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Mittenwald: Pfingsten 2003 - Gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger!

AUFRUF:

Pfingsten 2003 - Gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger Bestrafung
der Kriegsverbrecher! Entschädigung aller NS-Opfer!

Nahe der österreichischen Grenze, umgeben von steilen Bergen und stillen
Gewässern, lädt der Ferienort Mittenwald zu einem Aufenthalt ein. Das
regional spezifische Reizklima ist besonders an den Pfingstfeiertagen
deutlich spürbar, wenn sich die alten Gebirgsjäger-Kameraden der Wehrmacht
gemeinsam mit ihren Bundeswehr-Nachfolgern versammeln, um althergebrachte
Werte und Traditionen zu pflegen. Sie leugnen noch heute die von ihnen
begangenen Massaker und Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges u. a.
in Griechenland (Kommeno, Kephalonia, Lyngiades, Skines), in Italien
(Camerino, Fabriano), in Frankreich ( im Vercors), in Finnland (Rovaniemi)
und in weiteren Orten Jugoslawiens, Polens, Albaniens, der Sowjetunion und
dem Kaukasus.

In Kommeno (Nordgriechenland) fuhren Soldaten der 12. Kompanie des
Gebirgsjäger-Regiments 98 am 16. August 1943 zum Morden "feldmarschmäßig"
mit Maultieren und dem Küchenwagen vor und erschossen 317 Frauen Männer
und Kinder. Die unter dem Kommando des späteren Bundeswehrgeneraloberst
Reinhold Klebe stehenden Soldaten ermordeten nicht nur Zivilisten, sondern
schändeten Frauenleichen und gaben das Dorf zum privaten Raubzug frei.
Dieses bestialische Massaker blieb kein Einzelfall. Im September 1943
beteiligten sich Soldaten der 1. Gebirgsdivision an der Entwaffnung der
italienischen Armee in Griechenland und erschossen ca. 4.000
gefangengenommene Soldaten auf der Insel Kephalonia. Die Mörder zogen
weiter. In Joannina. unterstützte die 1. Gebirgsdivision die Geheime
Feldpolizei bei der Ghettoisierung und Deportation der griechischen
Jüdinnen und Juden. Jüdische Partisanen wurden hingerichtet. Griechische
ZivilistInnen, die die Massaker überlebten, wurden als Geiseln
festgehalten oder nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Unter dem Deckmantel
der sogenannten "Bandenbekämpfung" ermordeten Gebirgsjäger-Einheiten über
1.000 GriechInnen und zerstörten allein im Oktober 1943 im Epirusgebiet
mehr als 100 Dörfer. Auch in Italien wurden im Juni 1944 in den Dörfern
Camerino und Fabriano im Zuge der "Partisanenbekämpfung" über 100
ZivilistInnen von Angehörigen der 5. Gebirgsjäger-Division ermordet. Für
diese Kriegsverbrechen wurde nicht ein einziger Gebirgsjäger von der
deutschen Justiz zur Rechenschaft gezogen.

Im bayerischen Mittenwald feiern Angehörige der faschistischen deutschen
Wehrmacht und der Bundeswehr noch heute ihre vergangenen und aktuellen
Fronterlebnisse. Voller Stolz erleben die greisen Wehrmachtssoldaten, dass
Bundeswehrsoldaten in SFOR- und KFOR-Einheiten heute wieder auf dem Balkan
kämpfen, wo sie selbst schon vor 60 Jahren wüteten. Die Soldaten der
Gebirgsjäger-Einheiten beschwören eine Tradition von den kaiserlichen
Truppen des Ersten Weltkrieges über die Wehrmacht Nazi-Deutschlands bis
zur heutigen Bundeswehr.

