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Dresden: Bericht von der zweiten Nazi-Demo 2001


ART pressemitteilung

AntifaRechercheTeam Dresden
31. März 2001

Zweite Nazi-Demo 2001 durch Dresden

Am 31. März zogen, nach dem geschichtsrevisionistischen Aufmarsch am 13.
Februar, zum zweiten Mal in diesem Jahr Rechtsextremisten durch die sächsische
Landeshauptstadt. Die Zahl der Nazi-Demonstranten mit 100 anzugeben hieße, den
Umfang des Aufzuges an diesem letzten Märztag über die Wahrheit hinaus
zahlenmäßig aufzuwerten.

Begleitet durch ein stattliches Polizeiaufgebot, offizielle Angaben sprachen
von über 300 Polizistinnen und Polizisten, von einer ebenfalls beachtlichen
Zahl von Zivilbeamten und unter ständiger Beobachtung durch einen Polizeihubschrauber, setzten sich die Rechtsextremisten kurz nach 14 Uhr hinter der Semper-Oper in Bewegung. Die ortsüblich bekannte Nazi-Ordnerstruktur war
allgegenwärtig. Zwei Busse aus Berlin mit rund 100 Neonazis erreichten den Marsch
ihrer rechtsextremen Gesinnungsgenossen nicht mehr.

Das Front-Transparent der Demo wurde ausschließlich von Frauen getragen und
zeigte neben einem Bild des Brandenburger Tores ’Deutschland lässt sich von
Euch nicht verbieten. NPD’. Dumpfsprachlich wertvolle Parolen, wie ’Vorsicht
Nazis? Denkste! Kein Medienlenken, selber denken!’ umflatterten die rechtsextremen Marschierer, es wehten die Fahnen der Bundesländer. Der Berliner Nazi-Kader ANDREAS STORR fungierte im kaum so zu bezeichnenden Führungsbereich der Demonstration. RONNY THOMAS, Ex-NPD-Vorsitzender Dresdens, trottete mit einem
Palästinensertuch um den Hals am Ende des Zuges.

Auf seiner Route, in unmittelbarer Sichtweite zur Baustelle der Dresdner Synagoge, wurde der doitschnationale Umzug mehrfach durch antifaschistisch aktive Menschen mit pyrotechnischen Flugobjekten bedacht. Eine Blockade der Demonstrationsroute durch rund 30 AntifaschistInnen wurde von den staatlichen
Einsatzkräften geräumt. Unmittelbare Störaktionen ließen die Demo immer wieder stocken, antifaschistische Kleingruppen sorgten für sichtbare Unruhe im Nazi-Häuflein. Die Polizeikräfte taten sich im Umfeld der Demonstration durch teilweise äußerst rüdes Auftreten hervor, beleidigendes Ansprechen von aktiven AntifaschistInnen schien Anweisung zu sein. Es kam, auch fernab vom Nazimarsch, zu
mehreren Festnahmen von AntifaschistInnen. Durch nichts gerechtfertigte körperliche Brutalität seitens der Polizei war zu beobachten. Fotoreporter wurden partiell massiv behindert.

Zum Abschluss formierten sich die Neonazis auf dem Parkplatz direkt vor dem Polizeipräsidium und der Polizeidirektion. STORR plärrte fast identisch den gleichen Nazi-Müll, den er schon auf der NPD-Demo am 15. Juli 2000 in Dresden
von sich gegeben hatte, als da wären: Ausländerhetze, deutscher Volkszorn,
Volksaufstand gegen fast alles, NPD als die einzige Opposition im Land, Schluss
mit quälender Vergangenheitsbewältigung, blablabla. Und nach einem markigen
’Wir werden siegen!’ war dann die Versammlung mit einem Mal irgendwie zu Ende. Mit einem Straßenbahnzug fuhr die gesamte Nazitruppe davon und ein Teil von ihnen hatte nach zwei Stationen in der Dresdner Innenstadt seine ganz eigene
persönliche Begegnung mit aktiven AntifaschistInnen.

Sächsisch regional halbwegs bedeutende Nazi-Führungskader glänzten an diesem 31. März, bei nicht einmal 100 Demo-Teilnehmern, durch Abwesenheit. Nach der Mobilisierung im Vorfeld lässt dies durchaus gewisse Schlüsse auf die
derzeitige Verfasstheit des größten NPD-Landesverbandes der Bundesrepublik zu. Aber
der 1. Mai wirft ja bereits schon seine braunen Schatten ...
fight fascism!

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c/o Infoladen Dresden
 http://www.antifa.net/venceremos

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Nur Unerwachsene, Schwächlinge und Feiglinge sind stolz darauf, einer
Nation anzugehören. Wer selbst gehen kann, braucht kein Vaterland.
(Wiglaf Droste)
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01.04.2001
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