25 000 Selbstanzeigen in Amed

Im Rahmen der Selbstanzeigenkampagne für die Verwendung der Bezeichnung „Geehrter Herr Öcalan“ haben sich in Amed 25 000 Personen selbst per Post bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Dafür versammelten sich ca. 2000 Personen, darunter DTP-Abgeordnete und –Bürgermeister sowie Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, vor dem Hauptpostamt. Als Vorsitzender des „Vereins zur Förderung der Zivilgesellschaft“ (STGD) gab Nadir Yildirim im Namen der Anwesenden eine Erklärung ab, in der er den Hintergrund erläuterte. Nachdem die Annahme von Selbstanzeigen ausgesuchter Persönlichkeiten im Mai diesen Jahres von der Staatsanwaltschaft abgelehnt worden war, waren in der Stadt 25 000 Unterschriften gesammelt worden, mit denen der Satz „Wenn es eine Straftat darstellt, ‚geehrter Herr Öcalan’ zu sagen, dann begehe auch ich diese Straftat“ unterzeichnet worden war.

Weiter wurde in der Erklärung deutlich gemacht, dass man nicht gewillt sei, „von denen, die die kurdische Identität verleugnen, eine Genehmigung darüber einzuholen, wen man wie anzusprechen“ habe, und das zwangsweise Schneiden der Haare von Abdullah Öcalan als „unethisches und unmenschliches“ Vorgehen verurteilt.

Auch in anderen Städten der Türkei und Nordkurdistans schlossen sich Tausende Menschen der Selbstanzeigenkampagne an. In Istanbul-Sultanahmet versammelten sich ca. 100 Personen, um 2700 unterzeichnete Selbstanzeigen aufzugeben. Nach der Verlesung einer Presserklärung wurde die Gruppe von der Polizei angegriffen. Im Rahmen der Polizeiintervention wurden mehre alte Frauen zu Boden geworfen und vier Personen festgenommen.

Eine Beteiligung an der Kampagne erfolgt auch aus den Gefängnissen und in den Medien. So verbreiteten die PKK-Gefangenen in Adana-Kürkcüler über ihre Angehörigen eine entsprechende Erklärung. Die kurdischsprachige Zeitung Azadiya Welat erschien am Montag mit der Schlagzeile „Auch wir sagen ‚Verehrter Herr Öcalan’“.

In Silopi und Mardin dauern unterdessen die staatsanwaltschaftlichen Verhöre von insgesamt 157 Personen, die sich selbst angezeigt hatten, weiter an.

Die kurdische Jugendorganisation Komalên Ciwan erklärte, nicht zu den Angriffen auf Abdullah Öcalan schweigen zu werden, und rief zur Beteiligung an der Kampagne sowie zum Beitritt zur Guerilla auf.

Quelle: ÖP, 08.07.2008, ISKU

Übersetzung aus dem Türkischen
ISKU | Informationsstelle Kurdistan