23 August
2006

fremd?



Ich muss noch ein bisschen was zu stw's Kommentar sagen, dass Kontext notwendig sei, um so mehr, je unbekannter die "fremde Gesellschaft" uns sei.
Ich störe mich an diesem Terminus. Ich bin jetzt zwei Wochen hier und mir ist aufgefallen, wie einfach ich mich zurechtfinde. Windhoek unterscheidet sich nicht groß von Stuttgart, ausser dass es mehr Sonne und weniger Wasser gibt – und einen Haufen Menschen mit einer anderen Hautfarbe. Das ändert aber nichts daran, dass das hier eine kapitalistisch strukturierte Gesellschaft ist, die nach den Gesetzen des Kapitalismus funktioniert. Ich kannn hier sogar sehr viele deutsche Marken im Supermarkt kaufen, schlicht und einfach deswegen, weil die "deutschsprachigen Namibier" eine sehr wohlhabende Bevölkerungsgruppe und damit ein wichtiges Marktsegment darstellen.
Obwohl ich weiss, dass ich hier ein Fremder bin, fühle ich mich nicht unbedingt "fremd", im Sinne von nicht dazugehörend, die gesellschaftlichen Regeln und Strukturen nicht durchschauend. Die Fremdheit verläuft entlang anderer Linien: zwischen mir und dem älteren Taxifahrer, der nicht so gut englisch spricht und mir gegenüber reservierter ist; zwischen mir und der Frau in Katutura, die ich anspreche; zwischen mir und Isaac, dem Farmarbeiter, der ebenfalls höflich, aber reserviert und wortkarg bleibt. Nicht zwischen mir und meinen Interviewpartnern, die alle studiert haben, die es zu (relativem) Wohlstand und einer Stellung in der Gesellschaft gebracht haben, die ihnen Macht zugesteht – die sich also von einem Weißen nichts mehr sagen lassen müssen, und die die Regeln und Strukturen der Kommunikation kennen. Und auch nicht mit dem jungen, urbanen Namibier, mit dem ich ab und zu einen trinken gehe. Viele Securityleute, der Junge, der am Zaun lehnt und den ich auf das Feuer anspreche, die Taxifahrer sprechen mich mit "Sir" an. Ich reagiere inzwischen darauf, indem ich einfach auch jeden "Sir" nenne...
Was ich damit sagen will, ist: die "Fremdheit" läuft entlang Klassenlinien. Der Unterschied ist, dass 16 Jahre nach der Unabhängigkeit die Kategorie "Rasse" immer noch eine Rolle spielt, insofern, als man davon ausgehen kann, dass ein Weißer in 90% der Fälle zur (oberen) Mittelklasse gehört. Klar spielen "traditionelle" Strukturen noch eine Rolle: man versorgt erst einmal die Familie (wobei das ziemliche Ausmasse annehmen kann), man fühlt sich seinem Clan, Chief oder so verbunden. Das gilt aber vor allem für die Unterschichten, die Arbeitslosen, die Landarbeiter, die diese Strukturen brauchen, weil sie zum Rest der Gesellschaft keinen Zugang haben. Das gaengige Argument, wenn man Leute fragt, warum sie, obwohl sie selbst nur wenig verdienen (wie Isaac), das meiste davon noch an ihre Familien schicken, ist: weil das die Einzigen sind, die sich im Notfall um einen kuemmern werden. Im Übrigen sollte man nicht denken, das seien "traditionelle", "afrikanische" Gesellschaftsstrukturen; ganz abgesehen davon, dass sich die Gesellschaft