmächte der Parther und Römer
250
v.u.Z.
Im Iran gründen die vom südlichen Kaspischen Meer kommenden
Parther einen zentralen Staat. Dieser bringt in kürzester Zeit fast
den ganzen Nahen Osten unter seine Herrschaft.
1.
Jh. v.u.Z.
Erwähnung der Kyrtii in der Geographie des lateinisch schreibenden
Strabon
60
v.u.Z.
Die Römer, die im Westen ein Großreich gegründet hatten,
okkupierten die gesamte Region um das Mittelmeer. Beginn der römischen
Kolonisierung des Nahen Ostens. Die Römer gelangen bis zum Zagros-
und Osttaurus-Gebirge.
50
v.u.Z. - 200 n.u.Z.
Die Parther und die Römer führen viele ihrer Kämpfe und
Kriege in Kurdistan.
Das Sassanidische Reich
227
n.u.Z. (nach unserer Zeitrechnung)
Die Parther werden von den Sassaniden besiegt und das Sassanische Reich
wird
gegründet.
3.
Jh. n.u.Z.
Der Zeichner und Religionsstifter Mani verbreitet im Iran eine neue Schriftreligion
(Manichäismus). Diese vereinigt in sich das Christentum, den Zorosatrismus
und Buddhismus und formt eine augeprägt tolerante Religion. Es beeinflusst
den sassanidischen Herrscher sehr und hat eine große Anhängerschaft
in der Bevölkerung. Doch eine Intrige des nachfolgenden Herrschers
in Zusammenarbeit mit der zorostrischen Priesterschaft führt zum
Tod von Mani.
260
bis 630 nach unserer Zeitrechnung (n.u.Z.)
Das römische Reich und die persische Sassaniden Dynastie bekämpfen
sich ununterbrochen um die Vorherrschaft. Der Krieg findet hauptsächlich
auf kurdischem Siedlungsgebiet statt. Der ständige Kriegszustand
zwang die Kurden sich in die Berge zurückzuziehen, wo sie Schutz
für ihre Existenz fanden.
5.
bis 7. Jh. n.u.Z.
Das oströmische Reich bzw. Byzanz weiten teilweise nach Nord-West-Kurdistan
aus. Gewisse Gebiete kommen unter ihren Einfluß.
ARABISCH-ISLAMISCHE EROBERUNG und kurdischer Widerstand
6./.
Jh. n.u.Z.
Die Kirche der Christen in Kurdistan (Assyrer und Kurden) spaltet sich
wegen politischem und militärischem Druck von der in Konstantinopel.
Dies begünstigt auch den späteren Sieg der Araber in Kurdistan.
637
n.u.Z.
Die Eroberungswelle der arabischen Herrscher breitet sich unter dem Khalif
Ömer II. vor allem nach Kurdistan aus. Die bis dahin zumeist zarathustrischen
KurdInnen und Perser werden fortan zwangsislamisiert.
Die kurdische Bevölkerung kämpft jedoch bis weit ins 9./10.
Jh. gegen die gewaltsame Islamisierung und beteiligt sich an zahlreichen
Aufständen gegen die islamische Zentralregierung in Damaskus. Besonders
die bergigen Gebiete im Nord-Westen Kurdistans leisten erbitterten Widerstand,
während die im Süden an der Grenze zu den Arabern lebenden KurdInnen
schnell unter die arabische Kontrolle geraten.
Der Islamisierungsprozess hatte in den folgenden Jahrhunderten neben kulturellen
Einflüssen vor allem eine starke Feudalisierung der kurdischen Gesellschaftsstrukturen
zur Folge.
Obwohl sich Gemeinden anderer Glaubensrichtungen (Yeziden, Christen, Alewiten,
Juden) innerhalb der kurdischen Gesellschaft erhalten haben, wurde der
Islam zum
bestimmenden Faktor und prägenden Element der Traditionen und Lebensweise.
Ein auf ein Stück Leder geschriebener Text ist die erste schriftlich
überlieferte Spur der
kurdischen Literatur:
Die
grausamen Araber zerstörten
Die Dörfer der Arbeitenden bis zum Scharizur
Die Frauen und die Mädchen sind gefangengenommen
Die tapferen Männer wälzen sich im Blut
Die Riten des Zarathustra blieben verlassen...
7.
bis 10. Jh.
Der Widerstand der KurdInnen gegen die arabisch-islamischen Eroberer entfacht
trotz der Brutalität und der Niederschlagungen immer wieder auf.
Dutzende Aufstände finden in dieser Zeit statt.
Ein Massaker im Fürstentum Hakkari zeigt deutlich die Brutalität
der Eroberer: Hunderte Menschen werden entlang der Straße 25 km
lang von Meledi (Malatya) nach Mossul gekreuzigt.
Weitere
(lokale) Aufstände der KurdInnen:
- 637 Mossul Aufstand
- 642 Sehrizor Aufstand
- 645 Balasagan Aufstand
- 657 - 692: "chawaridschi" oder "charidschien" Aufstand
- 708: Aufstand in Ost-Kurdistan
- 744-746 Sehrizor Aufstand
- 746 Ebu Müslim Horasani
- 777 El-Mukanna Aufstand
- 793 Cizre Aufstand
- 833 Maziyar Aufstand
- 833-838 Cafer Bin-Faharces Aufstand
- 867 - 879: Yakub-al-saffar Aufstand
- 839 - 840: Aufstand unter dem kurdischen Fürst Cafar Hasan Desimi
gegen die Zentralacht und den Neuglauben
- 9 Jh. Jahrzehntelange Karmati Aufstände
- 906 Halbani Aufstand
- 951 Seddadi Aufstand
746
- 750
Der aus dem Osten Kurdistans (Horasan) stammende Ebu Müslim Horrasani,
ein Fürst und Kommandant, bezwingt die Dynastie der Omajjaden in
Zusammenarbeit mit den Abbassiden und nimmt 746 n.u.Z. Damaskus ein. Doch
zieht er sich kurze Zeit später zurück, obwohl er die Stelle
des Khalifen hätte einnehmen können. Horasani steht sowohl politisch
und militärisch als auch in religiöser Hinsicht in Widerspruch
mit dem arabischen Islam. Er bildet mit Horasan das Zentrum des Widerstandes.
Die neue arabische Dynastie der Abbassiden ab 750 nimmt dabei Horrasani
durch ein Komplott gefangen und lässt ihn umbringen.
Ebu Müslim Horasani gilt weiterhin als eine wichtige Stütze
zur Herausbildung des heutigen Alewitismus.
ab
750
In der Abbassidenzeit werden die Ländereien höheren Offizieren
und Staatsbeamten "als Besoldung überlassen" mit dem Nutzungsrecht,
das ihnen vom Kalifen verliehen wurde. So werden staatsabhängige,
herrschende Großgrundbesitzer und Aristokraten geschaffen, die nicht
nur von den Arabern gebildet werden, sondern auch von anderen Völkern.
In dieser Zeit kommen in Kurdistan die ersten Ansätze einer feudalen
Großgrundordnung auf. Es tritt auch eine neue Klasse auf: die religiös
Privilegierten.
Natürlich sind aber auch noch Überreste der vorfeudalistischen
Ordnung nach wie vor vorhanden.
Die Aufstände können wir in drei Ausrichtungen unterscheiden:
1) Aufstand der kurdischen Fürsten und lokalen Großgrundbesitzer
2) Aufstand der kurdischen Bauern und Massen. 3) Aufstände gegen
den Islam. Motiv: Zurück zur alten Religion (u.a. Yeziden)
Folgende Aufstände der Bauern und Sklaven richten sich gegen die
arabischer Besatzer und die lokalen Großgrundbesitzer und Aristokraten:
- 816 - 837: Babak- Aufstand. Babak - sowohl religiöser Reformator
als Organisator - wollte eine Gemeinwesen-Gesellschaft errichten. Religiöse
Wurzel stammen von der Lehre Mazdaks. Aufstand greift auch nach Aserbaidschan
über.
- 868 - 883: Sklavenaufstand. Ein von den versklavten Schwarzen in Basra
erhält große Unterstützung durch die kurdischen Massen.
Anführer ist der Perser Ali Ibni Mohammed, gab sich als Nachkomme
Alis und "Fatima aus.
9.
Jh.
Die Byzantiner liefern sich verstärkt Kämpfe mit den Arabern
um die Vorherrschaft in Nord-West-Kurdistan. Ab dieser Zeit schwächt
sich die Herrschaft der Araber über Kurdistan u.a. deswegen langsam
ab.
Schwächung der Vorherrschaft der Araber und erste kurdische Fürstentümer
Ab
10. Jh.
Das Großgrundbesitzertum und die Aristokratie bilden sich weiter
heraus, festigen Besitzerverhältnisse und ökonomische Grundlagen.
Es gab Bestrebungen der kurdischen Machthaber, sich von der abbassidischen
Zentralregierung unabhängig zu machen. Jetzt haben die Aufstände
gegen die Araber auch Erfolg. Es entstehen mehrere kurdische Dynastien
mit weitreichender Autonomie:
- 950 - 1095: Die Hassanovid-Dynastie umfasste die Gebiete von fast ganz
Süd und
Ost-Kurdistan. Der König Badr-Hassanwaih (979-1014) gilt unter der
Bevölkerung als
relativ gerecht.
- 951 - 1164: Das Shaddadid-Königreich umfasste Teile Armeniens und
Teile Aserbaidschans. Sie verbünden sich mit den Byzantiner und Seldschuken.
- 990 bis 1096: Die Merwaniden bilden in Nord-West-Kurdistan von Wan bis
Riha (Urfa)
mit der Hauptstadt Meya Farqîn (Silvan) den größten kurdischen
Staat in dieser Zeit.
- Staat Banu-Annaz in Cibal (Süd-Kurdistan).
- Der Rewadi-Staat umfasst das ganze heutige persische Aserbaidschan.
Hauptstadt ist Tebriz.
Unter
diesen Dynastien - ein sichtbares Zeichen der Blütezeit des Aufkommens
des Feudalismus in Kurdistan - bilden sich bedeutende handwerkliche Zentren
und Handelsstädte. Geldwirtschaft wird erweitert und durch bargeldlosen
Zahlungsverkehr (Scheck, Gutschrift etc.) erleichtert.
