webmail.nadir.org ist jetzt auch per tor hidden service zu erreichen.

die adresse https://rfy6mfmwya6soywp.onion ist nur mit dem tor browser zu erreichen.

Posted Fri Jan 13 11:35:42 2017

nadir.org nimmt teil am beta program von letsencrypt.org.

letsencrypt.org

Seit heute verwendet www.nadir.org ein entsprechendes SSL-Zertifikat. Die Kampagne hat das Ziel, die Verwendung von SSL-Zertifikaten zu entkommerzialisieren.

SHA1 Fingerprint=F4:92:2A:1F:B3:2B:AE:B8:14:2F:F8:52:CC:A8:67:BB:C6:8F:BA:78

SHA256 Fingerprint=EB:EA:2B:C4:4B:94:AD:38:50:50:B1:54:99:7D:5E:4D:DC:4D:D0:B7:CE:42:7F:EF:E7:E1:8A:B0:31:AC:22:36

Posted Fri Nov 13 14:39:23 2015

Ab sofort könnt ihr auch bei nadir WordPress-Blogs nutzen:

blackblogs.org

Blackblogs.org ist ein Projekt von nadir.org. Es ist ein WordPress-Blogsystem, das die Anpassungen von noblogs.org verwendet. Ziel ist es, möglichst einfach für Kampagnen, Initiativen und auch Einzelpersonen ein Blogsystem zu ermöglichen, ohne dabei auf kommerzielle Anbieter angewiesen zu sein. Blackblogs.org ist auch eine Reaktion auf die zunehmende Überwachung, das ausufernde Sammeln von persönlichen Daten im Netz und deren kommerzielle Auswertung.

Um einen Blog auf blackblogs.org zu eröffnen, müsst ihr euch vorher natürlich anmelden.

Wir setzen allerdings voraus, dass ihr dafür eine E-Mail-Adresse eines autonomen, selbst-verwalteten Technikkollektivs verwendet. Eine Liste findet ihr unter in der Policy.

Zum Abschluss noch die Bitte, diese Mail an eure Freund*innen weiterzuleiten, so dass viele Menschen von blackblogs.org erfahren. Und wir freuen uns auch immer über finanzielle Zuwendungen da der Betrieb von Servern schlicht auch Geld kostet.

Dann viel Spaß beim Bloggen!

Posted Fri Feb 20 14:53:56 2015

einige Aktivist*innen sind an uns herangetreten, eine Dokumentation der Aktivitäten um die EU-weite Operation "mos maiorum" zu hosten. Ihr findet diese Seite unter: map.nadir.org oder als tor-hidden-service

Dies ist ein Mitmach-Projekt. D.h. ihr könnt selbständig Kontrollen, Festnahmen, Kontrollpunkte oder auch Nachrichten mit einem Ort verknüpfen und dort veröffentlichen. Die Gruppe, die diese Seite betreut, versucht die Informationen auch gegen zu checken, können aber hierbei auch Unterstützung gebrauchen. Direkt kontaktieren könnt ihr sie über mapmosmaiorum@riseup.net PGPKey.

Weiter Informationen zu "mos maiorum" und die Reisewarnung in verschiedenen Sprachen findet ihr unter: migration-hunt

Eine Anleitung zur Nutzung des Projekts, also wie Nachrichten eingestellt werden können, gibt es hier

Posted Thu Jan 15 21:59:19 2015

Aus gegebenem Anlass (Original von RiseUp): https://help.riseup.net/de/security-not-a-crime

Am Dienstag, den 16. Dezember fand im spanischen Staat eine große Polizeioperation statt. Vierzehn Häuser und soziale Zentren in Barcelona, Sabadell, Manresa und Madrid wurden durchsucht. Bücher, Flugblätter und Computer wurden beschlagnahmt, elf Menschen verhaftet und zur Audiencia Nacional verbracht, einem Sondergericht in Madrid, das für Anliegen "von nationalem Interesse" zuständig ist. Ihnen wird die Gründung, Bewerbung, Verwaltung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Allerdings beklagen Anwält_innen der Verteidigung einen Mangel an Transparenz; ihnen zufolge wurden ihre Klient_innen zu Aussagen gezwungen ohne zu wissen, was ihnen vorgeworfen wird. "[Sie] sprechen von Terrorismus ohne konkrete kriminelle Handlungen zu benennen oder konkrete individualisierte Tatsachen, die den einzelnen zugeschrieben werden könnten" [2]. Als er damit konfrontiert wurde, reagierte Richter Bermúdez mit den Worten: "Ich untersuche nicht spezifische Handlungen, ich untersuche eine Organisation und die Bedrohung, die in Zukunft von ihr ausgehen könnte" [1]; damit handelt es sich um einen weiteren Fall anscheinend präventativer Verhaftungen.

