Proteste in Diyarbakır gegen Verbrechen an Frauen

AMED- Frauenorganisationen in Diyarbakır sammelten sich im Landkreis Çınar, um gegen Verbrechen an Frauen und gegen die Selbstmorde der Zwillinge Hediye und Kadriye Demirel zu protestieren. In einer Erklärung dazu heißt es: „Im Namen der Ehre wird gemordet oder zum Selbstmord gezwungen.“

Unterstützt wurde die Aktion vom Frauenrat von Çınar, Selis aus Diyarbakır, Epidem, dem städtischen Frauenrat Diyarbakır und dem Bürgermeister von Çınar, Ahmet Cengiz. Die Frauen liefen vom BDP-Kreisgebäude bis ins Stadtzentrum.

Während der Demo wurden Parolen gerufen wie „Eine Ende der Frauenmorde“, „Die Hände, die nach Frauen greifen, sollen brechen“, „Hoch lebe die Frauensolidarität“ und „Für ein Leben der Frau in Freiheit“.

Die aus dem Dorf Incirtepe im Kreis Çınar stammenden Zwillinge Hediye und Kadriye Demirel sind letzte Woche in Diyarbakır aus der Wohnung ihres Bruders aus dem 7. Stock in den Tod gesprungen. Sie wählten den Tod, weil sie mit dem Sohn eines Onkels verheiratet werden sollten. Eine Vertreterin einer Frauenorganisation erklärte hierzu: „Die Mutter der Zwillinge, eine Schwester und eine Tochter des Onkels, ertranken 1997 im Göksü Stausee beim Wolle waschen. Der Vater heiratete später erneut. Wir protestieren gegen die Gründe für den Selbstmord der Zwillinge, gegen die Unterdrückung und die Gewalt gegen Frauen.“

„Wir verurteilen die Einstellung“

Die Sprecherin des städtischen Frauenrates Diyarbakır, Zarife Özbekli, sagte in ihrer Rede: “Wenn wir doch eine Veränderung im sozialen Bereich erleben durch die Kämpfe der Frauen, so ist der Grund dafür, dass die Selbstmorde und die Morde an Frauen weiter andauern, eine tief verwurzelte Einstellung, die sich nicht ändert. Weil keine wirkungsvollen und ausreichenden Maßnahmen ergriffen werden, kommt es weiterhin zu Opfern von Verbrechen und Selbstmorden.

Zweifellos steht die Tragik der Tode in Verbindung mit dem sich nicht demokratisierenden und nicht die Freiheit der Einzelnen anstrebenden System, dem zurückgebliebenen Lebensstandard, der niedrigen Bildung, den schwerwiegenden ökonomischen Problemen und Soziokulturellem. Die Frauen, die alle auf unterschiedliche Weise in diesen Abgrund geworfen werden, sind Teil dieses Blutbades.

Wir Frauen müssen endlich nicht mehr uns selber, sondern die Einstellung, die uns in diese Situation treibt, verurteilen. Um dem Leben kein Ende zu setzten, sondern neue Leben zu erschaffen und um in uns selber die Stärke für eine Lösung zu finden, müssen wir solidarisch Seite an Seite stehen, und wir müssen sagen, dass die Gewalt gegen Frauen, die Morde und Selbstmorde aufhören soll.“

Quelle: ANF, 28.1.2010; ISKU

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