Diese Entwicklung führt nicht zu einem zentralen kurdischen Staat,
weil sie ab dem 11. Jh. durch die türkischen und mongolischen Einfälle
und Zerstörungen abgebrochen wird.
Einfall von türkischen und mongolischen Stämmen im Nahen Osten
10
Jh.
Die ersten türkischen Stämme aus Mittelasien kommen in den Nahen
Osten. Sie nehmen schnell die überlegenere islamische Religion an
und werfen den Schamanismus über Bord. Zuerst werden die Stämme
zu Soldaten der arabischen Herrscher im Iran. Nachdem die Abbassiden-Dynastie
sich abgeschwächte, gewinnen sie an Einfluss.
Mitte
11. Jh.
Von ihren ursprünglichen Wohnsitz in Transoxanien ziehen die Seldschuken
(von den Oghusen in Turkestan abstammend) mit dem Stammesverband über
Persien und Mesopotamien nach Anatolien.
1055
Einzug der Seldschuken in Bagdad und Befreiung des Kalifen von der Herrschaft
der schiitischen Bujiden. Die Seldschuken übernehmen hier die Herrschaft
und werden vom Kalifen darin anerkannt.
1071
Die Seldschuken schlagen in der Schlacht von Malazgirt in Nord-Kurdistan
die Byzantiner. Alp Arslan (1069-1073) ist ihr Anführer.
Ab
etwa 1075
Das Reich der Großseldschuken wird unter Melikschah (1073-1092)
gegründet. Es wird zum mächtigsten Staat im Vorderen Orient.
Es umfasst Mesopotamien, Kurdistan, Mittelanatolien, den ganzen Iran und
teile Syriens. Es kann sich jedoch nicht lange auf den Beinen halten.
Die wenigen sich in Kurdistan und anderen Gebieten Mesopotamiens niedergelassenen
Seldschuken (hauptsächlich Soldaten) werden mit der Zeit von der
einheimischen Bevölkerung durch ihre höher entwickelte Kultur
assimiliert. Denn der Feudalismus und die Produktion ist in Kurdistan
zu dieser Zeit stark verbreitet.
Das Großseldschukenreich schwächt sich u.a. wegen der Gründung
des Ayyubiden
Reiches 1169 ab.
Mitte
/ Ende 12. Jh.
Das Reich der Seldschuken zerfällt und löst sich in Kleinfürstentümer
auf, von denen das Sultanat der anatolischen Seldschuken oder Rumseldschuken
mit der Hauptstadt Konya die wichtigste Herrschaftsbildung wird.
1176
Die Seldschuken schlagen entscheidend die Byzantiner und herrschen über
fast ganz Anatolien. Jetzt wird auch - u.a. durch die hohe Blüte
des Islams - der Grundstein für die einsetzende Türkisierung
Anatoliens gelegt.
11.
Jh.
In Ost-Kurdistan lebt Baba Tahir, einer der ersten und bedeutendsten kurdischen
Dichter. Von ihm sind jedoch wegen den ständigen Überfälle
und Besetzungen wenige Verse überliefert.
1187;
1169 - 1250
Der Kurde Sultan Selaheddin Ayyubi von der kurdischen Dynastie der Ayyubiden
(1169-1250) leistet den 3. Eroberungszügen der Kreuzfahrer (unter
Barbarossa) erfolgreich Widerstand und erobert am 2. Oktober 1187 Jerusalem
zurück. Dieser Sieg gilt als eine Vorentscheidung für die weiteren
Kreuzzüge.
Das Reich der Ayyubiden-Dynastie umfasst das Gebiet von Ägypten bis
Nord-Kurdistan. In der Zivil- und Militärverwaltung sind neben Arabern
auch viele Menschen kurdischer Herkunft.
Ab
etwa 1240
Die Mongolen ziehen in den Nahen Osten ein, erobern große Teile
von Kurdistan und hinterlassen grausame Verwüstungen. Hunderttausende
KurdInnen werden ermordet. Städte wie Bagdad, Kermansah, Hamedan
und Amed (1250) werden geplündert und niedergebrannt.
Viele kulturelle Hinterlassenschaften werden für immer ausgelöscht.
Auch die Natur Kurdistans wird nach den Feldzügen der Mongolen trockener
und öder.
Dass die KurdInnen keinen zentralen Staat und Armee besaßen, der
Widerstand hätte leisten können, erleichterte zusätzlich
die Feldzüge der Mogolen. Die kurdischen Provinzen wurden von mongolischen
Emiraten verwaltet.
Mitte
12. Jh. bis etwa 1300
Fast alle Staaten im Nahen Osten werden zu Vasallen der Mongolen.
Durch das Vordringen der Mongolen nach Westen ziehen die türkischen
Stämme vollständig nach Anatolien und bilden dort in vielen
Gebieten die Majorität. Zwei der wichtigsten in Kurdistan gebliebenen
Stämme sind die Akkoyunlar und die Karakoyunlar. Sie herrschen in
Kurdistan über viele Städte und Handelsrouten (Seidestraße)
bis zum Anfang des 16. Jh.s
1250
In Ägypten wird der Mamlukenstaat gegründet. Dieser existiert
bis 1517.
1300
Nach Abzug der Mongolen bildet sich im nordwestanatolischen Bursa der
Osmanische Staat unter Osman - dieser stand vorher in Diensten der Seldschuken.
Es weitete in kürzester Zeit seine Macht auf andere türkische
Fürstentümer aus. In wenigen Jahrzehnten kam West- und Mittelanatolien
unter die osmanische Kontrolle.
13./14.
Jh.
Im Iran herrscht die mongolische Dynastie der Ilchane.
1375
- ?
Die Gedichte und Prosa vom kurdischen Dichter Feqê Teyran aus Hakkari
erlangen zur
Berühmtheit in Kurdistan.
1389
Die Osmanen schlagen die Serben, womit sie in Europa fest Fuß fassen.
1400
Der mongolische Herrscher Timur aus Mittelasien erobert aus dem Osten
kommend fast ganz Vorderasien. Auch das osmanische Reich zerfällt
auseinander. Seine Verwüstungen, Zerstörungen und Plünderungen
übertreffen die ersten Mongolenstürme im 13. Jh.
1420
Nach dem Tod von Timur bündeln die Osmanen ihre Kräfte und gelangen
in kurzer Zeit zu ihrer alten Stärke. Ganz Anatolien, Griechenland
und viele Teile des Balkans waren um 1500 unter osmanischer Hegemonie.
1453 wird Konstantinopel, die Hauptstadt des Byzanz, eingenommen, womit
Byzanz von der Geschichtsbühne ganz verschwindet.
1407-1481
Der bedeutende Dichter Melayê Cizîrî aus Botan ist ein
wichtiger Name der kurdischen Literatur. Seine Gedichte handeln u.a. vom
Sufismus. Seine Kritik auch gegenüber den kurdischen Feudalherren
tritt besonders hervor.
1453
Die Osmanen erobern Konstantinopel, das spätere Istanbul, von den
Byzantinern, deren Staat für immer von der Geschichtsbühne verschwindet.
1502
Im iranischen Hochland wird der Staat der Safawiden gegründet. Es
steigt in den kommenden Jahrhunderten zum ständigen Rivalen der Osmanen
auf. Mit der Schaffung eines einheitlichen Staates und der Einführung
der Zwölferschia als Staatsreligion werden die Grundlagen des heutigen
Iran gelegt.
ab
1500
Kurdistan wird Schauplatz der Kämpfe zwischen dem Osmanischen und
Safawidenreich. Die Türken und Perser benötigen die dringende
Unterstützung der kurdischen Feudalherren. Die Osmanen schaffen es,
mittels des kurdischen Fürsten Idrisi Bitlisi - er ist die kurdische
Geschichte als "Volksverräter" eingegangen - die überwiegend
sunnitisch eingestellten KurdInnen an sich zu binden. Die wenigen im Südosten
Kurdistans lebenden schiitischen KurdInnen stehen den Persern nahe.
Zuvor allerdings versucht Idrisi Bitlisi und andere Fürsten im Jahre
1510 sich dem Safawidenreich zu nähern, doch dieses traut ihnen nicht
und lässt sie verfolgen, woraufhin sie die Fronten wechseln.
Wie
heraus geht, beginnen systematisch fremde Mächte schon im Mittelalter,
die KurdInnen auf Grundlage der verschiedenen Religionen und Konfessionen
zu teilen.
Eroberung Kurdistans durch die beiden Großmächte der Osmanen
und Safawiden
1514
In der Schlacht von Caldiran besiegen die Osmanen mit unersetzbarer Hilfe
der KurdInnen die Safawiden entscheidend. Fast ganz Kurdistan kam unter
die Herrschaft der Osmanen. Den sunnitischen kurdischen Stämmen wurde
am 9.8.1515 vertraglich ihre volle Autonomie zugesichert. Im Gegenzug
sollen die KurdInnen im Kriegsfalle Soldaten bereitstellen. Auch sollen
sie eine kleine Steuer abrichten. Damit bekommen sie aber gleichzeitig
die Möglichkeit, Steuer aus dem Handel in und über Kurdistan
einzunehmen. Da die Seidenstraße durch Kurdistan verläuft,
erhalten die kurdischen Feudalherren regelmäßig hohe Einnahmen.
Dies führt zur wirtschaftlichen Entwicklung dieser Gebiete.
Die politischen Zugeständnisse der Zentralregierungen an die kurdischen
Herrscherfamilien führten dazu, daß die kurdische Kultur ab
dieser Zeit eine Blüte erfuhr. Zahlreiche Fürstentümer
wie die von Botan, Soran, Hakkari, Baban, Bazid und Bitlis führten
mit einer kulturellen und politischen Entwicklung zu einer umfangreichen
Renaissance. Literatur, Architektur, Handwerk, Wissenschaft und Handel
erlebten eine große Blüte.
1514
Während des Krieges zwischen den beiden großen Reichen töten
osmanische Soldaten alewitisch-schiitische und safawidische Soldaten sunnitische
Menschen. So ermordet der osmanische Herrscher Yavuz Sultan Selim I. während
seiner Züge nach Kurdistan und Persien mindestens 40.000 alewitische
KurdInnen bei Sivas.