der Damara durchaus von der der Herero unterscheidet, haben diese Gesellschaften ja selbst einen – teilweise brutalen – Transformationsprozess durchgemacht. Das Land hat durchaus seine Eigenheiten, seine eigenen Charakter und seine eigenen Probleme, die kann man aber verstehen, und viele davon bewegen sich in einem sozialen und politischen Kontext (nämlich dem des Kapitalismus), der für mich ohne größere Probleme begreifbar und kommunizierbar ist.
Vielleicht ändert sich das noch, wenn ich nach Zambia komme, vielleicht liegt es daran, dass Namibia sehr von Südafrika und damit "europäisch" geprägt ist, oder ich bin noch nicht lange genug hier und habe natürlich längst nicht alles gesehen, aber ich glaube, man sollte nicht den Fehler machen und von vorneherein von einem wie auch immer gearteten "Fremden" ausgehen, das essentiell anders ist als die eigene Gesellschaft/die eigene Psyche/die eigene Kultur oder so. Ich habe gerade erst die Kurzgeschichte "Benito Cereno" von Melville gelesen, in der ein englischer Kapitän zu einem spanischen Sklavenschiff an Bord kommt, auf dem einiges merkwürdig erscheint. Da er ständig von bestimmten essentiellen Eigenarten "der Schwarzen" (Unterwürfigkeit, Faulheit usw.) ausgeht und unfähig ist, sie anders als als Sklaven zu sehen, bemerkt er nicht, dass diese den Kapitän des Schiffes als Geisel halten und den Gast darüber hinwegtäuschen wollen, dass sie längst in einer Meuterei die Kontrolle über das Schiff an sich gebracht haben. Ähnliches bemerke ich hier: die Stereotypisierung von Schwarzen durch Weiße hat Ausmasse angenommen, die mir erst langsam bewußt werden – und die mich selbst auch betreffen. Neben dem (mehr oder weniger) unterschwelligen Rassismus vieler Weißer, mit denen ich gesprochen habe, hört man von vielen Schwarzen, dass sie die Stereotypisierung "Afrikas" satt haben. "Afrika", das heisst meistens: Hunger, Aids, Korruption, gescheiterter Demokratisierungsprozess, Gewalt, "traditionelle" (ländliche) vs. "moderne" (urbane) Gesellschaft. Ein schwarzer junger Unternehmer beschwerte sich neulich bei einem Vortrag an der Uni, dass er oft schräg angeschaut werde, weil die meisten Leute glauben, er koenne das nur durch Vetternwirtschaft erreicht haben. Und zur Zeit laufen über einen Newsletter, in dem sich Afrikanisten vernetzt haben, hitzige Debatten über Formulierungen der BBC anlässlich der Wahl im Kongo, das seien die ersten Wahlen "nach vierzig Jahren Gewalt." – was völlig unterschiedliche Perioden der kongolesischen Geschichte (Die Mobutu-Diktatur war kein Kindergarten, aber zweitweise relativ stabil) unter das eine Label "Gewalt" stellt. Ich erinnere mich noch an einen Artikel im Südkurier (eine Übernahme von dpa), in dem Kinshasa als "von Gewalt zerrüttet, aber voller Lebensfreude" beschrieben wurde. Ganz abgesehen davon, das solche Formulierungen – ein absoluter Standard in der Afrikaberichterstattung – voellig nichtssagend sind, gehen sie natürlich komplett an der Lebensrealität der Leute vorbei.


