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von ambivalent bis ambient ...

orange 94,0 - "das freie radio in wien" on air

Am 17. august war es soweit. Orange 94,0, das "freie radio in wien", ging auf sendung. Mehr als 300 radiomacherInnen in rund 75 radiogruppen und redaktionen sorgen seitdem für programm rund um die uhr - "von ambivalent bis ambient" (selbstdefinition), was immer das auch bedeuten mag.  TATblatt  
"Orange 94,0 steht für offenes, werbefreies Radio, das medial unterrepräsentierten Gruppen und Initiativen ein Forum zur Verfügung stellt. [...] Aus diesem Anspruch heraus ergibt sich auf Orange 94,0 eine enstprechend breite und bunte Palette an Inhalten", so C. von den herausgeberInnen des radios. 

Ein anspruch, den G., vorstandsmitglied der "mitarbeiterInnengemeinschaft" des radios und ehemaliger mitarbeiter der ebenso ehemaligen nachrichtengruppe zumindest noch nicht erfüllt sieht: "Politisches und gesellschaftskritisches programm ist auf orange 94,0 noch schwer zu finden. Das liegt zum einen an der verhinderung der ursprünglich geplanten nachrichtenschiene [siehe nebenstehender artikel; anm. TATblatt], zum anderen aber auch daran, dass die möglichkeiten die orange bietet, noch viel zu wenig aufgegriffen und genutzt werden. Der nachrichtenkonflikt darf nicht dazu führen, dass orange 94,0 nun von einigen linken gruppen als kleinbürgerliches fun-projekt abgeschrieben wird, wie ich es immer wieder zu hören bekomme. Im gegenteil! Es gilt den freiraum, den dieses radio trotz allem bietet, und zwar hunderttausend mal mehr als jedes andere radio in diesem land, zu nutzen. Kritik an orange 94,0 ist wichtig, aber ebenso wichtig ist die bereitschaft, das kritisierte mit zu verändern." 

Neue sendungsmacherInnen können bei orange 94,0 jederzeit einsteigen. Kontakt zu den bestehenden redaktionen und radiogruppen kann über das orange-büro aufgenommen werden. Einige radiogruppen geben zudem kontaktmöglichkeiten am schluss ihrer sendungen an. 

Welche ein eigenes programm machen wollen, können sich ebenfalls an das orange-büro wenden - am besten ein kurzes konzept überlegen und eine probesendung produzieren. Dazu stehen eine reihe von vorproduktionsplätzen im orange-büro zur verfügung (bitte unbedingt vorreservieren!). Auf wunsch gibt es auch technische einführung (nach einer solchen einschulung und einem kleinen bisserl übung können wirklich alle, die es im bisherigen leben geschafft haben, einen kassettenrekorder zu bedienen, auch eine sendung machen, also: keine angst vor der unbekannten technik!) und obligatorisch: eine medienrechtsschulung. 

finanzielles

Ein radioprojekt wie orange 94,0 verschlingt freilich auch unmengen von geld - für die beschaffung der technischen und räumlichen infrastruktur ebenso wie für den laufenden betrieb (büromiete, sendermiete etc.). Subventionen von gemeinde und bund sind zum teil gerade mal zugesagt, aber noch nicht ausbezahlt. Das auslangen kann mit diesem geld allein aber ohnehin nicht gefunden werden. Werbung gibt es auf orange 94,0 prinzipiell keine. Ein wesentlicher teil der finanzierung muss daher durch die hörerInnen und sendungsmacherInnen selbst erfolgen - durch die mitgliedschaft in der "mitarbeiterInnengemeinschaft für ein freies radio in wien", bzw. durch "radioabos", was das gleiche ist. 

Radioabos bzw. mitgliedschaften gibt es zum preis von wahlweise 400, 800 oder 1200 schilling jährlich - einfach mit dem vermerk "radioabo" einzahlen auf das konto psk 93 047 472 (der besseren verwirrung halber lautend auf "verein zur förderung und unterstützung von freien lokalen nicht-kommerziellen radioprojekten"). 

kontakt:

orange 94,0 
schubertgasse 10 
1090 wien 
telefon: (01) 315 75 15 
fax: (01) 319 09 99 4 
e-mail: freies.radio@blackbox.at

technix

Dem sendestart waren zähe verhandlungen um technische und administrative details, insbesondere um den senderstandort, vorausgegangen, die zu mehreren verzögerungen und zum wechsel der frequenz von den ursprünglich angekündigten 93,3MHz auf 94,0MHz geführt haben. 
Der sender strahlt nun vom donauturm in richtung stadtzentrum. Am stadtrand ist orange 94,0 aufgrund der geringen zugelassenen sendeleistung von 100W oft nur schlecht oder gar nicht zu empfangen. Nördlich des donauturms, in großen teilen der bezirke 21 und 22, ist wegen des vom donauturm selbst geworfenen funkschatten ebenfalls kein oder nur schlechter empfang möglich. Über mögliche verbesserungen dieser situation wird noch verhandelt. Dafür kann orange 94,0 oft an orten problemlos empfangen werden, an denen dies im traum nicht erwartet würde, ... also auf alle fälle probieren! Am besten eignen sich zur sendersuche die stündlichen "mantelprogramme" von (ungefähr) minute 56'30'' bis 59'59''. Besonders bei schlechtem empfang empfiehlt es sich, nach möglichkeit auf mono-empfang zu schalten, am ukw-band relativ großzügig in der gegend von 94,0MHz herumzusuchen und dabei gleichzeitig an der antenne zu drehen. 
Aber nicht alles was dann zu hören ist, muss auch orange sein. Gelegentlich wird orange von sendern in tschechien und ungarn überblasen. 
Viel glück!
weiters in diesem TATblatt:
[konflikt über (ehemalige) nachrichtengruppe bei orange 94,0]

aus: TATblatt nr. +103 (15/98) vom 8. oktober 1998
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