16./17.
Jh.
Trotz der Blütezeit der kurdischen Fürstentümer finden
Aufstände von Bauern nach 1514 und auch nach 1639 statt, die sich
sowohl gegen die osmanische Fremdherrschaft als auch gegen die kurdische
Feudalobrigkeit richten. Diese werden allesamt blutig unterdrückt.
1596
Das Geschichtswerk "Serefname" (="Prachtschriaft")
mit dem ersten vollständigen Überblick über die kurdische
Geschichte wird von Serefhan, Fürst von Bitlis und Sohn von Idrisi
Bitlisi, fertiggestellt. Diesem bedeutendsten Werk seiner Zeit ist zu
entnehmen, dass das Fürstentum Bitlis von Meledi bis zum Urmiasee
reichte.
1639
Durch das "Kasr-i Schirin-Abkommen" (auch: Vertrag von Zuhab)
zwischen Osmanen und Safawiden wurde die osmanisch-safawidische Grenze
quer durch Kurdistan festgelegt: Kurdistan wurde zum ersten Mal durch
eine vertraglich festgelegte Grenze aufgeteilt. Damit wird dem Prozeß
des Zusammenwachsens zwischen den Ost- und West-KurdInnen ein Riegel vorgeschoben.
1683
Die Osmanen belagern zum zweiten Mal vergeblich Wien. Von nun an beginnt
der Niedergang dieses Reiches. Im 16. und 17. Jh. erstreckt sich das osmanische
Reich von Algerien bis ans Zagros-Gebirge und vom Jemen bis zur südrussischen
Halbinsel Krim.
17.
Jh.
Im 17. und 18. Jh. entsteht eine Reihe von kurdischer Literatur, die den
Keim des Nationalgedanken bilden sollte.
1687
Der Ishak Pascha Palast wird ab 1687 bei Bazid (Dogubeyazit) durch den
kurdischen Fürsten Ishak Pascha errichtet. Es ist ein architektonisch
unschätzbares Werk voller Prunk und ein Symbol der damaligen sich
entwickelnden kurdischen Kultur.
1695
Der Dichter Ahmedê Xanê - Philosoph und Poet - verfasst im
Jahr 1695 das wichtigste kurdische Epos: ''Mem û Zîn".
Dieses hat für die Weltliteratur auch eine große Bedeutung.
1817-1897
Der revolutionäre Volksdichter Xanî Khoyî ruft in seinen
Werken die KurdInnen zur Rebellion gegen die Fremdherrscher und auch gegen
die geistliche und weltliche Obrigkeit des kurdischen Feudalherren auf.
Er droht mit der "Macht des Volkes".
18.
bis 20. Jh.
Im Iran herrscht die Qadscharen-Dynastie.
19. Jh. - erstes Stadium der kurdischen Nationalbewegung
Als
das Osmanische Reich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund
der aufstrebenden industriellen Entwicklung Europas technisch und wirtschaftlich
ständig zurückfällt und somit in seinen Fundamenten erschüttert
wird, setzen sich in Kurdistan sie feudalen Strukturen fest.
Das im Westen allmählich zerfallende Osmanische Reich - im Balkan
finden nationale Freiheitskämpfe gegen die Osmanen statt - legte
seinen Schwerpunkt auf Kurdistan, beschränkt die Autorität der
kurdischen Fürsten, steigert die wirtschaftliche Ausbeutung, führt
ein Steuersystem ein und benutzt das kurdische Volk, um Teile seiner Armee
zu rekrutieren.
Aufgrund der sich verstärkenden Unterdrückung durch das Osmanische
Reich kommt es unter der Führung kurdischer Fürsten zu zahlreichen
Aufständen, die ihren Höhepunkt zwischen 1830 und 1880 erreichen.
Doch die kurdischen Aufstände im 19. Jh. beginnen nicht mit der Motivation
eines unabhängigen Nationalstaates, vielmehr mit der Befürchtung
kurdischer Feudalherren, ihre Privilegien abtreten zu müssen. Die
kurdischen Aufstände können auch als das erste Stadium der kurdischen
Nationalbewegung bezeichnet werden.
1806
Der erste bedeutende Aufstand des 19. Jh.s war der Baban Aufstand 1806
unter der Führung von Abdurrahman Pascha. Das Fürstentum mit
der Hauptstadt Silemani (Süleymaniye) war das in vieler Hinsicht
entwickelste von allen in Süd-Kurdistan. Große Teile Kurdistan
werden in Richtung Persien befreit, aber eine osmanisch-kurdische (darunter
rivalisierende kurdische Fürsten) Allianz bringt nach zwei Jahren
die Niederlage.
1812
Babazade Ahmed Pascha Aufstand in Mosul
1830
- 1831
Aufstand der Yeziden in Hakkari, Cezîre Bedirxan Aufstand in Botan,
Bitlis Serifxan Aufstand in Bitlis
1833-1837
Mir Mohammed, der Herrscher von Soran ist und Ambitionen hat, König
eines kurdischen Staates zu werden, läßt gleich zu Beginn Waffenfabriken
bauen. In Kürze befreit er ganz Süd-Kurdistan bis Botan. Botan
geht nicht auf ein Bündnis ein. 1834 werden osmanische Soldaten geschlagen.
1835 befreit er ganz Ost-Kurdistan. Persien geht nicht auf ein Angebot
gegen die Osmanen ein. 1836 scheitern wieder osmanische Armeen gegen Mir
Mohammed.
Durch Bestechungen am kurdischen Klerus und einem erlassenen Fetwa, ein
religiöses Dekret, muss widerstrebig Mir Mohammed nach Istanbul zu
Verhandlungen reisen. Inzwischen wird Kurdistan in Schutt und Asche gelegt.
Der deutsche General Moltke, der als militärischer Berater bei den
Osmanen tätig ist, schreibt in seinen Memoiren, dass er kein vergleichbares
Gemetzel ähnlichen Ausmaßes gesehen hat, wie das der Osmanen
gegen die KurdInnen.
1837
Aufstand von Sinaar. Nach der Niederschlagung werden erste Deportationen
und Umsiedlungen großen Ausmaßes vorgenommen.
1839
Gurzum Aufstand in Amed
1843
- 1846
Bedirxan, Herrscher von Botan, befreit 1843 im Osmanischen Reich ganz
Kurdistan und vereinigt alle kurdischen Fürsten unter seiner Führung.
Er zog zuvor jedoch die Lehre, dass die Rivalitäten unter den Stämmen
aufhören müssen und eine militärische Organisierung notwendig
ist. Im befreiten Kurdistan dürfen Christen ihre Religion ausüben
und andere Völker werden den KurdInnen gleichgesetzt. Ein kurdischer
Staat soll aufgebaut werden.
Die Osmanen schaffen es jedoch, alte Rivalitäten zwischen den kurdischen
Fürsten aufleben und die Christen (diese sollten mit Steuerzahlungen
den Aufstand mitfinanzieren) gegen Bedirxan auflehnen zu lassen. Yezdan
Sher, Neffe von Bedirxan und Kommandeur von der Hälfte der kurdischen
Truppen, wird von den Osmanen gekauft. Begünstigt durch Hunger, Kälte
und Tod kapituliert Bedirxan 1846 und stirbt 1868 in der Verbannung.
Nach der Niederschlagung des Bedirxan Aufstandes annektiert das Osmanische
Reich die letzten noch unabhängigen kurdischen Fürstentümer
und ersetzen sie durch sogenanngte Walis (türk.: Gouverneure).
1843
Aufstand von Hakkari.
1853
- 1856
Russisch-Osmanischer Krieg wird vor allem in Nord-Kurdistan mit großen
Zerstörungen, Massakern beider Mächte an der Zivilbevölkerung
und Hungersnöten geführt.
1855
- 1858
Zweiter Aufstand von Botan. Söhne Bedirxans bauen Botan und Behdinan
wieder auf.
1855
Yezdan Sher nutzt nach seiner Entmachtung vom Gouverneursposten in Hakkari
durch die Osmanen den osmanisch-russischen Krieg und beginnt mit der Eroberung
Kurdistans. Im Frühjahr 1855 ist Wan, Amed, Siirt, Bitlis und Mossul
unter seinem Einfluss. Die Biriten schaffen es, Yezdan Sher zu Verhandlungen
zu überzeugen, wo er verhaftet wird. Daraufhin verläuft der
Aufstand im Sand.
1877
Bedirxan Osman und Hüseyin Pasalar Aufstand in Mêrdîn/Cezîre.
1880
- 1882
Der Ubeydullah Aufstand (auch genannt: Nehriaufstand) in Hakkari ist der
letzte große Aufstand. Ubeydullah, Sohn des letzten geistlichen
Führers aller KurdInnen, führt den Aufstand im persischen und
osmanischen Teil Kurdistans durch. Zu dieser Zeit findet der osmanisch-russische
Krieg 1877-78 hauptsächlich in Nord-Kurdistan statt, der zu großen
Verwüstungen führt. Zunächst unterstützen indirekt
die Osmanen die KurdInnen über die Briten mit Waffen. Als die KurdInnen
nach einer großen kurdischen Konferenz Ost-Kurdistan befreien, wandelt
sich das Blatt. Auf den Hilferuf der Perser hörend greift die osmanische
Armee Ubeydullah an. Jetzt führt er Krieg an zwei Fronten. Er wird
von englischen Unterhändlern dazu überredet, nach Istanbul zu
Verhandlungen zu fahren. Dort entflieht er der Diplomatie, womit der Aufstand
beendet wird, und stirbt im Exil.
Ubeydullah kann fast alle KurdInnen (220 Stammesführer und Scheichs)
auf seine Seite bringen und ein nationales Gefühl schaffen. Auch
christliche Völker, besonders Nestorianer und Armenier, stehen auf
seiner Seite. U.a. durch ihn werden junge aristokratische KurdInnen dazu
bewegt, in Europa zu studieren und dort freiheitliche Ideen aufzugreifen.
1889
Bedirxan Emin Ali Aufstand in Erzingan.
Ende
des 19. Jh.
