| Eine
politische Einschätzung des KCK-Exekutivratsvorsitzenden Murat Karayılan
zu den jüngsten Ereignissen und der Razzia gegen ROJ TV
Interview von Delil
Fırat und Gülistan Tara, ANF 03. und 06.03.10
ANF: Was denken
Sie über die Maßnahmen gegen die Generale in der Türkei? Verändert die
Türkei sich?
Karayılan: Es ist
ganz offensichtlich, dass das Bild der Türkei einen Wandel erlebt. Das
System braucht eine unumkehrbare Erneuerung. Diese Maßnahmen gegen die
Generale passierten auf der Basis einer Neustrukturierung. Unserer Meinung
nach steckt das System der türkischen Republik in einer Sackgasse anstelle
einer Demokratisierung oder Zivilisierung und es verfällt allmählich.
In dieser Sackgasse gab es – aus Sicht des Systems – auch eine Entfremdung
von eigenen Werten, Fäulnis und Verirrungen. Wir denken, dass das internationale
Kapital, insbesondere die USA, eine wichtige Rolle bei diesem Thema spielt.
Natürlich hat unsere Widerstandsbewegung, die in Kurdistan einen nationalen
demokratischen Widerstand leistet, eine Grundlage für die genannten Operationen
geliefert. Wenn diese Generale oder die Armee als Ganzes erfolgreich gegen
die Guerilla wären, dann könnte sich niemand der Armee zu nähern wagen.
Aber die Erfolglosigkeit der Armee ist ein Fakt. Trotzdem hat sie sich
ganz anders dargestellt. Wir kennen solche verlogenen Szenarien aus der
Vergangenheit: Man heftete sich nach erfolgslosen Operationen gegenseitig
Medaillen an. Aber dies alles hat einen bestimmten Punkt erreicht und
kommt nicht mehr voran. Die momentane Situation der Armee ist eine Last
auf den Schultern des Systems. Sie kommt wiederum nicht ganz dem Profitinteresse
des internationalen Kapitals entgegen. Denn der Türkei wurden eine Rolle
und eine Mission zugedacht. In diesem Rahmen muss sie viel ziviler werden.
Aus dieser Perspektive betrachtet scheint es logisch, dass die Armee ermahnt
wurde. Deshalb konnte man sie belangen.
Doch gibt es da noch einen anderen sehr interessanten Aspekt. Die Vorfälle
sind viel früher geplant worden, vielleicht sogar die Uhrzeit, und werden
jetzt Schritt für Schritt ausgeführt. Der Inhalt des Szenarios wird nicht
auf einmal wiedergegeben, sondern ganz langsam, in kleinen Schritten.
Angefangen hat es bei Ergenekon. Wahrscheinlich sind die in diese Balyoz-Sache
Verwickelten etwas andere als die von Ergenekon. Das bedeutet also, dass
diese Sache sich über Ergenekon hinaus ausgeweitet hat. Das Interessanteste
daran ist, dass es immer ganz oben auf der Tagesordnung steht, wenn ein
General oder ein Ergenekonmitglied verhaftet wird. Hinter diesem ganzen
Getöse wendet man sich dann der kurdischen politisch-demokratischen Basis
zu.
Ergenekon und Balyoz
sind zwei verschiedene Putschpläne in der Türkei. Mit Ergenekon sollte
ein Chaos hervorgerufen werden, um dann mit einem Militärputsch die Macht
an sich zu reißen. Das wurde 2008 entdeckt und seitdem dauern die Prozesse
an. Der Balyoz-Plan wurde vor Kurzem, Anfang 2010, aufgedeckt und ist
viel umfangreicher. Danach sollten eine Moschee bombardiert, christliche
Geistliche ermordet und ein Kampfflugzeug abgeschossen und so Spuren nach
Griechenland gelegt werden. Die anschließende Machtergreifung der Armee
sollte dann die „Rettung des Vaterlandes“ vor u. a. der islamischen Regierungspartei
AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) sein.
ANF: Auf jede
Operation wegen eines behaupteten „Putschversuchs gegen die Regierung“
folgt eine gegen kurdische Politiker. Ist das Ihrer Meinung nach Zufall?
Karayılan: Das ist
auffällig an den Planungen. Man erkennt, dass diese Operationen besonders
durchdacht sind. Irgendeine Verhaftungswelle oder Operation steht an,
und dann sieht man, dass 50–60 kurdische Politiker aus einfachen Gründen
festgenommen und eingesperrt wurden. Wenn man genau hinsieht, bemerkt
man, dass die Welt die Verhaftungen der Generale diskutiert, aber niemand
an die ca. 1500 Politiker des kurdischen Volkes denkt, die von der türkischen
Republik verhaftet und in Gefängnisse gesteckt wurden. Man fragt sich,
warum? – Aus dem einfachen Grunde, weil dies unter der Hand geschieht.
Vor den Prozessen werden sie als „geheime Zeugen“ geführt, gefoltert,
und unter Zwang werden Aussagen unterschrieben. Dann machen sie Geständnisse
vor Gericht, genau wie in Şirnex.
Gegen unser Volk läuft ein schwerer Angriff. Der politische Genozid wird
aufgezwungen. All dies wird unter den Ergenekon- oder Balyoz-Operationen
vor der Weltöffentlichkeit verheimlicht.
Dazu kann ich feststellen: Diese Operationen sind ein geplanter Prozess,
der die Türkei an einen bestimmten Punkt bringen soll. Die AKP scheint
davon vielleicht zu profitieren, aber in Wahrheit ist das nicht so. Das
ist ein Prozess, der von verschiedenen Kräften gelenkt wird. Der wird
sich ausweiten und im Zuge dessen soll die kurdische Freiheitsbewegung
vernichtet werden.
ANF: Die Operationen
laufen gegen Armee und Justiz und parallel dazu gegen kurdische, sozialistische
und islamistische Kreise. Manchmal kommt eine Welle nach der anderen.
Ist das alles Teil des Plans?
Karayılan: Das soll
angeblich zermürben. Das bedeutet, dass Personen in der Armee eingeengt
werden sollen. Ein anderer Punkt ist natürlich, dass diese Kreise entlarvt
wurden und nun nur noch eine Last sind. Sie werden jetzt angegangen. Im
Rahmen dieses Projekts soll auch die PKK vernichtet werden. Es ist klar,
dass es auf der Basis eines solchen Projekts geschehen soll. Wir haben
dazu Informationen.
ANF: Was für
Informationen?
Karayılan: Eine neue
Organisation soll im Sinne des „tiefen Staats“ entstehen, sehr effektiv
und aktiv. Ich kann nicht sagen, wie engagiert sie in den jüngsten Operationen
ist. Aber der „tiefe Staat“ oder eine andere Macht, die den Staat übernehmen
will oder solch einen Weg Schritt für Schritt geht, ist es. Dafür ist
ein verändertes Erscheinungsbild der Türkei nötig, und die jüngsten Vorkommnisse
gehören in diesen Rahmen. Das ist die eine Sache.
Das andere sind die Widersprüche dieser Mächte untereinander. Wenn von
oben angetrieben und dem von allen zugestimmt wird, dann funktioniert
das auch einwandfrei. Aber das ist nicht der Fall. Während dieses Wandlungsprozesses
will jede Institution ihre eigene Position festigen und wenn möglich stärken.