Vier der Häftlinge wurden inzwischen freigelassen, sieben bleiben jedoch in Untersuchungshaft. Die Gründe, die vom Richter für ihre fortgesetzte Haft angegeben wurden, beinhalten den Besitz bestimmter Bücher, "die Herstellung von Publikationen und Formen der Kommunikation", sowie die Tatsache dass die Angeklagten "eMail mit extremen Sicherheitsvorkehrungen verwendeten, so wie den RISE UP Server" [2].

Wir verurteilen diese kafkaeske Kriminalisierung sozialer Bewegungen und die irrsinnige und außerordentlich alarmierende Schlussfolgerung, den Schutz der eigenen Privatsphäre mit Terrorismus gleichzusetzen.

Wie jeder andere eMail-Provider hat Riseup die Pflicht, die Privatsphäre seiner Nutzer_innen zu schützen. Viele der "extremen Sicherheitsvorkehrungen", die Riseup einsetzt, sind gängige Musterlösungen (sog. "Best Practices"), die auch von Providern wie hotmail, GMail oder Facebook eingesetzt werden. Anders als diese Provider ist Riseup allerdings nicht bereit, illegale Hintertüren zuzulassen oder die Daten ihrer Nutzer_innen an Dritte zu verkaufen.

Der Bericht des Europaparlaments über das US-amerikanische NSA-Überwachungsprogramm stellt fest, dass "das Recht auf Achtung der Privatsphäre kein Luxus ist, sondern einen Grundpfeiler der freien und demokratischen Gesellschaft darstellt" [3]. Die jüngsten Enthüllungen über das Ausmaß, in dem Staaten die Rechte aller Menschen auf Privatsphäre missachten, zeigen, dass alles was ausspioniert werden kann auch ausspioniert wird [4]. Darüberhinaus wissen wir, dass die Kriminalisierung einzelner weil sie Werkzeuge zum Schutz der Privatsphäre verwendet haben, eine Einschüchterungswirkung auf alle hat, und ganz besonders auf Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen und Aktivist_innen. Das eigene Grundrecht auf Privatsphäre aufgeben zu müssen aus Angst, als Terrorist_in markiert zu werden, ist inakzeptabel.

[1] https://directa.cat/actualitat/pandora-empresonada

[2] https://directa.cat/jutge-gomez-bermudez-envia-preso-set-de-onze-persones-detingudes-durant-loperacio-pandora

[3] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML%2BCOMPARL%2BPE-526.085%2B02%2BDOC%2BPDF%2BV0//DE

[4] http://www.spiegel.de/international/germany/inside-the-nsa-s-war-on-internet-security-a-1010361.html

Posted Thu Jan 15 21:59:19 2015

Wir haben einen neuen gpg-key

Der neue Schluessel fuer nadir@nadir.org ist von dem alten unterschrieben. Der alte ist widerrufen und den neuen bekommt Ihr hier

Posted Fri Nov 28 12:51:16 2014
### »Es gibt keine richtige Nutzung im falschen Facebook«

aus: Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität. Nr. 46, Herbst 2013. phase-zwei.org

Das Online-Projekt nadir ist 1993 angetreten »durch das Bereitstellen von email, webspace, mailinglisten, newsgroups auf ›eigener‹ Infrastruktur die Vernetzung durch Nutzung der ›neuen Medien‹ voranzutreiben«. Schon vor indymedia schuf nadir eine Plattform für linksradikale Informationen und Diskussionen und begann einen virtuellen Infoladen aufzubauen. Inzwischen ist nadir kein allgemeines Nachrichtenportal mehr, die BetreiberInnen stellen jedoch weiterhin eine Infrastruktur für Online-Kommunikation und kämpfen unter anderem gegen Überwachung im Internet. Die Phase 2 traf sich mit nadir virtuell zum Gespräch.