Das Versagen der vielen umfangreichen kurdischen Aufstände im 19.
Jh. kann mit der feudalen Struktur der Stämme und ihrer Führer,
die eine politische Einheit verhinderte, begründet werden. Individuelle,
lokale Interessen überwiegen bei den Fürsten.
Dann folgt unter Sultan Abdulhamit II. eine Epoche der Integration kurdischer
Stammesführer und ihrer Kinder ins zentrale Machtgefüge des
Reiches. Durch diese Anbindung der Stammeseliten und herrschender Klassen
wird die erste Phase der "noch indirekten" Assimilation der
KurdInnen eingeleitet.
Die KurdInnen haben in dieser Zeit folglich keine einheitliche feindliche
Haltung gegenüber der Hohen Pforte (Osm. Reich), sie sind in ihrer
Meinung geteilt.
1891
Gleichzeitig läßt der Sultan aus den rückständigen
sunnitischen kurdischen Stämmen - in dieser Phase wurden die alewitisch-sunnitischen
Gegensätze künstlich geschürt - 36 Truppeneinheiten rekrutieren:
die Hamidiye-Reiterei. Daran beteiligen sich diejenigen Stämme, die
sich bei den Aufständen neutral verhalten hatten. Daneben sind in
dieser Reiterei eine geringere Zahl von Arabern.
Diese Reiterei dient der Sicherung der Vormachtstellung in Kurdistan.
Aufbegehren von kurdischen Bauern werden mit dieser Hamidiye-Reiterei
niedergeschlagen. Aber besonders hart und brutal werden sie gegen die
nichtmoslemischen Völker in und um Kurdistan eingesetzt.
1900 - das zweite Stadium der kurdischen Nationalbewegung
Um
die Jahrhundertwende entwickelt sich die erste kurdische Intelligenz.
Teilweise in Europa studierte kurdische Jugendliche aristokratischer Familien
sind Träger eines neuen modernen kurdischen Nationalgedanken. Beeinflußt
von den Ideen der bürgerlichen Revolution gründen sie erste
kurdische Organisationen, Vereine, Zeitschriften und Zeitungen.
1897
Das "Erste Kurdische Nationalkomitee" wird gegründet.
1898
Die erste kurdische Zeitung "Kurdistan" wird in Kairo von Mithat
Bedirxan in kurdisch und osmanischer Sprache herausgegeben. Verbot der
Verbreitung im Osmanischen Reich.
1903-1984
Der aus Mêrdîn stammende große Dichter Cîgerxwîn
(Sexmus Hasan) entwickelt früh literarische Fähigkeiten. Er
schreibt für Zeitschriften wie Hewar in den 30er Jahren. Cîgerxwîn
studiert ausführlich den Marxismus-Leninismus. Er hat 8 Gedichtesammlungen.
1908
Jungtürkische Revolution. Es wird mehr Gleichberechtigung für
alle Menschen und Völker versprochen. Daraufhin treten aus dem Untergrund
zahlreiche kurdische Vereinigungen mit klareren politischen Programmen
hervor und es werden im Istanbuler Exil Organisationen gegründet.
Einige KurdInnen und sogar armenische Organisationen nähern sich
zunächst den Jungtürken.
1908-1910
Die Gesellschaft für das Wiedererstehen und Fortschritt Kurdistans
wird von kurdischen Lehrern, Künstlern und Studierenden gegründet,
und es wird eine kulturelle Zeitung herausgegeben.
Ein Komitee kurdischer Intellektueller in Istanbul gründet die erste
kurdische Schule.
In kurdischen Städten entstehen die sogenannten Kürt Kuliipleri
(kurdischen Clubs), die sich aus Intellektuellen und "jungen Kämpfern"
zusammensetzen. Zentren dieser halbmilitärischen Organisationen sind:
Amed, Mus, Erzirom, Bitlis und Mossul.
Kurdische Studierende gründen 1910 den ersten studentischen Verein
von KurdInnen namens "Hevi". Mitbegründre ist der aus Wan
stammende Memduh Selîm.
Die junge Nationalbewegung ist heterogen zusammengesetzt, so dass bei
Streitigkeiten Spaltungen (nach den drei einflussreichsten Stämmen
Bedirxan, Nehri, Ubeydullah) hervortreten. Die Fraktionen sind in der
Zeit vor dem 1. Weltkrieg noch zahlreicher und kleiner als bei den Aufständen
im 19. Jh.
1909
Die liberalen Verhältnisse werden mit einer erneuten Revolte der
Militärkorps im März/April 1909 und mit dem sich endgültigen
Durchsetzen der Jungtürken wieder langsam aufgehoben. Diese vertreten
jetzt ein sehr chauvinistisches "Türkentum". Damit versuchen
sie das auseinanderbrechende Osmanische Reich gestützt auf der "türkischen
Nation" zu retten. Viele kurdische und oppositionelle Vereinigungen
werden nach und nach wieder verboten. Einige Aktivisten fliehen ins Ausland.
Ab
1909
U.a gegen diese erneute Angriffswelle finden seitens der KurdInnen Aufstände
statt.
- 1909-08 Dersim Aufstand
- 1909 Mossul Aufstand
- 1908 Aufstand kurdischer Bauern in Silemani
- 1910 Barzan Aufstand führt zur Befreiung Süd-Kurdistans
- 1910 Bitlis Aufstand
1912
Kurdische Aktivitäten werden u.a. nach den teilweise erfolgreichen
Aufständen wieder zugelassen.
Gründung des Vereins "Freunde Kurdistans", der bedeutendste
unter den KurdInnen. Aus ihr entsteht später die Partei Mucjedad
(Partei der Erneuerung) in der türkischen Nationalversammlung, dessen
Ziel primär die Thematisierung der kurdischen Frage ist. Sie steht
u.a. für Laizismus, Gleichstellung von Mann und Frau, Lateinisierung
des Alphabets.
1913
Die "Heviya Kurd" (Kurdische Hoffnung) gibt die Zeitung "Roja
Kurd" (Kurdischer Tag) heraus, die später in "Hetewa Kurd"
umbenannt wird. Ihre Ziele sind die "Reformierung des kurdischen
Alphabets, die Erziehung des kurdischen Volkes und die Propagierung des
kurdischen Nationalismus".
Der 1. Weltkrieg und die 2. Teilung Kurdistans
1914
Beginn des 1. Weltkrieges. Das Osmanische Reich nimmt an der Seite von
Deutschland am Krieg teil. Kurdische Unabhängigkeitsbestrebungen
auf politischer Bühne werden abgebrochen. Das Osmanische Reich erklärt
nicht den äußeren Feinden den Krieg, sondern in besonderer
Härte auch den inneren Feinden.
1914-1918
In den Kriegsjahren geht der Staat gegen die Minderheiten vor und massakriert
sie eins nach dem anderen.
Das erste Opfer der pantürkischen Ideologie wurde das Volk der Pontus
in der mittleren Schwarzmeerregion in Nord-Anatolien. Bis zu 300.000 Pontus-Griechen
wurden im 1. Weltkrieg kaltblütig dahingemetzelt. Die verbleibenden
Griechen wurden 1919 von M. Kemal entweder ermordet oder vertrieben.
Bei Massakern an den Armeniern werden insgesamt 1,5 Millionen Menschen
systematisch und auf die brutalste Art und Weise ermordet. 800.000 Armenier
können diesem Genozid gerade noch entfliehen. In der Vorkriegszeit
wurden schon bis zu 300.000 Armenier bei verschiedenen Massakern ermordet.
An den Massakern ist auch die Hamidiye-Reiterei entscheidend beteiligt.
Dieser bis dahin größter Genozid wird bis heute von der Türkei
geleugnet.
Auch werden in den Kriegsjahren zehntausende christliche Assyrer kaltblütig
ermordet, ebenfalls auch durch die Hamidiye-Reiterei.
Diese Zeit nutzt das Osmanische Reich auch dafür aus, 700.000 KurdInnen,
besonders in den westlichen Regionen wie Marasch, umzusiedeln. Dabei sterben
mehrere zehntausende Menschen.
1916
Die Alliierten schließen geheime Verträge (Sykes-Picot-Abkommen)
über die Aufteilung Kurdistans und des Osmanischen Reiches. Danach
soll der größte Teil Kurdistan dem zaristischen Russland zufallen,
was jedoch nach der Oktoberrevolution aufgekündigt wird.
8.1.1918
US-Präsident Wilson fordert in seinem 14 Punkteplan in Punkt 12 die
Alliierten auf, neben den anderen Völkern auch den KurdInnen die
Möglichkeit der Unabhängigkeit einzuräumen.
30.10.1918
Das Osmanische Reich kapituliert bedingungslos im Waffenstillstandsabkommen
von Mudros und soll auf einen türkischen Reststaat reduziert werden.
Das Gebiet des heutigen Irak - darunter Süd-Kurdistan - ist von britischen
Truppen und das heutige Syrien - darunter Südwest-Kurdistan - ist
von französischen Truppen besetzt.
Izmir (Smyrna), Teile der Ägäis und Ostthrakien ist von griechischen
Militärs eingenommen worden. Ganz Anatolien und Nord-Kurdistan befindet
sich in einem "Machtvakuum". Zugleich kann diese Zeit als die
bisher demokratischste in der Türkei bezeichnet werden. Denn es gründeten
sich überall Komitees und lokale militärische Verteidigungseinheiten,
die das Leben und die Gesellschaft organisieren, wobei sie sich auf die
Bevölkerung stützen und nicht auf feudale Herrscher.
1918-1920
Etablierung der "Gesellschaft für den Aufstieg Kurdistans"
im Dezember 1918. 1920 spaltet sich diese Gesellschaft.
1918-1919
Die wöchentliche Zeitschrift "Jin" ("Leben")
wird u.a. von Memduh Selîm herausgegeben.
April
1919
Aufstand unter Scheich Mahmud Berzinji in Sulaimania Süd-Kurdistan
(Irak) gegen das englische Mandat. Barzinji wird verraten, vor ein britisches
Gericht gestellt, zu Tode verurteilt, dann begnadigt und nach Indien verbannt.
Der Aufstand der KurdInnen wird niedergeschlagen.