Aus dieser Perspektive wird um die Effektivität gerungen. Das geht auf
im Sinne eines Kampfes um die Regierung, gegenseitigen Gezerres und/oder
gegenseitiger Aktionen. Es gibt ein Projekt, und in dem arbeitet jede
involvierte Kraft daran, weniger angefasst und viel effektiver zu werden.
Als Beispiel kann die AKP genannt werden. Die will auf alle Seiten einwirken.
ANF: Wird
sich die Türkei verändern?
Karayılan: So wie
es scheint, wird sie sich ändern. Sie muss. Es braucht eine neue Struktur
zwischen den Mächten, einen neuen Kompromiss.
Aber wer sind diese Mächte in der Türkei? Zuerst sind es die nationalistischen
staatlichen Kreise, die Befürworter des Status quo. Sie wirken im System.
MHP und CHP arbeiten in diesen Kreisen, die besonders in Justiz, Armee
und anderen Institutionen aktiv sind.
Zweitens sind es jene, die wir als reaktionär bezeichnen können. Dazu
gehören die AKP und einige liberale oder reaktionäre Demokraten, die ihr
nahestehen. Nicht nur der Fethullah-[Gülen-]Orden, verschiedene andere
Orden auch. Hinter denen stehen internationale Mächte. Die wollen diesen
Kreisen in einer neustrukturierten Türkei die Rollen zuweisen. Gemäßigter
Islam, reaktionäre Demokraten und/oder Orden ... Eine Linie in dieser
Richtung.
Das Dritte ist die
demokratische Linie, die nicht besonders organisiert ist und zu der wir
auch gehören. Das ist die Linie der demokratischen Kräfte.
Unter diesen drei Linien gibt es einen Kampf. Was wird passieren? Ganz
so einfach wird es keinen Sieg geben. Wenn die reaktionäre Linie allein
herrschen will und dahingehend Druck macht, dann wird das mit einem Chaos
enden. Das ist nichts, das so einfach gemacht werden kann. Aus dieser
Perspektive wird die Auseinandersetzung entstehen. Die einzige Lösung
ist, sich auf einer gemeinsamen Plattform zu treffen und in diesem Sinne
in einem neuen Projekt zusammenzukommen. Dies könnte „Projekt demokratische
Türkei“ heißen. Es könnte eine Plattform sein, an der sich jeder nach
eigener Kraft beteiligt, wo ein verfassungsrechtliches System herrscht,
das jeden verpflichtet und auf einer neuen, demokratischen Verfassung
beruht.
ANF: Was wird
die Position der Kurden in diesem neuen Prozess sein?
Karayılan: Natürlich
müssen die Kurden auch eine Position haben. Unser Projekt mit dem Namen
„demokratische Autonomie“ ist eine geeignete Lösung. Wenn die Türkei schon
einen Prozess des Wandels durchläuft oder ihr ein solcher aufgezwungen
wird, dann kann die „demokratische Republik“ ein wichtiger Faktor sein.
Darin hätten die Kurden auch ihren Platz.
Ein anderer Punkt ist, dass die Republik schon seit ihren Anfängen immer
gegen bestimme Kreise angekämpft hat. Letztens äußerte der Justizminister
in einer Rede indirekt, dass sich die Republik seit ihrer Gründung selbst
Ängste und Phobien schaffe. Er nannte „Kurden, Linke, Islamisten, etc.“.
Die Türkei muss sich von diesen Ängsten befreien. Die Republik hat seit
86 Jahren dagegen gekämpft, was ist passiert? Sie hat keinen Erfolg gehabt.
Die Türkei muss im Einklang mit sich selbst sein und eine gesellschaftliche
Aussöhnung erfahren. Das alles müsste dann in ein verfassungsrechtliches
System einmünden.
Die AKP hat auch Schwierigkeiten vor der Justiz. Der Premierminister sagt,
dass er in jede Richtung eingreife; in die Justiz, Gerichtsbarkeit, etc.
In gewissem Sinne ist das auch richtig. Doch sagen sie, dass sie die Justiz
reformieren würden. Man spricht von vorübergehenden Maßnahmen, also nichts
Bleibendes.
Nicht nur die Justiz,
die komplette Türkei braucht Reformen. Die Gesellschaft wird nicht in
Frieden leben, wenn nicht die von der PKK wiederbelebte kurdische, die
islamische, die linke Realität und die nationalistische Linie anerkannt
werden. Die AKP sollte also z. B. nicht „eigene“ Kurden schaffen wollen,
sondern die existierende Bevölkerung, die vorhandenen Vorsitzenden und
Vertreter akzeptieren. Sonst würde für immer die eine Linie die andere
vernichten wollen bzw. vor der anderen Angst haben. In einem solchen System
wird sich keine Demokratie entwickeln.
ANF: In früheren
Erklärungen und Interviews sagten Sie, die AKP wolle Ihre Bewegung vernichten.
Wird die Lösung der kurdischen Frage erschwert, wenn die AKP-Regierung
die Krise mit Justiz und Militär meistert?
Karayılan: Auf drei
grundsätzlichen Linien gibt es einen Kampf. Çetin Doğan [Generaloberst
a. D.; d. Ü.] sagte bei der Verkündung seines Urteils, „der Kampf beginnt
erst“. Die AKP wird nicht unbedingt die Regierung bilden. Sie wird natürlich
an sich reißen wollen, was sie bekommen kann. Dieses Bestreben hat sie
unbestreitbar. Sie könnte auch ein gewisses Niveau erreichen. In ihren
bisher öffentlich gewordenen Projekten ist allerdings keine Lösung erkennbar.
Man wird jetzt fragen, was mit der anderen Linie, also der nationalistischen,
ist?
Dort gibt es nichts, „nur“ Genozid und Massaker. Als Beispiel kann dieser
Balyoz-Plan genannt werden, der die Verbannung der Kurden, also eine Genozid-Mentalität,
enthält. Das ist sehr gefährlich. Deswegen haben auch die NATO und die
internationalen Mächte das nicht getragen. Vielleicht könnten bestimmte
Kreise aus den USA und Israel weiterhin Unterstützung geben. Doch nicht
offiziell. Das bedeutet also, dass die internationalen Mächte gesehen
haben, welch gefährliches Spiel gespielt wird. Das war dann auch ein Grund
für die Operationen [gegen die Generale; d. Ü.].
ANF: Einige
liberale, sogar demokratische Kreise kritisieren die Kurden, warum sie
die AKP nicht unterstützten. Im Gegensatz zur CHP habe sie die Operationen
gegen Ergenekon gemacht, Generale verhaftet, TRT6 eröffnet etc. Was ist
Ihre Meinung dazu?
Karayılan: Einige
Kurden, die die Knechtschaft bevorzugen, versuchen das so. Man zeigt den
Tod und sagt „Seid mit Eurer jetzigen Situation zufrieden“. Mit der AKP-Linie
gibt es auch keine Lösung. Die andere [nationalistische; d. Ü.] Linie
verfolgt den Genozid, aber die AKP-Linie tut es auch. Sie benutzt lediglich
andere Methoden. Sie geht die Sache etwas sanfter an. Wir sind der Meinung,
dass mit diesen Methoden und Zielen kein neues Erscheinungsbild zu verwirklichen
ist.
Das würde Vernichtung bzw. Krieg bedeuten. Krieg bedeutet Chaos und Gefechte.
Die kurdische Freiheitsbewegung ist unter der PKK institutionalisiert
worden. In dieser Phase kann von Vernichtung nicht gesprochen werden.
