XTC und XXL
Wirkungen, Risiken, Vorbeugungsmöglichkeiten und Jugendkultur - was mit diesem Untertitel zuerst an die Diplomarbeit einer Sozialwesen- Studentin oder eine beliebige langweilige soziologische Studie erinnert, scheint darüber hinaus auch noch zu spät zu kommen. Eigentlich interessiert sich doch niemand mehr so richtig für Ecstasy (?!)- außer den Konsumenten halt.
Daß öffentlich- besorgniserregende, medial- heuchlerische und gewohnt- oberflächliche Interesse an "E" hat ebenso schnell nachgelassen, wie alle Schlagwörter (Modedroge, Teufelszeug, Raverpille, etc.) ausgelutscht waren. Eine hintergründige Analyse hat (fast) nirgends stattgefunden. Diesen Mißstand zu beheben, haben sich Autorinnen und Autoren zusammengefunden, die allesamt berufliches oder wissenschaftliches Interesse an XTC haben: PsychologInnen, SozialpädagogInnen, ÄrztInnen, LehrerInnen und ein Musikredakteur und DJ. Trotz unterschiedlicher Standpunkte zu Drogenkonsum (Abstinenz oder Akzeptanz) und im Gegensatz zur offiziellen Drogenpolitik der Bundesregierung, wird nicht dämonisiert, sondern entdramatisiert. Sachlich nüchtern beschäftigen sich die AutorInnen mit der Wirkung und den gesundheitlichen Risiken der Designerdroge, untersuchen die jugendkulturellen Hintergründe und die Verwurzelung gerade in der Technoszene und diskutieren Vorbeugungsmöglichkeiten gegen den Mißbrauch von Ecstasy. Letzteres ohne die gewohnten "ideologischen Scheuklappen" und mit positiven Beispielen aus der akzeptierenden Drogenarbeit.
Für alle, die bemerkt haben, daß Techno kein einheitsbreiiges und hirnloses 4/4- Takt- Getöse sein muß, gibt es neben einer kleinen historisch- kulturellen Einführung eine CD- Empfehlungsliste für die wichtigsten Stilbereiche der Technomusik.
Manfred Rabes/ Wolfgang Harm (Hg.), XTC und XXL, 254 Seiten, Rowohlt Verlag, ISBN 3-499-60239-3, DM 14,90