| Eine
Geschichte eines „Steine werfenden Terroristen“
Hunderte kurdische Kinder und
Jugendliche sind in der Türkei eingesperrt worden. Ihnen werden terroristische
Verbrechen vorgeworfen, weil sie Steine auf die Polizei geworfen haben
sollen.
Einige dieser „Stein-Terroristen“ sind mit Erwachsenen zusammen inhaftiert
und leiden unter verschiedenen Krankheiten.
Der Epileptiker Enes B. war 16 Jahre alt als er wegen Steinwürfe auf die
Polizei inhaftiert wurde. Seine Mutter Valide B. beschreibt ihn als guten
Sohn und Schüler in der Schule.
Enes wurde am dritten Tag von Eid el-Adha (Opferfest) 2009 verhaftet,
als er das Haus verließ um Verwandte zu besuchen. Der Familie wurde bis
zum nächsten Abend verweigert ihn zu sehen, obwohl er minderjährig ist.
Valide B. berichtete, dass ihr Sohn im Gefängnis in der ersten Nacht 8
Stunden lang geschlagen wurde. Enes letzter epileptischer Anfall war 2
Jahre zuvor bis zu dieser Nacht, seitdem wird er öfters ohnmächtig.
Die Mutter protestierte gegen die Behandlung ihres Sohnes, indem sie 15
Nächte vor dem Gefängnis in Amed (Diyarbakir) übernachtete. Aber sie konnte
ihrem Sohn hinter den hohen Mauern des berüchtigten Gefängnisses von Amed
nicht helfen.
Enes wurde nach Elazig ins Gefängnis verbracht, wegen versuchter Rebellion
im Gefängnis, weil er sich über die Haftbedingungen beschwert hatte. Außerdem
wurde er mit 14 Tagen Einzelhaft bestraft, weil er sich, als er in Elazig
ankam, weigerte mit unpolitischen Häftlingen zusammengelegt zu werden.
Seine Mutter Valide B. kann das Fahrgeld nach Elazig nicht aufbringen,
um ihren Sohn jede Woche zu besuchen. Auch verlangt die Gefängnisverwaltung,
dass sie die Fahrtkosten zum Gericht nach Amed übernimmt. Enes hat schon
einige Anhörungstermine vor Gericht verpasst, weil die Familie die Fahrtkosten
nicht bezahlen kann. Der Mutter ist es unverständlich, wie der Staat ein
Gefängnis finanzieren kann, aber für die Überstellung der Gefangenen zum
Gericht kein Geld hat.
Valide B. erklärte, dass ihr Sohn besser zur Schule gehen sollte als im
Gefängnis zu sitzen. Auch sollte der türkische Premierminister Erdogan
den kurdischen Konflikt lösen, indem er den Kurden mehr Rechte zugesteht
anstatt kurdische Kinder ins Gefängnis zu werfen.
Quelle: ANF, 19.07.2010, ISKU
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