Die internationale Verschwörung [gegen Abdullah Öcalan, d. Ü.] ist nun
wirkungslos gemacht worden. Diese Bewegung ist nun viel stärker als zuvor.
Die jüngsten Vorkommnisse, zuletzt die Verhaftungen der Generale, die
Balyoz-Operation etc., zeigen, wie sehr die Türkei eine Veränderung nötig
hat. Allein mit Gewalt kommt niemand voran.
Die AKP stellt sich ins Zentrum von allem. Erst wird alles massakriert
und dann behauptet, man habe alles im Griff. Was ist mit der Rechenschaft
für all diese Massaker? Heutzutage kann keines geheim gehalten werden.
Saddam [Hussein] hat auch unzählige Massaker verübt, was ist mit ihm passiert?
Hat er nicht seine gerechte Strafe erhalten? Gab es nicht mindestens so
viele Massaker auch in der Türkei? Wurde Rechenschaft dafür verlangt?
Man spricht von 17.000 „Morden unbekannter Täter“. Hat man danach gefragt?
Wer gab die Anweisungen dafür? Wurden sie vor Gericht gebracht?
Was ist aber aktuell? – Man sagt „Wieso wird die Regierung angegangen?“.
Schon früher wurden so viele Massaker angerichtet und unzählige Gesetze
missachtet. Wieso wird nicht nach der Vergangenheit gefragt?
So betrachtet ist
keine Aufrichtigkeit erkennbar. Deswegen sehen wir sie nicht als demokratische
Bewegung an. Das ist allerhöchstens das vorher schon Genannte.
Kurz gesagt: Mit diesen Menschen wird die Situation sich nicht ändern.
Wie schon angesprochen sind wir der Meinung, dass eine komplette, mentale
Änderung der Türkei vonnöten ist. Angefangen bei der kurdischen Frage
braucht die Türkei ein Projekt, das allen Problemen eine Lösung bieten
kann. Dieses Lösungsprojekt heißt „Demokratie“ bzw. die Verwirklichung
des Projektes „demokratische Republik“. Das sorgt dann auch für die freiwillige,
gewollte Einheit der Türkei.
ANF: Ihre
Bewegung hat bisher gegen ein Militär Widerstand geleistet, das als Vertreter
des Staates die Kurden verleugnete und die Rolle des Wächters über den
Laizismus spielte. Aber in dem aktuellen Machtkampf verliert die Armee
von ihrer Macht. Was können wir von der sogenannten „Zivilisierung“ und
„Demokratisierung“ erwarten, mit der die Armee unter die Kontrolle der
AKP-Regierung kommen soll?
Karayılan: Zwischen
den Sichtweisen von AKP und Militär unter Ilker Başbuğ auf die kurdische
Frage gibt es keinen Unterschied. Ich glaube auch nicht, dass sich das
ändern wird. In dem gegen uns entwickelten Konzept haben sich alle Mächte
vereinigt. Auf der letzten Versammlung des Nationalen Sicherheitsrats
[Milli Güvenlik Kurulu, MGK] wurde der Kampf gegen uns auf allen Ebenen
beschlossen bzw. die Fortsetzung der „demokratischen Initiative“. Jegliche
Politik gegen uns ist nationalistisch. Manchmal nennt die AKP das so,
aber CHP und MHP übersehen das oder wollen es nicht hören. In diesem Sinne
ist die „demokratische Initiative“ – laut AKP – auch nationale Politik.
Hier kann man fragen, wieso das so ist? Ganz einfach: Die klassische Verleugnungs-
und Vernichtungspolitik des Staates ist zusammengebrochen. Der hielt also
eine Modernisierung für nötig. Doch ist darin keine Lösung oder Anerkennung
enthalten. Dieses Konzept bedeutet das alte Ziel mit neuen Methoden.
Wir sagen, dass diese staatliche Politik keine Lösung ist. Die irren sich,
die der Meinung sind, dass „die Generale und das Militär geschwächt werden,
dass es gut ist, wenn die früher nicht Angerührten vor Gericht gebracht
werden, dass die Türkei einen anderen Kurs einschlägt und dies also Demokratisierung
bedeutet“.
Das ist auch positiv, aber es bedeutet nicht, dass die Türkei sich demokratisieren
wird. Sie kann ohne eine Lösung der kurdischen Frage nicht demokratisiert
werden. Neue Einheiten werden aufgestellt, die bezahlt werden sollen,
repressive Einheiten. Die meinen dann, sie könnten andere marginalisieren,
die Türkei in ein neues System transportieren und eine gewisse Stabilität
schaffen.
Aber ihr Fehler, ihr Irrtum liegt ganz am Anfang: die kurdische Freiheitsbewegung
als „terroristisch“ zu bezeichnen. Diese soll marginalisiert und dann
später mit irgendwelchen Spezialkommandos angegriffen werden. Dass dies
nicht möglich ist, wird die nahe Zukunft zeigen. Wir sagen, der Staat
soll einen Schritt machen, wenn er aufrichtig ist. Wir glauben an keine
Worte ohne praktische Schritte. Aus dem einfachen Grunde, weil der Staat
schon immer die kurdische Gesellschaft belügen und täuschen wollte. Wenn
sie glaubhaft sein wollen, sollen sie Schritte machen.
ANF: Gibt
es Anzeichen für irgendwelche praktikablen Schritte? Mit den von Ihrer
Bewegung geschickten Friedensgruppen war ja eine etwas gelockerte Atmosphäre
entstanden. Kann das wieder entstehen? Unter welchen Umständen?
Karayılan: Der Frühling
kommt. Die Türkei geht in eine neue, wichtige Phase. Sie will ein neues
Bild, ohne Kurden. Parallel will die AKP Stimmen fangen. Unter Berücksichtigung
all dieser Fakten denke ich, dass die Ausschaltung der kurdischen Freiheitsbewegung
wieder aktuell werden wird. Angesichts der Wahlen wird es unter dem Motto
der „Initiative“ Aussagen geben wie „Die Kurden sollten das System nicht
allzu sehr belasten“, „einige Schritte im Rahmen der demokratischen Initiative“
und „einfach abwarten“. Es soll dann ausgeweitet werden. Das ist absehbar.
Darin bestärkt uns der Nationale Sicherheitsrat.
Unsere Antwort lautet:
Der Staat sollte nicht noch einmal versuchen zu belügen und zu täuschen.
Wenn er nicht mehr die kurdische Freiheitsbewegung vernichten will, dann
sollte er das offen und ehrlich sagen. Dasselbe gilt, wenn er etwas verändern
will. Sie müssten wissen, dass Hinhaltemanöver und uns für dumm verkaufen
zu wollen keinen Erfolg haben werden. Diese Politik wird gleichzeitig
Gefahren mit sich bringen, vor allem kriegerische Auseinandersetzungen.
Auf der einen Seite verlangt der Premierminister vom US-Verteidigungsminister
spezielle Fluggeräte [Drohnen; d. Ü.], um unsere Bewegung auszuspionieren,
und bekommt welche von Israel, auf der anderen Seite werden Botschaften
für die „demokratische Initiative“ ausgegeben. Was sollen wir glauben?
Die Lösung der kurdischen
Frage drängt sich auf. Wie schon erwähnt sind wir der Meinung, dass sie
im Rahmen dieser Modernisierung [der Türkei] gelöst werden muss. Wir werden
dies erzwingen und nicht in irgendeiner Ecke abwarten. Wenn es eine Veränderung
geben wird, dann sind wir darin enthalten.
