Das Antifa-Workcamp Weimar findet nun doch zum zehnten
Mal statt und beginnt wie geplant am 26. Juli. Bis zuletzt war
dessen Durchführung fraglich. Die Leitung der Gedenkstätte
des ehemaligen KZ Buchenwald versuchte bereits im zweiten
Jahr in Folge, das Workcamp, das seit 1990 jährlich immer
mehr Jugendliche und junge Erwachsene aus dem gesamten
Bundesgebiet anzieht, durch die Behinderung der praktischen
Arbeit auf dem Gedenkstättengelände zu torpedieren
beziehungsweise unattraktiv zu machen. Ein Workcamp an
der Stätte der faschistischen Verbrechen, das Hintergründe zu
erhellen versucht, Kontinuitäten aufzeigt und
antifaschistischen Widerstand damals und heute thematisiert,
wird von der Leitung der zur zentralen bundesdeutschen
Gedenkstätte auserkorenen Einrichtung als Störfaktor
begriffen.
Proteste und Interventionen von verschiedenen Seiten
brachten die Gedenkstättenleitung unter Volkhard Knigge
jetzt zum Einlenken. So überreichte der Vorbereitungskreis
des Antifa-Workcamps Weimar 1998 mehrere hundert
Protestunterschriften. Verbände ehemaliger Häftlinge und die
Gewerkschaft HBV Thüringen protestierten ebenfalls gegen das
Vorgehen der Gedenkstättenleitung. Die Stadt Weimar signalisierte
gegenüber R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. - eine der vorbereitenden
Gruppen -, bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft
für die erwarteten 200 Teilnehmer behilflich sein zu wollen.
Für das diesjährige Workcamp haben sich die Veranstalter
vorgenommen, eine der Gleisanlagen freizulegen, die vom
Weimarer Bahnhof zum ehemaligen Konzentrationslager
Buchenwald führten. Sie wurden für die Deportation von
Häftlingen ins KZ genutzt und waren für den Rüstungsbetrieb
der Gustloff-Werke auf dem Ettersberg bei Buchenwald von
großer Bedeutung. In diesem Betrieb wurden Tausende KZ-
Häftlinge unter unmenschlichsten Bedingungen ausgebeutet.
Im Rahmenprogramm werden neben Rundgängen durch die
Stadt Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald
Veranstaltungen zu aktuell-politischen und zu historischen
Themen angeboten. Als Höhepunkt des Rahmenprogramms
ist ein internationales Studentenseminar vorgesehen, in dem
aus dem europäischen Widerstand gegen den deutschen
Faschismus Schlußfolgerungen im Hinblick auf heutige
Europakonzeptionen gezogen werden sollen.
Christoph Laubscher
*** Anmeldung und weitere Infos unter 034953/39621