Mai
1919
Der letzte Sultan Mehmed IV. sendet Mustafa Kemal (später "Atatürk"
genannt) als Bevollmächtigten nach Kurdistan, wo er nicht, wie von
den Alliierten gefordert, die dortigen osmanischen Truppen entmachtet,
sondern versucht, einen Widerstand gegen die Besatzungsmächte zu
organisieren.
Er schafft es, die KurdInnen mit Versprechungen auf seine Seite zu bringen.
M. Kemal versichert bei den Kongressen von Sivas und Erzirom den KurdInnen,
einen "zukünftigen Staat der Türken und Kurden zu gründen
und Kampf der Muslime gegen die Christen gemeinsam zu führen",
wenn sich die KurdInnen am Kampf gegen die griechischen und französischen
Besatzungsmächte beteiligen.
Kurz nach diesen Kongressen und dem Beginn Kampfes gegen die Besatzungsmächte
gründet sich um M. Kemal eine Parallelregierung in Ankara. Diese
schafft es im Laufe der Zeit regionale Widerstände in die ihrige
durch verschiedene geschickte Maßnahmen "einzugliedern".
10.08.1920
Vertrag von Sêvres zwischen dem Sultan und den Alliierten: Die kurdische
Frage wurde in den Artikeln 62-64 behandelt und es wird ein autonomes
Kurdistan - das allerdings nur ein Viertel des ganzen Kurdistan ausmacht
- vorgesehen. Eine internationale Kommission soll vor Ort prüfen,
ob die kurdische Bevölkerung diese Möglichkeit annimmt.
Weiterhin
ist ein armenischer Staat an der östlichen Schwarzmeerregion und
im Hochland von Anatolien um den Wan-See vorgesehen. Die Region ums Maramarameer
und Istanbul wird englische Besatzungszone und die westliche Mittelmeerregion
um Antalya wird italienische Besatzungszone.
6.3.1921
Aufstand der KurdInnen in Kocgiri (östlich von Sivas) gegen türkische
Truppen, der nach kurzer Zeit niedergeschlagen wird. Sie werden jedoch
von allen anderen KurdInnen allein gelassen. Dies ist der Aufstand von
den KurdInnen nach dem 1. Weltkrieg unter der Herrschaft der Türkei.
1921
Ende der Qadscharen Herrschaft in Iran. Reza Chan, der späteren Reza
Schah Pahlawi (ab 1925), ergreift die Macht.
Ende
1922
Der unter M. Kemal geführte Kampf gegen die griechischen Truppen,
der große Hilfe von den KurdInnen erfährt, endet damit, dass
die griechischen Militärs sich aus Anatolien vollständig zurückziehen
müssen.
1922
Beginn des Aufstandes von Simko, einem kurdischen Führer aus Ost-Kurdistan
(Iran). Als sich aufgrund eines Abkommens die sowjetischen Truppen 1922
aus dem Gebiet zurückziehen, marschiert die persische Armee ein und
zerschlägt den Aufstand. Die Truppen Simkos fliehen zu anderen Stämmen
der Region.
Simko führt sechs Jahre später erneuert einen Aufstand an. 1930
wird Simko jedoch bei Verhandlungen mit Vertretern Teherans ermordet.
1923
"Kurdische Autonome Provinz" in der sowjetischen Aserbaidschan
bis 1929.
24.07.1923
Vertrag von Lausanne: Es hat sich die Lage nicht so entwickelt wie im
Vertrag von Sevres vorgesehen wurde. Die Alliierten werden vor vollendete
Tatsachen gestellt, weshalb die Regierung von M. Kemal anerkennt wird.
Und dass keine KurdInnen in Lausanne dabei waren und die türkischen
Vertreter im Namen der KurdInnen gesprochen habe, trägt dazu bei,
dass von einem kurdischen Nationalstaat nicht mehr die Rede ist. Nur religiöse
Minderheiten werden erwähnt und ihnen Rechte zugesprochen, in ihrer
Religion zu praktizieren. Zugleich folgt die vertragliche Aufteilung Kurdistans
unter vier Staaten; der Türkei, dem Irak, Iran und Syrien. Es ist
2. Teilung Kurdistans.
29.10.1923
Die Türkische Republik unter Mustafa Kemal wird gegründet. In
der Anfangszeit werden 75 KurdInnen ins Parlament einberufen und es wird
von der Republik der Türken und Kurden gesprochen.
Anfang
1924
Wenige Monate nach der Ausrufung der Republik verdrängt die Türkei
die KurdInnen vollständig aus dem politischen Leben. Das Worte Kurde
wird nicht in den Mund genommen. Der Chauvinismus wird nun vorangetrieben.
In der Staatsdoktrin des Kemalismus' haben Minderheiten in der Türkei
keinen Platz. "Dieses Land ist ein Land der Türken. Wer nicht
von rein türkischer Herkunft ist, hat nur ein Recht in diesem Land;
Das Recht, Diener zu werden; Das Recht Sklave zu sein." (Mahmut Esat,
ehemaliger Justizminister der Türkei). Die kurdischen Abgeordnete
werden verhaftet oder aufgehängt. Kurdische Schulen und Publikationen
werden verboten.
Daraufhin verbreiten sich unter der kurdischen Bevölkerung große
Unruhen, da sie sich von den Kemalisten hintergangen fühlten; in
den folgenden Jahren begannen die Kurden mehrere Aufstände, welche
brutal niedergeschlagen wurden.
Januar
1925
Bei einer unter Kontrolle des Völkerbunds durchgeführten Volksabstimmung
in Süd-Kurdistan (Irak) entscheidet sich die Mehrheit der Kurden
gegen einen Anschluß an den Irak und für die Unabhängigkeit.
Am 16.12.1925 entscheidet sich der Rat des Völkerbunds entgegen der
durchgeführten Volksabstimmung und auf britische Forderungen hin,
der Annexion des südlichen Kurdistan (Erdölregion Mossul) durch
den irakischen Staat zu. Die Anteile der Irakischen Erdölgesellschaft
gehen zu 52,5 % an eine englische, zu 21,25 % an eine amerikanische, und
zu 21,25 % an eine französische Firmengruppe.
Kurdische Aufstände gegen Verleugnung und für die Freiheit
Als
die Türkische Republik die KurdInnen in ihrer Existenz leugnet, die
Staaten Irak und Iran den KurdInnen ihre Rechte nicht zugestehen will,
finden in Kurdistan in den 20er und 30er Jahren viele unzählige Aufstände
statt, die jedoch alle fehlschlagen. Die vorher aufgeführte feudale
Führung, die Spaltung unter der kurdischen Bevölkerung und die
starken geostrategischen Interessen der imperialistischen und regionalen
Mächte sind die Gründe dafür, dass die Aufstände scheitern.
Kein Aufstand ist von längerer Dauer und umfasst alle Gebiete Kurdistans.
Denn es fehlt eine moderne, zeitgenössische Führung, welche
das Stammesdenken und die religiöse Verschiedenheit überwindet
und die nationale Entwicklung vorantreibt. Der türkische Staat löscht
in der Zeit von 1925 bis 1940 etwa 1/9 der kurdischen Zivilbevölkerung
aus. Doppelt so viele werden in den Westen verbannt.
14.2.1925
Unter Scheich Sait beginnt in Nordwest-Kurdistan ein groß angelegter
Aufstand. Dieser Aufstand wird jedoch durch eine Provokation des türkischen
Staates zu früh ausgelöst. Die kurdische Bewegung ist für
einen späteren Zeitpunkt vorbereitet.
Die Aufständischen befreien in kürzester Zeit ein Drittel von
Nord-Kurdistan. Amed liegt im Zentrum des Widerstandes. Jedoch schließen
sich viele Stämme ihnen nicht an, besonders alewitische halten sich
fern.
Der schlecht vorbereitete Aufstand wird von 80.00 türkischen Soldaten
mit französischer Unterstützung im April niedergeschlagen. Scheich
Sait und 52 andere werden festgenommen und am 4.9.1925 in Elaziz hingerichtet.
Im folgenden werden bis zu 20.000 Menschen ermordet.
Mit dem Aufstand wird über Nord-Kurdistan der Kriegszustand ausgerufen
und es ist lange Zeit für Ausländer verboten, hier einzureisen.
1925-1927
In Mêrdîn wird der Scheich Sait Aufstand vom Haco Stamm angeführt,
der ein Jahr später endet. Es flüchten über 70.000 Menschen
nach Syrien. 1927 wird für sie vom türkischen Staat eine Amnestie
ausgerufen. Daraufhin kehren viele Frauen und Kinder zurück, die
der Staat in einem Dorf massakriert. Es sterben 5.000 Menschen.
Mai/Juni
1926
Erster Aufstand am Araratberg und anschließendes Massaker durch
türkische Streitkräfte.
Mai-August
1926
Aufstand in Mutki/Bitlis.
5.6.1926
Anschluss Mosuls an den Irak auf Beschluß des Völkerbunds.
August
1927
Gründungskongress von "Xoybun" (Unabhängigkeit), einer
nationalen kurdischen Liga in Libanon. Darin schließen sich alle
Organisationen und Parteien zusammen, die nach dem 1. Weltkrieg gegründet
wurden. Es wird auch eine Versöhnung mit den Armeniern (mit der armen.
Daschnak Partei) erreicht. Erklärtes Ziel ist es, Kurdistan im bewaffneten
Kampf zu befreien. Mitbegründer sind Celadet Alî Bedîrxan
und seine zwei Brüder Kamuran uns Süreya, Memduh Selîm.
1928
Der Ararat (kurdisch: Agirî) Aufstand wird angeführt von General
Ihsan Nuri, der Xoybun angehört. Forderung nach einem autonomen Staat.
Bis 1929 wird das Gebiet um den Berg befreit und die Republik Ararat ausgerufen.
Mai-August
1929
Aufstand von Zilan in der Region Serhat. Dieser wird besonders brutal
niedergeschlagen.
September
1930
Massaker am Tendurek Berg bei Bazid.
1930
bis 1932
Der Ararat Aufstand erreicht 1930 in Nordwest-Kurdistan seinen Höhepunkt.
