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Lüdenscheid: 19.01. Naziaufmarsch verhindern!


RAUS AUF DIE STRASSE !

Anfang Dezember 2001 demonstrierten weit über 3000 Alt- und Neonazis gegen die sogenannte "Wehrmachtsausstellung" mitten durch Berlin. Darunter alle führenden Personen aus der NPD, sowie viele Gruppen aus der gewaltbereiten rechten Szene, den Freien Kameradschaften.

Mit dieser Demonstration stellten die Faschisten erneut ihr Mobilisierungsfähigkeit unter Beweis und verdeutlichten allen, das sie sich nicht von einem drohenden Verbot der NPD, an ihrer politischen Arbeit und dem "Kampf um die Strasse " abbringen lassen.
Auch hier im Sauerland, in Lüdenscheid, wollen die Faschisten, unter der Federführung der NPD demonstrieren. Unterstützt wird die Demonstration von weiten Teilen der rechtsradikalen Szene. Auch gewaltbereite Nazis (ähnlich wie in Berlin) rufen zur Beteiligung an der Demonstration auf. Im Gegensatz zu anderen Teilen Deutschlands gelingt die Zusammenarbeit zwischen der NPD und den Freien/Nationalen Kräften (im Sauerland in Form des "Nationalen Widerstandes Hagen/Lüdenscheid") bisher sehr gut. Führende Personen sind hierbei der Anmelder dieser Nazi-Demonstration, Timo Pradel, der Pressesprecher der NPD im MK Axel Schoppmann, René Gehrke und Maik Müller (beide "Nationaler Widerstand Hagen/Lüdenscheid"). Schon im letzten Jahr demonstrierten ca. 250 Nazis, fast auf den Tag genau durch die Lüdenscheider Innenstadt.


300-400 zu erwartende Nazis dürfen nicht einfach so durch unsere Stadt ziehen!

Wir rechnen nun, entgegen letzten Jahres, mit wesentlich mehr Teilnehmern an der faschistischen Demonstration. Schätzungen gehen von 300 bis 400 Personen (und mehr) aus. Das wäre eine der größten faschistischen Demonstrationen in NRW in den letzten Jahren.

Es gibt viele Gründe die für einen größeren Aufmarsch sprechen:

Zum einen ist es der NPD gelungen mit Peter Naumann, einen verurteilten, in der rechten Szene sehr bekannten NPD Funktionär als Redner nach Lüdenscheid zu holen. Der Termin der Nazi Demonstration ist schon seit über drei Monaten bekannt und es wird auf vielen rechten Internet Seiten zur Demo mobilisiert. Die faschistischen Strukturen vor Ort (hier im Sauerland) dürften so gefestigt sein, daß es für sie kein großes Problem darstellen wird, eine große Demonstration zu organisieren.

Die Faschisten demonstrieren nun schon das vierte Mal innerhalb eines Jahres durch Lüdenscheid.


Sinn und Zweck der vielen Nazi Demonstrationen

Für die Nazis sind solche öffentlichen Auftritte enorm wichtig. Jeder Aufmarsch, jede Demonstration und Kundgebung, bietet ihnen eine neue Möglichkeit, bei der sie sich und ihre "politischen Inhalte "öffentlich“ präsentieren können.
Jede dieser Aktionen (wenn sie ungestört durchgeführt werden können), stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Selbstbewußtsein innerhalb der faschistischen Zusammenhänge.
Das Bild einer "gelungenen" faschistischen Demonstration soll ein Gefühl der Stärke nach innen vermitteln (besonders für "neue" Leute oder aus dem weiteren "sozialen" Umfeld) und nach außen, um dem politischen Gegner und der "Öffentlichkeit" zu signalisieren, „hier, mit uns müßt ihr rechnen und wir verstecken uns nicht mehr“.
Die häufigen Aufmärsche sollen zu einer Akzeptanz (auch des öffentlichen Auftretens) von Nazis im Alltag führen und sie als etwas "Normales" erscheinen lassen. Desweiteren möchten sie damit eine ihrer politischen Absichten, den" Kampf um die Strasse" unterstreichen.
Von der Linken und von breiten Teilen der Öffentlichkeit wird die Wirkung und die Wichtigkeit solcher Aufmärsche leider vielfach unterschätzt. Die nachlassende Mobilisierung linker Gruppen, die mangelnde Unterstützung ländlicher Regionen (wie Lüdenscheid) durch größere Städte (auch außerhalb von NRW), die mangelnde Organisierungsfähigkeit, und letztendlich die "Handlungsfähigkeit" der Linken gegen diese Aufmärsche effektiv vorzugehen, könnten auf Dauer dazu führen, daß die Nazis immer mehr ihre Strategie im "Kampf um die Strasse" erfolgreich umsetzen können. All das birgt ein großes Gefahrenpotential für uns alle in sich, welches letztendlich unsere physische Vernichtung zum Ziel hat.


