| KCK
beendet einseitigen Waffenstillstand
Die Gemeinschaft der Gesellschaften
Kurdistan (KCK), die Dachorganisation der PKK und der Guerilla HPG, erklärte
offiziell das Ende ihres 13-monatigen Waffenstillstandes. Sie erklärte,
dass der türkische Staat und die AKP nicht die notwendigen Schritte für
einen Friedensprozess eingeleitet hätten: „Trotz unserer Bemühungen die
Gewalt zu beenden, setzte der türkische Staat und die AKP ihre Vernichtungspolitik
gegen die kurdische Freiheitsbewegung fort.“
Dies war der 6. von Ankara ignorierte einseitigen Waffenstillstand der
kurdischen Guerilla seit 1993. In den 13 Monaten führte der türkische
Staat mindestens 273 Militäroperationen gegen die kurdische Guerilla durch,
verbot die linke kurdische DTP und inhaftierte 1440 ihrer Mitglieder,
4475 waren von Festnahmen betroffen. Auch die Bemühungen von Abdullah
Öcalan, Ansprechpartner_innen auf türkischer Seite zu finden, stießen
auf keine Gesprächsbereitschaft; seine für einen Friedensprozess erarbeitete
Roadmap wird von der türkischen Regierung immer noch unter Verschluss
gehalten. Auch die Initiative der aus der Guerilla und dem Flüchtlingscamp
in Maxmur ausgesandten „Friedensbotschafter_innen“ war vom türkischen
Staat und den Medien sabotiert worden. Die Botschafter_innen wurden mit
politischen Verfahren überzogen und sind mit langjährigen Haftstrafen
bedroht. Auch die Menschenrechtssituation hat sich rapide verschlechtert,
im Jahr 2009 wurden 61 Personen von der Polizei erschossen, 24 starben
in Haft, 397 Fälle von Folter wurden gemeldet und insgesamt 20720 Menschenrechtsverletzungen
in den kurdischen Gebieten dokumentiert. (IHD). Viele tausend Kinder und
Jugendliche erwarten Verfahren, Hunderte sind nach dem Terrorgesetz wegen
angeblicher Steinwürfe inhaftiert. Mindestens neun Kinder wurden 2009
Opfer extralegaler Hinrichtungen. 26 kurdische Zeitungen wurden 62mal
geschlossen und mehrere Journalist_innen in Haft genommen. Besonders hervorstechend
ist hier der Fall von Vedat Kursun, der als Journalist der Zeitung Atadiya
Welat wegen Propaganda für eine verbotene Organisation zu 166 Jahren Haft
verurteilt worden war. In der Erklärung wurde betont, dass die AKP für
einen heraufziehenden „tragischen Krieg“ verantwortlich sei.
COLEMÊRG/ORAMAR: ATTENTAT AUF
MILITÄRKOMMANDANTEN
Am 1. Juni führten um10.00 morgens kurdische Guerillas ein Attentat auf
einen Militärkommandanten in Colemêrg/Oramar durch. Die Guerilla erlitt
bei der Aktion keine Verluste. Sikorsky Helikopter brachten die Leiche
des Kommandanten weg und bombardierten die Region schwer. Es kam auch
zu breitem Artilleriebombardement auf das Zap-Gebiet.
COLEMÊRG /ÇELÊ: GEFECHTE, 1
SOLDAT GESTORBEN, 2 VERLETZT
Bei einem Gefecht mit der kurdischen Guerilla am 31.05. im Landkreis Çelê
wurden 2 Soldaten verletzt, eine Gefreiter starb. Über Verluste auf Seiten
der Guerilla ist nichts bekannt. Von Çelê aus wird fast pausenlos Südkurdistan
mit Artillerie bombardiert. Große Soldatenkontingente wurden in die Region
transportiert. Der Lärm der Geschütze, ist auch im Stadtzentrum deutlich
zu hören.
GEFALLENE GUERILLAS IN DERSIM
UND HATAY
Bei schweren Gefechten an der Grenze zu den Provinzen Dersim und Cewlig
verloren am 25.05. vier Guerillas durch das Bombardement aus Kobrahubschraubern
ihr Leben. Ein weiterer Guerilla fiel in Hatay bei einer Aktion der Guerilla
gegen ein Radarzentrum der türkischen Armee.