ANF: Kann
das Militär eine grenzüberschreitend Operation durchführen? Welche Art
militärischer Angriffe erwarten Sie mit dem Frühling?
Karayılan: Ich muss
noch einmal unterstreichen, dass es einen Konsens gibt, wenn wir das Thema
sind. Die Armee verfügt über eine bestimmte Stärke. Aber ich glaube nicht,
dass sie größere Operationen wie in der Vergangenheit unternehmen kann.
Wir haben den Monat der Zap-Operation. Vor zwei Jahren gab es im Zap Gefechte,
die am 21. Februar begannen und bis Ende März dauerten. Seitdem konnte
sich die Armee nicht mehr stark zeigen. Im Zap hatte sie eine regelrechte
Demontage erlebt. Natürlich hat Zap auch eine Vergangenheit, aber dies
war der Höhepunkt. Danach hörten sie auf, auf ihren „roten Linien“ zu
bestehen. Man pflegte Beziehungen zu den Kommunalverwaltungen in den kurdischen
Gebieten der Türkei und die Armee ließ dies zu.
Diese grenzüberschreitende Operation, von der Sie sprechen, werden sie
nicht so leicht bewerkstelligen können. Dafür wäre die Beteiligung weiterer
Mächte nötig. Wenn die türkische Armee eine solche Operation allein startet,
dann wird sie eine Niederlage erleben. Sie wird keinen Schritt machen
können. Sie hat das in Zap nicht hinbekommen, wie also sollte sie das
irgendwo anders schaffen? Es liegt auf der Hand, dass dies über ihre Macht
hinausgeht. Das soll sie doch bitte auch mal akzeptieren. Trotz dieser
Tatsache wird sie die Hilfe der USA anfordern. Auf Druck der USA sollen
dann auch die kurdischen Bürgermeister(!) ihr Teil beitragen. Mit dem
Iran wird verhandelt. Das ist sehr interessant, der Iran und die USA sind
eigentlich verfeindet, aber die AKP will sie gegen uns vereinen. Ich glaube
nicht, dass ein solches Konzept praktikabel ist. Beide Mächte sind äußerst
schwer zusammenzubringen.
Aber man darf nicht vergessen, dass wir uns im Mittleren Osten bzw. in
der Türkei befinden. Ein Schritt gegen uns im Kampf der Regierung kann
dann plötzlich zum allgemeinen Vorteil gereichen. Die gegenüber dem Iran
stärkere Position der Türkei kann zum Vorteil der USA sein. Das kann alles
passieren.
Zusammengefasst bedeutet eine solche Operation für die Türkei einen neuen
Prozess und für die Kurden einen neuen Konflikt. Möglicherweise lässt
sich das dann nicht auf die überschrittene Grenze beschränken, sondern
wird sich auf die gesamte Türkei ausweiten. Aber das ist jetzt noch nicht
absehbar. Wie gesagt, wenn die internationale Konjunktur eine solche Operation
als vorteilhaft ansieht, dann kann das passieren.
Aus diesem Grunde sind wir auf jede Situation vorbereitet. Mit großer
Wahrscheinlichkeit werden einige Lockerungen aktualisiert werden. Nach
diesen Prozessen wird es, wenn sich die Möglichkeit bietet, abschließend
solche Operationen geben.
ANF: Das bedeutet
also, dass Sie in den Frühlingsmonaten keine umfangreichen Militäroperationen
erwarten?
Karayılan: Das hat
mit Erwartungen nichts zu tun, das ist eine Möglichkeit. Ich sage, dass
dies der Fall sein kann. Für einen Erfolg wird dann die Unterstützung
internationaler Mächte benötigt. In diesem Fall ja. Aber das ist nicht
das jetzige Ziel. Das, was jetzt angestrebt wird, ist eine Lockerung.
ANF: Einige Kommentatoren
sind der Meinung, dass der Abzug der US-Soldaten und die Pipelineprojekte
zum Nachteil der PKK geraten. In welchem Ausmaß wird der Truppenabzug
Ihre Bewegung beeinflussen?
Karayılan: Einige
Besserwisser, oder diejenigen, die sich für Spezialisten halten, geben
immer ihre Meinungen kund. Ich denke, dass sie Staat und Öffentlichkeit
falsch informieren. Wie weit das bewusst oder unbewusst geschieht, ist
eine andere Sache. Als ob wir irgendein Skorpion in irgendeiner Ebene
Südkurdistans wären. Wir sind seit 25 Jahren in den Bergen Kurdistans
und haben begonnen, einen Krieg zu führen. Wer sich ändern will, soll
das tun. Es wird keinen Einfluss auf unsere Bewegung haben. Die USA ziehen
sich z. B. zurück, wird dann gegen uns vorgegangen? Ein Schritt gegen
uns wird auch in ein, zwei Jahren kein Ergebnis erzielen. Unser Terrain
ist ein anderes, wir sind eine Guerillabewegung. Wir agieren in einem
nicht leicht zugänglichen Gebiet.
Ich will besonders betonen: Wir haben Maßnahmen für alles getroffen. Wir
haben uns auf jede Art von Angriff vorbereitet. Egal, was in Südkurdistan
oder im Irak passieren sollte – vielleicht wird im Irak unsere legale
Basis eingeengt, das könnte sein –, im Großen und Ganzen wird uns das
nicht beeinträchtigen. Aber eines ist auch Fakt: Unseren legalen Basen
konnte man zur Zeit Saddams nichts anhaben, wieso also heute? Die Stärke
der Einheiten der kurdischen Freiheitsbewegung ist im Süden Kurdistans
eine Realität. Die türkische oder eine andere Armee kann uns z. B. in
Gabar, Zap, Herekol oder Munzur nicht bezwingen. Das ist so. Im Moment
haben sie dazu weder die nötige Kraft noch die Fähigkeit. Sie können mit
technischer Ausstattung kommen, wie immer sie wollen. Wir sind dabei voller
Selbstvertrauen und ich behaupte, dass wir über größere Erfahrung als
sie verfügen. Dies haben wir auch in der Praxis bewiesen. Deshalb können
sie uns nicht so einfach in die Ecke zwingen. Die Existenz der Guerilla
ist innerhalb vieler Jahre gereift.
ANF: Sie haben
den Iran erwähnt. Der Westen behauptet – in seiner iranfeindlichen Haltung
–, die Türkei sei in der Region dem Iran gegenüber gestärkt worden. Wieso
können dann der Iran und die Türkei, dem und den Widersprüchen zum Trotz,
eine Allianz gegen die Kurden bilden?
Karayılan: Tatsache
ist, dass die USA im Namen des internationalen Kapitals der Türkei im
Rahmen der Neustrukturierung des Mittleren Ostens eine wichtige Rolle
zugedacht haben. Erster Punkt dieser Mission ist es eben, eine Barriere
vor dem Iran zu bilden und die im Irak durch den Abzug der USA entstehende
Lücke zu füllen. Die AKP tanzt aber auf vielen Hochzeiten. Für jeden hat
sie eine Botschaft. Eigentlich will sie alle irgendwie steuern bzw. aufhalten.