Posted by rh at 18:07 | Comments (7) | Trackbacks (0) | edit
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Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

Lass dir das gesagt sein von einem Meister des fremdelns (nicht des fremdgehens). Ganz schön fremdbestimmt der Satz und auch befremdend. Naja, immer noch besser so was zu schreiben als entfremdet zu arbeiten.

Hm, aber im Ernst: zuerst dachte ich, dass du einige interessante Gedanken zu Papier bringen wolltest und dies vermittelt über den von mir verwendeten Begriff „fremde Gesellschaft“ ganz gut anbringen konntest. Dann würde es sich eher lohnen würde, sich mit diesen Überlegungen auseinander zu setzen anstatt sich gegen die Kritik an meinem Sprachgebrauch zu wehren. Aber so leicht wollte ich es mir dann auch nicht machen deshalb vorab:

Zu deiner Kritik an meiner Rede von Namibia als einer mir (!) „fremden Gesellschaft“

Da ich Recht haben möchte, muss ich die Gegenposition zu dir einnehmen: ich bleibe also bei meinem Begriff der „fremden Gesellschaft“. Nur kurz: Wenn ich fremd sage, meine ich nicht „essentiell anders“ und schon gar nicht vertrete ich einen rassistischen Essentialismus a la englische Kapitänfigur von Melville. Auch die Konnotation von fremder unmenschlicher Gefahr (alien) war nicht gemeint. Gemeint war der Begriff eher so wie du sagst „die gesellschaftlichen Regeln und Strukturen“ der fremden Gesellschaft nicht zu durchschauen. Ich war noch nicht in Namibia, habe eine lausige Geschichtskenntnis und habe kaum was zu dem Land gelesen – Namibia ist mir so fremd wie dir meine Eltern, die du noch nie gesehen hast. Und sorry, die paar postings von dir, die ich mit grossem Interesse gelesen habe, machen den Braten leider nicht fett. Wenn du einen Zeitungskiosk in Stuttgart fotografierst, habe ich einen Berg von Assoziationen zur Frankfurter Rundschau, der Stuttgarter Zeitung, der FAZ, der Jungen Freiheit oder der Jungen Welt, die mir schlicht fehlen, wenn ich ein Foto von namibischen Zeitungsverkäufern sehe. Du brauchst mir in Stuttgart nicht den gleichen Kontext mitzuliefern, weil du da ein gewisses Vorwissen bei mir voraussetzen kannst. Mir in diesem Sinne fremde Gesellschaften gibt’s übrigens nicht nur in Afrika, sondern auch in Polen, Sibirien, New York oder Dänemark. Und manchmal erschrecke ich, wenn ich merke, wie wenig ich von der Schweiz weiss. Oder anderes Beispiel: Wenn zu - dem mir sehr fremden Land - China kritische und sogar zu China publizierende Wissenschaftler, die das Land mehrfach bereist haben, sich in stundenlangen Debatten nicht einigen können ob China jetzt ein kapitalistisches oder kommunistisches Land ist, dann kriegt man eine Ahnung davon, wie schwer es ist, eine fremde Gesellschaft zu verstehen. Ein Grund dafür liegt in der Grösse und Komplexität von Gesellschaften: du kannst selbst meist nur für einen kurzen Zeitraum einen winzigen Ausschnitt in deinem unmittelbaren Umfeld wahrnehmen, alles andere ist medial vermittelt und womöglich verzerrt.

Die Tatsache, dass ich in den meisten Ländern dieser Welt einen Kapitalismus und MacDonalds Filialen vorfinde oder 5 Sterne Hotels einen gemeinsamen internationalen Standard aufweisen, würde mich nie zu der Annahme verleiten, dass die Unterschiede der Gesellschafen gering sind. „Windhoek unterscheidet sich nicht groß von Stuttgart, ausser dass es mehr Sonne und weniger Wasser gibt – und einen Haufen Menschen mit einer anderen Hautfarbe.“ ist natürlich Unfug und klingt auch nicht so überzeugend, wenn jemand erst 2 Wochen in einem Land ist. Zum Vergleich ein Beispiel: In dem Betrieb, in dem ich seit 3 Jahren arbeite, einem Mikrokosmos von gerade mal 70 Beschäftigten, konnte ich bereits nach dem 1. Monat auf eine oberflächliche Art funktionieren: ich konnte mich verständigen, Leute einschätzen, wusste in etwa was von mir erwartet wurde und so meine Arbeit erledigen. Aber verstehen, wie der soziale Hase läuft oder ob er schon irgendwo im Pfeffer liegt, entlang von welchen Kriterien die Claims abgesteckt sind und wer wie vorgeführt, drangsaliert oder klein gehalten wird, verstehe ich erst nach Jahren ein wenig. Übertragen auf Windhoek würde ich sagen: wenn du dort gleichberechtigt in einer Gruppe von politischen Aktivisten mitarbeiten kannst, und deine politischen Freunde deine Bemerkungen zu Namibia(!) schätzen, dann bist du nicht mehr ganz so fremd.

Fremdheit entlang von Klassenlinien

Am spannendsten von deinen Überlegungen fand ich den Gedanken, dass die Fremdheit entlang von Klassenlinien läuft. Da steckt viel Wahrheit drin und doch greift er zu kurz. Mir gefällt daran, dass das soziale Verhältnis die Fremdheit definiert und nicht etwa das Blut oder die Geografie. Was mir daran nicht so gefällt, ist, dass Fremdheit mit einem (Klassen-) Antagonismus gleichgesetzt wird und so quasi mit der Fremdheit schon der notwendige Gegner mitbestimmt ist. Fremdsein ist aber nicht gleich Feindsein und dir gut bekannte Mitmenschen können deine ärgsten Feinde sein. Fremdheit als blosse Differenz nicht Ungleichheit, was eine Hierarchie zwischen oben-unten bzw. nichtfremd-fremd bedeutet. Übrigens gilt auch für den Klassengegensatz: du kannst dich durchaus in einer Klasse befinden und die andere (deinen Gegner im Klassenkampf) gut kennen. Und Fremdheit läuft auch nicht nur oder vorwiegend entlang von Klassenlinien. Es gibt sicher auch in Namibia ungleiche Geschlechterverhältnisse und die Klassenzugehörigkeit muss auch nicht mit der Rassenzuschreibung in eins gehen.