Phase 2: Ihr habt im Oktober 2012 den Text Plötzlich plappern Anna und Arthur veröffentlicht. Darin beklagt Ihr den leichtsinnigen Umgang von Linken mit dem Internet, besonders in sozialen Netzen. Was sind Eure Hauptkritikpunkte?

nadir: Der Hauptkritikpunkt ist, dass Linke in sozialen Netzen (Facebook ist da nur ein Beispiel) ihre Strukturen offenlegen und zwar in einem größeren Umfang, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Sie gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere, selbst solche, die Facebook gar nicht nutzen, und das ganz ohne Not. Des Weiteren gibt es die falsche Annahme, es gäbe einen »korrekten« Umgang mit Facebook. Viele, gerade jüngere, Antifas und andere Aktive glauben, das Risiko sei handhabbar, solange sie ihren Filter einschalten und ein Pseudonym verwenden. Das Problem ist aber, dass die Inhalte nur ein Teil der Daten sind, die analysiert werden. Mindestens ebenso wichtig sind die sogenannten Metadaten und deren Verknüpfungen. Die Analyse von Social Media als Datenhaufen auf den Servern der Anbieter ist eines der produktivsten Felder unterschiedlicher AkteurInnen, Werbeschaltende und Behörden sind nur zwei Beispiele. Die APIs, also die Application Programming Interfaces, die den Zugang zum Backend der Datenbanken von beispielsweise Facebook erlauben, lassen einfach eine ganz andere Sicht auf die Dinge zu. Hier wird Wissen regelrecht produziert, das in dieser Art bisher nicht vorhanden war. 

Phase 2: Inwiefern machen denn Linke ihre Strukturen öffentlich?

nadir: Sie legen offen, wer wen kennt, wofür sich Leute (zu welchem Zeitpunkt) interessieren, wer MultiplikatorIn ist oder »MeinungsmacherIn«, wer die »wichtigen« Leute in der Kommunikation sind etc. Gleichzeitig werden private Informationen reingemixt - Hobbys, Musikgeschmack, Katzenbilder usw. Orte, Zeiten, IP-Adressen, welcher Browser, das ist alles gar nicht rauszuhalten und wird mit gespeichert. Das ergibt ein Bild, das in dieser Detailtreue für Behörden nur unter großem Aufwand zu recherchieren wäre. Ein Wort zu dem Begriff »öffentlich« in diesem Kontext. Es geht immer um eine doppelte Sicht: einerseits tatsächlich das, was andere »normale« BenutzerInnen von Facebook auch einsehen können, z. B. mit wem sie befreundet sind. Aber als öffentlich muss man in diesem Kontext auch die produzierten Daten insgesamt ansehen. Das Konzept der Öffentlichkeit ist im Kontext von sozialen Netzen ein Kampffeld und wird durch die gegenwärtigen Praxen neu hervorgebracht. Es geht nicht mehr so sehr um die bürgerliche, binäre Teilung von privat/öffentlich, wenn wir von algorithmischer Öffentlichkeit reden. Hier geht es vielmehr um die Ebenen Frontend/Backend, also um die Ebenen auf Seiten der NutzerInnen und auf Seiten der anbietenden Firmen.

Phase 2: Wir müssen also über Facebook reden … Eure Forderung ist ganz klar: raus aus Facebook! Das klingt in manchen Ohren nicht nur unrealistisch, sondern antiquiert. Wer an sozialer Kommunikation teilnehmen möchte, von Partys und Konzerten wissen oder mit FreundInnen in anderen Ländern in Kontakt bleiben möchte, ist ohne einen Facebook-Account kaum mehr in der Lage dazu. Ihr schreibt, Linke würden Facebook nutzen, um »über alles, was erlebt wurde, mit allen zu quatschen«. Nutzen nicht alle Facebook eher für belanglose Kommunikation, als über kriminalisierte Handlungen zu berichten? Beziehungsweise, wenn ich auf meinem Profil nirgendwo eine politische Zugehörigkeit andeute, ist es dann nicht meine Sache, mit wem ich etwas teile?

nadir: Es gibt auf Facebook nichts Banales. Natürlich wäre es noch bedauerlicher, wenn jemand mit seinem/ihrem Klarnamen auf Facebook ein Bekennerschreiben publiziert. Dies ist ein extremes Beispiel. Aber aus der Logik der Software heraus sind die Inhalte wirklich höchstens zweitrangig zu den Beziehungen, die abschnorchelbar sind. Es war noch nie so einfach, das soziale Netzwerk (im realen Leben) in all seiner Differenziertheit zu reproduzieren. Dies ist auch nicht erstaunlich, denn es geht ja bei Facebook genau darum! Darum scheint uns dieser Punkt recht banal. Um ein Beispiel zu bringen: Die britische Polizei (und nicht nur diese) steht häufiger vor dem Problem, dass sie zwar Portraitbilder aus Überwachungskameras haben, diesen Portraits aber keinen Namen zuordnen können. Deshalb experimentieren die Cops jetzt damit, die Bilder aus den Überwachungskameras mit Bildern aus Facebook abzugleichen, um so Namen zu den Bildern zu bekommen. Und dies funktioniert recht gut. Am Ende ist es egal, ob jemand zum Konzert oder zur Demo aufruft. In beiden Fällen wird die soziale Struktur deutlich, bis hin zu dem Punkt, dass schon vorhergesagt werden kann, wer zur Demo oder zum Konzert kommen wird. Die soziale Struktur, die da aufgedeckt wird, verrät dich - selbst, wenn Du ein Pseudonym verwendest, ist nach einiger Zeit der Benutzung klar, wer Du bist. Deine Frage, ob es ohne Facebook überhaupt noch geht, klingt verzweifelt.

