| Den
Angstzustand überwinden
Der Journalist Cüneyt
Özdemir hat in seinem heutigen Kommentar in der Zeitung Radikal unter
dem Titel „Murathan Mungan hat die BDP nicht gelehrt sondern inspiriert“
die in der Türkei tagtäglich zunehmenden Ängste berührt. Wie vielen bekannt
ist, wurden in den letzten drei Jahren 6200 der BDP nahestehenden Personen
im Rahmen der KCK-Operationen verhaftet. Unter diesen Verhafteten befanden
sich aber auch die Universitätsprofessorin Büşra Ersanlı, der Autor und
Verleger Ragıp Zarakolu, die in den BDP-Bildungsakademien unterrichtet
haben. Einige AkademikerInnen, AutorInnen und DichterInnen protestieren
gegen die Festnahmen, indem sie in den Bildungsakademien der BDP weiter
Bildungsseminare abhalten. Einer von diesen Akademikern war der Autor
und Dichter Murathan Mungan.
Der Journalist Cüneyt Özdemir meint: „ Ich hoffe, dass niemand morgen
so verrückt sein wird und Murathan Mungan der KCK-Mitgliedschaft beschuldigt“.
„Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem der BDP nahestehenden Personen
unter dem Vorwand der KCK-Mitgliedschaft in den Abgrund gerissen werden,
viele sich zurückgezogen haben, in der politischen Sphäre Kurde sich mit
Kurde und Türke sich mit Türke nicht vertragen kann, wagt sich der Autor
und Dichter, in den BDP-Bildungsverein. Mungan eröffnete seinen Unterricht
mit den Worten: ‚Dass ich heute hier bin und spreche hat sowohl für die
Anwesenden als auch für diejenigen die es abgelehnt haben hier zu sein
eine Bedeutung‘. Meiner Ansicht nach hat dies eine große Bedeutung. Die
BDP ist durch die Stimmen des Volkes gewählt worden und sie ist eine legale
Partei, die Millionen von Personen im Parlament repräsentiert. Im Endeffekt
kann man Demokratie als eine Kunst definieren, die nicht nur die Akzeptanz
von gewollten Volksrepräsentanten zum Inhalt hat, sondern auch die Akzeptanz
von nicht gewollten Volksrepräsentanten. Murathan Mungan hat mit seiner
Vorgangweise in einer Zeit, in der die Ängste zunehmen, vielen eine Lektion
erteilt, die sich von der Gegenströmung beeinflussen lassen. Von großer
Bedeutung erscheint nun, ob auch andere Intellektuelle sich wie Murathan
Mungan trauen werden, in den BDP-Bildungsvereinen Seminare abzuhalten.
Oder anders ausgedrückt könnte man fragen, ob die von einem Dichter ausgehende
Inspiration den Angstzustand überwinden helfen wird?“ so Özdemir und kommentierte
mit den Worten weiter: „Da wir ein Tabuthema wie die BDP-Bildungsakademien
aufgegriffen haben, scheint es angebracht, uns über ein weiteres Tabuthema
Gedanken zu machen.“ Und mit diesem Hinweis stellt er die Frage, ob ein
Interview, das man mit Firat News durchführt, eine schuldhafte Vorgehensweise
darstellt: „Ist es verboten bei Firat News eine Erklärung abzugeben? Zuletzt
gab Mehmet Bekaroğlu bei Firat News eine Erklärung ab. Alle, die das tun,
bekommen große Schwierigkeiten. Manche werden deshalb verhaftet, weil
sie die Homepage von Firat News besucht haben, oder sie werden aufgrund
abgegebener Erklärungen von ihren Redaktionschefs schlecht behandelt.
Manche werden wie im Fall von Mehmet Altan entlassen, weil sie eine Entschuldigung
verweigern, nachdem sie sich bei Firat News zu Wort gemeldet haben. Viele
Mitarbeiter von Firat News sind in Haft und außerdem ist dieser Nachrichtendienst
in der Türkei verboten. Nur bei Änderung der IP-Adresse ist es möglich,
die Webseite zu öffnen. Wir sollten eigentlich ganz offen darüber sprechen,
ob Firat News verboten ist? Wenn dies so ist, wo ist das denn geregelt
worden? Und wenn dieses Verbot gar nicht besteht, hat es dann einen Sinn,
dass man so einen Wirbel daraus macht.“
Quelle: Radikal, ANF,
31.01.2012, ISKU
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