LG stw

Posted by: stw at August 25,2006 07:59 | edit
Fremde Texte

Richtig! Wie durch den Titel zu erahnen war, greif ich nochmal das Thema Fremdsein auf. Und zwar mit 4 Artikeln dazu, die ich beim Projekt "Fernweh. Tourismus in die Dritte Welt" vom iz3w-Forum "Tourismus & Kritik" http://www.iz3w.org/fernweh/ fand:

- Das Un-Behagen mit den Kulturen

- Die Erfindung des Fremden

- Tourismus als Motor globaler Klassenbildung

- Reisebilder außer Plan - Postkoloniale Kunst

Weitere Artikel zum Fotografieren (in der Fremde) sind jetzt in der rechten Spalte unter "Texte" verlinkt. Auf der Seite gibt es noch unglaublich viel mehr zu entdecken!

Posted by: stw at October 07,2006 02:33 | edit
Texte

hmmm, was soll ich dazu sagen...hab diese situation, die in den texten beschrieben wird, auch schon mehrfach erlebt jetzt, vor allem als ich mit dem oesterreicher unterwegs war. der hielt z.B. bei den zwei damara-jungs auf den pferden an, fragte, ob man sie fotografieren koennte, und, nachdem ich sie gesnapt hatte, drueckte er jedem ein keks in die hand...da wurde mir erst klar, was hier abgelaufen war...ausserdem wollten auch schon mehrfach leute kohle von mir fuers fotografieren. das gute an der digitalkamera ist, dass man den leuten das bild gleich zeigen kann, was ich auch oft mache. dann sehen sie es wenigstens mal.

Posted by: rob at October 07,2006 10:56 | edit
Re: Texte

Ich fand die Texte ganz spannend und viele neue Aspekte wurde angesprochen, über die sich das Nachdenken lohnt. Die Frage, die sich mir aufdrängte, war allerdings, ob dann wirklich vom Fotografieren in der Fremde nur noch die Kreidetafelszenen der Marily Stroux übrigbleiben sollen, mit denen die Fotografierten angeblich Handlungsmacht zurückerhalten. Das wär so ziemlich die rigidest-denkbare Fotografenhölle.

Unabhängig von der Urlaubsreise gibts ja auch ein ganzes Fotografiegenre: die Streetfotografie. Sie basiert geradezu darauf, dass der Fotograf von den Fotografierten nicht wahrgenommen wird, damit keine Pose und kein Portrait entsteht (vgl. Definition bei fotocommunity).

Was bei der fotocommunity unter Bildurheberrecht verhandelt wird, kriegt bei Rosaly Magg im Kapitel "Wem gehört die Fotografie" die Ebene von "wer mich fotografiert, der raubt meine Seele" ("Die fotografierten Objekte sind dazu verurteilt, für immer einen Ausdruck zur Schau zu stellen.").
Streetfotographie im eigenen gesellschaftlichen Kontext (sprich eine Strasse in Konstanz) ist auch nicht komunikativer oder weniger einseitig als im touristischen Kontext.

Aus der Position des Künstlers oder des Dokumentars ist es natürlich ganz richtig und keineswegs verwerflich, dass der Fotograf die Bildkomposition, -aussage und -verbreitung wesentlich beeinflusst. Auch wenn das nicht so weit geht, dass er den Fotografierten sämtliche Rechte am Bild vorenthält.

