Quelle: K. aus M. 12. Antifa-Workcamp Montag, den 24. 7. 2000


"Ihr habt den Tisch ja mitgedeckt - Nun müsst ihr´s runterschlucken."



Bild: Kabarett

Das Quedlinburger Kabarett Die Stadtverpfeifer war zu Gast im Mon Ami, angereist zur Abendunterhaltung der CamperInnen. Und unterhalten haben sie uns auch. Fehlte auch oft der ROTE Faden, so war die Textauswahl zweifelsfrei diesseits der Barrikaden (das reimt sich sogar, und was sich reimt, stimmt!). Was allerdings auf dem Programmzettel grossspurig als "Zeitenreise" mit politischem Blick deklariert war, entpuppte sich als - Abendunterhaltung. Das Publikum zeigte gute Polit-Nase und verweigerte nichtssagenden Passagen den Applaus und etwas bärtigen Witzen das Gelächter. Die (ich hab sie mitgezählt!) elf absolut brandheissen Highlights wurden leiderleider von lediglich schönen Gedichten gedeckelt. Schärfe war da, die Milch zum nachtrinken aber auch. Mühsam, Tucholsky, Brecht, Kerr, Weinert, Wader, Heine, Wedekind und Erika Mann haben zum Thema 20er Jahre bis heute wirkliche Knaller geschrieben. Schade, daß die Textauswahl so harmlos blieb. Die Frage: "Was wolltet ihr denn nun eigentlich konkret aussagen?" lässt sich aus dem Programmzettel beantworten mit der Aussage: "Alles ist schonmal dagewesen. Die Zeit plagiiert sich selbst." Nun aber auch ein paar Worte zur Form (der schönste Inhalt taugt nicht für die Agitation ohne sie): Sofort bei Beginn des Programms war spürbar, hier sind Künstler am Werk, die ihre Arbeit lieben, ihre Werkzeuge kennen und einsetzen können. Textunsicherheiten wurden souverän mit eingebaut, der Blick ins Publikum blieb einzelnen Passagen vorbehalten, was die Wirkung erhöhte, Bühnenpräsenz der Akteure und Nutzung des gesamten Raumes fesselten und sorgten für so manches langsam schal!werdende Bier. Wir lernten: Kabarett ist Kabarett - und Agitprop ist Agitprop! So dürfen wir auf den Agitprop-Abend am Donnerstag um 22.00 Uhr gespannt sein!

K. aus M.