| KCK-Erklärung
zu den Protesten in der Türkei
Behdînan, Südkurdistan
– Der Exekutivrat der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK)
nahm in einer schriftlichen Erklärung Stellung zu dem gesellschaftlichen
Widerstand und der Protestwelle in der Türkei. Die KCK rief das kurdische
Volk auf, die Initiative zu ergreifen und sich mit demokratischen Kräften
der Türkei zusammenzuschließen, um gemeinsam zu agieren und bezeichnete
die Proteste als „die Botschaft für eine neue demokratische Türkei“, dieser
Widerstand sei ein wichtiger Schritt für die Demokratisierung der Türkei.
Gleichzeitig warnte die KCK auch diejenigen Kräfte, die die Phase der
Demokratisierung sabotieren wollen und rief alle demokratischen Kräfte
und zivilgesellschaftlichen Organisation auf, den Friedens- und Demokratisierungsprozess
in der Türkei und Nordkurdistan auszuweiten.
In der Erklärung der KCK heißt es: „Die Proteste, die vor neun Tagen für
den Erhalt des Gezi-Parks begonnen hatten und sich landesweit in der Türkei
ausgebreitet haben, sind ein entscheidender Schritt für die Demokratisierung
der Türkei. Das gewaltsame Vorgehen der Polizei mit Tränengas, Pfefferspray
und Wasserwerfern zeigt die antidemokratische Haltung des türkischen Staates.
Dieses brutale Vorgehen der Polizei kennt das kurdische Volk am besten,
denn es erlebt dies seit Jahren. Dieses gewaltsame Vorgehen der Polizei
geschieht unter dem Befehl der AKP-Regierung und gegen eine demokratische
Lösung.
Der Prozess der Demokratisierung ist nicht nur zur Lösung der kurdischen
Frage, sondern beinhaltet einen Prozess zur Demokratisierung der gesamten
Türkei. Demokratisierung bedeutet den Aufbau einer zivilen Gesellschaft.
Aber die AKP hat das Militär bewusst in den Hintergrund gedrängt und die
Polizei in den Vordergrund gestellt und verteidigt das brutale Vorgehen
der Polizei. Spontane Aktionen und zivilgesellschaftliche Bewegungen die
sich zusammenschließen und für die Erhaltung der Natur des Lebens agieren,
sind von großer Bedeutung. Gegen diesen demokratischen Protest stellt
das gewaltsame Vorgehen der Polizei neue Probleme auf.
Bei allen gesellschaftlichen Themen muss die Meinung des Volkes eingeholt
werden. Genau dies hat zu den Protesten für den Gezi-Park geführt. Die
Nichtbeachtung der gesellschaftlichen Interessen und die zunehmende Gewalt
führen dazu, eine potenzielle Volksbewegung aufzubauen. Diese Situation
hat auf dem Weg zur Demokratisierung der Türkei entscheidende Schritte
hervor gebracht. Der zivilgesellschaftliche Widerstand, der im Gezi-Park
begonnen wurde, hat die Botschaft einer neuen demokratischen Verfassung
und einer neuen demokratischen Türkei aufgezeigt. Für die Gegenwart und
die Zukunft der Türkei muss die zivilgesellschaftliche Botschaft dieses
Widerstands berücksichtigt werden. Die türkische Regierung muss zuerst
die Forderungen der Solidaritätsplattform für Taksim erfüllen.
Es gibt aber faschistisch-nationalistische Kräfte, die diesen Protest
als Chance sehen, den Friedens- und Demokratisierungsprozess in der Türkei
zu sabotieren. Demokratische Kräfte und zivilgesellschaftliche Organisationen,
die die Führungsrolle bei diesem wichtigen Prozess spielen, müssen diesen
nationalistischen Kräften keinen Raum geben. Der Prozess der Demokratisierung
muss ausgeweitet werden. Das kurdische Volk muss in diesem Prozess nicht
zusehen sondern Initiative ergreifen und sich mit demokratischen Kräften
zusammenschließen, um den Prozess in die richtige Richtung zu lenken.
Diese demokratischen Kräfte müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden.
Die demokratischen Kräfte in der Türkei müssen diese gesellschaftliche
Kraft mit dem in Kurdistan begonnenen Freiheitskampf verbinden und zusammen
die kurdische Frage lösen und eine Demokratisierung der Türkei anstreben.“
Quelle: ANF/DK, 05.06.2013,
ISKU
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