DöW - Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
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Neues von ganz rechts - April 2002
Burschenschaftliche Unterstützung
Nachdem die neonazistische Kameradschaft Germania Wien (KSG Wien) in ihrem
Versuch, am 13. 4. eine Demonstration gegen die "Wehrmachtsausstellung" zu organisieren,
gescheitert ist (siehe: Noch eine Neonazi-Demo »),
haben offenbar Wiener Burschenschafter die ganze Sache in die Hand genommen: Clemens
Otten, Anmelder der nun am Heldenplatz zwischen 14 und 18 Uhr geplanten Kundgebung
und Sprecher der veranstaltenden Plattform gegen Schändung des Andenkens
Verstorbener fand sich zumindest 1998 auf der Aktivenliste der Akademischen
Grenzlandsmannschaft Cimbria.
Die KSG Wien hat ihre Pläne, eine eigene Demonstration durchzuführen,
aufgegeben und ruft nun gemeinsam mit der Plattform zur "Kundgebung gegen
die Anti-Wehrmachtsausstellung des Zigarettenhändlers Reemtsma" auf. Bei
dieser sollen u. a. auf einer großen Videoleinwand Filme gezeigt werden.
Angekündigt werden auch "Reden verschiedenster Personen". Gegenüber
den Behörden gab Otten eine erwartete Teilnehmerzahl von 700 an. Nicht zuletzt
angesichts der Tatsache, dass auch in der deutschen Neonazi-Szene massiv für
die Kundgebung geworben wird, ist zu befürchten, dass diese Zahl nicht zu
hoch angesetzt ist. Als Hilfsmittel nannte Otten "Transparente, Trommeln, ein
kleines Rednerpult, Lautsprecher".
Auch wenn angesichts der eindeutig rechtsextremen Stoßrichtung der Mobilisierung
gegen die "Wehrmachtsausstellung" die Burschenschaften nach außen hin nicht
zur Kundgebung am Heldenplatz aufrufen, kann davon ausgegangen werden, dass innerhalb
des korporierten Milieus dafür geworben wird. Die berüchtigte Wiener
Burschenschaft Olympia, derzeitige Vorsitzende im Dachverband Wiener
Korporationsring (WKR), hat bereits einen Link zur Seite der Wiener Nachrichten
Online (WNO) gelegt, wo die Kundgebung erwähnt wird. Auch mit der Parole
"Keine Schändung des Andenkens Verstorbener" auf ihrer Homepage signalisiert
die Olympia, die den FPÖ-Nationalratsabgeordneten Martin Graf zu ihren
"Alten Herren" zählt, ihre ideologische Nähe zur Mobilisierung gegen
die "Wehrmachtsausstellung".
Alles in allem stellen die geplante Kundgebung und ihre Vorgeschichte einen weiteren
Beleg für die Kontakte zwischen Neonazis und Burschenschaftern dar.