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| Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena | zurück | back |
Ich kam hierher in dem Glauben, mich in einem freien Land zu befinden, aber das Verhalten der deutschen Polizisten war dasselbe wie im Iran. Ich konnte nicht glauben, das sie mich hier ebenso schlecht behandeln würden und das sie mich gewaltsam zwingen würden, einen Schleier anzulegen. Sie verletzten meine Rechte und meine Würde als Frau (...)iF
-Roya Mosayebi-
Am 9. November letzten Jahres stürmten mehrere Polizisten auf Veranlassung der Nürnberger Ausländerbehörde das Privatzimmer von Roya Moseyebi. Sie schleppten sie auf die Polizeiwache und setzten ihr dort trotz ihres Protestes mit brutaler Gewalt einen Schleier auf, um sie anschließend zu fotografieren. Einige Wochen später kam in Bremen ein ähnlicher Fall ans Licht: die Ausländerbehörde manipulierte das Passfoto der Iranerin Djamileh; per Fotomontage setzte sie ihr einen Schleier auf.
Um iranische Frauen in den Iran abschieben zu können, verlangen die Ausländerbehörden für die Ausstellung von Reisedokumenten Passfotos von den betreffenden Frauen, auf denen sie mit Schleier abgebildet sind. Sie erfüllen damit eine Vorgabe des islamistischen Regimes im Iran. Großer öffentlicher Protest der Karawane und des 8.März- Kommitees erreichte, daß die Fotos der beiden Frauen nicht verwendet werden können. Das Verwaltungsgericht Ansbach hat jüngst das Vorgehen der Ausländerbehörden gerechtfertigt.
Es ist unglaublich, dass Iranerinnen, die in ihrem Herkunftsland gegen die massive Unterdrückung von Frauen gekämpft haben und denen es unter großen Gefahren gelungen ist, dem islamischen Regime zu entfliehen, hier in Deutschland abermals mit dem Trauma der Zwangsverschleierung konfrontiert werden. Die islamischen Gesetze des iranischen Regimes werden zwar offiziell von den westlichen Industrienationen verurteilt, doch nichtsdestotrotz unterstützen und stabilisieren sie genau diese Regime für ihren wirtschaftlichen Vorteil. Wirtschaftsliberalismus und reaktionäre Politik gehen Hand in Hand. Um sich unliebsamer Flüchtlinge zu entledigen, greifen sie auf die gleichen frauenfeindlichen Methoden zurück, die die Regime anwenden, die sie doch angeblich verurteilen. Nicht nur in Ländern wie dem Iran werden Frauen als das Eigentum der Männer behandelt: deutsche Frauen, die mit afrikanischen Männern eine Beziehung haben, sind zumeist erheblicher Anfeindung von weiten Teilen der deutschen Gesellschaft und des Staates ausgesetzt.
Doch in letzter Zeit traten immer mehr Frauen zusammen mit ihren afrikanischen Lebenspartnern aus dem stillen Leiden heraus und gingen an die Öffentlichkeit; sie berichteten von ihren Problemen und ihrem Kampf für ihre Rechte: Die Bremer Ausländerbehörde hat z.B. trotz bestehender Heirat die Ausweisung des aus Gambia stammenden Alieu Ceesay Ceesay angeordnet. Um noch eins draufzusetzen, verlangte die Ausländerbehörde von seiner Ehefrau Dorothe Bescheinigungen über die Teilnahme an einer Psychotherapie, die sie psychisch auf die Ausweisung ihres Mannes vorbereiten soll! Die Botschaft ist klar: Frauen, die Afrikaner heiraten, sind eben nicht normal und müssen therapiert werden. Dieses Denken betrachtet deutsche Frauen als das Eigentum der deutschen Männer, das gegen fremde Männer verteidigt werden muß. Momentan haben sich mehrere binationale Paare aus verschiedenen Städten zusammengeschlossen, um gegen die Apartheid in der deutschen Familiepolitik zu protestieren.
Villa Courage aus Freiburg wird über die Probleme berichten, die mit deutschen Männern verheiratete Flüchtlingsfrauen zu erleiden haben. Seit vielen Jahren kämpft sie für ein eigenständiges Aufenthaltsrecht von Frauen. Sie unterstützt Flüchtlingsfrauen, die durch Paragraph 19 des Ausländerrechts, der das Bleiberecht für mindestens drei Jahre lang an die Ehe mit einem Mann mit festem Aufenthaltsstatus, bindet, gedemütigt und vollkommen der Willkür des Mannes ausgeliefert werden.
Vor einigen Jahren starteten tamilische Flüchtlinge einen massiven Kampf, um einen Abschiebestop aus Bremen nach Sri Lanka durchzusetzen. Der Erfolg dieses Kampfes stärkte auch das Vertrauen anderer Flüchtlinge und schuf so die Basis für die Idee der Karawane. In diesem Kampf spielten die tamilischen Frauen eine führende Rolle. Wie kommt es, daß tamilische Frauen, die in den alten Feudalstrukturen schwache Wesen zu sein hatten, im antirassistischen Kampf in Deutschland diesen dynamischen und führenden Part ergriffen haben?
Die Kultur und die Erfahrungen eines erfolgreichen und kraftvollen Frauenkampfes, wie er innerhalb der tamilischen Befreiungsbewegung existiert, ist für die Karawane-Bewegung von großem Wert.
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