Phase 2: Ach, ich bin da ganz relaxed. Ich denke allerdings, dass der Aufruf »raus aus Facebook« in manchen Ohren verzweifelt klingt, denn Facebook hat fast die Normalität von Handys. Vor deren Nutzung wurde ja auch, berechtigterweise, gewarnt. Man trägt eine einfache Abhörmöglichkeit in der Hosentasche. Dennoch wäre es absurd zu fordern, keine Handys zu nutzen.

nadir: Hehe. Klar. Darum kann es ja überhaupt ein »Problem« sein, was wir fordern. Schon verstanden. Aber worauf läuft die Frage hinaus? Wenn wir sagen, Facebook ist wie bei der Polizei vorbeischauen und sagen, wohin man gedenkt heute zu gehen und mit wem man reden wird, muss sich diese Frage doch eher umgedreht stellen: Wieso bin ich bereit, solch einen Preis für dieses bisschen Komfort zu zahlen? Uns geht es darum, dass aus einem generellen Unbehagen, das viele Linke ja zu Facebook pflegen, leider keine Handlung erfolgt. Unser Text sollte polarisieren und hat dies unseres Erachtens nach auch erfolgreich getan. Es gab, soweit wir wissen, an unterschiedlichen Orten Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Facebook und der eigenen Praxis. Wir wollten mit dem Text keine reine Aufklärung betreiben, im Sinne von: »Ok, so funktioniert das Backend, das macht Facebook mit euren Daten.« Diese Arbeit ist bereits getan und Analysen dazu gibt es zuhauf im Netz. Bloß werden sie nicht als Problembeschreibung wahrgenommen. Wir dachten, dass ein polarisierender Text, eine Art »Publikumsbeschimpfung«, einen anderen Einschlagwinkel hat. Die vielen Übersetzungen des Textes, die bei uns mit der Zeit eintrudelten, bestätigen uns, dass wir wahrgenommen und diskutiert wurden. Die Warnung vor den Handys ist im Übrigen weiter aktuell. Viel mehr als »nur« eine Abhörmöglichkeit ist ein Handy eine Wanze, die permanent die Position versendet. Die Forderung, keine Handys zu benutzen, ist nicht »absurd« - sie hat Konsequenzen, das stimmt - ob es das Wert ist, müssen die sozialen Strukturen (oder Bewegungen oder die Linke) für sich bestimmen. Der Unterschied zwischen Handy und Facebook ist, dass die Daten bei Facebook freiwillig produziert werden, während die Überwachung des Handys von dritter Seite »eingeschaltet« wird und unbemerkt bleibt.

Phase 2: Ihr findet es nicht sinnvoller, auf die Fallstricke von Facebook hinzuweisen, sondern Facebook als politischen Gegner zu titulieren? Das erschließt sich sicherlich für eine ganze Generation von Leuten nicht, deren Alltagskommunikation hauptsächlich über die Facebook-App auf dem Handy funktioniert. Das Internet soll, eurer Meinung nach, allerdings für politische Kämpfe genutzt werden. Was meint ihr damit? Und nutzen Gruppen das Internet nicht in diesem Sinne, wenn sie über Facebook ihre Veranstaltungen bewerben und viel mehr Leute erreichen als über ihre eigene Homepage?

