| Abdullah Öcalan: Die BDP muss eine bunte, allumfassende Türkei-Partei werden Am 27.01.10 fand eine Anwaltskonsultation mit Abdullah Öcalans statt. Öcalan sprach die BDP (Barış ve Demokrasi Partisi - Partei für Frieden und Demokratie), die demokratische Initiative der AKP-Regierung, den dahinter steckenden Vernichtungsplan sowie den Besuch des Anti-Folter-Komitees des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (CPT) an. Die Partei für Frieden und
Demokratie, BDP, wird am 1. Februar 2010 ihren Kongress halten. Die BDP
versteht sich als die Nachfolgepartei der verbotenen Partei für eine demokratische
Gesellschaft, DTP. Öcalan erklärte diese Woche seine Vorschläge für den
Kongress: Öcalan sprach über sein Verständnis von Sozialismus und wiederholte seine Realsozialismuskritik. Ferner sprach Öcalan grob seine Alternativen an: "Das Verhältnis von Nation und Staat ist der Grund für den Fortbestand des Kapitalismus. Der Kapitalismus kann sich ohne dieses Verhältnis nicht weiter am Leben halten. Als Alternative dafür habe ich den Begriff ‚demokratische Moderne’ eingeführt. Das Verhältnis von Nation und Staat ist das Ende der Freiheit und der Demokratie. Die Anarchisten haben versucht, den Staat auszudiskutieren. Bakunin, Kropotkin und andere haben den Staat kritisiert aber wussten nicht, was sie anstelle des Staates legen sollen. Ich habe vorher auch schon über Marx und Lenin gesprochen. Diese dachten, dass sie anstelle eines kapitalistischen Staats, den sozialistischen bringen können. So sollte der Sozialismus errichtet werden. Ein Staat kann nicht sozialistisch sein. Wir wurden Zeugen dieses Sozialismus. Unter dem Strich hat dieses Verständnis vom Sozialismus dem Kapitalismus gedient. Das Einzige, was das Verhältnis Nation-Staat hervorbringen kann, ist der Kapitalismus. Die Lage Chinas ist ersichtlich.“ Öcalan sprach auch die demokratische Initiative des Staates bzw. der Erdoğan-Regierung an. Öcalan beschrieb diese als "Trugschluss" und behauptet, dass der Vernichtungsplan ganz klar ersichtlich ist: „[Der türkische Außenminister] Davutoğlu will unseren Lösungsversuch der demokratischen Konföderation des Mittleren Ostens vernichten mittels dem 'Null Probleme mit den Nachbarstaaten Projekt’. Man will uns im Dienst der kapitalistischen Moderne halten. Es ist ganz klar, dass die AKP eine Vernichtungspolitik anstrebt. Die Initiative ist ein Trugschluss. Man sagt ja auch nicht mehr 'demokratische Initiative', nun heißt es 'nationales Einheitsprojekt'. Die Reise [des türkischen Ministerpräsidenten] Tayyip Erdoğan in jedes Land des Mittleren Ostens, die 'Nullproblempolitik' des Außenministers – das alles steht in meiner Roadmap sehr detailliert. Hätten sie diese bewertet, würden sie sehen, was für die demokratische Lösung nötig ist. Deswegen werde ich angegriffen, weil sie das wissen. Die AKP soll eine Broschüre haben, in der ganz am Anfang 'keine Amnestie für Öcalan' stehen soll. Des Weiteren soll da die Sache mit der Todesstrafe thematisiert sein [kurz nach Beginn der 'kurdischen Initiative' wurden das Thema 'Öcalans Todesstrafe' aktualisiert]. Das ist faschistisch. Diese Thematisierung passt eher zu der MHP [nationalistische Volkspartei]. Die MHP und CHP leben im nationalistischen Sinne. Deren Verständnis ist es, die kurdische Realität im türkischen Nationalismus zu ersticken. Ich habe von ihnen [dem Staat] nichts für mich selbst verlangt! Wir sprachen vom Frieden und von der Geschwisterlichkeit der Völker. Ich thematisiere die Lösung der Probleme meines Volkes. Ich habe von keinem nach Amnestie für mich verlangt! Ich versuche hier nur für mein Volk zu leben; wir hatten einige Freunde, die Widerstand geleistet hatten, solch ein Widerstand soll meiner sein. Die AKP hält seit sieben Jahren jeden hin. Sie behaupten, das sie die kurdische Frage lösen aber sie machen nichts. Diese Politik der AKP führt zu keinem Ergebnis mehr. Die Haltung der CHP und MHP bringt der Gesellschaft auch nichts Neues mehr.“ Zuletzt sprach Öcalan die CPT-Delegation
und den Islam an. Öcalan erklärte: „Ich habe mit der CPT-Delegation gesprochen,
sie waren zu sechst. Ich habe mit ihnen über meine Haftbedingungen, die
Wiederaufnahme des Prozesses, dessen Bedeutung und meinen Prozess vor
dem EGMR gesprochen. Ich möchte das Volk und die Freunde im Gefängnis grüßen und wünsche ihnen Erfolg im Widerstand." Quelle: ANF, 28.01.2010, ISKU |
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