j











RE-AKTIONEN, Leipziger Flüchtlingspostille, November 2000, Nr. 2

Ein Blick auf ein Heim für politische Flüchtlinge in Chemnitz und ein Ausblick

Statt einer Heimreportage aus Leipzig seien hier ein Einblick in ein Heim in Chemnitz und ein politischer Ausblick eines Flüchtlings abgedruckt.

Das Chemnitzer Heim ist voll von asylsuchenden Menschen aus die aus verschiedenen Ländern kommen. In diesen Ländern haben sie unter Tyrannei gelitten. Aber sie haben es geschafft, unter großen Problemen und Gefahren in ein relativ sicheres Land zu reisen. Es sind leidende und schutzlose Menschen, die Opfer der politischen und gesellschaftlichen Ordnung (bzw. Unordnung) geworden sind.

Ich, der ich als ein politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen bin, habe die Erfahrung gemacht, dass der Mensch wohl überall mit Problemen zu kämpfen hat, obgleich diese Probleme verschiedenster Natur sein können. Hier möchte ich einige dieser Probleme ansprechen.

In dem Heim, in dem ich zur Zeit bis für eine unbestimmt lange Zeit untergebracht bin, ist die Situation für mich schockierend. Hier sind etwa 200 bis 250 Menschen aus verschiedenen Ländern untergebracht: so aus dem Irak, der Türkei, Jugoslawien, Indien, Iran...... Einige dieser Familie haben neugeborene Kinder. Allerdings bietet das Heim nicht die erforderlichen Möglichkeiten, eine Familie mit kleinen Kindern unterzubringen. Um dieses zu verstehen, würde nur ein kurzer Blick ausreichen. Die Toiletten und die Duschräume sind unhygienisch, die Flure und die Zimmer in denen bis zu 8 Personen untergebracht sind, sind sehr dreckig. Es werden keine Mittel zu Verfügung gestellt, damit die Heimbewohner etwa selbst die Reinigung vornehmen könnten. Auch die Kantine ist genau so unhygienisch wie die restlichen Räume. Die Menge des Essens und seine Qualität sind ein großes Problem. Es kommt auch vor, daß man nach dem Essen noch hungrig ist, aber auf eine diesbezügliche Anfrage keine Antwort erhält.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen von Waschmaschinen und Möglichkeiten zum Wäschewaschen, das heißt man muss seine Wäsche in Waschbecken waschen. Diese selbst sind in einem veralteten und unhygienischen Zustand, eine Quelle für Bakterien und Pilze.

Diese und andere Probleme führen zu verschiedenartigen Krankheiten. So sind Durchfall und Hautkrankheiten sind sehr verbreitet. Ich selbst leide, seit ich in diesem Heim untergekommen bin, an einer Hautinfektion. Diese ist auf die unhygienischen Bedingungen zurückzuführen, aber auch allgemein auf ein geschwächtes Immunsystem, das wiederum seine Ursache in psychischer Belastung und Müdigkeit hat. Viele Menschen im Heim leiden an den unhygienischen Bedingungen, für die sie auch noch selbst verantwortlich gemacht werden. Aber wie soll ein verdrecktes Heim, in dem Menschen unter unwürdigen Bedingungen untergebracht werden, in ein sauberes Hotel verwandelt werden, wenn nicht einmal Reinigungsmittel zur Verfügung gestellt werden? Oder wenn zwanzig Männer sich eine Toilette teilen sollen?

Natürlich ist es auch ein Problem, daß wir alle aus verschiedenen Kulturebn aufeinandertreffen und daß wir alle verschiedenen Angewohnheiten haben. Aber ist es nicht sinnvoller, Familien und alleinstehende Frauen getrennt unterzubringen? Und ist es nicht sinnvoller, die Unterbringungsheime kleiner und übersichtlicher zu gestalten? Und ist es nicht notwendig, alle Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen?

Hossein Abyat
Einer der politischen Asylsuchenden

In jeder Ausgabe von Reaktionen wird es eine Reportage über ein Asylheim in Leipzig und Umgebung geben. Wir bitten um die Mitarbeit der jeweiligen Heimbewohner. Ideal ist natürlich, wenn die Leute die Reportagen selbst schreiben könnten und Fotos dazu machen können.

zurück