nadir: Facebook IST der Fallstrick - genauer: Es gibt keine korrekte Benutzung von Facebook. Linke setzten sich ja sonst sehr gerne mit den Produktionsverhältnissen auseinander, wem gehören die Mittel etc. Interessant ist, dass im Fall des »Internets« dies alles total egal zu sein scheint. Dass auch das Internet als Ort politischer Auseinandersetzung auf materialer Basis gesehen wird, das ist unser Punkt. Warum betreiben wir unseren Serverpark? Warum machen wir dies alles? Wenn wir einfach sagen könnten: »Ok, Facebook, das ist doch viel besser. Da sind alle, das läuft, denn da kümmern sich Profis darum und so weiter.« Dann hätten wir gewiss unsere Server bereits ausgemacht und würden uns andere Felder der Auseinandersetzung suchen. Aber leider ist das Internet nur ein Spiegelbild der kapitalistischen Verhältnisse der Gesamtgesellschaft. Dort zu kämpfen heißt zum Beispiel, gegen Facebook zu kämpfen. Genauso, wie es Sinn machen kann, eine bestimmte Firma, die Waffen herstellt, anzugreifen. Die Linke macht sich auch ganz konkret von Facebook abhängig. Wir brauchen autonome Kommunikationsmöglichkeiten, die Dritte nicht überwachen oder gar abschalten können.

Phase 2: Dass das Internet kein kapitalismusfreier Raum ist, wissen doch aber alle. Und dennoch wird es erleichtert, z. B. Informationen weiterzugeben oder Veranstaltungen zu bewerben (und damit auch Leute zu erreichen, die nicht auf die eigene Seite gehen oder bei linken Portalen vorbeischauen). Heißt für euch, das Internet für politische Kämpfe zu nutzen, im Internet einzelne Internetanbieter zu bekämpfen? Ist nicht der Vorteil für politische Kommunikation eben auch im Internet gegeben? Mal ganz abgesehen davon, dass es auch fraglich ist, wie sinnvoll es ist oder wie die Gefahren/Nutzen-Rechnung ist, einzelne Firmen anzugreifen.

nadir: Wir haben es hier mit einer interessanten Quasi-Monopolstellung zu tun, und es sind im Kern sehr wenige Player, die von den Massen benutzt werden: Google, FB, Twitter, Wikipedia (die einzige nicht kommerzielle Site unter den Top Ten). Einzelne Firmen sind da schnell ausgemacht und es macht dann eben Sinn, auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Wie gesagt: Es gibt keine richtige Nutzung im falschen Facebook. Damit soll nicht blöde Adorno nachgeäfft werden, aber es handelt sich um eine riesige Differenz, ob die Serviceanbietenden, denen ich alles anvertraue, in ihren Terms of Services bereits schreiben, dass alle Daten weiterverkauft werden, oder ob die Serviceanbietenden sagen, wir wollen und machen dies nicht. Wir wollen, dass Kommunikation ohne kommerziellen Hintergrund im Internet weiterhin läuft. Es muss nicht alles aus dem Silicon Valley kommen, was wir nutzen (ohne Antiamerikanismus zu intendieren). InvestorInnen und das Kapital, das da bereitgestellt wird, ist IMMER auf andere Zwecke aus, als Kommunikation zu ermöglichen. Dies ist vielmehr als ein Mittel zum Zweck zu sehen.

Phase 2: Es ist kein Supermarkt dafür da, die Menschen mit Essen zu versorgen. Mein Telefonanbieter möchte auch nicht, dass ich unkompliziert mit FreundInnen reden kann, sondern Profit machen. Das ist mir klar und auch allen, die kostenlose, kommerzielle Angebote für Kommunikation nutzen. Ich finde, Ihr traut den Leuten wenig zu, eigene Entscheidungen zu treffen, sondern fordert sogar, recht unvermittelt: »Verlasst GMX und Co! Nieder mit Google!«.

nadir: Aber andere Gruppen, die sich primär mit einem Feld auseinandersetzen, fordern doch auch entsprechend eine andere Praxis, so beispielsweise Anti-Atom (Abschalten aller AKWs!), Veganismus (Hört auf Fleisch zu essen!) oder was auch immer. Die Forderung ist ja nicht falsch, nur weil die Umsetzung »unrealistisch« scheint. Ergänzend ist noch anzumerken, dass es für die Mobiltelefonie leider schwer ist, alternative Provider zu nutzen. Für das Internet gibt es aber eine ganze Menge: Dieses Pad, in dem wir den Chat führen, wird von RiseUp, einem befreundeten Projekt in den USA, bereitgestellt. Darum nutzen wir den Service. Weitere Projekte sind systemausfall.org in Rostock, SO36.net in Berlin, free.de in Dortmund, systemli in Berlin, aktivix.org aus UK, immerda in der Schweiz, autistici in Italien, Sindominio in Spanien und so weiter. Ein gutes Beispiel, wie viele Menschen ohne Facebook erreicht werden können, ist gezipark.nadir.org. Damit haben wir es geschafft, einen Live-Ticker der Ereignisse rund um den Taksim-Platz in Istanbul vollkommen ohne vorherige Planung aufzubauen, der jede Sekunde 70 mal abgerufen wird, sechs Millionen mal pro Tag. Dort wird von einem kleinen Team in mehreren Sprachen live übersetzt. Die Seite ist nur wenige Kilobyte groß und somit für mobiles Abrufen geeignet. Dies ist nur ein Beispiel, dass wir auf Konzerne wie Facebook verzichten können. Die Abrufe werden nicht nach individuellem Surfverhalten analysiert. Die Server sind so konfiguriert, dass IP-Adressen zum frühestmöglichen Zeitpunkt verworfen werden. Im Backend von Facebook ist die Rekonstruktion ein Kinderspiel, schon wären alle Protestinteressierten in Deiner Datenbank.