DERSIM: GUERILLAAKTION UND
MILITÄROPERATIONEN
Nachdem in der Nacht zum 31.05. ein Angriff auf eine Basis von Spezialeinheiten
durchgeführt worden war, weiten sich die Operationen mit Luftunterstützung
aus. Gebiete an der Grenze zu Cewlig und in Nazimiye liegen unter schwerem
Bombardement.
Bei dem Angriff der Guerillas wurden mehrere Fahrzeuge der türkischen
Armee getroffen. Bei dem Angriff kam auch eine große Zahl von Soldaten
ums Leben. Panzer und Hubschrauber versuchten erfolglos den Guerillas
nachzusetzen, die sich ohne Verluste zurückziehen konnten.
HPG BEKENNT SICH ZU RAKETENANGRIFF
IN ISKENDERUN
Die kurdische Guerilla HPG bekannte sich zu dem Raketenangriff auf die
Marinekommandantur von Iskenderun am 31.05., bei dem 7 Soldaten starben
und 11 verletzt wurden. Ein Militärfahrzeug vom Typ Reo wurde ebenfalls
vollständig zerstört. Die Guerillas erlitten keine Verluste. Die Guerilla
zeigte damit ihre Reaktionsfähigkeit auch in diesem weit westlichen Gebiet
der Türkei gegen ein gut geschütztes Ziel wie die Marinekommandantur.
Sie erklärte, sie werde die Aktionen ausweiten, so lange wie der türkische
Staat seine Militäroperationen in Kurdistan fortsetzt.
Am frühen Morgen des 2. Mai vermuteten die Soldaten in der Marinekommandantur
einen erneuten Angriff der Guerilla und eröffneten das Feuer. Sie waren
aufgrund von Windgeräuschen in Panik geraten.
SÊRT/XISXWÊR: ZWEI GUERILLAAKTIONEN
IN FOLGE
Ebenfalls Ende Mai führte die HPG eine Aktion gegen einen Militärstützpunkt
durch. Schon am 27.05. zuvor war die Kreiskommandantur der Jandarma angegriffen
worden. Dabei waren ein Soldat gestorben und einer verletzt worden. Bei
dem neuerlichen Angriff starben ein Soldat und ein Dorfschützer, zwei
Soldaten und ein Dorfschützer wurden verletzt. Die Soldaten setzten den
Guerillas mit einer Operation nach. Dabei starb ein weiterer Soldat. Die
Guerilla konnte sich ohne Verluste zurückziehen. Die Guerilla rief die
Dorfschützer nochmals deutlich auf, nicht an Operationen teilzunehmen.
ZAP: HPG RUFT DORFSCHÜTZER
AUF, DIE WAFFEN NIEDERZULEGEN
Die Regionalkommandantur der HPG von Botan warnte am 1. Juni die Dorfschützer,
an Operationen teilzunehmen und forderte sie auf, ihre Waffen niederzulegen.
Sie wies darauf hin, dass bei Gefechten in der Region einige Dorfschützer
gestorben oder verletzt worden seien und dass der türkische Staat die
Dorfschützer bewusst gegen die Guerilla vorschickt. Die HPG erklärte,
sie wolle die Dorfschützer nicht als Ziel sehen, und dass die Dorfschützer
oft unter großem Druck vom türkischen zu den Operationen gezwungen würden.
Deshalb warnte die HPG die Dorfschützer erneut und forderte sie auf, die
Waffen niederzulegen. Andernfalls könne sie keine Verantwortung übernehmen.
WAN: 40 DORFSCHÜTZER WEIGERN
SICH AN OPERATION TEILZUNEHMEN
In Wan/Şax weigerten sich 40 Dorfschützer, zusammen mit dem türkischen
Militär zur Operation auszurücken. Sie legten die Waffen nieder. Daraufhin
wurden sie zum Militärkommando gerufen und aufgefordert ihre Waffen zu
nehmen und zu Hause zu bleiben.
