StrassenverkaeuferInnen
Die urbanen Zambier (sowohl die unteren als auch die Mittelklasse) beschweren sich bitter darüber, wie ihr Land in Europa dargestellt wird. Praktisch alle Weißen, die ich hier treffe, sind Entwicklungshelfer; wenn man durch die Stadt fährt, sieht man unzählige Autos und große, schicke Grundstücke mit Büros von allen möglichen Organisationen – World Vision, ded, Peace Corps. In der Entwicklungshilfe steckt viel Kohle drin, und die Standards der Zambia-Berichterstattung sind HIV/AIDS und die Armut der Leute. Das urbane und in alle Widersprüche der Moderne verstrickte Zambia gibt es in dieser Berichterstattung nicht. Ich lerne Leute kennen – Schauspielerinnen, eine Regisseurin, JournalistInnen – die gebildet, modern und urban sind und die (meistens in der Aids-Aufklärung) sich sehr engagieren. Die Regisseurin (sie hat einen Kurzfilm produziert) ist im Hauptberuf Herausgeberin einer Popkultur-Zeitschrift, die den Schwerpunkt HIV/Aids-Aufklärung hat, also über Prävention informieren will, aber auch die Akzeptanz der HIV-Positiven oder Aidskranken in der Gesellschaft verbessern will. Man koennte sagen: eine Art "Bravo" mit Anspruch, zwar mit Stars und Pop und so, aber auch die Befindlichkeit und das politische Interesse der Jugendlichen wird behandelt. Der groesste Teil des Magazins dreht sich allerdings um Sex, mit starkem aufklaererischem Anspruch.
Domingo, der vom Land kommt, hat schon als Moderator, Journalist und "Counsellor" für HIV/Aids in seiner Region gearbeitet und versucht sich gerade an einer Musikerkarriere, mit zambischem Reggae und HipHop. Jenseits dieser (kleinen) Mittelschicht fällt mir auf, wie viele Leute in Lusaka sich kreative Arten einfallen lassen, um Geld zu verdienen. 400 000 von 11 Millionen haben einen offiziellen Job, die meisten schlagen sich mit Kleinstgewerbe durch.

Überall in Lusaka findet man StrassenverkäuferInnen, die Lebensmittel, Süssigkeiten, Zeitungen, gecrackte DVDs, CDs, Schuhe, Gürtel, Anzüge, Büromaterial und Schulbücher verkaufen.
