| KCK-Verfahren
gegen Journalisten geht weiter
Der KCK-Prozess gegen insgesamt
46 JournalistInnen, von denen sich 24 weiterhin in Untersuchungshaft befinden,
wurde am 18. Juni mit dem 5. Verhandlungstag fortgesetzt. An diesem Verhandlungstag
sollten unter anderem die Angeklagten Haydar Tekin, Selahattin Aslan und
Dilek Demiral ihre Verteidigungen vor dem 15. Strafgerichtshof von Istanbul
vorgetragen.
Tekin erklärte in seiner Verteidigung unter anderem, dass dieses Verfahren
nicht bloß gegen sie als Journalistinnen und Journalisten sondern gegen
die Presse- und Meinungsfreiheit an sich gerichtet ist. Deswegen werde
dieses Gerichtsverfahren auch als „Verfahren gegen die freie Presse“ in
die Geschichte eingehen. Zugleich könne das Verfahren nicht losgelöst
von der kurdischen Frage betrachtet werden. Es sei auch der Verdienst
der freien Presse, die trotz großer Opfer nie davon abgerückt sei, die
kurdische Frage aus der Finsternis ans Licht der Öffentlichkeit gebracht
zu haben, so Tekin.
Nach Tekin sollte Selahattin Aslan seine Verteidigung vortragen. Er lehnte
allerdings ab und gab an, die Legitimität des Gerichts nicht anzuerkennen.
Er sei wegen seinen Gedanken angeklagt, und diese würden sich, ganz egal
wie das Verfahren ausgehen möge, nicht ändern. Aslan erklärte, dass das
Gericht seine kurdische Identität nicht akzeptiere. Das werde aus der
Anklageschrift ersichtlich, in der ausschließlich von „vermeintlichen
Kurden" die Rede ist. Aus diesem Grund lehne er seine Verteidigung
vor dem Gericht ab.
Anschließend erklärte die Angeklagte Demirel in ihrer Verteidigung ebenfalls,
dass dieses Gericht gegen die Tradition der freien Presse gerichtet ist.
Sollte das Gericht tatsächlich vor haben, die freie Presse zu verurteilen,
so erkläre sie sich selbst für schuldig, so Demirel.
Der türkische Journalist Cengiz Çandar, der als Zuhörer das Verfahren
beobachtet, forderte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Firat (ANF),
dass die Regierung, wenn sie wirklich eine gerechte Lösung mit den Kurdinnen
und Kurden im Sinn habe, sofort die verhafteten Journalisten freilassen
müsse. Çandar erklärte die Vorwürfe in der Anklageschrift als Farce. So
seien im Zuge der Ankündigung des PKK-Rückzugs alle möglichen türkische
Journalistinnen und Journalisten in die PKK-Gebiete nach Kandil gereist,
um dort Gespräche mit der PKK-Führung zu führen und darüber zu berichten.
Gegen keinen dieser Journalisten werde der Vorwurf laut, sie würden Propaganda
für eine Terror-Organisation machen. Demgegenüber würden bei den KCK-Verfahren
JournalistInnen verurteilt, deren Berichterstattung noch nicht einmal
ein Zehntel dessen ausmachen würde, so Çandar.
Quelle: ANF, 18.06.2013, ISKU |