Die Rolle der Polizei und der Schutz der Nazis

Im Vorfeld der letzten Nazi Aufmärsche in Lüdenscheid und Hagen versuchte die Polizei möglichst viele Menschen zu verunsichern und vor allem SchülerInnen und Jugendliche davon abzuhalten, gegen den braunen Mob vorzugehen und sich ihm entgegenzustellen. An Schulen wurden von der Polizei massiv Flugblätter verteilt und Veranstaltungen durchgeführt, die zwar allen die Möglichkeit eröffneten sich an Aktionen und Demonstrationen gegen die Nazi-Aufmärsche zu beteiligen, dies jedoch möglichst weit weg von der eigentlichen Nazi-Demo und mit einer klaren Distanzierung zu Antifaschistischen und Autonomen Gruppen. Es wurde ein Bild von umherreisenden Gewalttätern und Chaoten entworfen, die kein bestimmtes politisches Ziel verfolgen und nur auf Randale und Gewalt ausseien. Antifaschistische Demonstrationen wurden schon im Vorfeld durch die Polizei in der Presse verunglimpft. Einfachstes Mittel, welches sich die Polizei bediente, war die Gleichsetzung von Rechts und Links. Extremismus, so die Polizei, würde angeblich grundsetzlich abgelehnt, egal ob Links oder Rechts!

Aber für die Polizei stellen die Rechten am Tag eines solchen Aufmarsches gar kein Problem dar:

„Die Nazis sind kooperationsbereit, verhalten sich ordentlich und bereiten keine bzw. kaum Probleme“. Die Nazis zeigen sich immer kooperationsbereit, es werden Absprachen seitens der Polizei getroffen, damit die Nazis "ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit" wahrnehmen können. Durch diesen Schutz auf Demonstrationen und der Abriegelung ganzer Stadtviertel, tragen Teile der Polizei bewußt oder unbewußt zu einer Stärkung der faschistischen Szene und ihrem "Kampf um die Strasse" bei.


„Das Problem sind die Gegendemonstranten“, gemeint damit sind wir alle!

Antifaschistische Demonstrationen werden begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot. Sie werden im Gegensatz zu den faschistischen Demonstrationen nicht von der Polizei geschützt (weil es keinen Schutz bedarf), sondern von ihr mit Kameras observiert und durch Festnahmen und massiver Repression kriminalisiert (wie z. B. beim letzten Naziaufmarsch in Hagen). Allein in Lüdenscheid dürfte die Zahl der eingesetzten Polizisten bei den Nazi-Aufmärschen bei jeweils ca. 1000 Beamten liegen. Hier soll der Öffentlichkeit von Seiten der Polizei nach außen vermittelt werden, das die Antifaschistische Demonstration etwas bedrohliches darstellt. Nach dem Motto: Wo viel Polizei ist, da muß sich auch das Böse, das Gefährliche oder gar das Kriminelle treffen
Fast 60 Jahre nach dem Holocaust wird Antifaschismus wieder kriminalisiert, laufen Beamte wieder auf Demonstrationen, um Nazis zu schützen und marschieren Nazis wieder auf der Strasse, als wäre es das normalste von der Welt.
Wir wollen uns mit diesem Zustand nicht mehr zurfriedengeben und wollen mit unseren Aktionen am 19.01.02 einen Neuanfang wagen. Mit all den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten werden wir diesen menschenverachtenden Aufmarsch der Nazis verhindern und blockieren.
Dies wird uns gelingen, wenn wir viele Menschen auf die Strasse bringen, wenn der Rest in NRW nach Lüdenscheid mobilisiert (über Gewerkschaften, Schulen, Künstler usw.) und wenn wir uns einig sind in unserem Ziel: Den Nazis an diesem Tag eine Lektion zu erteilen, die Ansporn sein kann für viele ländliche Regionen, in die sich die Nazis zurückziehen, um dort ihre Strukturen aufzubauen.

