| Demirtaş:
Mit dieser Mentalität der Regierung kann der Prozess nicht weiter gehen
Der Kovorsitzende
der Partei für Frieden und Demokratie hat in der Fraktionssitzung am 18.
Juni in Ankara erklärt, dass der Lösungsprozesses aufgrund der undemokratischen
Maßnahmen seitens der AKP-Regierung sich nicht entwickeln kann. „Mit einer
Mentalität, die der demokratischen Politik keine Luft zum Atmen gibt,
können wir keinen Weg bestreiten“, sagte Demirtaş. Bezugnehmend auf die
Angriffe Erdoğans gegen die Protestierende des Istanbuler Gezi-Parks erklärte
er: „Er (Erdoğan) selbst ist der Verteidiger der Demokratie, und all diejenigen
auf den Straßen sind seine Feinde! Es gibt in der Türkei doch noch nicht
einmal eine Demokratie, deren Vertreter du sein könntest. Das System,
welches du zurzeit repräsentierst, ist ein faschistisches System. Du bist
der Vertreter eines faschistisches Systems.“
Der Gezi-Widerstand ist ein
Volksaufstand
Zu den Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten, dass die hinter
dem Gezi-Widerstand ausländische Kräfte stecken würden, erklärte Demirtaş:
„Wenn nun ausländische Kräfte dahinter stehen, dann mach deine Kundgebung
doch in New-York oder in Washington! Du weißt sehr gut, dass dies eine
Volksbewegung ist. Die Hälfte der Banken und Börsen in der Türkei ist
in der Hand vom ausländischen Kapital. Du bist derjenige der das Zins-System
erschaffen hat. Du weißt sehr gut, dass keine Lobby dahinter steht, es
ist ein Aufstand des Volkes. (...) Er spricht seit 20 Tagen, und die Hälfte
davon sind nur Lügen. Mit den Lügen will er den Protestierenden die Legitimität
in der Öffentlichkeit entziehen. Wenn es nun eine so große ausländische
Lobby gibt, wie sollen wir mit dir die kurdische Frage lösen?“
Demirtaş macht darauf aufmerksam, dass die Regierung Erdoğans seit Jahren
die Bevölkerung und die eigene Wählerschaft anlüge und die ganze Politik
nur auf Lügen aufbaue. Zur AKP-Regierung erklärt Demirtaş: „Wenn wir uns
nun mit der Vergangenheit auseinandersetzten; dann werden wir mit all
den Lügen bis heute konfrontiert werden. Ihr werdet mit alldem, was ihr
den Kurden, Aleviten und allen anderen Völkern angetan habt, konfrontiert
werden. Die Aleviten wurden in Corum massakriert. In Sivas verbrannt.
In Maras erschlagen. Die Kurden erleben seit 100 Jahren immer wieder Massaker.
Sie wurden alle mit der offiziellen Politik ermordet. Werdet ihr diese
Realitäten anerkennen? Damit wir all diese Realitäten anerkennen, werden
wir eine auf der Wahrheit stützende Zukunft zusammen aufbauen.“
Es braucht eine verfassungsrechtliche
Garantie
Demirtaş unterstrich, dass die Türkei nun nicht mehr wie früher sein werde
„Wie immer die Wahrheit aussieht, er soll sie aufdecken. Wir werden auf
dieser aufbauen. Wir kämpften seit Jahren für den Frieden. Wir haben es
bis zu diesem Punkt gebracht. All diese Lügen muss die Türkei sehen. Sie
sollen sehen, was alle Verbrechen gemeinsam haben. Sie sollen Rechenschaft
von den Parteien fordern, der sie ihre Stimme gegeben haben. Sie sollen
Rechenschaft für die Folter auf den Straßen fordern. Sie sagen immer noch,
wir werden die Polizei stärken. Aber jetzt hast du das Bild eines Führers,
der verzweifelt versucht mit Knüppeln und Panzern auf den Beinen zu bleiben.
Du kannst dich erfreuen, aber für die Zukunft der Türkei ist dies nicht
gut“, sagte Demirtaş an Erdoğan gerichtet und unterstrich, dass die BDP
die demokratische Opposition in der Türkei sei: „Solange all dies nicht
geregelt ist, unsere Rechte nicht verfassungsrechtlich garantiert sind,
die Unterdrückung über die freie Lebensweise aller Völker nicht aufgehoben
ist und es keine verfassungsrechtlichen Garantien gibt, wird dieser Kampf
andauern. Wie man sieht, bringt das Volk dies zum Ausdruck.“
Wann werdet ihr die Geiselpolitik
beenden?
Demirtaş erinnerte daran, dass gestern das „KCK-Hauptverfahren“ stattfand
und seit dem 14 April 2009 bis heute tausende Minderjährige und PolitikerInnen
ohne Beweise, unrechtmäßig festgenommen und seit mehreren Jahren in Haft
sitzen: „Es gibt keine Freilassung. Wann werdet ihr die Geiselpolitik
gegenüber Hatip Dicle, Kemal Aktaş, İbrahim Ayhan und Hunderten weiteren
Freunden, deren Namen ich hier jetzt nicht aufzählen kann, beenden? Diese
Menschen haben ihre Strafe abgesessen. Sie werden immer noch nicht freigelassen.
Ihr sprecht vom Gesetz. Wendet das Gesetz an. Das ist unsere rote Linie.
Das ist unserer Meinung nach eine klare Haltung. ‚Die Waffen sollen schweigen,
die Politik soll reden‘' hast du gesagt, Ministerpräsident. Ihr wollt
demokratische Politik. Nicht im kommenden Monat oder Jahr, wir wollen
diese Woche sehen, was für eine Mentalität ihr habt.“
Die Regierung steht
davor den Lösungsprozess zu verzögern
Demirtaş macht zudem darauf aufmerksam, dass sie im Hinblick auf die Lösung
der kurdischen Frage alle dem Frieden verbundene Menschen angesprochen
und die Regierung die notwenigen Schritte nicht eingeleitet hätte: „Die
Regierung steht davor den Lösungsprozess zu verzögern. Wir sprechen seit
Wochen diese Warnung aus. Die zweite Etappe ist nun die Aufgabe der Regierung.
Mit einer Mentalität, die der demokratischen Politik keine Luft zum Atmen
gibt, können wir keinen Weg gemeinsam bestreiten. Während Tausende unserer
Freunde inhaftiert sind, können wir keinen Weg bestreiten. Wir haben bis
gestern Nacht ungeduldig gewartet. Von 98 Personen haben sie mit viel
Mühe nur zwei freigelassen (er bezieht sich auf die im Rahmen der KCK-Operationen
Festgenommenen und das gestrige Hauptverfahren in Amed (Diyarbakir)).
So geht das nicht. Solange die Wege für die demokratische Politik und
unsere Freunde nicht freigelassen werden, sprechen wir nicht von Frieden.
Auf der einen Seite hast du das Recht, an allen Orten der Türkei für AKP-Kundgebungen
Menschen mit Flugzeugen auf die Plätze zu befördern, während du auf der
anderen Seite die Menschen, die auf dem Gezi-Park Zelte aufbauen, mit
Panzern und Wasserwerfern anzugreifen. So viele Menschen, wie du auf den
Plätzen versammeln konntest, sind durch Gefängniszellen gewandert. Über
unsere Partei, die BDP, verübst du Terror. Ohne Meinungsfreiheit, bevor
die Wahlhürde nicht fällt, ist die demokratische Politik von der du sprichst,
eine Lüge.“
Quelle: Özgür Gündem,
18.06.2013, ISKU
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