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Jeremiah M. Riemer
Die Streitkultur als Leitkultur
Amerikanische Juden als Außenseiter und Insider der Einwanderungsgesellschaft
Alternatives Jugendzentrum Dessau/ 13. Juni/ 18.00 Uhr
Aus einem Beitrag von Jeremiah M. Riemer: Die Vereinigten Staaten sind das "Land
der real existierenden Juden". Schon vor dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die
Kinder von Einwanderern aus Ost- und Mitteleuropa die politische und geistige
Führung des "Aschkenas" (des europäischen Judentums). Nach dem Holocaust ging
das Vermächtnis der europäischen Diaspora fast völlig auf Nordamerika über.
Was wissen die Bürger der Bundesrepublik über diese "real existierenden Juden"
jenseits des Atlantiks - über ihre Stellung in der amerikanischen Politik, ihre
kulturellen Leistungen, religiöse Identität und Einstellung zur
"Außenwelt" (zu anderen Diasporagemeinschaften, zu Israel, zur nichtjüdischen
Mehrheit in den USA sowie in anderen Ländern)?
In Deutschland weiß man, daß die amerikanischen Juden irgendwie "wichtig" sind.
Aber von Deutschland aus kann es recht schwierig sein, die Details dieser
Bedeutung auszumachen. Das Bild der amerikanischen Juden wird über bestimmte
Themen vermittelt -Holocaust und Restitutionsklagen, Hollywood und
"Ostküstenestablishment", Europas Verlust und Amerikas kulturelle Bereicherung
durch die Vertreibung der "jüdischen Intelligenz" aus Deutschland.
Denn die deutsche Beschäftigung mit
dem amerikanischen Judentum wird meistens nicht mit Begegnungen aus erster Hand
oder solidem Grundwissen über die größte jüdische Gemeinde der Neuzeit in
Zusammenhang gebracht. Kein Wunder, daß sogar wohlmeinende, "politisch korrekt"
denkende Deutschen sich Vorurteilen bedienen lassen, wenn es um
amerikanische Juden geht, und vor allem wenn diese Klischees von angeblichen
Experten mit jüdischem "Echtheitszertifikat" serviert werden. Wenn z. B. der
linke Provokateur Norman Finkelstein, sein rechtsstehender Kritiker Michael
Wolffsohn und (aus der zynischen Mitte) Henryk Broder miteinander darin
übereinstimmen, daß amerikanische Juden den Holocaust als identitätsstiftenden
Ersatz für den Verlust alter Religiösitat brauchen, klingt das in vielen
deutschen Ohren plausibel, obwohl keiner der oben genannten Autoren die
geringste Ahnung vor jüdischer Kultur in Amerika hat.
Jeremiah Michael Riemer
Geb. 1952 in Bellefonte, Pennsylavania (USA). Schule in State College,
Pennsylvania und (seit 1964) Milwaukee, Wisconsin (auch ein Jahr in
einer Dorfschule, Igls bei Innsbruck, 1961-1962).
STUDIUM
Harvard College (Cambridge, Massachusetts) - A.B. (Bachelor of Arts) 1974 im
Fachbereich "Social Studies" mit einer Arbeit ("senior thesis") über
Verbändepolitik im Deutschen Kaiserreich (betreut von Prof. Charles
Maier, Geschichte).
Cornell University (Ithaca, New York) - Ph.D. 1983 bei der Government
Department, "comparative politics" (vergleichende Innenpolitik). Promovierte bei
Prof. Peter Katzenstein mit einer Dissertation über den
Aufstieg und Zerfall des sozialdemokratischen Keynesianismus
("Globalsteuerung") in der Bundesrepublik.
LEHRSTELLEN
Schwerpunkt vergleichende Innenpolitik (Europa, USA, Lateinamerika):
- 1981-1985, Assistant Prof., Department of Government, Oberlin College, Oberlin, Ohio.
- 1986-1987, Visiting Prof., Department of Political Science, Boston University.
- 1987-1993, Assistant Prof., Department of European Studies, The Paul S. Nitze
School of International Studies, Johns Hopkins University, Washington, D.C.
- 1995, Adjunct Professor, New School for Social Rearch, New York.
Schwerpunkt Amerikanistik (Politik, Sozialpolitik und Wirtschaftsgeschichte in den USA):
- 1993-1994 (Wintersemester), JFK-Institut an der FU Berlin.
Seit 1996 freier Übersetzer.
ÜBERSETZUNGEN (Auswahl):
- "Unwilling Germans? The Goldhagen Controversy" (Hrsg. Robert Schandley,
University of Minnesota Press, 1996).
- "Torture: at the Side of the Survivors" (Johns Hopkins University Press,
2001). Übersetzung von "Folter. An der Seite der Überlebenden.
Unterstützung und Therapien" von Sepp Graessner, Norbert Gurris, Christian
Pross, München, C.H. Beck Verlag, 1996.
- Andere Übersetzungen und Redaktionsarbeit für Jürgen Kocka, Claus Leggewie,
Götz Aly, American Institute for Contemporary German Studies, Berlin Bauwelt
Annual, American Jewish Committee, Max-Planck-Institut
für Gesellschaftsstudien, Holocaust and Genocide Studies (U.S. Holocaust
Memorial Museum), German Historical Institute (Washington),
Friedrich-Ebert-Stiftung (Washington), Century Fund, Harvard Cold War
Studies Project.
VERÖFFENTLICHTUNGEN (Auswahl):
- "Grace? Under Pressure? The Goldhagen Controversy After Two Years," Kap. 10 in
"Breakdown, Breakup, Breakthrough: Germany's Difficult Passage to Modernity"
(Hrsg. Carl Lankowski, New York, Berghahn Books, 1999).
- "Germany Reaches a Crossroad (In the 1990s, Germans confront their past)" in
"DIMENSIONS: A Journal of Holocaust Studies" (Hrsg: Anti-Defamation League der
B'nai Brith), Bd. 13, Nr. 1 (1999), S. 3-8.
- "The Berlin Review of Books: oder warum es in Deutschland immer noch keine
Rezensionszeitschrift gibt"
Infos/Anmeldungen:
Infoladen "Volk und Wissen Dessau",
Schlachthofstraße 25,
06844 Dessau,
Phon/Fax: 0340/ 26 60 210/220,
e-mail:
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