Paul Auster´s Antwort auf Erdoğan

Auf die Erklärung von Paul Auster, dass er die Türkei nicht besuchen will, da dort dutzende JournalistInnen inhaftiert sind, hat Erdoğan äußerst harsch geantwortet und ihn als „Unwissenden“ bezeichnet. Auster hat hierauf nun geantwortet.
Paul Auster wurde heute bei der erweiterten Versammlung der AKP-Bezirksvorstände zum Ziele der Wutausbrüche Erdoğans, da er im Rahmen eines Interviews für sein neues Buch „Winter Journal“ mit der türkischen Tageszeitung Hürriyet erklärt hatte, dass er aus Protest wegen der inhaftierten JournalistInnen nicht gedenkt, die Türkei zu besuchen.
Der Ministerpräsident Erdoğan hat bei der Versammlung gesagt: „Er will die Türkei aufgrund der inhaftierten JournalistInnen nicht besuchen. Auch nach China reiste dieser Mann nicht. Wie dem auch sei! Glaubst du etwa, dass wir dich nötig haben. Ob du kommst oder nicht, was würde sich denn ändern? Und Kılıçdaroğlu [Vorsitzender der CHP] widmet sich diesem Mann und nimmt ihn in Schutz. Denn dieser meint, ‚er sehe Dinge, die andere nicht wahr nehmen‘. Der Kochtopf ist umgekippt und Auster hat wohl den Deckel wieder gefunden. Dieser Schriftsteller ist 2010 nach Israel gereist. Angeblich soll Israel ein demokratisches und säkulares Land sein indem grenzlose Menschen- und Freiheitsrechte gewährleistet sind. Was bist du denn für ein unwissender Mann. Israel ist ein von der Religion durchtränkter Staat. Sind sie es nicht, die Bomben auf Gaza herabregnen lassen? Natürlich werden sie das nicht erkennen, da nicht einmal unser Kılıçdaroğlu diese Dinge sieht. Zu der diesjährigen Schriftstellerkonferenz werden wohl Auster und Kılıçdaroğlu gemeinsam gehen.“
Nach Erdoğans scharfer Rede gab der weltberühmte Schriftsteller eine Erklärung ab und verteidigte seine Position und die Bedeutung der Meinungsfreiheit: „Der Ministerpräsident kann über Israel denken was er will, Fakt ist aber, dass es in Israel Meinungsfreiheit gibt, denn hier ist nicht ein einzige/r JournalistIn oder SchriftstellerIn inhaftiert. Laut der internationalen Schriftstellervereinigung PEN sind in der Türkei etwas mehr als 100 SchriftstellerInnen inhaftiert. Hierbei rede ich erst gar nicht von den unabhängigen JournalistInnen und Verlegern wie Ragip Zarakolu, deren Verfahren die PEN in aller Welt aufmerksam verfolgt. Verehrter Ministerpräsident, ich stamme aus den Vereinigten Staaten von Amerika, und eingeschlossen ihrer Türkei sind alle Länder negativ belastet und ringen mit Zehntausenden von Problemen. Ich bin daher der Überzeugung, dass die Menschen frei reden und schreiben können müssen, ohne dabei von Zensur und Haft bedroht zu werden, da nur dieses dazu beitragen wird, dass sich die Lage in unseren Ländern verbessern wird. Dieses Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein heiliges Recht für alle Männern und Frauen in allen Ländern.“

Quelle: Radikal, 02.02.2012, ISKU

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