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Eigentlich war die Delegiertenkonferenz des Bundes der
Antifaschisten (BdA) am vergangenen Sonnabend in der
Berliner Humboldt-Universität zusammengekommen, um per
»politischer Willenserklärung« ihrem Wunsch nach
Zusammenschluß mit der Interessenvereinigung der
Verfolgten des Naziregimes (IVVdN) zu dokumentieren. Eine
Auseinandersetzung über das Wie und Wozu der Vereinigung
der zwei großen antifaschistischen Verbände auf dem Boden
der ehemaligen DDR war dabei ebenso wenig vorgesehen
wie eine grundlegende Diskussion über Inhalte und
Erfordernisse heutiger antifaschistischer Politik. Wie gering
die Bereitschaft zu diesem nötigen Gedankenaustausch war,
zeigte sich am Umgang mit dem Jugendverband
R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N., der dem Bund der Antifaschisten
(BdA) nahesteht.
Die Jugendlichen sind dabei, zusammen mit dem BdA
Sachsen-Anhalt, ihr nächstes Antifa-Jugendworkcamp in der
Gedenkstätte Buchenwald zu organisieren. Dabei werden
ihnen jedoch zunehmend Steine in den Weg gelegt. Kamen
die Angriffe bislang von der Gedenkstättenleitung, der
Weimarer Stadtverwaltung und dem Staatsschutz, sieht sich
der Jugendverband jetzt auch mit Anwürfen aus den eigenen
Reihen konfrontiert. Teile des BdA-Landesvorstandes
Thüringen um den Vorsitzenden Hans Koch haben ihrerseits
ein eigenes Workcamp angemeldet und von der
Gedenkstättenleitung auch just für den eigentlich von
R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. vorgesehenen Zeitraum bewilligt
bekommen.
Wurde die dezente Erwähnung des skandalösen
Sachverhalts durch R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. von den
Delegierten der Konferenz noch mit höflicher Nichtbeachtung
quittiert, platzten einigen die Kragen, als ein BdA-Vertreter
der Berliner Ortsgruppe Prenzlauer Berg die Angelegenheit
in prononcierterer Form zur Sprache brachte. Er warf Teilen
des Thüringer Landesvorstandes Sabotage antifaschistischer
Jugendarbeit vor. Buchenwald sei nun nicht mehr nur eine
Stätte, an der deutsche faschistische Geschichte dargestellt
werde, in Buchenwald werde nunmehr auch Geschichte
gemacht. Die wegen DKP-nähe erfolgte Entlassung von
Ulrich Schneider als Leiter der zur zentralen BRD-
Gedenkstätte auserkorenen Einrichtung zugunsten von
Volkhard Knigge, das Arbeitsverbot für
R.O.T.K.Ä.P.C.H.E.N. in der Gedenkstätte und die
Gleichsetzung des nach dem Zweiten Weltkrieg
eingerichteten sowjetischen Internierungslagers für deutsche
Kriegsverbrecher auf dem Gelände der Gedenkstätte mit dem
faschistischen Konzentrationslager seien Wendemarken der
revisionistischen Umgestaltung Buchenwalds. Mit Verweis
auf das Überschreiten der Redezeit wurde er unterbrochen
und eine Diskussion zur Sache abgelehnt.
Ähnlich wurde mit einem Antrag verfahren, der die Jahre
1989/90 und das Ende der DDR weniger als vertane Chance
für die Durchsetzung politischer Menschenrechte sah,
sondern eher als Wendepunkt, der dem Ausbruch eines
undemokratischen und antihumanistischen Ungeistes
Vorschub leistete. Auch hier fand eine Auseinandersetzung
nicht statt. Der Antrag wurde ohne Diskussion
niedergestimmt.
Daß es den großen antifaschistischen Traditionsverbänden
durchaus gut ansteht, wenn sie sich mit aktueller
antifaschistischer Politik auseinandersetzen, zeigte Peter
Gingold. Als Mitglied des westdeutschen Antifa-Verbandes,
in dem alte und junge Antifaschisten zusammengeschlossen
sind, plädierte er selbstverständlich für eine enge
Zusammenarbeit zwischen allen drei großen Organisationen,
durchaus mit der Perspektive auf eine einige, mächtige,
bundesweite Antifa-Organisation, wie sie den Delegierten des
Kongresses vorzuschweben scheint. Das hinderte ihn jedoch
keineswegs, sich der Auseinandersetzung mit den aktuellen
Erfordernissen an antifaschistische Politik zu stellen. In
aller Kürze und Klarheit bestimmte Peter Gingold als ein
gegenwärtiges Ziel der Herrschenden, bei der Bevölkerung
der BRD eine deutsch-nationale Identität als ideologische
Flankierung ihrer Standortpolitik des Sozialabbaus zu
stiften. Die Antifa stehe dem im Weg und werde daher mit
allen Mitteln zu diskreditieren versucht. Ein Ausdruck
dieser Bemühungen sei, die Antifa mit Nazis auf eine Stufe
zu stellen, wie dies mit dem Verbot von antifaschistischen
Kundgebungen derzeit versucht werde.
Christoph Laubscher
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