Unterstützt die Autonome Antifa Lüdenscheid und das BgR !

Wir erachten es für sinnvoll, die Panikmache der Polizei und ihre "gutgemeinten" Ratschläge zu ignorieren. Beteiligt euch an den Aktionen Antifaschistischer und Autonomer Gruppen am 19.01. und unterstützt die Autonome Antifa Lüdenscheid / das BgR. Mögen unsere Aktionsformen auch unterschiedlich sein, gemeinsam haben wir doch die Ablehnung dieses braunen Mobs, der durch unsere Stadt marschieren will.
Klar für uns ist, aus unserem Selbstverständnis heraus und aus der Geschichte unseres Landes, daß es keine Demonstrationsfreiheit für Faschisten und Rassisten geben darf. Wer die Wehrmacht verherrlicht, wer den Massenmord am politischen Gegner, an Sinti und Roma, den Juden usw. leugnet, wer "Ruhm und Ehre der Waffen SS" proklamiert, der wird nichts anderes ernten, als unseren entschiedenen Widerstand, bis zur Beseitigung dieser Gruppen und ihrer Strukturen.

Wer darauf wartet, daß die Polizei die rechte Szene bekämpft, wer meint Staatsschutz und Verfassungsschutz würden die Faschisten wirkungsvoll in ihrem Handeln einschränken, der sollte sich insbesondere den Umgang der Sicherheitsorgane dieses Staates mit den Faschisten genauer ansehen. Fast zehn Jahre nach den Progromen von Rostock finden die ersten Verhandlungen statt, die Schuldigen von Lübeck laufen immer noch frei herum und der Staat und seine Organe erklärt immer wieder öffentlich, das es keine akute rechte Gefahr in Deutschland gibt.

Ganz anders sieht der Kampf des Staates gegen die Antifaschistischen und Autonomen Gruppen aus. Seit Jahren sind sie es, die Infos zu den Strukturen der Nazis sammeln und veröffentlichen, seit Jahren sind sie es, die immer wieder versuchen, den Faschisten Einhalt zu gebieten und ihnen auf der Strasse etwas entgegensetzen. Seit Jahren werden Antifaschistische und Autonome Gruppen kriminalisiert und observiert. In Lüdenscheid führt das soweit, das Beamte vom Staatsschutz und der Polizei jede noch so kleine Veranstaltung der Antifa observieren, teilweise Personalien aufnehmen und wie bei der letzten Demo gar bis nach Hause verfolgen. Der Überwachungsstaat ist Alltag im Kampf gegen den Faschismus und schon lange keine Fiktion mehr.
Trotz all der Kriminalisierung und Überwachung kann antifaschistischer Widerstand jedoch erfolgreich sein. Auch hierfür bietet die Arbeit der Autonomen Antifa Lüdenscheid / des BgR ein gutes Beispiel.
Jahrelang konnte der größte faschistische Versand in Deutschland, der Donner Versand, mit Sitz in Lüdenscheid seine Strukturen aufbauen und den Nährboden für faschistische Übergriffe bilden.
Weder die Stadt Lüdenscheid, noch die Polizei oder gar der Staatsschutz haben dafür gesorgt, daß der Donner Versand hier in Lüdenscheid seine Arbeit einstellen mußten. Letztendlich hat der entschiedene Widerstand der Autonomen Antifa Lüdenscheid / des BgR, die Öffentlichkeitsarbeit und die zahlreichen Veranstaltungen und Demonstrationen zur Schließung dieses Versandes geführt. Doch damit war das Problem in Lüdenscheid nicht gelöst. Die heutige faschistische Szene im Märkischen Kreis, rekrutiert sich vor allem aus Personen aus dem Umfeld des ehemaligen Donner Versandes und dessen Strukturen.