Das Unbehagen ist sicher vorhanden. Z.B. habe ich mich bislang nicht dazu durchringen können Obdachlose, Bettler etc. zu fotografieren. Einserseits weiss ich, dass sie durchaus handlungsmächtig und zu meinem Nachteil eingreifen können andereseits scheue ich mich auch, ihre evtl. Wehrlosigkeit auszunutzen. Und wer will schon abgerissen und am Boden fotografiert und dann in Fotoblogs weltweit verbreitet, hinsichtlich Tiefenschärfe, Freistellung des Motivs und Wahl des Ausschnitts diskutiert werden.

Bemerkenswert (um die Kurve zum Fremdsein wiedr zu kriegen): Als Empfehlung für angehende Streetfotographer, die sich noch nicht so recht trauen, gibt es den Rat, zunächst auf touristischen Plätzen zu fotogafieren, wo alle einen Fotoapparat in der Hand haben und wo der Einheimische mit dem Telobjektiv nicht so auffällt.

Trotzdem: zumindest auf der künsterischen, dokumentarischen (oder sozial-dokumentarischen) Ebene muss Streetfotographie noch möglich sein.


Posted by: stw at October 07,2006 13:36 | edit
Re: Texte

das mit dem touristischen kontext ist mir auch aufgefallen. ich hab die bilder noch nicht alle hochgeladen, aber als ich in okahandja beim hererotag war, war es sehr einfach, leute zu fotografieren, weil ein haufen touris, journalisten usw. mit fotis da war. ausserdem war ich mit desmond, einem namibier, unterwegs, der notfalls mit den leuten reden konnte. es gibt in lusaka einige plaetze, die ich gerne noch snappen wuerde, wo ich aber sicher bin, auf aggressive reaktionen zu stossen. das problem ist, dass man die wahl hat, den aerger zu riskieren und das bloede gefuehl zu haben, jemanden seines bildes beraubt zu haben, oder denjenigen anzusprechen, was bedeutet, dass man in die kamera grinsende typen ablichtet, und das foto einfach schlecht ist. eine moegliche loesung liegt in einer form der portraetfotografie: man spicht denjenigen an, ob man bilder von ihm machen kann, und faengt dann eine unterhaltung an (das hab ich zum beispiel mit isaac so gemacht, und mit einer der strassenverkaeuferinnen). in der gespraechssituation werden die leute lockerer, sie sind zwar darauf vorbereitet, fotografiert zu werden, aber ein bisschen abgelenkt, und man bekommt zusaetzlich noch ein bisschen information, wie eben bei isaac...schwieriger wirds dann schon, wenn man an einem ort knipst, wo viele leute sind; man kann die ja schlecht alle fragen. da ist es sinnvoll, jemanden mitzunehmen. wenn die leute hier sehen, dass du als mzungu mit einem local unterwegs bist, sind sie schon weniger misstrauisch. mach ich aber nicht gerne, weil ich dann nicht so ziellos rumstreunen kann. generell gilt, denke ich: je laenger man an einem bestimmten ort lebt und je mehr leute man kennt, desto einfacher wird es, wirklich gute bilder zu schiessen. mir ist auch klar, dass meine bilder hier ihren touristischen charakter behalten, da kann ich noch so viel ungewoehnliche motive suchen und noch so viel kontext drumrumschreiben. die kritik in den texten ist absolut berechtigt, aber die preisgekroenten fotos zeigen auch die schwierigkeit, sich im medium damit auseinanderzusetzen: entweder sie sind stark verfremdet (1. & 2. preis) oder sie entkommen dem kontext nicht (das foto mit dem postkartenverkaufenden maedchen koennte auch in einem entwicklungshilfeprospekt ueber kinderarmut stehen, und die rueckseite eines hotels zu fotografieren, reicht auch nicht aus, das wird in den texten selbst angesprochen)

Posted by: rob at October 07,2006 15:18 | edit
Re: Texte

aber die texte artikulieren ein unbehagen, dass ich schon die ganze zeit mit mir rumschleppe und das auch einer der gruende fuers urspruengliche posting war (auch wenn die natuerlich viel elaborierter & reflektierter sind als meine etwas wirren aufzeichnungen hier)...

Posted by: rob at October 07,2006 15:21 | edit
Re: Texte

und staendig thematisiert wird diese ganze streetsache bei jeff wall, der szenen nachstellt, die er auf der strasse gesehen hat (und manchmal auch selbst "herstellt")
jeff wall in der tate modern

Posted by: rob at October 07,2006 15:38 | edit
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