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| Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena | zurück | back |
(Wiedergabe)
Durch den Kontakt zu The Voice, den Initiatoren des Karawanekongresses, haben wir Asylsuchenden in Brandenburg, Flüchtlinge aus verschiedenen Teilen Lateinamerikas, die wir zuvor allein gelassen und ohne Hoffnung konfrontiert waren mit den zahlreichen Problemen von Flüchtlingen in Deutschland, neue Hoffnung geschöpft. Wir haben gemerkt, daß wir nicht allein sind, daß da noch mehr Menschen sind, die für die Rechte aller Flüchtlinge dieser Welt kämpfen - gegen die gewalttätige Ausgrenzung, Desinformation, die modernen Konzentrationslager, gegen den mehr oder weniger gleichen Schmerz der uns hier zugeführt wird, wie in unseren Heimatländern.
Es ist bekannt, daß in Kolumbien seit 35 Jahren ein Bürgerkrieg herrscht. Der Prozeß eines tiefen Bürgerkrieges, der gewaltige Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hat. Die Menschen befinden sich zwischen drei Feuern - dem schmutzigen Krieg der kolumbianischen Regierung durch das Militär, den paramilitärischen Gruppen und Polizeikräften, dem Spezialkrieg gegen die UnterstützerInnen der Guerilla und dem schmutzigen Krieg des USA-Imperialismus ausgesetzt.
Die kolumbianische Regierung ist zur Zeit dem Anschein nach um einen Friedensprozeß bemüht. Vor den Wahlen wurde in einigen Gebieten der Ausnahmezustand aufgehoben und Bedingungen für Friedensverhandlungen geschaffen. Die kolumbianischen Guerilla-Einheiten, die tief mit dem Volk verbunden sind, haben ein Interesse an einem Friedensdialog. Sie wissen aber auch von der Doppelmoral der Regierung, die auf der einen Seite Friedensverhandlungen anstrebt, z.B. durch die Einrichtung einer Friedenskommission, auf der anderen Seite aber den Krieg gegen das kolumbianische Volk angezettelt und vertieft hat, bezahlt und geregelt durch die USA. Tatsächlich wurde der Militäretat aufgestockt, um den Kampf gegen das kolumbianische Volk zu verstärken und die Linke zu zerstören. Kolumbien ist geopolitisch und militärstrategisch wichtig für die USA, es ist das Eingangstor nach Lateinamerika. Die europäischen Regierungen haben sich dazu verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Friedensverhandlungen fortschreiten können und die niederschmetternde Gegenwart der USA gestoppt wird.
Die von der Guerilla kontrollierten, östlichen Gebiete gehören zu den größten Ölgebieten dieser Welt. Um ungehindert den Zugriff zu verschaffen für Texaco und andere Ölkonzerne planen sie unter dem Mantel des Kampfes gegen den Drogenhandel, die Kraft des Volkes zu zerschmettern. Der Bürgerkrieg führte dazu, daß ein großer Teil der kolumbianischen Landbevölkerung in die Metropolen floh und sich Slumgürtel um die Städte bildeten. Der paramilitärische Spezialkrieg schafft Flüchtlinge, die dann in die USA oder weil sie an den Grenzen der USA abgewiesen werden und kein Asyl erhalten nach Europa fliehen.
Aber auch in Europa zeigt sich eine Doppelmoral. Die zugesagte Unterstützung des Friedensprozesses entlarvt sich als eine Farce, wenn sie uns als Flüchtlinge nicht anerkennen und uns zurückschicken. Gemeinsam mit amnesty international haben wir die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen öffentlich angeklagt. Doch wenn wir Europa erreichen, werden wir wie Verbrecher behandelt, müssen uns beispielsweise bei der Einreise nackt ausziehen. Die Behandlung von Flüchtlingen hier, bricht internationales Recht. Tausende von Menschen hätten sich retten können, wären sie nicht abgeschoben worden. In den Flüchtlingslagern behandeln sie uns auf rassistische Art, unsere Rechte werden vergewaltigt, unsere Kinder nicht respektiert. Aus unseren Reihen erhob sich massiver Protest und wir gründeten unsere Organisation, um nun gemeinsam mit Euch dagegen zu kämpfen.
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