Doch sollte registriert werden, dass die Türkei sich auf die Seite der
westlichen Länder schlagen wird. Von Zeit zu Zeit entwickelt der Iran
uns gegenüber auch ein gespanntes Verhältnis. Vor allem, weil wir eine
unabhängige Kraft sind. Eine unabhängige Kraft ist nicht so einfach zu
akzeptieren. Wir sagen, dass wir eine dritte Linie verfolgen, uns weder
auf die regionalen Status-quo-Mächte noch auf internationale Mächte verlassen
bzw. uns auf unsere eigene Kraft stützen und die Demokratie für alle Völker
vertreten. Auf diesem Wege bewegen wir uns entschlossen.
Das liegt weder im Interesse der internationalen Mächte noch in dem der
Status-quo-Mächte. Außerdem ist die Haltung des Iran unverständlich, Schritt
für Schritt eingekreist zu werden. Deshalb geht er zu allen, die nicht
an seiner Seite sind, auf Konfrontationskurs, statt einen Kompromiss mit
ihnen zu suchen. So verhält er sich auch gegenüber den Kurden. Anscheinend
überwiegt im Iran die militärische Sichtweise. Wir sind der Meinung, dass
wir bei der Umzingelung des Irans neutral bleiben sollten. Die Kurden
sollten nicht im Interesse anderer die Opposition zum Iran bilden.
Ein Sprichwort besagt, dass dort das Gras zertreten wird, wo die Elefanten
raufen. Danach würden wir Kurden dann das Gras darstellen. Deswegen finden
wir es nicht richtig, die Opposition zum Iran zu bilden. Trotz dieser
Haltung können wir uns die Feindseligkeit des Irans nicht erklären. Es
scheint so, als ob er noch Erwartungen an die Türkei hegt und uns in diesem
Rahmen mit Gewalt angeht. Ich denke aber nicht, dass diese Situation allzu
lange andauern wird. Wir vertreten eine unabhängige Linie, die auf den
Vorteilen für die Völker basiert. Wir sind der Meinung, dass wir mit dieser
Haltung früher oder später erfolgreich sein werden. Die Kurden sollen
gegen den Iran aufgehetzt werden. Der Iran sollte nicht in diese Falle
laufen. Es würde zu seinem Nachteil sein.
ANF: Zwischen
Israel und der Türkei sind handfeste Spannungen auszumachen. Wir wurden
Zeugen, als Israel zum ersten Mal einen Schritt von der Türkei zurücktrat.
Als Beispiel sei die Krise um den Botschafter genannt. Was bedeutet das?
Woher nimmt die Türkei die Kraft, um sich gegen Israel zu wenden? Aber
auf der anderen Seite kommen trotzdem militärische und wirtschaftliche
Abkommen zustande.
Karayılan: Die AKP
hat die Zustimmung des internationalen Kapitals. Internationales Kapital
bedeutet zum größten Teil israelisches Kapital. Aus diesem Grunde steht
die in Israel bestimmende Macht hinter der AKP. Wieso? Weil der AKP eine
Rolle zugewiesen wurde. Die AKP vertritt die übernommene Islam-Linie.
Wir stehen kurz nach dem Jahrestag des 28. Februar. Aus diesem Anlass
möchte ich noch einmal betonen, dass wir gegen den Vorfall vom 28. Februar
sind. Doch wie wurde der überwunden? Dieser Vorfall war gegen die islamische
Linie Erbakans gerichtet gewesen. Heute ist diese Linie sehr geschwächt.
Bülent Arınç und Cemil Çiçek [stellvertretende Ministerpräsidenten; d.
Ü.] sagten: „Der Prozess des 28. Februar ist vorbei. Niemand kann die
Türkei zurückwerfen.“ Diese Feststellung ist nicht richtig. Der Prozess
des 28. Februar war im weiteren Sinne erfolgreich. Auf welche Weise? Die
AKP entstand! Behauptet die AKP in diesem Sinne nicht, sie habe sich von
der „nationalen Sicht“, der Milli-Görüş-Linie abgewandt? Wie kann dann
der Prozess zu Ende sein? Die Realität der AKP ist die Politik auf „übernommener
Islam-Linie“.
Deswegen unterstützt das internationale Israel-Kapital die AKP. Denn die
Aufgabe der AKP ist es, die radikale Islam-Linie in eine gemäßigte zu
transferieren. Mit einer solchen Mission muss sie natürlich gegen Israel
auftreten. Ohne den Auftritt in Davos z. B. hätte sie auch keinen Einfluss
auf Hizbollah oder Hamas. Das ist der Grund für den Widerspruch, wieso
man die Kinder aus Palästina beschützt und die Kinder aus Kurdistan mit
Panzern überfährt. Dieses Verständnis von Politik trägt keine Liebe zu
Kindern in sich. Die „Liebe“ zu den palästinensischen Kindern hat politische
Gründe. Aus den gleichen Gründen werden Kinder in Kurdistan in Gefängnisse
gesteckt.
Jetzt werden Sie fragen, ob das eine abgekartete Sache zwischen Israel
und der Türkei ist. Nein, das meine ich nicht. Jedoch besteht eine Übereinkunft
zwischen der AKP-Regierung und dem israelischen Kapital. Die Beziehungen
zu Israel werden nicht beschädigt, strategische Abkommen werden andauern,
aber in der Praxis werden sie sich gegenseitig hart anfassen. Beide Seiten
wissen, dass dieser Disput nicht für immer anhält und zu keinem Bruch
führt. Die Sicherheit haben sie. Deswegen ist die AKP beruhigt. Ansonsten
wäre eine solche Haltung gegen Israel für einen türkischen Premier nicht
möglich. Warum Erdoğan es tut, hat den Grund, dass es genehmigt wurde.
Ich gehe davon aus, dass die Haltung der AKP-Regierung auf einer solchen
Politik beruht.
Die jüngsten Pressemeldungen deuten auch darauf hin. Das Stichwort heißt:
Verkauf der Heron-Flugzeuge .
Der Verkauf solcher Flugzeuge oder Waffen durch irgendwelche Staaten bedeutet,
dass sie am Genozid beteiligt sind. Das bedeutet direkte Feindseligkeit
gegenüber dem kurdischen Volk. Wir haben schon vorher die israelische
Regierung aufgefordert, diese Flugzeuge nicht zu verkaufen. Weitere Aufforderungen
sind nicht nötig. Alle kurdischen politischen Organe und die Bevölkerung
Kurdistans sollten sich das aber gut merken. Wenn diese Feindseligkeit
andauert, wird das kurdische Volk natürlich auch etwas zu sagen haben.
Man müsste sich ernsthaft Gedanken über einen Staat machen, der bei der
Auslieferung des Vorsitzenden Apo eine maßgebende Rolle spielte und trotz
aller Aufrufe weiterhin die Waffen verkauft.
Die AKP dient mit
ihrer aktuellen Politik Israel. Es könnte Israel nichts Besseres passieren,
als dass der radikale Islam in einen gemäßigten transformiert wird. Das
beeinflusst auch die Iran-Politik der AKP, überraschend für den Iran.
Auf der einen Seite fordert die Türkei von den USA Zusammenarbeit gegen
die PKK, und auf der anderen Seite sagt sie, wenn Nuklearwaffen diskutiert
werden sollen, dann auch die von Israel. So ermutigt sie den Iran. Diese
doppelgesichtige Politik hat in gewissem Sinne auch den Iran aufgehalten.