Phase 2: Wer ist eigentlich bei Eurer Forderung mit »und Co« gemeint? Einmal abgesehen von Facebook, denn da ist Eure Position deutlich geworden.

nadir: Yahoo, Web.de, Hotmail, Bing, auch Twitter. Twitter ist allerdings etwas anders gelagert, aber das würde hier zu weit führen. Es geht um die kommerziellen Dienste. Davon gibt es heute ja nicht mehr so viele. Das Internet wird immer zentralisierter, für das Abgreifen von Daten muss sich nur noch an eine Handvoll Provider gewandt werden. Es geht um die Firmen, deren Unternehmenswert durch das Data-Mining ihrer Userdaten entsteht. Der Börsengang von Facebook hatte eine Marktkapitalisierung von ca. 100 Milliarden Dollar, dieser Wert ist natürlich fiktiv, oder besser: spekulativ. Auch wenn der Kurs später eingebrochen ist, zeigt die Größenordnung auf, welches »Wertschöpfungspotenzial« in Userdaten vermutet wird. Es geht ums Ausforschen, das ist das Geschäftsmodell - und wenn dabei eine »intelligente« Werbeplatzierung abfällt, dann ist das nur EIN Weg, das Data-Mining in klingende Münze zu wandeln.

Phase 2: Ich würde ja weiterhin behaupten, dass die meisten Linken (und alle anderen auch) wissen, dass im Kapitalismus alles ein Preisschild hat. Über die Auswertung von früher privat genannten Daten wurde auch in großen, bundesweiten Medien vielfach berichtet. Dummheit kann man vielleicht nicht allen unterstellen, warum denkt ihr denn, dass die großen Anbieter auch bei Linken so populär sind?

nadir: Weil sie so einfach zu benutzen sind, so bequem und alle dort sind. Aber das kann doch als Entschuldigung nicht wirklich gelten, oder? Außerdem ist es das Ergebnis eines Prozesses - es gab eine Zeit vor Facebook (aber mit Internet) - sprich, der Prozess kann weitergehen und Facebook in der Senke der Geschichte verschwinden.

Phase 2: Ja, es gab auch mal eine Zeit, da war Myspace hip oder StudiVZ. Nur ein Zurück, weg von kommerziellen Social-Media-Diensten, im Sinne von Online-Kommunikation zwischen Leuten, dem Teilen von Bildern etc. ist doch nicht nur unwahrscheinlich, sondern auszuschließen. Es sei denn, wir reden davon, dass Facebook mitsamt dem Kapitalismus in der Senke der Geschichte verschwindet. Diese Perspektive will ich natürlich nicht vollkommen ausschließen.

nadir: Es geht nicht um ein »Zurück«, sondern um ein »Vorwärts«, um ein raus aus der Facebook-Falle. Wir sind derzeit am Testen von Alternativen. Wir haben uns Diaspora auf unsere Server gespielt und getestet. Und kürzlich Lorea/Elgg, das ist bei den M15-Protesten in Madrid und anderen Städten recht populär unter AktivistInnen gewesen und hält sich immer noch. Der Unterschied ist: Einerseits ist Lorea auf andere soziale Prozesse ausgelegt, nämlich solche, die uns Linke betreffen. Die Tools zur Organisierung sind super, es ist nicht ausschließlich auf Me, Myself and I ausgerichtet. Es geht um Kollaboration, nur am Rande um Selbstdarstellung. Und andererseits ist dies Open-Source-Software, die auf mehreren Servern laufen kann. Das heißt, es gibt nicht diese katastrophale Zentralisierung. Die Daten sind verteilt. Es gibt also keinen zentralen Punkt, an dem sie alle abgeschnorchelt werden können. Und außerdem sind die BetreiberInnen von Lorea in einer ganz anderen Richtung unterwegs als Facebook, denn denen geht es gar nicht um das Speichern, Verknüpfen, Minen und Verkaufen von Daten. Sondern es geht ihnen darum, Menschen, die bereit sind, an einer menschenwürdigeren Gesellschaft mitzuarbeiten, einen »sicheren« Kommunikationsraum zu bieten. Wir sind leider mit der Evaluierung von Lorea noch nicht fertig. Aber es kann gut sein, dass wir diesen Service bald öffnen und somit dem Text Taten folgen lassen. Vielleicht entscheiden wir uns aber auch für eine andere Software. Denn natürlich liegt es auch an uns, den Zustand zu ändern.  Letztendlich geht es unter anderem darum Kommunikationsstrukturen (auch im großen Maßstab) aufzubauen, die resistent sind gegen so was wie PRISM.

