Hey Ho, let’s go! Wie der Wahnsinn dem Alltag den Rücken kehrt
Wie schon Peter in der zweiten Ausgabe unserer preiswerten, jugendlich- frischen, engagierten und irgendwie guten Jugendzeitung, soll mir als scheidender fester, ehrlicher und treuer Redakteur und Mitbegründer dieses Zentralorgans der linksalternativ- (un)interessierten Jugend des Saale- Orla- Kreises das Recht zu- teil werden, mit einem Vorwort auf meinen Karriereknick aufmerksam zu machen. Ich gehe also. Weg in diesem Falle. Was das für eine Stadt bedeutet, in der Grüne Apotheken rosa sind, Bäcker „schmackhafte Adressen“ haben und der Bürgermeister Bürgermeister ist, weil er zur richtigen Zeit die falsche, bzw. richtige Partei verlassen hat, kann man sich an neun Fingern abzählen. Was das für eine Jugendzeitung bedeutet, dazu komme ich nachher (vielleicht) nochmal. Erst aber zu was anderem. Coffein- und Fastfood- Junks sind ein Scheiß gegen uns. Die vierte Tasse Kaffee ist schon lange leer, die Colaflasche ausgetrunken und langsam vetreibt der kleine Hunger wieder das Sättigungsgefühl, welches die Pizza von vor einigen Stunden so hervorragend hervorzuzaubern wußte. Was sich anhört wie amerikanisches Filmklischee ist harte Realität, hier und jetzt im KOPFSTAND- Labor; in zwei Tagen ist Drucktermin.
Rechtsextremismus in Thüringen sollte das Schwerpunktthema dieser Ausgabe werden, geblieben ist davon leider nicht viel. Diejenigen im umfangreichen MitarbeiterInnenpool dieser Zeitschrift, die Lust hatten zum Thema zu recherchieren, hatten dafür keine Zeit; die anderen (mit Zeit) keine Lust. So ist es eben, wenn keinE ChefIn auf’n Tisch haut... Naja, zwei Sachen haben ja dennoch geklappt. Danke dafür an Carsten, der (obwohl kaum Zeit) doch noch den Beitrag „Rechtsextremismus in Thüringen“ für uns geschrieben hat. Ein kleiner Trost: uns nacheifernd, wird Ende November die Reizzwecke mit dem Schwerpunktthema Rechtsextremismus erscheinen. Liebe Grüße also nach Jena.
Zurück zur KOPFSTAND. Obwohl die Seitenzahlen stetig steigen, lichten sich die Reihen derer, die sich nicht um die liebevolle Elternrolle für ihre Journallie drücken wollen (siehe oben). Um so dringender hoffen wir,daß sich unter unseren LeserInnen einige finden werden, die nur darauf gewartet haben eine junge und okaye Jugendzeitung auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum zu begleiten, als ernsthafte(r) MitarbeiterIn oder gute(r) Fee(nrich) im Dickicht des medialen Blätterwaldes mitzumischen.
Apropos. Der Herbst hat samt seinen bunt- verzaubernden Hofstaat Einzug gehalten. Grund genug, ab und an das Kapüzchen über das frierende Haupt zu stülpen. Beispielsweise am 11. Oktober zur Antifa- Demo in Saalfeld (15.00 Uhr, Bahnhof). Muß man aber nicht machen, ohne Kapuze läßt sich genauso gut demonstrieren. Hauptsache ihr kommt und zeigt, daß es genügend Menschen gibt, die das Anwachsen der rechten Szene und deren Tolerierung durch die bürgerlich- konservative Mitte nicht tatenlos hinnehmen werden. In Saalfeld nicht, und auch nicht woanders!
Bis dahin aber und danach wünsche ich euch viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe. Laßt sie nicht achtlos in der Ecke oder im Zugabteil liegen. Es sei denn, ihr kauftet eine zweite. Seid immer schön artig.
Guten Tach. Auf Wiedersehen.

     André