In Wahrheit ist also zu erkennen, dass die AKP gestützt auf internationale
Mächte eine Kraft in der Türkei sein kann. Kurz gefasst hat die AKP zwei
bestimmte Missionen in der Region: den radikalen Islam in einen gemäßigten
zu verwandeln und die kurdische Freiheitsbewegung zu vernichten.
Wir sagen: Die kurdische Freiheitsbewegung ist eine gesellschaftliche
Kraft. Wenn die Vernichtungspolitik andauert, kann kein anderes Projekt
ins Leben gerufen werden. Diese Politik wäre Grund für einen umfangreichen
Krieg und daraus folgend ein Hindernis für alle in der Türkei anstehenden
Projekte. Ohne ein Abgehen von dieser Linie kann in der Region keine Stabilität
hergestellt werden.
ANF: Der Staat
hat auf Ihre vor Kurzem veröffentlichte Deklaration nicht reagiert. In
diesem Zusammenhang haben Sie erklärt, dem Prozess nicht zuzuschauen.
Die letztes Jahr ausgerufene gefechtsfreie Phase wird auch aufrechterhalten.
Welche Prognose gibt Ihre Bewegung?
Karayılan: Das Jahr
2010 wird einen sehr wichtigen Prozess für die Türkei, das kurdische Volk
und die kurdische Frage enthalten. Diese Möglichkeit kann sogar auf die
Region ausgeweitet werden. Wir wollen, mit dem Ziel der Lösung, im Jahr
2010 den Widerstand verstärken. Unser Widerstand hat bis zu diesem Punkt
großartige Ergebnisse mit sich gebracht. Wichtige politische Resultate
neben ideologischer Konzentration, organisatorischer Expansion und militärischen
Erfolgen. Wir haben zwar die kurdische Frage auf die Tagesordnung gebracht,
das reichte jedoch nicht für die demokratische Lösung. Das heißt, manches
ist ungenügend. Die Kraft ist eingeschränkt und die dargestellte politisch-organisatorisch-gesellschaftliche
Dimension reicht nicht aus, um die Lösung aufzuzwingen. Deswegen müssen
wir in diesen neuen Phasen ein Niveau erreichen, das die Lösung aufzwingt.
ANF: Wie?
Karayılan: Ein neuer
Schritt. Der dritte Schritt der „Êdî Bes e“-Kampagne. Wir sprechen von
einer Perspektive zusammen mit dem demokratischen Widerstand und unter
der Parole „Freier Vorsitzender, freie Identität, demokratische Autonomie
– Lasst uns einig und organisiert sein, Widerstand leisten und gewinnen
gegen den politischen und kulturellen Genozid“. Das ist nichts Einsichtiges;
ein umfangreicher Rahmen eines Projekts, das die Freiheit des Vorsitzenden
Apo und die demokratische Lösung der kurdischen Frage anstrebt. Dies wird
dann ideologische, kulturelle, politische, soziale und diplomatische Dimensionen
haben. Natürlich wird es auch Selbstverteidigung gegen Angriffe geben,
also eine militärische Dimension. Aus dieser Perspektive gesehen halten
wir das Jahr 2010 für sehr wichtig. Unser Volk hat besonders mit den Protesten
zum 15. Februar den Startschuss für diesen Widerstand gegeben. Ich hoffe,
dass die Veranstaltungen zum Weltfrauentag und zu Newroz dem entsprechen
werden. Ich denke auch, dass die Entwicklung bis zum 4. April [Geburtstag
Abdullah Öcalans; d. Ü.] und 1. Mai sehr wichtig sein wird. Hier werden
Massendemonstrationen stattfinden. Aber tatsächlich wird die dieses Jahr
beginnende Bewegung des Serhildans [kurdisch: Volksaufstand; d. Ü.] auch
die generelle Haltung der Gegenseite bestimmen.
Die Balyoz-Operationen
haben unsere Einschätzungen und die des Vorsitzenden Apo nochmals bestätigt.
Der Vorsitzende hat wichtige Bewertungen des türkischen Systems bzw. des
Kemalismus vorgelegt.
Unser Vorsitzender arbeitet an einer neuen Roadmap. Er spricht auch von
einem neuen Friedensprojekt. Das bedeutet also, dass wir dieses Jahr die
Lösung der kurdischen Frage erzwingen werden. Wie erwähnt werden wir den
Prozess aktiv gestalten. In diesem Zusammenhang werden wir Gefechtsfreiheit
wahren. Wir werden versuchen, diese Frage auf der Tagesordnung zu halten.
Wir sagen nicht, dass alles im Jahr 2010 passieren wird. Aber dieses Jahr
wird die folgenden bestimmen. Deshalb ist es so wichtig. Wir können diesen
Prozess auch als Wendepunkt betrachten.
ANF: Sehen
Sie dieses Jahr auch eine militärische Erneuerung vor?
Karayılan: Wir beabsichtigen
eine Erneuerung in allen unseren Einheiten. Wenn unsere jetzige Haltung
nicht zum gewünschten Ergebnis führt, dann werden wir unsere Kaderstruktur
erneuern, uns mehr professionalisieren und uns gegen mögliche Angriffe
professionell verteidigen. Diese Vorarbeiten sind so gut wie beendet.
Wenn uns aber wieder militärische Gewalt aufgezwungen wird, dann müssen
wir eine Antwort wie in der Vergangenheit geben. Wenn uns trotz unserer
Zurückhaltung bei Aktionen die militärische Vernichtung aufgezwungen wird,
dann müssen wir uns umfassender verteidigen.
Abschließend kann
gesagt werden, dass endlich praktische Schritte folgen müssen. Das kann
z. B. unsere Deklaration sein. Wir sehen sie als sehr wichtig an. Wir
wollen, dass die zuständigen staatlichen Institutionen das auch wahrnehmen.
Ansonsten wird die übliche Praxis kein neues Ergebnis erzielen. Wir sind
der Meinung, dass die demokratische Lösung nun nicht mehr aufschiebbar
ist und unbedingt kommen muss. Wenn ein Schritt gemacht wird, dann werden
wir natürlich die nötige Verantwortung zeigen.
Der KCK-Exekutivratsvorsitzende
erläuterte seine Meinung auch zu der Razzia gegen ROJ TV. Karayılan rief
das kurdische Volk dazu auf, demokratische Reaktionen gegen diese Razzia
zu zeigen, und erklärte, die belgische Regierung wolle das zu Ende bringen,
was die türkische Regierung angefangen habe. Er betonte, das kurdische
Volk werde sich im Falle der Fortsetzung der Operationen selbst verteidigen,
und fügte hinzu:
Karayılan: Wir wollen
von der [belgischen; d. Ü.] Regierung sofortige Erklärungen zu dieser
Operation. Die ROJ-TV-Razzia ist ein gravierender Eingriff in die kurdischen
Freiheitsbestrebungen. Diese Intervention begann mit der internationalen
Verschwörung [der Verschleppung Öcalans 1999; d. Ü.]. Doch hat diese Verschwörung
gegen uns verloren, unsere Bewegung hat sich gesammelt, und daraufhin
hat die Türkei ihre geostrategische Lage auf den Markt geworfen und verkauft.
Seither will man die Verschwörung aktualisieren; der erste Eingriff war
2007. In diesem Jahr wurde ein Zwischenkonzept eingeführt. Es wurde von
Bush und Erdoğan am 5. November 2007 mit der Proklamation des „gemeinsamen
Feindes PKK“ entworfen.