Der Iran, welcher erst freundlich gegenüber den KurdInnen sich verhielt,
erlaubt es der Türkei, auf iranisches Gebiet vorzudringen. Auch dieser
Aufstand wird endgültig blutig niedergeschlagen. Die Rache ist wieder
barbarisch. 100 Intellektuelle werden so z.B. im Wan-See ertränkt
und hunderte Dörfer mit Brandbomben zerstört. Widerstände
dauern bis 1932 lokal noch an.
1930
Die Wahlen zum irakischen Parlament werden in den kurdischen Gebieten
boykottiert.
In Silemani kommt es im September zu einer Demonstration von Schülern
und Studierenden, welche die Unabhängigkeit fordern. Das Eingreifen
der irakischen Truppen wird von den Kurden mit einem bewaffneten Aufstand
beantwortet. Auf kurdischer Seite kostet der Aufstand 30 Menschen das
Leben, Hunderte werden verletzt.
Mai
1932
Ankara verkündet ein Gesetz zur Deportation und Verschleppung der
Kurden. Mehrere 100.000 Kurden werden nach Zentral -und Westanatolien
deportiert. Offizielles Ziel ist es, die "türkische Kultur"
zu verbreiten.
3.10.1932
Unter Führung von Ahmed Barzani, dem Bruder von Mullah Mustafa Barzani,
kommt es in Süd-Kurdistan zu Aufständen, die von der britischen
Luftwaffe niedergeschlagen werden. Die Briten nehmen Mullah Mustafa Barzani
schließlich fest und stellen beide unter Hausarrest in Silemani.
1932
Celadet Ali Bedirxan fertigt ein lateinisches Alphabet für die kurdische
Sprache an, die heute verbreitete Gültigkeit unter den KurdInnen
besitzt.
1932-1945
Die Brüder Kamuran und Celadet Ali Bedirxan geben die kurdische Zeitschrift
Hawar ("Ruf nach Hilfe") in Damaskus heraus.
1935
Erster Roman der Neuzeit in kurdischer Sprache ist das Werk "Schivane
Kurd" von Ereb Schemo.
1935
Das Tunceli Gesetz wird verabschiedet. Danach wird die kurdische Provinz
Dersim in Tunceli genannt. Damit wird die gesetzliche Grundlage für
das Vorgehen in Dersim gegeben.
8.7.1937
Saadabad-Abkommen zwischen der Türkei, dem Irak, dem Iran und Afghanistan,
in dem auch ein koordiniertes Vorgehen bei der Bekämpfung der KurdInnen
vereinbart wird.
1936
bis 1938
Der größte der kurdische Aufstände ist in Dersim. Die
sehr gebirgige alewitische Region Dersim ist unter den kurdischen Provinzen
die am meisten Widerstand leistende Provinz. Seit der Gründung des
Osmanischen Staates hat Dersim niemals Steuern gezahlt oder Soldaten für
die Besatzungsmacht bereit gestellt. Es stellte sich als erstes gegen
die Hamidiye-Truppen und beteiligte sich aktiv am Kampf gegen die Unterdrückung
der Armenier.
Der Aufstand wird von Seyit Riza, der seit Anfang des Jh.s die Aufstände
leitet, angeführt. Ende 1936 brechen die Kämpfe aus. An seiner
Seite stehen Ali Scher und Dr. Vet. Nuri Dersimi, die schon beim Kocgiri
Aufstand 1921 mitgewirkt haben. Im Frühjahr finden heftige Gefechte
statt, wobei die türkische Armee heftige Verluste erleidet. Doch
wird Seyit Riza mit anderen Stammesführern im Herbst 1937 verhaftet
noch im November 1937 in Elaziz aufgehängt. Als dann auch Ali Scher,
der militärische Kopf des Aufstandes, durch ein Verrat ermordet wird,
verliert der Aufstand die Führung.
1938 finden in Dersim die systematischsten und brutalsten Massaker an
den KurdInnen in Nord-Kurdistan statt. Es werden nach verschiedenen Schätzungen
50.000 bis 80.000 Menschen massakriert. Etwa 100.000 Menschen werden in
die Türkei deportiert. Dieser Aufstand wird Ende 1938 vollständig
niedergeschlagen.
Der 2. Weltkrieg und die Friedhofsruhe in Kurdistan
Mit
dem Niederschlagen des Aufstandes von Dersim wird Nord-Kurdistan vom türkischen
Staat unter die vollständige Kontrolle gebracht. Nach dem physischen
Massaker wird von nun in den folgenden Jahrzehnten das "weiße
Massaker", die systematische Assimilation, eingeleitet, während
in den anderen Teilen Kurdistans die Assimilation weitaus weniger voranschreitet.
1939
Der 2. Weltkrieg beginnt in Europa. In Kurdistan herrscht in dieser Zeit
relative Ruhe.
1939
- 1942
Gründung der Partei "Freiheitliebendes Kurdistan" in Ost-Kurdistan.
In ihrem Programm fordert die Partei das Selbstbestimmungsrecht für
die KurdInnen.
1942
erfolgt die Auflösung dieser Partei. Am 16.09.1942 gründet sich
die "Auferstehungspartei Kurdistans", kurz JEKAF. Ihr politisches
Programm lautet: "Was man den KurdInnen durch Gewalt weggenommen
hat, können die KurdInnen nur durch Gewalt zurückbekommen".
Umbenennung der JEKAF in die Demokratische Partei Kurdistans-Iran, I-KDP.
26.12.1939
Bei einem Erdbeben in der Nordkurdischen Provinz Erzincan (Südost-Türkei)
sterben 32.372 Menschen. 135.000 Häuser wurden zur Trümmerhaufen.
Weitere Erdbeben in Kurdistan:
- 19.8.1966 Erbeben in Varto bei Mus. Über 3.000 Tote und 20.000
zerstörte Häuser.
- 24.11.1976 Bei einem schweren Erdbeben in Van kommen 3.837 Menschen
ums
Leben. Über 100.000 kurdische Bauern und ihre Familien wurden obdachlos.
Der
örtliche (türkische) Militärkommandant wird in einer Zeitung
zitiert mit dem Satz: "Laßt
die Leute doch sterben, es sind ja nur Kurden".
- 30.10.1983 Erdbeben in Erzincan. 1.331 Tote und Tausende von Verletzten.
- 13.03.1992 Erdbeben in Erzincan. 653 Tote Tausende Verletzte und obdachlose
kurdische Familien.
1943
bis 1945
Mullah Mustafa Barzani gelingt die Flucht aus dem Arrest in Sulaimania,
Süd-Kurdistan. Er organisiert neue Aufstände, die sich bis nach
Ost-Kurdistan ziehen. Er legt der Regierung in Bagdad ein Memorandum vor,
in dem kulturelle und wirtschaftliche Interessen der KurdInnen sichergestellt
werden sollen. Bagdad lehnt ab. Erneut folgen irakisch-britische Angriffe
auf die kurdischen Gebiete, gegen welche die kurdische Peschmerga ("die
für die Freiheit sterben") standhalten können.
1944 kommt es zu einem Waffenstillstand. 1945 flammen die Kämpfe
erneut auf, und im September muss sich die Peschmerga, unter Führung
Barzanis, mit ihren Familien nach Ost-Kurdistan zurückziehen.
1946
Aufhebung des Kriegszustandes in den kurdischen Provinzen in Nordwest-Kurdistan.
22.01.1946
Gründung der bisher einzigen kurdischen Republik Mahabad in Ost-Kurdistan.
Es wird ein Kabinett aufgestellt und alle Geschäfte einer regulären
Regierung aufgenommen. Präsident wird Qazi Mohammed. Mustafa Mullah
Barzani ist Verteidigungsminister.
Als im November 1946 jedoch die sowjetische Armee, Schutzpatron der Republik
Mahabad, ihre Stellungen in Ost-Kurdistan verläßt, dringt am
16.12.1946 die Armee des Schahs von Persien in Mahabad ein. Qazi Mohammed
und weitere Mitglieder der kaum ein Jahr existierenden kurdischen Republik
werden von iranischen Militärs am 31. Mai 1947 erhängt. Barzani
flieht mit mehreren hunderten Kämpfern an der iranisch-türkischen
Grenzen in die Sowjetunion, wo er viele Jahre im Exil verbringt.
16.08.1946
Am 16. August wird von Vertretern der kurdischen Intelligenz und dem städtischen
Kleinbürgertum in Süd-Kurdistan die "Kurdische Demokratische
Partei" PDK gegründet. Barzani wird, trotz Abwesenheit, zum
Vorsitzenden gewählt. Von Anfang an gibt es innerhalb der Partei
unterschiedliche Bestrebungen über die Zukunft Kurdistans: die einen,
die eine kurdisch-arabische Bruderschaft innerhalb des Iraks anstreben,
die anderen, die auf eine überregionale Lösung der Kurdenfrage
hinarbeitet.
1950
/ 51
Kurdische Familien aus Dörfern in der Region Wan werden zwangsdeportiert.
In ihren Häusern werden türkische Familien aus Bulgarien und
Jugoslawien angesiedelt.
23.02.1955
Bagdad-Pakt zwischen Türkei, Irak und Iran. Gemeinsame Militäroperationen
gegen jede kurdische Befreiungsbewegung wurden darin vereinbart. Anfang
April tritt England dem Abkommen bei. Die USA nehmen bei den Treffen einen
festen Beobachterstatus ein.
1956
Der in einer unzugänglichen Gebirgsregion nördlich von Kermanshah,
nahe der irakischen Grenze lebende Stamm Djuwanroj widersetzt sich den
Anordnungen der Zentralregierung in Teheran. Mit massiven Militärkräften
incl. Luftwaffe wird der Stamm in die Berge vertrieben, ihre Festung wird
bombardiert und völlig zerstört.
1956
Nach dem Beispiel der PDK-Irak wird in Syrien die "Kurdische Demokratische
Partei-Syrien" von Intellektuellen, Bauern und Arbeitern gegründet.
Ziel war die Anerkennung der Kurden als ethnische Gruppe, eine Landreform
und eine demokratische Regierung in Damaskus.
Eine große Anzahl der Verantwortlichen der PDK-Syrien werden 1959
verhaftet. Die Partei besteht weiterhin, spaltet sich aber aufgrund großer
politischer Differenzen in viele Untergruppen und bleibt politisch wirkungslos.