Phase 2: Kürzlich wurde bekannt, dass die National Security Agency (NSA) als ein Teil des US-amerikanischen Geheimdienstapparates auf jegliche Daten, die z. B. über Skype, Facebook, Youtube oder Apple getauscht werden, zugreifen kann. Mit dem Bekanntwerden von PRISM, könnte man meinen, wurden Eure Argumente gestärkt. Es ist für manche offenbar eine Neuigkeit gewesen, dass Geheimdienste große Internetanbietende dauerüberwachen. Die Aufregung in Deutschland ist relativ groß, dabei sind hier doch E-Mail-Provider ab einer bestimmten Größe verpflichtet, Behörden einen dauerhaften Zugang zu gewähren. Ist für Euch PRISM eine neue Qualität der Online-Überwachung? Vielleicht eine Chance, dass sich mehr Leute dafür interessieren, was Alternativen sein könnten?

nadir: PRISM als Chance! Überrascht waren wir jedenfalls nicht. Es gibt um die NSA viele Mythen, aber auch gesichertes Wissen – schließlich ist Edward Snowden nicht der erste Whistleblower aus den Reihen der NSA. Der Aufbau des neuen Datacenters in Utah, in der Wüste, hat in den Spezialcommunities schon eine Weile für Spekulationen gesorgt. Fakt ist, dass die NSA alles speichert. Und zwar sowohl, was sie im Klartext bekommen, als auch das, was Ihnen nur verschlüsselt zugänglich ist – das erst recht. Es gibt immer noch denkbare Alternativen. Die Grundarchitektur des Internets unterstützt dezentrale Kommunikation. Aber natürlich sind es nicht »nur« die Amis, der BND hat soeben angekündigt, 100 Millionen Euro in ein gleichartiges Programm zu stecken.

Phase 2: Für Linke hier sind die deutschen Dienste sicherlich entscheidender, oder? Ist nicht eine Online-Kommunikation immer auch eine, zu der unter Umständen Ermittlungsdienste oder Geheimdienste Zugang haben können?

nadir: Nein, nicht immer! Der Punkt ist wichtig, denn es gehört ein Technikkollektiv Deines Vertrauens dazu. Gruppen wie nadir und andere machen sich ja genau aus diesem Grund die Mühe. Natürlich handelt es sich um ein komplexes Feld. Https allein ist gewiss nicht die Lösung. Auch reicht ein Technikkollektiv alleine nicht aus, da sich ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Medium nicht wegdelegieren lässt. Es ist ein Mix aus Eigenverantwortung, vertrauenswürdiger Infrastruktur - zumindest in Teilen -, Verschlüsselung und Datensparsamkeit. Daten, die nicht gespeichert werden, können später auch nicht beschlagnahmt werden. Der Unterschied, auf den wir hier abzielen, ist zunächst primär einer der Haltung: Wenn die Betreibenden alles daran setzen, dass die Behörden wenig oder gar nichts bekommen, ist das mindestens die halbe Miete. Wir empfehlen, beim Surfen und auch bei der Nutzung anderer Services vermehrt mit Tor zu arbeiten. Damit bist Du erstmal von vielen Angriffsvektoren verschont. Nicht allen, aber einigen. Und die Kosten der Überwachung steigen enorm. Überwachung ist heute eine Ökonomie wie jede andere auch: Wenn es teuer wird, lohnt es sich nicht mehr. Außer die wollen wirklich DIR an den Kragen. Aber das Massenscreening ist mit Tor nicht mehr möglich. Das Tor Browser Bundle ist kinderleicht zu installieren und zu bedienen. Und was die verschiedenen Dienste und Polizeien angeht: Die tauschen auf europäischer, aber auch auf internationaler, Ebene eh Daten aus. Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, ob der britische Geheimdienst für die Linke vor Ort nicht doch die größere Bedrohung ist.

