Baustellen
Der Verfall ist in der Innenstadt genauso zu sehen; angefangene und wohl nie zu Ende gebrachte Baustellen säumen die zentrale Strasse, die Cairo Road.

Ironischerweise ist dieses Gebäude der Sitz der "Zambian National Bbuilding Society" (znbs); die (hier natürlich genauso als eher sarkastischer Kommentar zu verstehende) Werbung stammt von einem der größten Handyanbieter Afrikas, celtel. Die kleine rotgelbe Hütte ist übrigens eine der üblichen Verkaufsstellen von celtel, mit Payphone und Verkauf von SIM-Karten.

Die Cairo Road wird von zwei Roundabouts (Kreisverkehren) abgegrenzt, im Norden der Kabwe Roundabout

im Süden der Kafue Roundabout. Der Adler auf der Säule ist ein Fischadler, das Wappentier Zambias. Die Plakate sind für die Präsidentschaftswahlen, die am 28. September stattfinden.

Die zwei Jungs putzen das Monument und gießen den Rasen auch am Samstag und verdienen 150 000 Kwacha im Monat, das sind ca. 30 Euro.
Die Stadt ist unterteilt in reichere Viertel und sogenannte "compounds", mit teilweise festen Häusern ("Mittelklasse", was aber dem Niveau einer Plattenbausiedlung entspricht) und Wellblechhütten, also praktisch Slums, in denen das Abwasser über die Strassen läuft. Dazwischen scheint es nicht viel zu geben. Die Reicheren gehen in den shopping malls einkaufen, wo man alles kriegt, was das Herz begehrt, inklusive Latte Macchiato im Internetcafé. Der größte Witz ist, dass sich die Weißen hier auch noch beschweren, dass "Zambia schweineteuer" sei. Zum Beispiel suchen alle nach einem billigen Internetcafé; in der Mall kostet die Minute 200 Kwacha, das sind 4 Cent (immerhin billiger als in Konstanz, wo es meistens 7 Cent/min kostet). Ok, als EHler verdient man 800 € im Monat (Unterkunft und Spesen ausgenommen! Alle können sich hier ein Haus mit Bediensteten und ein fettes Auto leisten); aber als ich ihnen erzähle, dass ich ein Internetcafé gefunden habe, wo man 100 Kwacha zahlt (und 200 statt 500 Kw fürs Ausdrucken) und, als alle wissen wollen, wo, anhänge, dass das in der Innenstadt, am Parkplatz für die Minibusse liegt (und halt auch ein bisschen schrottiger ausschaut), lässt das Interesse stark nach. In die Cairo Road (die zentrale Strasse) geht man wohl nicht; im Gegensatz zu mir, der ich mich in dem Chaos wesentlich wohler fühle als in den protzigen shopping malls. Außerdem bin ich der Einzige, der mit dem Minibus fährt; wer gerade kein eigenes Auto hat (kommt selten vor, man kriegt ja auch vom ded Autos gestellt), fährt mit dem Taxi für 40 000 Kw (= ca. 8 €) in die Stadt. Ich quetsche mich in den Minibus und zahle 2000 Kw (= ca. 40 Cent) für die gleiche Strecke. Ich bin auch im Internetcafé in der Innenstadt und in den Minibussen fast immer der einzige "Mzungu" (sprich: Musungu, Weisser). Gefährlich ist das nicht, zumindest wenn es hell ist. Die Leute sind supernett und hilfsbereit, wissen, dass man sich als Mzungu nicht auskennt und bescheissen einen nicht (wenn man nicht gerade Geld auf der Strasse tauscht). Ich kriege immer mein Wechselgeld im Bus, und wenn es durch noch so viele Hände nach hinten gereicht wird; wenn man fragt, sagen einem die Leute, welcher Bus wohin fährt (keine Ahnung, woran die das erkennen...), und grinsen sich einen über den orientierungslosen Mzungu.
Die Bezeichnung "Mzungu", ist ein bisschen spöttisch gemeint, aber nicht wirklich despektierlich. Ich habe gelernt, dass, wenn mir einer "Mzungu" hinterherruft, er mich keineswegs beleidigen will; meistens will man mir entweder was verkaufen (wobei man dann eher das Gespräch mit "Eh, my friend" beginnt) oder mich auf irgendwas aufmerksam machen. In Kisuaheli bedeutet der Stamm "zungu" "umherlaufen, -rennen" (wie in "Kizunguzungu", einer Hühnerkrankheit, die dazu führt, dass die Viecher die Orientierung verlieren), "M" ist das übliche Präfix für "Mensch, Lebewesen". Die Bezeichnung kommt wohl daher, dass die Afrikaner an der Ostküste sich darüber wunderten, dass die Weissen sich nirgendwo niederließen, sondern immer weiter durch die Gegend marschierten. Ich weiss nicht genau, ob das hier einfach übernommen wurde (Kisuaheli ist eine Mischsprache aus lokalen afrikanischen Sprachen, Arabisch und Englisch, die eigentlich nur in Tanzania und Kenya gesprochen wird; die Hauptsprachen in Zambia sind Bemba und Nyanja), mir gefällt die Erklärung aber, vor allem, weil ich ja selbst noch öfters in Lusaka umherirre...