1958
Sturz der Monarchie im Irak. Die neue Regierung unter Qasim macht Konzessionen
an die KurdInnen. Barzani kehrt aus dem sowjetischen Exil in den Irak
zurück.
1959
Ein militanter Flügel der PDK-Iran beginnt in der Gegend um Mahabad,
Banah und Sardascht mit dem Guerillakampf. Mustafa Barzani von der Schwesterpartei
(PDK-Irak) stellt sich an die Seite des Schah und bekämpft die Mitglieder
der PDK-Iran.
27.05.1960
Am 27. Mai 1960 putscht das Militär unter Führung von General
C. Gürsel gegen die korrupte Regierung von Menderes, der hingerichtet
wird.
Eine neue Verfassung, die liberaler ist als die vorherige, wird verabschiedet,
garantiert aber keine erweiterten Rechte für die KurdInnen. "Kürtcülük",
so wird in der türkischen Sprache der sogenannte "kurdische
Separatismus" genannt, wird zum Staatsverbrechen erklärt.
Beginnende kurdische Widerstände nach dem 2. Weltkrieg
1961
Der kurdischen Bewegung in Süd-Kurdistan wird "Separatismus"
vorgeworfen, es folgen erste Verbote von kurdischen Zeitungen. Der Generalsekretär
der PDK wird wegen einer Rede vor Studierenden in Bagdad festgenommen.
Barzani zieht sich in die Region Barzan, die Berge nahe der türkisch-irakischen
Grenze zurück.
11.09.1961
Am 11. September beginnt der bewaffnete Aufstand in Süd-Kurdistan,
der nach und nach zu einer Volksbewegung der nationalen Befreiung wird.
Die irakische Luftwaffe beginnt mit massiver Bombardierung kurdischer
Dörfer.
23.08.1962
Die Regierung in Damaskus erläßt das Gesetzesdekret Nr. 93,
wonach eine außerordentliche Volkszählung in der Provinz Djazira
zulässig ist. Als Ergebnis werden 120.000 KurdInnen zu "Fremden"
erklärt. Die syrischen Staatsbürgerrechte werden ihnen entzogen.
Um der "kurdischen Gefahr" entgegenzutreten, entwickelt die
Regierung Pläne für die Einrichtung eines "arabischen Gürtels".
Danach soll die ganze kurdische Bevölkerung, die entlang der türkischen
Grenze lebt, auf einem 280 km langen Gebiet, 15 km breit, umgesiedelt
und durch arabische Bevölkerung ersetzt werden.
08.02.1963
Am 8. Februar putscht die "panarabische" Baath-Partei, stürzt
General Qasim und übernimmt die Macht in Bagdad. Provisorischer Waffenstillstand
an der kurdischen Front.
Im Juni beginnt die irakische Armee eine neue Offensive gegen die kurdische
Bewegung. Luftwaffe und Armee von Syrien (Regierung wird ebenfalls von
der Baath-Partei gestellt) unterstützen die irakische Armee gegen
die KurdInnen.
März
1963
Baath-Partei unter Führung von Michel Aflaq übernimmt die Macht
in Syrien. Die Lage der KurdInnen verschärft sich. Im November veröffentlicht
der Leiter der Provinz Djazira, eine Studie mit einem 12-Punkte-Plan für
eine "Säuberungspolitik".
10.02.1964
Am 10. Februar wird mit Oberst Aref ein Waffenstillstand, der die nationalen
Rechte der Kurden in Süd-Kurdistan anerkennt, vereinbart. Das führt
zu Streitigkeiten innerhalb der PDK-Irak.
Das politische Büro der PDK-Irak, unter Leitung von Jelal Talabani
und Ibrahim Ahmed (Schwiegervater von Talabani) kritisiert Barzani. Der
beruft daraufhin einen eigenen Kongreß ein und ernennt ein neues
Politbüro. Das ursprüngliche Politbüro spaltet sich ab,
und seine Mitglieder fliehen nach einem Angriff von Barzani-Peschmerga
nach Ost-Kurdistan.
Die Gruppe um Talabani kehrt schließlich nach Süd-Kurdistan
zurück und richtet sich in der südlichen Provinz Silemani, dem
sorani-sprachigen Gebiet Südkurdistans, ein. Seitdem kommt es immer
wieder zu innerkurdischen Kämpfen der beiden Parteien.
1965
Zum ersten Mal dürfen ausländische Besucher nach Nordwest-Kurdistan
einreisen. Die Region war seit 1925 "für Ausländer verbotenes
Militärgebiet".
1965
Gründung der Kurdischen Demokratischen Partei der Türkei, PDK-Türkei.
Schon ein Jahr später werden die beiden Vorsitzenden, Faik Bucak
und Sait Elci, durch Agenten des türkischen Geheimdienstes ermordet.
1970 kommt es zu einer Spaltung. Nach einer weiteren Spaltung 1979 verliert
die Partei weitgehend an Bedeutung und nimmt bis heute am politischen
Geschehen der KurdInnen überhaupt nicht teil.
1967
Das "Gesetz zur Kulturpflege" bestimmt ein Verbot kurdischer
Literatur und Musik in Nordwest-Kurdistan.
1967
/ 68
Spaltung innerhalb der PDK-Iran: Eine von den Ideen der weltweiten nationalen
Befreiungsbewegungen, besonders von Che Guevara beeinflusste Gruppe kritisiert
die passive Haltung der Partei und deren enge Anbindung an die PDK-Irak,
die massive Unterstützung vom persischen Schah erhält.
Die Gruppe kehrt in den Iran zurück und bildet bewaffnete Guerillaeinheiten.
In Frühjahr 1968 werden ihre führenden Kader, darunter der Priester
Mala Avara, der Student Abdullah Moini und der Elektroingenieur Sharif
Zadeh getötet. Die Peschmarga der PDK-Irak von Barzani beteiligt
sich zusammen mit der persischen Armee aktiv an der Verfolgung der revolutionären
Gruppe.
1969
Gründung der "Revolutionären Kulturvereinigungen des Ostens"
(DDKO). Massives Vorgehen der türkischen Armee gegen diese Kulturvereinigungen
in den folgenden Jahren.
11.03.1970
Am 11. März wird eine kurdisch-irakische Vereinbarung (Märzmanifest)
über die "Autonomie Kurdistans" unterzeichnet. Laut Abkommen
sollen fünf kurdische Vertreter Kabinettsminister in Bagdad werden.
Eine Landreform soll durchgeführt werden. Gesundheitsversorgung und
Erziehungswesen sollen auf die entlegensten Flecken ausgeweitet werden.
An den Schulen sollen kurdisch gelehrt, eine kurdische Akademie der Wissenschaften
gegründet werden.
Doch ist die Zentralregierung in Bagdad nach 2-3 Jahren nicht bereit,
die kurdischen Forderungen nach Kontrolle der Erdölgebiete um Kirkuk
und Kanaqin zu erfüllen. Die folgenden Jahre sind von ständigen
Angriffen, Attentaten auf kurdische Führer und einer Politik der
Arabisierung geprägt. Der Autonomiestatus Südkurdistans existiert
de facto nicht.
1970
Hafiz Al-Assad wird Staatspräsident in Syrien.
1971
Der 1939 geborene türkische Soziologe Dr. Ismail Besikci befaßt
sich seit 1961 wissenschaftlich mit der kurdischen Frage in der Türkei.
Er verlor aufgrund seiner engagierten Forschungen 1971 seine Professur
an der Universität Ankara. Im gleichen Jahr wurde er zum ersten Mal
festgenommen. 1974 freigelassen, veröffentlichte er in den folgenden
Jahren eine Vielzahl von Untersuchungen zur kurdischen Frage. Fast jede
seiner Schriften wurde kriminalisiert und verboten.
Seit 1978 befand sich Besikci aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit
mehr im Gefängnis als in Freiheit. Zuletzt wurden 1990 in einem Verfahren
insgesamt 45 Jahre Haft gefordert. Weitere Strafverfahren gegen ihn sind
anhängig. 1993 wurde er erneuert ins Gefängnis gesteckt und
Oktober 1999 auf Bewährung freigelassen.
12.03.1971
Am 12. März putscht das Militär unter Führung von General
Tagmac und Nihat Erim in der Türkei erneut. Linke Parteien und Organisationen
werden verboten. Mehrere tausend Menschen werden verhaftet und eingesperrt.
1972
Deportation von mehr als 3.000 Bauern aus der Provinz Hakkari in Nordwest-Kurdistan
ins westliche Anatolien.
1972
Gründung der ersten kurdischen Universität, nach der Vierteilung
(1923), in Silemani in Süd-Kurdistan.
Aufkommende Freiheitsbewegung in Nord-Kurdistan
April
1972
Der kurdische Student aus Urfa (Riha) Abdullah Öcalan wird bei einer
von ihm mitangeführten Protestaktion an der Ankara Universität
gegen das Ermorden des türkischen Revolutionärs Mahir Cayan
für sieben Monate festgenommen.
März
1973
Am kleinen Cubukcu-Stausee nahe Ankara trifft sich Abdullah Öcalan
mit fünf weiteren kurdischen Studierenden. Es ist das erste Treffen
für eine frühe Organisationsform, aus der später die Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) hervorgeht.
1974
Gründung der Sozialistischen Partei Kurdistans, Türkei (PSK-T)
in Ankara. Herausgabe verschiedener Zeitungen in kurdisch und türkisch.
Nach Verhängung des Ausnahmezustandes 1978 und dem Militärputsch
1980 stellt die Organisation in der Türkei ihre Arbeit ein. Die meisten
Mitglieder gehen nach Europa ins Exil, wo sie heute unter dem Namen KOMKAR
arbeiten.
März
1974
Im März verkündet Bagdad einseitig ein "Gesetz über
die kurdische Autonomie", was aber weit weniger Rechte für KurdInnen
vorsieht als 1970. Die KurdInnen lehnen es ab und der Krieg spitzt sich
zu. Es kommt zu heftigen Kämpfen, bei denen irakische Artillerie
zur Verstärkung der kurdischen Fronten angreift. Hunderttausende
von Dorfbewohner fliehen in iranische Flüchtlingslager.