Phase 2: Vielen Dank für das Interview. Und danke, dass Ihr so lange das virtuelle Phase2-zu-Hause ward bzw. immer noch für unser Archiv seid.

nadir: Gerne. Zum Schluss noch unsere Forderung: Free Bradley Manning und Edward Snowden!

Posted Thu Nov 14 21:19:32 2013

nadir.org is blocked by some turkish ISPs

since http://gezipark.nadir.org might be blocked or not reachable, the same site can be reached via one of the links below.

Feel Free to support us. Point your own Subdomain to the IP 204.13.164.138. Please send an email to nadir@nadir.org so we can list your subdomain here.

nadir.org bazen ISPler de blok edilmiş durumda.

http://gezipark.nadir.org blok olunca ya bağlamıyorsa ayni siteyi şuradan ulaşabilirsiniz:

List of alternative names

List of mirrors

List of Tor hidden services

Posted Tue Jun 4 14:00:16 2013

Solidarität mit dem Aufstand in der Türkei

live übersetzt bei http://gezipark.nadir.org

In den letzten Tagen haben wir gesehen, wie der Protest im Gezipark in Widerstand gegen das Regime von Erdogans AKP umgekippt ist. Die Türkei erlebt gerade ihren Frühling: Einen Aufstand gegen Autoritarismus, korrupte Klientelpolitik und Islamisierung der Politik. Wir sind beeindruckt davon, mit welcher Ausdauer die Menschen in der Türkei der Polizeigewalt trotzen. Schon jetzt ist klar, dass die Türkei nach diesem massenmilitanten Widerstand eine andere sein wird: Das Regime Erdogans ist am Ende und die politischen Linien, entlang sich die Menschen organisieren sind uneingeschränkt begrüssenswerte Ziele.

Posted Mon Jun 3 20:38:16 2013

Am 11.4.2013 wurde athens.indymedia.org abgeschaltet und damit eine wichtige Quelle unabhängiger Nachrichten in Griechenland.

Updates auf occupiedlondon und greekreporter.com.

Hier ist das Statement der Aktivisten von athens.indymedia.org:

(ATHENS, 2013-04-12 2:33 pm UTC). Yesterday afternoon, access to the website of Indymedia Athens was disabled by National Technical University of Athens (NTUA) technical staff, apparently as a result of political pressure by Corfu minister of public order, Nikos Dendias.

At 3 pm (1 pm UTC) on thursday, the National Technical University of Athens (NTUA) network operations center (NOC) carried out an order by the university's president Simos E. Simopoulos to cut Internet connectivity to a server hosted within the university network. This server was providing access to Indymedia Athens, to the online radio stream and website of Radio98FM, a self-organised radio station, which was broadcasting from inside NTUA, as well as Radio Entasi.

Recent Twitter communication indicates that the NTUA rectors council may have bowed to political pressure: MP Adonis Georgiadis of the New Democracy party has congratulated minister of public order, Nikos Dendias, for taking down the Indymedia website: https://twitter.com/AdonisGeorgiadi/status/322424852118138880

Sources close to the operators of Indymedia Athens indicate that political pressure on NTUA's rectorial council to shut down Indymedia Athens against has increased remarkably during the past days. However, no in-advance notification was given to Indymedia or the radio stations, and an official statement by the universities' principal as to which legal process he was following, if any, has yet to be provided. The rector's council alongside legal advisors will hold a meeting on the matter of Athens IMC and the free radios hosted in university premises tonight at 6 pm (local time).

In response to the shutdown, Indymedia Athens and other affected parties have called for a protest near the Athens University campus in Zogragou, which has started today at 1 pm (local time).

In the meantime, Indymedia Athens continues to be available via the Tor anonimization network at http://gutneffntqonah7l.onion/ (this address is only available when running the Tor software). The following Tor gateways allow access to it from standard web browsers: http://gutneffntqonah7l.onion.to/ https://gutneffntqonah7l.tor2web.org/ https://gutneffntqonah7l.onion.sh/

Indymedia, which is also referred to as Independent Media Centre (IMC), originated during Seattle protests against the World Trade Organisation in 1999 and provides open publishing platforms that allows anybody to contribute. It is associated with the global justice movement, which is critical of neoliberalism and its associated institutions. A list of Indymedia centers around the world is available at http://contact.indymedia.org/cities.php (the global website at www.indymedia.org is currently unavailable due to technical issues).

More information is available at http://indymedia.squat.gr as well as by following Twitter hashtags #free_indymedia and #indymedia

Posted Sat Apr 13 18:10:29 2013