Über die grüne Wiese ?
Visionen & Möglichkeiten zur Zukunft der Fahrradwege im Orlatal Spieglein, Spieglein an der Wand - wer hat die besten Fahrradwege im Orlaland ?, fragte sich ein junger Nachwuchsmitarbeiter einer Jugendzeitung und erkundigte sich mal.
Wo gibt es sie, die sagenumwobenen
ostdeutschen fahrradfreundlichen Städte ? In den beiden Großstädten im
Saale-Orla-Kreis werden Hoffnungen und Planungen mit den ehrgeizigsten Projekten
verbunden. Das wäre in Neustadt der nun endlich auch begonnene Bau der Umgehungsstraße
bis 2001 und in Pößneck - na immer in der Zeitung aufgepaßt - die Landesgartenschau im
Jahre 2000.
In Neustadt bekam ich Gelegenheit, in das noch druckwarme
Verkehrsprojekt Einsicht zu nehmen.
Als erstes stellte ich fest, daß der Radweg als eigenständiges, überlebensfähiges Individuum in den Beamtenstuben so gut wie nicht existiert, sondern in einem Gesamtverkehrsplan enthalten ist. Als Antwort auf ein schlagartig kommendes warum denn das ? wurden Förderrichtlinien genannt. Zahlen wiederum ließ man sich nicht entlocken: Die Richtlinien würden sich ja ständig ändern und man habe schließlich schlechte Erfahrungen mit der Veröffentlichung solcher Zahlen gemacht.
Ein großes Hemmnis besteht laut übereinstimmender
Aussage aller befragten Städte immer noch in den Eigentumsregelungen. So müssen neue
Radwege dem schnöden Mammon geopfert werden.
In einer ersten Stellungnahme zum Konzept seitens der
Stadtverwaltung in Neustadt wurde erstaunlicherweise festgestellt, daß der Radverkehr,
verbunden mit dem Fußgängerverkehr, unter anderem aufgrund der knappen Stellplätze in
der Innenstadt einen großen Anteil an der Gesamtmobilität der Bevölkerung ausmacht.
Bei der Auswertung der Schwachpunkte zeigte es sich in Neustadt,
daß Verbesserungen im Fußgänger- und Radverkehr, aber beispielsweise auch im ÖPNV
vorgenommen werden müssen: Dazu zählen der Ausbau und die Erweiterung des
vorhandenen Wegenetzes, verkehrsrechtliche Änderung zur Förderung des Radverkehrs ...
.An wichtigen Rad- und Fußwegeverbindungen müssen Querungshilfen eingerichtet
werden.
Im Stadtkern werden wegen der niedrigen Verkehrsfrequenz
keine separaten Wege benötigt, allerdings wurde die Straßenqualität bemängelt.
Probleme werden entlang der B281 in Richtung Triptis aber auch in der Gegenrichtung
Goethestraße/Mühlstraße/Straße am Mühlgraben aufgrund des Schwerlastverkehrs und der
dementsprechenden Lärmbelästigung gesehen. So bestehen weiterhin nicht genügend
Überquerungshilfen für den Fußgänger/Radverkehr in Richtung Stadtzentrum. Auch der
Abschluß des vorhandenen Radweges an der Kreuzung Orlagasse/ Mühlgraben direkt an einer
sehr unübersichtlichen Stelle bietet Anlaß zur Kritik.
Wirksam unterbunden haben die Stadtväter durch ein
handelsübliches Verkehrszeichen vom Typ Fußgängerbereich jeden Versuch, dem fleißigen
Fahrradfahrer nach Abschluß des gerade genannten Fahrradweges den Weg zum Markt legal zu
nutzen.
Lösungen zu den angesprochenen Problemen finden sich
ebenfalls: Signalanlagen in der Thälmannstraße und Mühlstraße in Höhe Parkdeck zwecks
Anbindung desselben an den historischen Stadtkern, welcher jetzt mit neueingeweihtem
Kaufhaus glänzt.
Auch muß das Einfahren zum Markt für unsere Radler
freigegeben werden. Platz genug für ein friedliches Nebeneinander von Beschuhten und
Bereiften ist gegeben.
Ein entscheidender verkehrsrechtlicher Aspekt ist die
Umwandlung einer echten Einbahnstraße in eine unechte
Einbahnstraße. Die Jünger der Fahrradgilde dürfen im Gegensatz zum motorisierten
Mitbürger die Einbahnstraße wie einen normalen Fahrweg von beiden Seiten benutzen. In
Ansätzen ist dies schon in der Krautgasse Praxis geworden.