Die Autonome Antifa Lüdenscheid organisiert weiter Demonstrationen, Kundgebungen und Veranstaltungen um die rechte Szene im MK zu vertreiben.


Was tun?

Die Palette der Widerstandsformen ist breit - laßt eurer Phantasie freien Lauf !
Manchmal ist es schwer Ideen zu entwickeln, was gegen die Nazis und speziell hier gegen die Aufmärsche unternommen werden kann.
Wir wollen hier einige unterschiedliche Anregungen geben, was ihr am 19.01. gegen die Nazis machen könnt. Haltet euch dabei immer vor Augen - wir sind die Stärkeren, wir sind mehr als der braune Mob und wir sind im Recht!

- Verbreitet die Termine der Veranstaltungen und Demos gegen den Aufmarsch, redet im Freundeskreis, in Familien oder bei der Arbeit über den geplanten Aufmarsch der Nazis.
- Ruft bei allen möglichen Leuten (Parteien, Stadt, Polizei usw.) an und äußert euren Protest gegen diesen Aufmarsch der Nazis, denn sie sind letztendlich dafür ver-antwortlich, das die Nazis marschieren dürfen und sorgen für ein gesellschaftliches Klima, das solche Aufmärsche überhaupt erst möglich macht.
- Schreibt Leserbriefe (vielleicht auch als ganze Schulklasse / Gruppen oder Verbände) an die Tageszeitungen und verdeutlicht ihnen, was ihr von dem Aufmarsch haltet und warum ihr es wichtig findet, ihn zu verhindern.
- Hängt am Tag des Aufmarsches Transparente aus eurer Wohnung / eurem Haus, die sich gegen die Nazis richten - zeigt Flagge!
- Wenn ihr es euch zutraut und nicht alleine seid, geht auf die Faschisten zu und zeigt ihnen deutlich, daß sie in unserer Stadt nichts verloren haben (Raus aus den Kneipen - Raus aus der Innenstadt).
- Bringt am 19.01. Trillerpfeifen und andere Lärminstrumente mit und laßt die Nazis gleich an ihrem Treffpunkt (Bahnhof) in einem ohrenbetäubendem Lärm untergehen.
- Informiert euch bei den Veranstaltungen der Autonomen Antifa Lüdenscheid / BgR im Vorfeld des Nazi-Aufmarsches über die faschistischen Strukturen im Sauerland.
- Beteiligt euch an der Antifaschistischen Demo am 11.01. 2002 in Lüdenscheid und an der gemeinsamen Kundgebung der Friedensgruppe und der Autonomen Antifa Lüdenscheid / BgR am 19.01. am Sternplatz in Lüdenscheid.


Gebt alles an diesem Tag - versucht den Aufmarsch zu verhindern!


Lüdenscheid ist unsere Stadt!


Die unterschiedlichen Aktionsformen und das nebeneinander der Aktionen wird uns an diesem Tag zum Erfolg führen.

Unterstützt öffentlich diesen Aufruf der Autonomen Antifa Lüdenscheid / BgR als Einzelpersonen, Gruppen usw.

Wer zu den Nazi-Aufmärschen geht, um sie zu verhindern, wird sich irgendwann die Frage stellen, wie dies alles, fast 60 Jahre nach dem Holocaust wieder geschehen kann, wer die Nazis schützt, wer sie finanziert...?

Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage wird man auf die Ursachen und die Wurzeln des Faschismus stoßen - sie zu vernichten ist und bleibt unser Ziel!


Bitte verteilt diesen Aufruf weiter und unterstützt ihn, indem ihr ihn mit Gruppen- oder Einzelpersonennamen unterschreibt und an die Autonome Antifa Lüdenscheid zurücksendet.

Autonome Antifa Lüdenscheid [AAL] / BgR
c/o Grünes Büro
Am Ramsberg 44, 58509 Lüdenscheid
Internet: www.antifa-luedenscheid.de.vu
e-mail:  autonome-antifa-luedenscheid@web.de


 

05.01.2002
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