Basierend auf diesem Konzept begannen umfangreiche Luft- und Bodenangriffe.
Der eigentliche Plan war, die Guerilla zu treffen, zu zerquetschen und
die Presse, über die sie sich ausdrücken könnte, zum Verstummen zu bringen.
Doch ist dieses Konzept in Zap gestolpert. Das war das erste Mal. Das
zweite Mal stolperte es bei den Kommunalwahlen am 29. März 2009. Aus diesen
beiden Gründen sind die Operationen nicht erfolgreich gewesen.
Der wahre Grund für die anschließenden Verhaftungswellen ist die politische
Vernichtung der demokratischen Basis. So sollte nicht das Fundament der
Lösung, sondern das der Vernichtung verbreitert werden. Die Parallele
in Europa wird in geeigneten Zeitabschnitten praktiziert. Eine Razzia
war für den Tag geplant, an dem der armenische Genozid aktuell würde.
Aus dieser Perspektive ist ersichtlich, dass Frankreich, Italien, auf
umfassende Weise Belgien und zuletzt Deutschland, das den PJAK-Vorsitzenden
festnahm, die kurdisch-demokratische Basis vernichten wollen.
Der türkische Staat betrachtet alle organisierten kurdischen Strukturen
als terroristisch. Sogar kurdische Frauen und Kinder – es reicht, wenn
sie auf der Straße waren und an demokratischen Protestaktionen teilnahmen.
Das bedeutet, dass ein mit eigenem Willen ausgestatteter und organisierter
Kurde, der sich als Kurden bezeichnet, gleichzeitig ein (potenzieller)
Terrorist ist. Das ist eine Kriegserklärung an das kurdische Volk. Die
belgische Regierung hat sich mit den jüngsten Ereignissen dieser Kriegserklärung
angeschlossen. So wie in der Türkei die Partei der demokratischen Gesellschaft
DTP [Demokratik Toplum Partisi] verboten wurde, Bürgermeister, also jene,
die vom Volk gewählt worden waren, verhaftet und eingesperrt wurden, genau
so hat die belgische Regierung gehandelt, indem sie weltbekannten kurdischen
Politikern Handschellen anlegte. Sie können ganz einfach den vom kurdischen
Volk meistgesehenen Fernsehsender stürmen, der viel zur nationalen Einheit,
zur Aufklärung und Demokratisierung beigetragen hat. Diese Razzia auf
ROJ TV wurde auf gröbste Weise durchgeführt. Der grundlegendste Fehler
hierbei ist diese Herangehensweise, die die offizielle Sicht des türkischen
Staates übernimmt. Diese Herangehensweise ist weder gesetzlich noch legitim.
Wer kann heutzutage noch einen Fernsehsender, der ständig Frieden, Demokratisierung,
Aufklärung, Wissen und Kultur behandelt, als „terroristisch“ bezeichnen?
Wer kann Altparlamentarier wie die allseits bekannten Remzi Kartal und
Zübeyir Aydar „Terroristen“ nennen? – Einzig und allein die Mentalität,
die die freie kurdische Linie als „terroristisch“ bezeichnet.
Die Operation Belgiens wird von der Türkei gelenkt. In der neuen Phase,
in der die Türkei im Interesse der internationalen Profite gebraucht wird
wie z. B. ihr Militär in Afghanistan, als Opposition zum Iran im Mittleren
Osten, werden ihr einige Zugeständnisse gemacht, angefangen von den USA
und der NATO. Belgien wird in diesem Sinne als Handlanger benutzt. Seine
Angriffe auf kurdische Institutionen, besonders auf einen Fernsehsender
wie ROJ TV, eine nationale, demokratische Institution wie den Nationalkongress
Kurdistans KNK, die Vertretung der Partei für Frieden und Demokratie BDP
und auf kurdische Vereine bzw. Persönlichkeiten, indem die Wohnungen verwüstet
wurden, aber das Ziel der „Einschüchterung“ verfolgt wurde, sind gänzlich
offene Angriffe. Die Kriminalisierung jederzeit erreichbarer Menschen
und die Stürmung im Morgengrauen sind Angriffe auf bzw. Feindseligkeiten
gegen das kurdische Volk. Wieso gab es sie? Belgien muss diese Angriffe
auf das kurdische Volk, auf dessen legale demokratische Einrichtungen
und auf seine Persönlichkeiten erläutern. Es ist offensichtlich, dass
diese Rechtlosigkeit Ergebnis dreckiger Profite bzw. Verhandlungen ist,
dass es ausgenutzt wird. Jean Lambert, die Abgeordnete im Europaparlament,
verwies auf die USA, die seit Längerem Druck ausübten, ROJ TV zum Schweigen
zu bringen. Diese Aussage bestätigt meine Angaben. Wir sind derselben
Meinung. Es ist ganz klar, dass die USA hinter dieser Operation stehen.
Die USA wollen die Türkei in ihrem eigenen Profitinteresse ausnutzen.
In diesem Sinne wollen sie ihr mit dem Angriff auf unsere Bewegung eine
Botschaft übermitteln. Die belgische Staatsanwaltschaft behauptet, seit
drei Jahren ein Untersuchungsverfahren zu führen. Das wiederum weist auf
das Jahr 2007 zurück, das wir anfangs angeführt haben. Dieser Angriff
ist detailliert, bis auf den Tag genau geplant und organisiert. Im Rahmen
desselben Angriffs hat Deutschland seine Haltung gezeigt, indem es den
PJAK-Vorsitzenden Hacî Ehmedî festnahm. Diese Operationen sind nicht nur
auf Belgien beschränkt. Doch wurde es zu einer Art Vorreiter. In diesem
Sinne hat Lambert eine demokratisch-patriotische Aussage getroffen. Wie
könnt Ihr den Einrichtungen eines Volkes, das auf Druck anderer Länder
allein und gestützt auf die eigene Kraft arbeitet, solche Gesetzesverachtung
antun? Das ist ein großes Problem für Belgien. Natürlich müssten die dortigen
Demokraten das erforschen.
Bei der Razzia auf ROJ TV wurde besonders auf Gewalt gesetzt, von Lebensmitteln
über Bücher bis zu Archiven wurde so gut wie alles vernichtet, die Einrichtung
wurde förmlich als Ruine hinterlassen. Ich möchte die ROJ-TV-Mitarbeiter
wegen ihres Widerstands gegen diesen Angriff grüßen und beglückwünschen.
Sie haben getan, was getan werden musste. Die Bevölkerung hat ihre eigene
Einrichtung auch in Schutz genommen. Ich ehre das Volk wegen dieser wertvollen
Tat und beglückwünsche es. ROJ TV ist ausschließlich eine Einrichtung
des Volkes und nicht, wie der türkische Staat behauptet, irgendeiner Organisation.
ROJ TV ist eine nationale, demokratische Einrichtung, die eine wichtige
Rolle bei der Wissensaneignung und Kultur des kurdischen Volkes gespielt
hat. Vor allem ist sie unabhängig. Jedem ist bewusst, dass alles, was
dort geschaffen wurde, auf Fleiß und Arbeit beruht. Nach Aussage der ROJ-TV-Mitarbeiter
ist beim Überfall ein Verlust von 1,2 Mio. Euro entstanden. Jeder Euro
ist der Fleiß des Volkes. Allein aus diesem Grund ist der Angriff der
belgischen Regierung ein Angriff auf das Volk. Die Regierung hätte die
Mitarbeiter ganz einfach zum Verhör rufen können. Aber wir sehen, dass
stattdessen Prügel, Handschellen und Verhaftungen bevorzugt wurden; sieben
Personen brauchten ein ärztliches Attest. Unzählige Geräte wurden vernichtet,
die Eigentum einer Firma sind. Dieses Eigentum wurde beschädigt. Die Mitarbeiter
werden wahrscheinlich juristische Wege einschlagen. Wie kann es eine solche
Beleidigung, eine solche Despotie mitten in Europa geben, in Brüssel,
das als eine Hauptstadt der EU bzw. der NATO gilt? Der belgische Staat
muss dazu einige Erklärungen abgeben!
