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Leverkusen: "Der plötzliche Tod ist eine deutsche Spezialität !"

"Der plötzliche Tod ist eine deutsche Spezialität !"
Aufruf zur Demonstration in Leverkusen, dem Sitz der BAYER Konzernzentrale,
am 20 .Mai 2000


"Der plötzliche Tod ist eine deutsche Spezialität !"
Dieser Original-Bayer-Werbeslogan erschien 1996 als ganzseitige Anzeige für das Insektenvernichtungsmittel BAYGON in der größten
Tageszeitung Guatemalas. Dieser zunächst als Entgleisung angesehene Spruch zeigt deutlich die ungebrochene Geisteshaltung des Konzerns.
Der "plötzliche Tod" ist tatsächlich eine Spezialität von BAYER. Ob bei der Entwicklung chemischer Kampfstoffe oder der Produktion des
Vernichtungsgases Zyklon B durch die IG FARBEN: BAYER kann durchaus auf eine speziell deutsche , den Tod bringende Geschichte
zurückblicken.
Aufgrund der Empörung den diese Werbung auslöste, wurde sie kurz darauf von der Konzernleitung als "unglückliches Wortspiel"
zurückgezogen. Die damit ausgelösten Assoziationen zur deutschen Vergangenheit und der Rolle die Bayer im Nationalsozialismus spielte,
waren zu offensichtlich.
Daß der Konzern nach wie vor keine Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen bereit ist, zeigt sich nicht nur im Umgang mit den
ehemaligen ZwangsabeiterInnen, sondern auch in der Tatsache, daß Bayer in Staaten investiert, in denen z.B.die Todesstrafe eine gängige Praxis
ist.

Die globale Macht der Konzerne...
Seit über einhundert Jahren ist der BAYER Konzern international aktiv. Mit ihm verbinden sich nicht nur Produkte wie Aspirin oder Antibiotika.
Der Konzern steht auch für chemische Kampfstoffe , zahllose Insekten- und Haushaltsgifte, übelste Arbeitsbedingungen in seinen Werken in
der sogenannten 3.Welt, die gentechnische Manipulation pflanzlichen, tierischen und menschlichen Lebens, Massenmord an
ZwangsarbeiterInnen während der NS-Zeit und Engagement und Investition in Folterstaaten und Staaten die die Menschenrechte massiv
missachten .
Von Hitler bis Pinochet, immer wieder arbeitet der Konzern im Interesse seiner Profite und mit dem Segen seiner Aktionäre mit Diktatoren und
Kriegsverbrechern zusammen. Es gibt kein Land der Erde, indem BAYER nicht mit einem Werk oder einer Niederlassung vertreten ist. Die sich
dadurch ergebene Zahl der weltweit bei BAYER Beschäftigten oder von BAYER abhängigen Menschen ist faktisch nicht ermittelbar. Als einer
der größten multinationalen Konzerne hat BAYER erheblichen Einfluss auf die Politik in allen Regionen der Welt. Im Zeitalter der Globalisierung
versteht es der Konzern mit geringeren Lohnkosten sowie niedrigen sozialen und umwelttechnischen Standards seine Bestrebungen nach
Höchstprofiten weltweit immer besser durchzusetzen.

...BAYER und Zwangsarbeit...
Die von der deutschen Chemieindustrie betriebene (und auf Initiative von Bayer gegründete) IG FARBEN steht wie kaum ein anderer Konzern
für die enge Verflechtung zwischen der deutschen Wirtschaft und dem faschistischen Terror-Regime der Nazis. Die IG FARBEN profitierte von
der Politik der NSDAP wie die Nazis von der Unterstützung der IG FARBEN profitierten. Der Konzern perfektionierte das vom damaligen
BAYER-Chef und heutigen Ehrenbürger der Stadt Leverkusen, Carl Duisberg, bereits im ersten Weltkrieg "erfundene" System der
Zwangsarbeit. In allen Werken der IG FARBEN wurden Abertausende von ArbeitssklavInnen zu Tode geknechtet.
In Auschwitz betrieb der Konzern sogar ein eigenes KZ. Alleine in diesem werkseigenen KZ Ausschwitz III Monowitz kamen bei einer
Stammbelegschaft von ca. 10.000 Personen innerhalb von nur drei Jahren ca. 30.000 Häftlinge ums Leben.
Erst über 55 Jahre nach der Verstrickung von BAYER in das System der Ausbeutung von SklavenarbeiterInnen bequemte sich der Konzern auf
Grund massiven öffentlichen Drucks dem Stiftungsfond " Erinnerung , Verantwortung, Zukunft "beizutreten. Die Einzahlung in den Stiftungsfond
kann jedoch nur als ein versuchter Freikauf von eventuellen Schadensersatzansprüchen von Seiten der ZwangsarbeiterInnen gewertet werden. In
üblich gewordener grossdeutscher Schlussstrichmentalität soll das Kapitel Nationalsozialismus ein für alle mal geschlossen werden. Der
Konzern weigert sich wie eh und je eine angemessene Verantwortung für einen entscheidenden Teil der eigenen Geschichte zu übernehmen.
BAYER möchte sich unter der Bedingung, dass es anschließend keine Prozesse mehr geben soll, mit einer steuerfreien, lächerlich geringen
Summe für jedes noch lebende Opfer auf ewig entlasten.
Es gibt keinen Betrag, der die erlittenen Qualen der Betroffenen wirklich entschädigen oder gar wieder gut machen könnte.
Fakt ist jedoch, daß die von der Industrie und der politisch Verantwortlichen angestrebte Summe nicht als akzeptabler Versuch gewertet werden
kann den Forderungen der Menschen, die unter Zwang und Terror für die Profite der Konzerne geschuftet haben, entgegenzukommen.
Es kann ohnehin nur noch die täglich geringer werdende Zahl der Überlebenden entschädigt werden. Bis heute lässt BAYER dabei jegliche
eigenständige Initiative vermissen, das ungeheuerliche Feilschen um Entschädigungszahlungen durch sofortige Zahlung an seine
ZwangsarbeiterInnen zu beenden. Die überlebenden ZwangsarbeiterInnen warten weiterhin auf eine Entschädigung und eine Entschuldigung der
Konzernleitung , die ihnen der BAYER Vorstandstandsvorsitzende Schneider weiterhin verwehrt.

