09 August
2006

Farmleben

Am Wochenende war ich mit meinen Gastgebern auf der Farm von Siggi. Die Farm liegt im Khomas-Hochland, ungefähr 100 km westlich von Windhoek; sie ist etwas mehr als 2000 ha groß. Das ist nicht viel, sie trägt sich gerade selbst. Siggi ist in Rente und kann sich das deswegen leisten. Auf 2000 ha kann er gerade mal eine Herde Rinder (ca. 200 Stück) und ein paar Schafe halten.
Farmleben:









Die Farm liegt ausserdem nicht gerade auf dem besten Land; es ist bergig und schwer zu bewirtschaften.






Siggi hält Schweizer Rinder, die kraxeln hier ohne Probleme auf den Hügeln rum. Die Farm heisst "Panorama"; man merkt schnell, wieso.







Im Übrigen habe ich ja letzte Woche schon erzählt, dass hier neben Rindern auch Oryx und Kudus gehalten werden. "Gehalten" ist allerdings nicht ganz richtig; das ist Wild, das hier frei durch die Gegend zieht. Nachdem vor allem Oryxfleisch aber recht teuer verkauft werden kann (eine Entwicklung des letzten Jahrzehnts) und die Farmen auch vom Jagdtourismus leben (manche hetzen das Wild mit Hunden, bis es so erschöpft ist, dass der "Jäger" ihm locker den Blattschuss versetzen kann – ist verboten, wird aber oft gemacht), hegen die Farmer das Wild.











Ich entschuldige mich fuer die maessige Qualitaet der Bilder; ich bin leider nicht so gut bestueckt wie stw (tele-maessig), und die Herde hab ich gegen den Sonnenuntergang mit ISO 400 aufnehmen muessen; daher die komischen Farben...
Das letzte sind übrigens Bergzebras (glaube ich; stw, schmeiss doch mal die Wikipedia an) zu erkennen an den dichteren Mähnen & den breiteren Streifen. Hier gibt’s auch einige Leo- und Geparden, aber nachdem nicht mal Siggi, der seit zwei Jahren hier lebt & aus den Spuren von vier auf seinem Gelände weiss, einen gesehen hat, könnt Ihr jetzt von mir keine spektakulären Fotos erwarten...
Wie ich ja schon erzählt habe, sind die meisten Farmen noch in weisser Hand und die Landreform läuft nur schleppend voran. Tatsächlich meinen einige, dass die Weissen die eigentlichen Profiteure der nach der Unabhängigkeit ausgerufenen Politik der "national reconciliation" seien, da sie den – ökonomischen – status quo aus der Zeit der Apartheid bewahren konnten. Es gibt in einem Land mit 37% Arbeitslosigkeit praktisch keine armen Weißen. Der Chefredakteur der "Allgemeinen Zeitung", Stefan Fischer, erzählte mir, dass – bei einer Auflage von 5500 – die deutschsprachigen Leser der AZ eine der kaufkräftigsten Gruppen im Land sind, weswegen die Zeitung noch nie Probleme mit der Anzeigenacquise hatte... und viele der deutschsprachigen Namibier sind Farmer.
Siggi erzählt mir von den Problemen auf seiner Farm und beschwert sich über seine zwei, drei Arbeiter, die er gerne mal auch "meine Neger" nennt. Alkohol ist bei ihm auf der Farm verboten, also besaufen sie sich beim Nachbarn. Ausserdem seien sie faul, man müsse ihnen alles fünfmal erklären, sie kümmerten sich von sich aus um nichts. Siggi meint, er bezahle seine Arbeiter gut im Vergleich zu den anderen Farmern. Sein Vorarbeiter Isaac bekommt freie Kost und Logis und 1500 N$ im Monat (ca. 190 €).





Isaac, den Siggi schon seit Jahrzehnten kennt, hat früher in der (südafrikanisch kontrollierten) Polizei gedient (über diese Polizei sagte mir ein Interviewpartner: those people were black in terms of colour, but acted as white); nach der Unabhängigkeit ist er erstmal im Alkohol versunken. Mir erzählt Isaac, dass er dann eine kleine Werkstatt in Katutura betrieb, aber auf keinen grünen Zweig kam, weil Leute ihre Rechnungen nicht bezahlten und Sachen geklaut wurden. Als Siggi jemanden für die Farm brauchte, sagte er sofort zu; seine Frau und Kinder sind in Windhoek geblieben. Er scheint sich aber hier wohl zu fühlen, ihm gefällt das Land, sagt er. Siggi meint, Isaac würde sich hier so wohlfühlen, dass er ihm inzwischen manchmal klarmachen müsse, wer hier der Boss sei...
Der andere Arbeiter, Zed (23 Jahre alt) wohnt hier:





Ich weiss nicht genau, wie weit die nächste Stadt weg ist, aber es ist ein Stück. Dass einem hier abends langweilig wird, wenn man die ganze Woche auf einer Farm schuftet, die einem nicht gehört, kann ich mir sehr gut vorstellen. Abends lassen wir das Geschirr einfach stehen, darum wird sich wohl die maid kümmern...die Farm sieht im Übrigen so aus:





Ich mache schnell noch ein paar Kalenderfotos:






Posted by rh at 11:14 | Comments (4) | Trackbacks (0) | edit
Trackbacks
Please send trackback to:http://www.free.de/Zope/linksrhein/flackr/61/tbping
There is no trackback.
Comments
Wow, was für ein Monsterposting!

Herzlichen Dank für die schönen Fotis. Langsam glaube auch ich, dass du irgendwo in Afrika bist und nicht einfach untergetaucht (und ab und zu ein paar bilder aus einem Afrikasammelband scannst). Was deine Ausrüstung angeht - ich zitiere: "leider nicht so gut bestueckt" - sag ich jetzt mal lieber nix zu ;-)

LG stw

Posted by: stw at August 09,2006 11:44 | edit
Darf man sich auch Fotos wünschen?

wenn ja, dann würd ich mir ein Foto mit ner Wolke drauf wünschen (ums es dir nicht gar zu leicht zu machen) ;-)

und nicht vergessen: immer schön mit sonnencreme einschmieren

bis dahin
stw

Posted by: stw at August 09,2006 11:47 | edit
Re: Farmleben

vielleicht kann ich mal mit rauchwolken dienen...wir haben auf der rueckfahrt eine riesen-rauchwolke noerdlich von windhoek gesehen, war aber schon zu dunkel. im uebrigen muss ich die angabe im feuer-posting korrigieren: nach neuesten informationen sind vor drei wochen nicht 15 000, sondern 50 000 ha (!) abgebrannt...
ich kann selber nicht ganz glauben, dass ich in afrika bin...hoffentlich sehen die fotis nicht allzusehr nach klischee aus...

Posted by: rh at August 09,2006 12:21 | edit
bestueckung

warts mal ab, im winter hol ich mir ein laaanges, diickes objektiv...

Posted by: rh at August 09,2006 16:28 | edit
Post a comment