Pressemitteilung vom 18. November 2008

Merkel und Berlusconi verbünden sich in Triest gegen NS-Opfer

Deutsch-italienisches Treffen in Triest
Merkel und Berlusconi schmieden Komplott gegen NS-Opfer

Die deutsche Bundeskanzlerin und der italienische Ministerpräsident wollen heute erklären, wie die jüngsten rechtskräftigen Urteile des italienischen Kassationshofs noch ausgehebelt werden können. Gemeinsam plant man, den Internationalen Gerichtshof in Den Haag dafür zu missbrauchen, Ansprüche der Opfer von NS-Verbrechen zu hintertreiben.

Seit Jahrzehnten verweigern bundesdeutsche Regierungen den Opfern von NS-Verbrechen in ehemals von Nazi-Deutschland besetzten Ländern Entschädigungsleistungen. Entgegen der Propaganda aus Berlin hat die Bundesrepublik die Opfer von NS-Kriegsverbrechen in Griechenland und Italien bis heute nicht entschädigt. Zahlungen gemäß sogenannten Globalabkommen in den 60er Jahren waren explizit nur für politisch, religiös oder rassisch verfolgte Menschen gedacht, nicht aber für die Opfer von Massakern.

Die deutsche Regierung bekämpft mit allen Mitteln die Ansprüche von NS-Opfern auf Entschädigungsleistungen. Selbst höchstrichterliche Verurteilungen durch die Obergerichte Italiens und Griechenlands wie zuletzt im Fall der Massaker von Civitella (Italien) und zuvor Distomo (Griechenland) werden missachtet. Deutschland bricht vor aller Öffentlichkeit internationales Recht und stellt sich selber als Opfer dar. Deutschland kann sich nicht auf Staatenimmunität berufen, weil das Privileg der Immunität für Verbrechen gegen die Menschheit, die Nazi-Deutschland begangen hat, nicht gilt. Dies hat der Kassationshof in Rom unmissverständlich dargelegt. Hieran ist Deutschland gebunden.

Bundeskanzlerin Merkel hat nun im italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi einen Verbündeten gefunden, der Sorge hat, dass auch Italien zu Recht von Opfern faschistischer Verbrechen in Anspruch genommen wird. Und so will man in Den Haag einen Prozess inszenieren, der von vornherein eine Farce ist. Denn Deutschland könnte Italien nur verklagen, wenn es Streit um die Auslegung des Völkerrechts gäbe, was aber gerade nicht der Fall ist. Denn die italienische Regierung hat sich von Anfang an der deutschen Rechtsauffassung angeschlossen.

Besonders perfide ist angesichts dessen die Inszenierung des Besuchs von Bundesaußenminister Steinmeier in der KZ-Gedenkstätte Risiera die San Sabba. Steinmeier erinnert in seiner Rede zu Recht an das Leid der etwa 600.000 italienischen Militärinternierten, die in Nazi-Deutschland unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Dass den Überlebenden von deutscher Seite jegliche Entschädigung verwehrt wurde, blendet er jedoch bewusst aus.

Während der eine Regierungsvertreter symbolisch der Opfer gedenkt, betreibt die andere zeitgleich ihre Entrechtung. So funktioniert die Aufarbeitung des Nationalsozialismus durch die Berliner Republik.

Der Arbeitskreis Distomo fordert, die Urteile des Kassationshofs in Rom anzuerkennen und die berechtigten Forderungen griechischer und italienischer NS-Opfer endlich zu erfüllen.

Hamburg, den 18. November 2008
Arbeitskreis Distomo

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