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Türkei/ BRD/ Europa: SPÄTESTENS WENN DER HIMMEL BRENNT..wird es Zeit sich zu entscheiden...

SPÄTESTENS WENN DER HIMMEL BRENNT
Libertad!-Flugblatt
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SPÄTESTENS WENN DER HIMMEL BRENNT
..wird es Zeit sich zu entscheiden...

Vor über einem Jahr, am 20. Oktober 2000 entschieden sich die politischen Gefangenen in der Türkei dafür, gegen die Einführung der Isolationsfolter in den Gefängnissen zu kämpfen. Sie begannen mit dem Wissen, dass sie in diesem Kampf vielleicht sterben werden, aber auch mit der Sicherheit, dass nur ihr Widerstand den Einzug der Isolationshaft - des "stillen Todes" - in die türkischen Gefängniswelten aufhalten kann.

Mit dem Beginn ihres Kampfes um ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben war auch die Hoffnung verbunden, dass sie Unterstützung für ihre Forderungen finden werden und eine starke Mobilisierung verhindern würde, die Gefangenenkollektive zu zerschlagen.

Am 19. Dezember 2000 machte die türkische Regierung ihren Standpunkt klar. Sie schickte Militär in jeden Knast, in dem sich politische Gefangene im Kampf befanden. Die Bilanz dieses Angriffes: 30 Tote, viele Schwerverletzte und die Zerschlagung der Kollektive. Die Militäroperation "Rückkehr ins Leben" veränderte die Ausgangsbedingungen für die Gefangenen, aber auch für alle, die ihren Widerstand unterstützten.

Nach dem ersten Aufschrei des Entsetzens wurde es still in der Öffentlichkeit - der Druck der Repression wurde zu stark.
Die ökonomische Krise der Menschen in der Türkei prägte das Straßenbild, die eigenen Sorgen ums Überleben waren existentiell.

Bis auf die politische Arbeit und Unterstützung durch die Familien der Gefangenen und deren Organisationen war die Solidarität versiegt. In Europa und auch weitgehend in der Türkei selbst.

Die Waffe Mensch...

42 politische Gefangene und UnterstützerInnen sind seitdem im Todesfasten gestorben, viele wurden verhaftet und unter Druck gesetzt. Nach jeder Beerdigungsfeier, nach jeder Solidaritätsaktion schlugen die Polizisten erneut zu. Den Widerstand aber konnten sie bisher dennoch nicht vollends brechen.

Am 5. November holte die Regierung zum nächsten großen, blutigen Schlag aus gegen diese unbeugsamen Menschen. 3.000 Polizisten drangen mit Panzern und Bulldozern in die "Widerstandshäuser" von KüÁük Armutlu, einem Armenviertel von Istanbul, ein, wo sich Angehörige und vorläufig entlassene Gefangene im Todesfasten befanden. Wieder wurden mindestens sechs Menschen ermordet, wieder gab es Schwerverletzte, wieder endete dieser Tag für viele mit Schlägen und Folter. In den Gefängnissen entzündeten sich mehrere Gefangene und es ist bis heute nicht klar, wie viele verletzt sind und wer gestorben ist.
Bis heute sehen die europäischen Regierungen, die Hüter der Menschenrechte, diesen Massakern - kalt und regungslos. Die Bewerbung der Türkei auf eine Mitgliedschaft in der EU steht dadurch nicht zur Disposition.

Im Schatten der Türme...

NordamerikanerInnen und WesteuropäerInnen reden davon, dass der 11.September 2001 einen Einschnitt markiert. Die Regierungen dieser Länder sprechen sogar davon, dass nichts mehr so ist wie es einmal war. Der Angriff auf die Türme des Word Trade Center und das Pentagon haben das Sicherheits- und Ordnungsgefühl der westlichen Welt und damit einer ganzen Periode der Geschichte durcheinander gewirbelt.

Die Antwort ist der "Krieg gegen den Terror" - eindeutig! Und überall zu führen. Und die Definition, was der Terror ist bestimmen einige Wenige.

Die Bomben auf Afghanistan fallen stündlich. Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor ihnen.

Überall werden innenpolitische Sicherheitspakete verabschiedet, die den Raum für jede emanzipatorische Entwicklung noch weiter einengen sollen. Im Schatten des großen Krieges lösen Regierungen stillschweigend, oder mit Zustimmung der "Antiterror-Koalition", die schon lange störenden inneren Konflikte, sei es im Baskenland, in der Türkei oder in Palästina.

Der Widerspruch zwischen leben wollen, aber nicht leben können ist explosiv...

..auch nach dem 11.September 2001. Nur die Kräfteverhältnisse haben sich deutlich zu Ungunsten einer emanzipatorischen Bewegung verschoben. Weltweit! Das Signal für einen emanzipatorischen Befreiungskampf waren die Flugzeuge auf New York und Washing-ton sicherlich nicht.

Sie waren der Aufruf zum Krieg, der jeden Menschen auf der Erde direkt betreffen soll - und es ist jenen, die das wollten auch gelungen. Entziehen kann sich dem niemand. Die Frage ist jetzt nur, wo verortet frau/man sich in dieser Auseinandersetzung?!

Die kämpfenden politischen Gefangenen in der Türkei brauchen jetzt eine klare Zusage. Sie werden nicht freiwillig in die Isolation gehen - sie sagen dies seit über einem Jahr...

Die Intifada in Palästina steht seit ihrem Beginn ohne nennenswerte Solidarität da. Aber die Menschen geben nicht auf, weil es um ihre Würde geht - und damit um alles...

Die Jugendlichen im Baskenland, die für den Wurf von Steinen und Mollis zu 15 Jahren Knast verurteilt werden, setzen ihre Zukunft auf's Spiel - und sie machen klar, dass sie unter keiner Knute leben wollen...
Die Bewegung gegen die Globalisierung der Mächtigen der Welt wird kriminalisiert und versucht zu spalten, weil Teile in ihr nicht nur sagen was sie denken, sondern auch eine militante Praxis entwickeln - und die Konfrontation aufnehmen...

Es ist Zeit...

sich zu bekennen. Klar zu sagen wo die Konfrontationslinien verlaufen. In Genua wurde ein Weg eröffnet, sich zu positionieren. Gegen die Mächtigen der Welt!

Dort haben 300.000 Menschen formuliert, dass sie etwas anderes wollen, als die Planer in den Chefsesseln der Regierungen, Banken und Konzernen vorgesehen haben:

Eine andere Welt ist möglich!
Sie wird allerdings nicht geschenkt zu haben sein.

Mit Mut und Wut gegen die HERRschende Weltordnung!
8.11.2001, Kampagne LIBERTAD!- Ortsgruppe Frankfurt

Libertad!
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11.11.2001
SO ODER SO-Infodienst   [Aktuelles zum Thema: Int. Solidaritšt]  [Schwerpunkt: Kampf gegen die F-Typ Gefängnisse in der Türkei]  Zurück zur Übersicht

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