Zu ihrer größten Überraschung wurden die Feiern der Gebirgstruppe
Pfingsten 2002 zum ersten Mal seit 1952 gestört! AntifaschistInnen aus der
gesamten Bundesrepublik folgten der Einladung des Fremdenverkehrsvereins
Mittenwald, am samstäglichen Kameradschaftstreffen teilzunehmen. Sie
wollten eine Gedenkminute zu Ehren der ermordeten Menschen am
Versammlungsort der Täter abhalten und die Anwesenden mit der mörderischen
Geschichte der Gebirgstruppe konfrontieren. Alte und junge Kameraden
reagierten darauf äußerst aggressiv. Die bayerische Polizei würdigte die
antifaschistischen Bemühungen, indem sie alle BesucherInnen einer
Jugendherberge, unter denen sie TeilnehmerInnen der Gedenkveranstaltung
vermutete, festsetzte und die Herberge selbst zum Ort der
Ingewahrsamsnahme erklärte. Stundenlang wurde das Haus von der Polizei
samt Hundestaffeln umstellt, bevor den inzwischen sehr hungrigen und
durstigen Gästen erlaubt wurde, sich zu versorgen. Zur gleichen Zeit
trafen sich rund 2.000 ehemalige und aktive Gebirgsjäger zur größten
deutschen Soldatenfeier am Ehrenmal "Hoher Brendten" auf nahe gelegenem
Bundeswehrgelände. Der Versuch, am späten Nachmittag eine spontane
Kundgebung in Mittenwald durchzuführen, um sowohl über das
Kameradentreffen als auch über die Festnahme der AntifaschistInnen zu
informieren, wurde durch einen weiteren Polizeieinsatz vereitelt.

Die "unangreifbare Traditionspflege" (Zitat Stoiber) alter und junger
Militaristen und Mörder wollen und dulden wir nicht. Wir wollen keine
Zukunft, die irgendwelche Militärs mitgestalten. Das Militär hat keine
Zukunft, es ist Garant einer Gegenwart, die jeder emanzipatorischen
Politik entgegensteht. Wir wollen keine Entschuldigung für das eine oder
andere Massaker, wir wollen dass die Überlebenden der Massaker endlich von
der BRD entschädigt werden.

Pfingsten 2003, also am 7. und 8. Juni 2003 werden wir die Gemeinde
Mittenwald und die Gebirgsjäger-Kameraden erneut besuchen. Wir wollen in
Mittenwald die Entschädigungsforderungen griechischer NS-Opfer gegenüber
der Bundesrepublik Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt
machen und sie wirksam unterstützen und einen Beitrag zur Wiederaufnahme
von Ermittlungsverfahren gegen Gebirgsjäger der Wehrmacht wegen
Kriegsverbrechen leisten.

Wir rufen AntifaschistInnen und AntimilitaristInnen dazu auf, an einem
Hearing, an Demonstrationen und Aktionen in Mittenwald und am Hohen
Brendten teilzunehmen. Zu dem Hearing zu den Kriegsverbrechen der
deutschen Gebirgsjäger und zu den Entschädigungsforderungen der Opfer sind
u.a. VertreterInnen des Griechischen Nationalrats der Opferverbände aus
Athen, Überlebende der Massaker aus Griechenland, MilitärhistorikerInnen
und WiderstandskämpferInnen eingeladen. Nichts ist vergessen! Bestrafung
der Kriegsverbrecher! Entschädigung aller NS-Opfer! VeranstalterInnen: AK
Angreifbare Traditionspflege, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
VVN-BdA Unterstützt vom AK Distomo.

siehe auch:
 http://www.nrw.vvn-bda.de/texte/ldk2002_rede_angenfort.htm


Kontakt:

AK Angreifbare Traditionspflege
email:  angreifbare.tradition@freenet.de
Spendenkonto: Freie Medien
Stichwort 'Traditionspflege'
Postbank Essen
Kontonr. 470834437 Blz. 36010043

In diesem ersten offenen Treffen gibt es weitere Infos und die
Möglichkeit, über eine gemeinsame Berliner Mobilisierung mit eventuell
eigenen Schwerpunkten und natürlich über konkretere Aktionsideen zu
diskutieren.

 

16.01.2003
anonym zugesandt   [Aktuelles zum Thema: Antimilitarismus]  Zurück zur Übersicht

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