... und die Todesstrafe in den USA.
Seit 1982 wird der afro-amerikanische Journalist und Autor Mumia Abu-Jamal in den Todestrakten US- amerikanischer Gefängnisse
festgehalten. . Mumia Abu-Jamal klagte in seiner Tätigkeit als Journalist in Reportagen, Talkshows und Sendungen die polizeiliche Gewalt gegen
Schwarze, Rassismus, staatliche Willkür und die Unterdrückung von Minderheiten an und war der Polizei und den Herrschenden stets ein Dorn
im Auge.
In einem politisch und rassistisch motivierten Schnellverfahren wurde das frühere Mitglied der "Black Phanter Party" 1982 von dem als " Henker
von Philadelphia" bekannten Richter Sabo wegen angeblichem Polizistenmord zum Tode verurteilt. In diesem Schnellprozess wurden
nachweislich entlastendes Beweismaterial unterdrückt, Zeugen zu Falschaussagen gezwungen . Geschworene wurden nach rassistischen
Motiven berufen und bewusst von der Staatsanwaltschaft und dem Richter manipuliert. Das Anwaltsteam von Abu-Jamal hat eine erdrückende
Anzahl an Ermittlungs und Verfahrensfehler zusammengetragen. Weltweite Proteste und Solidaritätsbekundungen konnten 1995 und 1999
angesetzte Hinrichtungstermine verhindern. Trotzdem ist Mumia Abu-Jamal weiterhin von der Hinrichtung bedroht und benötigt dringend breite
internationale Unterstützung !
171 Hinrichtungsbefehle unterzeichnet hat, bereiste im September 1999 Deutschland um für den Industriestandort Pennsylvania zu werben. Dort
befindet sich die US-Zentrale des BAYER Konzerns.
Der BAYER - Vorstand hält seit langem engen Kontakt zur Regierung von Pennsylvenia und gilt dort als einflussreicher Investor. So besuchte
Ridge auch die Konzernzentrale in Leverkusen. BAYER engagiert sich in einem Bundesstaat in dem die Vollstreckung der Todesstrafe eine
gängige Praxis ist.
Mit einem Politiker wie Ridge, der sich mit der Ermordung von Häftlingen profilieren möchte darf es keinerlei Zusammenarbeit geben . Der
BAYER-Vorstand hätte mit seinem großen Einfluß die Möglichkeit sich für die Freilassung des Journalisten und Bürgerrechtler Mumia
Abu-Jamal und die Abschaffung der Todesstrafe einzusetzen.

Wir fordern:
Sofortige und angemessene Entschädigungen aller ZwangsarbeiterInnen und deren Hinterbliebenen !
Grenzen auf für Menschen - nicht für die Konzerne !
Freiheit für Mumia Abu-Jamal und alle politischen Gefangenen !
Abschaffung der Todesstrafe weltweit !

Demonstration am Samstag, 20.Mai 2000 11.00 Uhr
Rathausvorplatz Leverkusen - Wiesdorf ( 2 min vom Bhf. Lev.-Mitte)

Erstunterzeichner dieses Aufrufes:
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten VVN/BdA Leverkusen,
Unabhängige AntifaschistInnen Leverkusen,
Coordination gegen Bayergefahren (CBG) Düsseldorf,
Mumia Abu-Jamal Solidaritätstreffen Köln,
Antifa Leverkusen

 

03.05.2000
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