Die belgische Regierung hat sich die türkische regelrecht zum Vorbild
genommen. Diese Attacken sollen zermürben und Angst einjagen. Es gab Kommentare
der Art „Solche Angriffe macht die türkische Polizei, als ob die das hier
heute gemacht hätte“. Diese Angriffe ermutigen jene Kreise in der Türkei,
die der Gewalt nahestehen. Dieser Übergriff erschwert die gefechtsfreie
Phase unserer Bewegung, beschneidet die Wege der demokratischen Lösung
der kurdischen Frage und stärkt Krieg und Staatsterror. Der (politische)
Genozid vonseiten des türkischen Staates wird bekräftigt.
Die kurdische legale Basis wurde zum ersten Mal am 2. März 1994 angegriffen.
Damals waren Persönlichkeiten wie Zübeyir Aydar und Remzi Kartal Abgeordnete
der Partei der Demokratie DEP [Demokrasi Parti]. Nach deren Verbot mussten
diese Parlamentarier nach Europa und arbeiteten dort in der kurdischen
Diplomatie, also legal, im Rahmen des Rechts. Aber für den türkischen
Staat sind solche Menschen „Terroristen“. Diese Herangehensweise hatte
die EU bisher nicht gezeigt. Im Rahmen der jüngsten Verhaftungswellen
des türkischen Staates gegen kurdische legale Politiker hat der belgische
Staat Zübeyir Aydar und Remzi Kartal verhaftet und vervollständigt die
türkische Politik in Europa.
Es heißt, der türkische Außenminister habe diesen Angriff begrüßt. Es
muss bewusst sein, dass die Verhaftung dieser Personen die Nichtbeachtung
unserer Friedensbemühungen bedeutet. Wir wollen verstehen, was die EU
und ihre Hauptstadt Brüssel beabsichtigen.
Das bedeutet: Ihr dürft und könnt keinen Frieden machen. Hört auf damit!
Ganz offen wird uns der Krieg aufgezwungen. Wir fassen das so auf. Überall
herrscht Polizeiterror und die Möglichkeiten für friedliche Wege werden
beschnitten. Staatsterror wird aufgezwungen und man will uns keinen anderen
Weg lassen als den Widerstand.
Ich will nochmals warnen: Diese Haltung wird die politische Basis für
eine friedliche Lösung außer Kraft setzen! Das ist eine ernste Situation.
Man sollte bedenken, welchen Effekt es auslösen könnte, wenn in kriminalisierender
Weise Säcke über die Köpfe weltbekannter Politiker wie Aydar und Kartal
gezogen werden. Das ist ein Angriff auf das kurdische Volk, auf den Frieden,
Entwürdigung. Das kurdische Volk wird sich aber nicht so leicht entwürdigen
lassen. Deshalb erwarten wir eine ernsthafte Stellungnahme von den für
diesen Angriff Verantwortlichen. Der belgische Staat vergibt Ausweise,
akzeptiert politische Emigration, genehmigt jahrelang Diplomatie und Politik,
geht persönlich in Diskurse, und später, in kritischen Zeiten, startet
er ernsthafte, kriminalisierende Angriffe. Aus unserer Sicht ist das eine
sehr ernste Situation, die verstanden werden muss.
Die EU und Belgien wissen ganz genau, welche Rolle diese Personen bei
der friedlichen Lösung der kurdischen Frage gespielt haben und spielen.
Stattdessen bedeuten ihre Festnahme und Inhaftierung „Wir wollen keinen
Frieden zwischen Türken und Kurden“.
Die Gratulationen des selbsternannten Superpolitikers – des türkischen
Außenministers – müssen in diesem Zusammenhang richtig analysiert und
begriffen werden. Was genau soll an einer solchen Operation, die friedliche
Bemühungen sabotiert, beglückwünscht werden? Das ist nur mit einem Verständnis
machbar, das auf Krieg aus ist. Kurz gesagt, diese Operation ist keine
herkömmliche.
Vor allem sind die Beschuldigungen gegen uns von großer Bedeutung. Wir
als Bewegung führen außerhalb Kurdistans keine militärische Ausbildung
durch. Das ist ganz einfach eine primitive Lüge. Das sind Behauptungen
des türkischen Staates, wie sie neben „gefälschten Ausweisen“ und „Bestechungsgeldern“
seit Beginn unseres Kampfes aufgestellt werden. Sie haben mit der Wahrheit
absolut nichts zu tun. Solche Beschuldigungen gegen Menschen wie Zübeyir
Aydar und Remzi Kartal, die auf rechtmäßiger Basis legale demokratische
Arbeit leisten und diese Basis vertreten, sind ein Angriff auf den politischen
Willen des kurdischen Volkes. Ich fordere, allen voran Belgien, die EU
dazu auf, sich beim kurdischen Volk wegen dieser Entwürdigung zu entschuldigen
und sich, anstelle solcher Kriminalisierung, um die friedliche Lösung
der kurdischen Frage zu bemühen. Wir sagen „Es reicht!“. Wir rufen die
europäischen Staaten auf, sich von den repressiven Mächten, die nur auf
Verleugnung und Vernichtung aus sind und in unmenschlicher Weise Staatsterror
verbreiten, abzuwenden.
Solche und ähnliche Konzepte sind nutzlos gemacht worden. Sie sind tot
geboren. Wir haben keine Angst vor ihnen. Genau so, wie das Volk zusammen
mit den ROJ-TV-Mitarbeitern Widerstand geleistet hat, und genau so, wie
es gestern und heute demonstriert hat und morgen demonstrieren wird, genau
so wird es diese Attacken auch überwinden. Kein Angriff wird ein Hindernis
auf dem Wege der kurdischen Freiheitsbewegung bilden. Man kann einen Fernsehsender
so weit verwüsten, wie man will, aber keine Macht wird die Stimme des
kurdischen Volkes unterdrücken können. Niemand kann die Freiheitsbemühungen
des kurdischen Volkes „Terrorismus“ nennen. Niemand wird aus Angriffen
wie auf ROJ TV irgendein Ergebnis ziehen. Der Freiheits- und Demokratiekampf
unseres Volkes wird sich entwickeln.
In diesem Sinne will ich die europäischen Institutionen und unser wertvolles
Volk dazu aufrufen, ihre eigenen Einrichtungen zu schützen. Diese rechtswidrige
Haltung der EU und das [ethische] Unrecht sollten überall betont werden.
Außerdem rufe ich in Europa alle Demokraten mit echtem Gewissen, alle
Institutionen und alle Persönlichkeiten dazu auf, dieses Thema nicht zu
übersehen. Unser Volk aus allen Teilen Kurdistans sollte ebenfalls nicht
schweigen.
Quelle: ANF, 03./06.03.2010,
ISKU
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