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Brandenburg: Grenzcamp soll stattfinden.

Grenzcamp 2000 --- Pressemitteilung Aktion Noteingang

Vom 29.07. bis zum 06.08.00 wird in Forst das dritte antirassistische
Grenzcamp stattfinden. Bis zu 1.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet
werden dazu erwartet.

Die Veranstalter des Camps sind Menschen aus verschiedenen
antirassistischen Gruppen und Initiativen aus der Bundesrepublik, die sich
in der Kampagne "Kein Mensch ist illegal" zusammengeschlossen haben. Auch
wir, das antirassistische Jugendbündnis "Aktion Noteingang" sind
Mitveranstalter des diesjährigen Camps. Die Erfahrungen, die im Rahmen von
"Aktion Noteingang" gesammelt und auf der Konferenz im August letzten
Jahren (28.8.99 Frankfurt/Oder) präsentiert und diskutiert wurden, zeigten,
dass die Probleme Rechtsextremismus und Rassismus nicht mit
Zivilcourageforderungen allein zu lösen sind: wenn die Lebensbedingungen
von Asylsuchenden miserabel und menschenunwürdig sind, die staatliche Asyl-
und Sicherheitspolitik in ihren Zielen so konträr ist zu allem was im
Toleranten Brandenburg formuliert wurde, dann bleibt auch von einem
Handlungskonzept wie "Tolerantes Brandenburg" nicht mehr als eine
Willensbekundung, ein Lippenbekenntnis. Deswegen ist es dringend notwendig,
diese Politik zum Thema zu machen, die Situation an der Grenze zu
beleuchten, genauso wie die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in diesem
Land. Genau das ist Ziel des antirassistischen Grenzcamp. Wir wollen
einerseits die Zeit nutzen, inhaltliche Diskussionen zu den Problematiken
zu führen, eine gemeinsame Auseinandersetzung zum Ziele habend.
Andererseits wollen wir mit phantasievollen Aktionen, vom Fußballspiel bis
zum Straßentheater, aber auch mit deutlichen Forderungen zur Verbesserung
der Situation an die Öffentlichkeit treten.

Wir haben den Standort Forst aus verschiedenen Gründen gewählt. Zum einen
ist Forst eine Grenzstadt Brandenburgs, exemplarisch für viele andere
Städte an der selben Grenze. Die Situation in Forst ist genau die gleiche,
wie in anderen Brandenburger Städten auch: es gibt Probleme mit
rassistischen Übergriffen und Anpöbeleien, das Klima ist nicht sehr
vertrauenserweckend für BesucherInnen, die nicht ganz ins Bild eines
"typischen" Forster Bürgers passen und auch hier fehlen Handlunsgansätze,
einen Umgang mit den benannten Problemen zu schaffen. Was Forst von anderes
Städten abhebt, ist einerseits seine traurige Geschichte in derer etliche
Flüchtlinge vor ein paar Jahren in der Oder ertranken, seine beängstigende
Geschichte, in der sich Bürgerwehren bildeten und bewaffneten, aber auch
seine ermutigende Geschichte, in der sich zeigt, dass es doch immer wieder
Menschen gibt, die zu aktiven Handeln gegen Rassismus und rassistische
Gewalt bereit sind. So zum Beispiel empfing die Stadt Forst die Karawane
der Flüchtlinge, bemüht sich die RAA Forst seit Jahren um eine Integration
von Asylsuchenden und um eine Verbesserung des Klimas in der Stadt und so
gibt auch hier interessierte engagierte Jugendliche, die sich selbstbewusst
und selbstorganisiert in gesellschaftspolitische Prozesse einbringen und
eine Auseinandersetzung mit den oben genannten Themen einfordern. Wir
wollen genau diese Gruppen vor Ort unterstützen und somit einen Katalysator
darstellen: Probleme anzusprechen und diese damit in die öffentliche
Diskussion zu rücken.

Leider stehen wir momentan vor der Situation, dass in Forst soviel
Öffentlichkeit nicht erwünscht wird und der Bürgermeister versucht, die
Pacht eines Platzes zu verhindern. Das heißt nicht nur, dass uns kommunale
Flächen nicht zur Verfügung stehen, sondern auch, dass alle anderen
möglichen Anbieter sich nicht in der Lage sehen, uns gegen den Willen des
Bürgermeisters zu unterstützen, da sie auf eine politische Zusammenarbeit
mit ihm angewiesen ist. Wir sehen uns damit sehr unter Druck gesetzt, da
wir uns jetzt in der Auseinandersetzung um den Platz befinden und die
eigentlichen Intentionen und Inhalte des Camps dadurch in den Hintergrund
rücken müssen. Wir fordern den Bürgermeister auf unser Camp zu empfangen
und die Situation nicht zuzuspitzen, da das konträr zu unseren wie auch zu
seinen Zielen wäre.

Mit freundlichen Grüßen,

Susanne Lang Kontakt:S. Lang: 0173 - 945 8254
(Aktion Noteingang) Presseverantwortliche: 0178 - 407 8840

 

22.07.2000
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