Positiv zu vermerken ist, daß ab der Kreuzung Mühlstraße/
Orlagasse einen kontinuierlich ausgebauten Radweg bis zur Stadtgrenze in Richtung
Dreitzsch gibt, welcher aber von der Bevölkerung zu wenig angenommen wird.
Zukunftsvisionen seitens der Stadt sprechen von einem
durchgehenden Stadtringfahrradnetz und gar der Verbindung zu den einzelnen Ortsteilen. In
der Realität muß man sich damit abfinden, daß wegen des Abwasserzweckverbandes gerade
kein Weiterbau möglich ist.
Ein anderes Problem stellen Abstellanlagen für Fahrräder
dar: Da Fahrradständer privat finanziert werden müssen, gibt es statt Ständer nur
Schilder wie Fahrrad an die Hauswand anlehnen verboten. Dem müßte
durch eine städtische Förderung abgeholfen werden. Zur Zeit sieht es leider so aus, daß
Fahrradabstellanlagen genehmigungs- und gebührenpflichtig sind.
Besonders wichtig sind Fahrradparkplätze an öffentlichen
Gebäuden, wie Schulen, Bus- und Zugbahnhöfen. Da diese über längere Zeit
unbeaufsichtigt wären, müßten diebstahlsichere und damit teuere Varianten
gefunden werden.
In Pößneck / Ost existieren Stellplätze und
dazugehörige Fahrradwege, hat das Bauamt bekanntgegeben. Bis zur LGS soll dieses Netz an
die Innenstadt angebunden sein. Da bis zum Tag X im Jahre 2000 auch die Bundesstraße
teilumgeleitet werden soll, würde so die Durchfahrquote in Zentrum ähnlich Neustadt
rapide absinken. Dies bedeutet, daß die Einbahnstraßenregelung auch in Pößneck seine
Anwendung finden würde. Eine Lösung als eigenständigen Fahrradweg im Viehmarktbereich
bereitet noch Kopfschmerzen in der Stadtverwaltung. An der jetzt aufgegrabenen
Postkreuzung soll ein Fahrradweg Richtung Öpitz entstehen. Gen Saalfeld soll ein
Fahrradweg teilweise parallel zur B281 geführt werden. Probleme bereitet der Übergang
über das Verkehrsnadelöhr. Fiktiv wurde eine Route erörtert, welche bis zur Kreisgrenze
(und darüber hinaus ?) gehen soll. Es soll schon Vorabsprachen, Voruntersuchungen und
Planungsabsichten mit den umliegenden Gemeinden geben. Die Bodelwitzer Seite fällt und
steigt mit dem neuen Pößnecker Bad. Gemeinsam mit dem zur Zeit auf Eis gelegten Bau
würde ein neuer Radweg entstehen. Auch im Rahmen einer Orlatalerschließung (Jüdewein,
Schweinitz, Langendembach) laufen genannte Voruntersuchungen. Rehmen muß mit einem
landwirtschaftlich genutzten Wald- und Wiesenweg mit Fahrradwegbeschilderung Vorlieb
nehmen.
Das Fahrradabstellplatzproblem ist ähnlich wie in Neustadt:
Die Stadt organisiert zwar Plätze, aber private Betreiber müssen diese finanzieren,
eventuell mit eingebauten Werbeflächen.
Dagegen hinkt Triptis etwas hinterher. Einen kombinierten Fahrrad/Fußweg gibt es in der Burgkhardtstraße bis zum Zentrum. Bitumierte Wege zu den umliegenden Dörfern Döblitz - Miesitz - Kopitzsch sind weiterhin vorhanden. Ein sich anschließender Ausbau nach Dreitzsch ist geplant.
Dem allgemeinen Modetrend folgend, beabsichtigt auch Triptis eine Ortsumgehung zu bauen. So könnte eine Parallelführung zur jetzigen Bundesstraße im Bereich des Möglichen liegen. Die Realisierung zieht sich aber über das Jahr 2000 hinaus.
So läßt sich sagen, daß es schon Gedanken für
fahrradfreundlichere Innenstädte gibt. Aber wieder einmal läßt das leidige Problem Geld
Visionen Fiktionen sein und man bekämpft Verkehrsprobleme mit dem Flicken von
Schlaglöchern. Aber die beiden Katalysatoren zum Thema Infrastrukturhilfe in Neustadt und
Pößneck geben Anlaß zu Hoffnung.
Freilich wird dem Autoverkehr immer noch Vorfahrt gegeben und
das wird sich dank einer Autolobby auch nicht so schnell ändern.
Robert