30.04.1974
Hinrichtung der 19-jährigen Leyla Kassim und vier weiterer Studierenden
nach schweren Folterungen wegen "Begünstigung und Gutheißung
der separatistischen Bestrebungen" in Süd-Kurdistan.
1975
Zwischen den kurdischen Städten Amouda und Derik Südwest-Kurdistan
(syrischer Teil) werden in der Provinz Djazira 40 neue Dörfer gebaut.
7.000 arabische Bauernfamilien werden dort angesiedelt und bewaffnet.
Seit 1968 haben mehr als 30.000 KurdInnen die Provinz verlassen und im
Libanon oder im Landesinneren von Syrien versucht, eine neue Existenz
aufzubauen.
05.03.1975
Algier-Abkommen zwischen Iran und Irak, die u.a. die Einstellung iranischer
Waffenhilfe an die SüdkurdInnen unter Barzani beinhaltet. Daraufhin
beginnt Bagdad eine mörderische Offensive am 8. März. Der kurdische
Widerstand bricht zusammen.
01.06.1975
Am 1. Juni wird in Berlin-Dahlem die Patriotische Union Kurdistans, YNK,
gegründet. Vorsitzender der YNK ist seitdem Jalal Talabani.
1975
Entlang der iranischen und türkischen Grenze wird ein zehn bis zwanzig
Kilometer breiter Streifen von den irakischen Behörden menschenleer
gemacht. Ganze Dörfer werden evakuiert. Die südkurdische Bevölkerung
wird in strategischen Dörfern oder Lagern angesiedelt. Junge Kurden,
unterstützt von städtischer Intelligenz, organisieren in den
Bergen unabhängig von der PDK den bewaffneten Widerstand gegen die
Deportationen.
1976
der Chef von der PDK-Iran, Abdul Rahman Ghassemlou, lässt sich im
Pariser Exil nieder, wo er bis 1978 bleibt. Während dieser Aufenthalt
versuchte er Kontakte mit den Verantwortliche anderer Oppositionellen
erstellen.
1976
Die Gruppe um Abdullah Öcalan, die sich als "Revolutionäre
Kurdistans" bezeichnen, öffnet sich nach der "Dikmenversammlung"
im Frühjahr von Ankara aus nach Kurdistan. Der Schwerpunkt der Arbeit
liegt nun dort.
1977
Die "Revolutionäre Kurdistans" verlieren ihren ersten Weggenossen:
Aydin Gül in Dersim.
Am 18. Mai wird Haki Karer, Türke, Internationalist und ein wichtiger
ideologischer Kopf der Bewegung, in Dîlok (Antep) von einer kurdischen
kollaborierenden namens Sterka Sor ermordet.
1977
Gründung der KUK (Partisanen der Nationalen Befreiung Kurdistans)
und Gründung der Partei "Rizgarî" (Befreiung) in
Nordwest-Kurdistan.
1.
Mai 1977
Bei der größten 1. Mai-Demo in der Geschichte der Türkei
werden 37 Menschen durch Angriffe türkischer Counterguerillakräfte
getötet.
In der Türkei und in Nord-Kurdistan sterben Ende der 70er Jahre bei
politischen Auseinandersetzungen zwischen revolutionären und faschistischen
Kräften täglich bis zu 20-25 Menschen.
1978
Der alte Mullah Mustafa Barzani zieht sich, schwer an Krebs erkrankt,
in die USA ins Exil zurück. Er stirbt dort 1979. Seine Nachfolge
treten seine Söhne Idris und Masud Barzani an. Nach dem Tod von Idris
Barzani 1987 führt Masud Barzani die PDK-Irak allein.
27.11.1978
Am 27.11.1978 wird die Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK
(Partîya Karkêren Kurdistan) im Dorf Fis bei Landkreis Lice
in Diyarbakir vollzogen. Vor der Gründung wurde die Partei als "Revolutionäre
Kurdistans" oder "Apocular" bezeichnet, die von 1973 bis
1977 ideologisch, politisch und soziologische Untersuchungen zu der kurdischen
Gesellschaft durchführten. Gründer, Vorsitzender, Stratege und
Ideologe der PKK ist seit der Gründung Abdullah Öcalan.
23.12.1978
Massaker in Marasch an KurdInnen alewitischer Glaubensbekenntnis durch
türkische Faschisten (Graue Wölfe), die vom türkischen
Geheimdienst unterstützt wird. Bis zu 1000 Menschen werden bestialisch
ermordet. Wenige Tage später wird der Ausnahmezustand in acht kurdischen
Provinzen verhängt.
Ende
1978 / 1979
Widerstand von Siverek und Hilvan der PKK. Feudale Aghas werden in vielen
Gefechten durch kurdische Revolutionäre angegriffen. Die Bevölkerung
unterstützt sie in großer Zahl. Die PKK wird zu einer Massenbewegung.
01.02.1979
Die revolutionäre Bewegung im Iran hat großen Zulauf in Ost-Kurdistan.
Volksaufstände und Guerilleros breiten sich Ende der 70er rapide
aus. So wird kurz vor der Revolution die Garnison von Sardascht (Ost-Kurdistan)
von den KurdInnen erobert.
Februar
1979
Der Schah von Persien wird gestürzt. Ajatollah Khomeini übernimmt
die Macht. Wie viele andere Oppositionsgruppen des Landes haben die KurdInnen
gehofft, unter der neuen Regierung der Mullahs mehr Autonomie zu erlangen;
doch werden ihre Erwartungen enttäuscht. Bis zur Machtübernahme
der Mullahs haben die KurdInnen sie unterstützt. Khomeini selbst
hatte zunächst den ihm zur Seite stehenden Volksgruppen mehr Rechte
zugesagt.
Als sich das Regime in Teheran konsolidiert, geht die Armee gegen die
KurdInnen vor. Vor allem Anfang der achtziger Jahre mehrere zehntausend
KurdInnen den Kämpfen zum Opfer.
14.02.1979
Eine aus 5 Repräsentanten verschiedener Parteien und Stellvertretender
bestehende kurdische Delegation trifft sich mit dem Sekretär von
der nationalen Front Irans Darius Faruhar. In diesen Verhandlungen stellen
die kurdischen Delegierten ihre Forderungen, die sogenannten "sechs
Punkte von Mahabad", in denen Autonomie für die kurdischen Regionen
gefordert wird.
18.-22.
März 1979
Die Soldaten der Garnison von Sanandaj (Ost-Kurdistan) öffnen das
Feuer auf die Menge, die Newroz feiern und für ihre Freiheit demonstrieren.
Bei der Auseinandersetzungen sterben 178 Menschen.
3.08.1979
Wahlen der "Experten Versammlung" in Iran, die die Verfassung
überprüfen soll. A.R. Ghassemlou wird gewählt, darf aber
an der Versammlung nicht teilnehmen, da er Laizist ist. In den anderen
kurdischen Regionen wie Kurdistan und Kermanschah sind die Wahlergebnisse
gefälscht.
17.08.1979
Khomeini erklärt die KurdInnen als untreu und revolutionsfeindlich.
Nach dieser Erklärung fangen die Massaker gegen die kurdische Bevölkerung
an. Khomeini verdient sich damit den Namen "Metzger von Kurdistan".
23.081979
Die iranische Armee fängt mit der Bombardierung kurdischer Städte
an. Am 23. August wird Sakez, am 1. September Bokan, am 2. September Piranschar,
am 3. September Mahabat und am 6. September Sardascht angegriffen.
07.08.1979
Die Kämpfer der PDK-Irak schiessen in Unschu (Ost-Kurdistan) auf
die demonstrierende Menge. Es gibt mehrere Tote. Die Demonstration wurde
von der PDK Iran organisiert.
2.
und 3. Dezember 1979
Referendum über die Verfassung der islamischen Republik Irans. Die
Verfassung erklärt den Schiismus als die offizielle Religon Irans
und lässt keine Form von Autonomie für ethnische und religiöse
Minderheiten zu.
Frühling
1980
Die reguläre Armee Irans marschiert in die kurdische Regionen. Am
6. Juni erklärt Iran, daß die kurdische Frage gelöst sei.
Ab diesem Datum kündigt die PDK-Iran den Guerillakrieg an. Die Spaltung
und Schwächung der PDK-Iran beginnt aber auch damit gleichzeitig.
12.09.1980
Am 12 September 1980 putscht das Militär unter General Kenan Evren
zum dritten Mal in der Türkei. Der Putsch wird unterstützt von
der NATO und den USA. Die NATO stationiert anschließend schnelle
Eingreiftruppen im Herzen Kurdistans, in Van und Batman.
Evren begründet den Putsch mit: "zu den Quellen des Kemalismus
zurückzukehren" zu wollen und "die separatistische Umtriebe
zu bekämpfen".
Der Putsch richtet sich eindeutig gegen die aufkeimende kurdische Befreiungsbewegung
und gegen linke und kommunistische Kräfte. Tausende von politischen
Gefangenen werden gefoltert und zum Tode verurteilt. Die PKK ziehte sich
schon ein Jahr zuvor teilweise aus Nord-Kurdistan in den Libanon zurück,
nach dem Putsch werden alle Gruppen ins Ausland gerufen. Türkische
oppositionelle Gruppen gehen auch ins Exil, die meisten nach Europa.
22.09.1980
bis 18.07.1988
Beginn des ersten Golfkrieges zwischen Irak und Iran, der vor allem auf
dem Gebiet der KurdInnen tobt. 1987: Durch die Unterstützung der
kurdischen Peschmergatruppen erringt das iranische Militär in den
Jahren 1982 an der Nordfront einen Sieg über die irakischen Truppen.
Bagdad revanchiert sich schon nach 1-2 Jahren mit Giftgasangriffen auf
das Hauptquartier der YNK und auf dutzende Dörfer in Süd-Kurdistan.
1981
Streitigkeiten zwischen der YNK und der KDP-Irak bestimmen die politische
Landschaft in Süd-Kurdistan. 1981 kommt es sogar zu bewaffneten Zusammenstöße
zwischen beiden Parteien.
21.03.1982
Mazlum Dogan, M |