| Kinderfolterzentrum
Pozanti
In den vergangenen Tagen wurde
öffentlich, dass im M-Typ-Gefängnis von Pozanti bei Adana aus politischen
Gründen inhaftierte Kinder in dieselben Zellen gesteckt wurden wie sogenannte
normale erwachsene Straftäter. Die Tatsache, dass Kinder, die wegen des
Vorwurfs Steine auf Sicherheitskräfte geworfen zu haben zu langjährigen
Haftstrafen verurteilt werden und dann mit normalen Straftätern in gemeinsamen
Zellen landen, ist Skandal genug. Doch was nun aus der Haftanstalt entlassene
Kinder von ihren Haftbedingungen berichten, stellt all das in den Schatten.
Die entlassenen Kinder berichten, dass es regelmäßig zu sexuellen Übergriffen
der inhaftierten Straftäter gegen die Kinder kommt. Die Gefängnisleitung
habe dies seit längerer Zeit mitbekommen, doch verschließe beide Augen
davor, so die Kinder. Nach Bekanntwerden der Umstände in Pozanti hat die
BDP-Fraktion im türkischen Parlament das türkische Justizministerium aufgefordert
einzugreifen.
Dabei dürfte bereits in der Vergangenheit das Gefängnis von Pozanti dem
Justizministerium aufgefallen sein. Dieses Gefängnis wurde 1987 erbaut
und war bis 2007 ausschließlich ein Gefängnis für Erwachsene. Nach 2007
wurde es zu einem Jugend- und Kindergefängnis umfunktioniert. Allerdings
geht aus einem Bericht der Strafvollzugsanstalt aus dem Jahr 2010 hervor,
dass in jenem Jahr neben 237 Kindern und Jugendlichen weiterhin 18 Erwachsene
im Gefängnis inhaftiert waren. 34 der Inhaftierten saßen wegen Sexualdelikten
in Haft, 24 wegen Mord. Die Anzahl der politischen Gefangenen betrug 2010
insgesamt 56. Disziplinarstrafen im Gefängnis von Pozanti waren laut des
Berichtes die Regel. So wurden 83 Kinder bestraft, weil sie angeblich
an einem Aufruhr im Gefängnis beteiligt gewesen seien sollen. 131 wurden
bestraft, weil sie an anderen Aktionen teilgenommen haben sollen.
Die Liste der Straftaten der Gefängnisleitung von Pozanti ist lang: So
wurde der 15-jährige Yasin A. im August letzten Jahres durch Folter im
Gefängnis ermordet. Die Schuld am Mord wurde dem 12-jährigen Zellennachbarn
in die Schuhe geschoben. Aus dem Autopsiebericht von Yasin ging jedoch
hervor, dass seine Rippen gebrochen wurden und er zu Tode gewürgt worden
war.
Neben diesem eindeutigen Fall gibt es zahlreiche Berichte über Folter
in den Gefängnissen. Im Februar letzten Jahres berichtete ein Kind, dass
er von den Gefängniswächtern geschlagen und mit dem Tode bedroht worden
war.
Die Mutter eines inhaftierten 16-jährigen Jungen Fadile Ö. berichtete
nach dem Besuch ihres Sohnes, dass dieser ihr gesagt habe, dass er drei
Tage lang keine Essen bekommen und geschlagen worden sei. Ähnliche Fälle
von Folter und Bedrohungen im Gefängnis von Pozanti gibt es auch aus dem
Jahr 2010 und 2009.
Aufgrund des damaligen öffentlichen Drucks hatte die Menschenrechtskommission
des türkischen Parlaments, bestehend aus zwei AKP- und jeweils einem CHP-
und einem MHP-Abgeordneten Untersuchungen in dem Gefängnis aufgenommen.
In ihrem Abschlussbericht, welches sie Anfang 2010 veröffentlichten, gaben
sie zwar einige Mängel des Gefängnisses an, doch widersprachen deutlich
den angeblichen Vorwürfen über Folter in dem Gefängnis.
Quelle: ANF, 27.02.12,
ISKU
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