CEWLIG: MILITÄR ZWINGT DORFSCHÜTZER
ZUM SCHUTZ VON STÜTZPUNKTBAUSTELLEN
Während das türkische Militär die Grenzgebiete mit Soldaten vollstopft,
beschleunigt es auch den Bau neuer Stützpunkte. Um diese Baustellen zu
schützen werden vom türkischen Militär Dorfschützer zwangsverpflichtet.
OSTKURDISTAN: SCHWERE GEFECHTE
UND GUERILLAAKTIONEN
Die PJAK, die in Ostkurdistan/Iran aktiv ist, riefen zu einer Einheitsfront
gegen das iranische Regime auf. Zuvor waren am 9. Mai 5 Guerillas der
kurdischen HRK vergiftet und 5 politische Gefangene, unter ihnen 4 angebliche
PJAK Mitglieder, hingerichtet worden. Am 13. Mai fand deshalb ein Generalstreik
in mehreren kurdischen Städten statt. Auch hier beendete die kurdische
Guerilla, die in enger Verbindung mit der KCK steht, ihren Waffenstillstand.
Bei Vergeltungsaktionen der Guerilla wurden vor Allem Stützpunkte der
Armee, der Revolutionswächter und Dorfschützer angegriffen. Innerhalb
von 20 Tagen wurden mindestens 74 iranische Soldaten getötet. Das iranische
und türkische Regime führten zusammen mehrfache groß angelegte Militäroperationen
durch, die Südkurdistan unter schweres Artilleriebombardement setzten
und Grenzübertritte durch Armeekontingente beinhalteten.
KANDIL: HRK ZERSTÖRT MILITÄRFAHRZEUG
Die mit der PJAK assozierte HRK Guerilla zerstörte am 30.05. einen Lastwagen
mit Soldaten, der sich auf dem Weg zu einer Operation befand. Vorher hatte
das iranische und türkische Militär die ganze Region massiv mit Artillerie
beschossen und viele zivil genutzte Flächen zerstört.
PİRANŞAR: 5 REVOLUTIONSWÄCHTER
GETÖTET, 6 WEITERE VERLETZT
Die Guerilla tötete in der Nähe der ostkurdischen Stadt Piranşar fünf
iranische Revolutionswächter, so nennen sich die Spezialeinheiten des
Regimes, durch einen Hinterhalt. Sie verletzte 6 weitere, außerdem wurde
bei der Aktion ein Militärfahrzeug vollständig zerstört.
BANE: MILITÄRSTÜTZPUNKT ANGEGRIFFEN,
10 REVOLUTIONSWÄCHTER GETÖTET
Bei einem Angriff der HRK am 27.05. auf einen Stützpunkt der iranischen
Armee in Bane, starben 10 der sog. Revolutionswächter. Nach der Aktion
begann das iranische Militär eine groß angelegte Operation, bei der auch
die Umgebung bombardiert wurde. Direkt nach der Aktion waren die Telefone
der Region für 48 Stunden tot.
SOMA: 15 IRANISCHE SOLDATEN
UND ZWEI DORFSCHÜTZER GEFALLEN
Bei schweren Gefechten der iranischen Armee mit der kurdischen HRK Guerilla,
starben 12 Revolutionswächter und drei Guerillas. In Kamyaran und Ciwanro
starben 3 weitere Soldaten und 2 Dorfschützer.
HEWLER: IRANISCHER ARTILLERIEANGRIFF
TÖTET KIND
Bei einem Angriff der iranischen Militärs mit Artillerie am 30.05. auf
föderalem kurdischen Gebiet ist ein 13-jähriger Junge getötet worden,
eine weitere Person wurde schwer verletzt.
SÜLEYMANİYE: IRANISCHES MILITÄR
BOMBARDIERT SÜDKURDISCHE DÖRFER
Am 2. Juni setzte das iranische Militär mehrere Dörfer in Südkurdistan
unter schweres Artilleriebombardement. Bei dem zweistündigen Bombenangriff
wurde eine große Zahl von Vieh getötet. Viele Dorfbewohner_innen flohen
in Panik. Eine große Zahl von Zivilist_innen wurde verletzt.
Quelle: ANF: 24.05.-02.06.2010,
ISKU
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