GegenDruck Nr. 23 - Mai 1998
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Illegalisierte KurdInnen fordern Bleiberecht in der BRD

Wanderkirchenasyl kommt nach Bielefeld

Seit dem 25. April befinden sich mehr als 20 kurdische Menschen in Bielefeld im Kirchenasyl. Sie beteiligen sich an einem Wanderkirchenasyl, das Anfang Januar in der Kölner Antoniter-Gemeinde seinen Anfang hatte. Über Düren und Aachen kamen die KurdInnen nach Bielefeld, wo sie mindestens vier Wochen bleiben werden. Inzwischen befinden sich ca. 150 Flüchtlinge in verschiedenen nordrheinwestfälischen Städten im Wanderkirchenasyl.
Die Beteiligten und ihre UnterstützerInnen fordern eine generelle politische Lösung für Flüchtlinge in der BRD. Konkretes Ziel ist ein sofortiger Abschiebestopp in die Türkei, darüberhinaus wird in der Erklärung der KurdInnen aus den Kölner Kirchen auch grundsätzlich das Recht eingefordert, seinen Aufenthaltsort frei wählen zu können.
Vor dem Hintergrund einer sich immer weiter verschärfenden Abschiebepraxis der BRD und der andauernden wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung der Türkei durch die BRD soll mit dem Wanderkirchenasyl politischer Druck auf die Verantwortlichen in NRW aufgebaut werden. Die Flüchtlinge und UnterstützerInnen ziehen dabei Parallelen zu den sans papiers, der Bewegung der Illegalisierten Menschen in Frankreich (s. dazu auch den Beitrag im Innenteil der Zeitung). Nach der faktischen Abschaffung des Asylrechts und im Zuge der europäischen Harmonisierung der Einreisebestimmungen ist es mittlerweile nahezu unmöglich, als Flüchtling legal in die BRD zu gelangen. Immer mehr Menschen sind gezwungen, in der Illegalität zu leben, ohne die Perspektive, diesen Zustand in absehbarer Zeit ändern zu können. Das Wanderkirchenasyl stellt für die Beteiligten eine Möglichkeit dar, diese Isolation aufzubrechen. Das Risiko, das sie damit eingehen, ist sehr hoch. Deswegen ist Unterstützung und Solidarität für die Beteiligten sehr wichtig. Die beteiligten Initiativen, das Ökumenische Netzwerk Bielefeld zum Schutz von Flüchtlingen sowie die Initiative ?Kein Mensch ist illegal“ haben für die nächsten Wochen eine ganze Reihe von Veranstaltungen organisiert, außerdem besteht die Möglichkeit, die Menschen in den Kirchen zu besuchen (Termine s. letzte Seite).

gd

Kontakt:
Ökum. Netzwerk zum Schutz von Flüchtlingen
c/o Sozialpfarramt, Markgrafenstr. 7, 33602 Bielefeld;
Initiative ?Kein Mensch ist illegal“, August-Bebel-Str. 16­18, 33602 Bielefeld, Info-Telefon: 0521-893521, Fax: 0521-887238;
Spendenkonto: Kirchenkreis Bielefeld, Stichwort Flüchtlinge, SpK Bielefeld, BLZ 480 501 61, Konto-Nr. 364

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