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| Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena | zurück | back |
Am Anfang wurde anhand eines Filmbeitrags (Al norte) und einem anschließenden Vortrag über die Situation der mexikanischen ArbeiterInnen in den maquiladoras an der Grenze zu den USA und den damit zusammenhängenden Migrationsbewegungen gesprochen. Dabei wurde auch auf den Gesamtzusammenhang der wirtschaftlichen Lage in Mexiko eingegangen.
Mit dem Freihandelsabkommen, das in bestimmten sog. Freihandelszonen, eben v.a.. im Norden Mexikos, vielfältige Restriktionen für ausländische Unternehmen auflöste, begann eine neue Form der Arbeitsausbeutung. Exportzölle und Einkommensteuer fallen weg, Infrastruktur für die Unternehmen ist billiger. Die Idee ist, daß US-Unternehmen in Mexiko billiger produzieren können, Rohprodukte werden angeliefert, gegen Minimallöhne von mexikan. ArbeiterInnen fertiggestellt und in die USA exportiert. Das bedeutet, daß das ganze Geld in die USA fließt, lediglich die Arbeitslöhne, 3-4$ am Tag bleiben in Mexiko. Hinzu kommt, daß Umweltauflagen in Mexiko quasi nicht existieren und auch Maßnahmen zur Arbeitssicherheit gering sind.
Die maquiladoras sind zugleich eine Bremse für die Arbeitsmigration in die USA. "Im Süden von Mexiko sterben Menschen, weil es keine Arbeit gibt, im Norden sterben sie an zuviel Arbeit". Viele versuchen in den maquiladoras Startkapital zu verdienen bevor sie versuchen in die USA zu kommen, d.h. die meisten ArbeiterInnen bleiben relativ kurze Zeit, bzw. planen nicht lange zu bleiben, was dazu führt, daß eine Organisierung gegen die Ausbeutung kaum möglich ist. Dazu kommt, daß alle ArbeiterInnen gezwungen werden in eine staatliche Gewerkschaft einzutreten, die mit den Unternehmen kooperiert, jede Form der Auflehnung oder anderweitigen Organisierung führt zum Verlust des Arbeitsplatzes. Die mex. Regierung versucht die Arbeit zu erhalten und interveniert überhaupt nicht, mexikanische Firmen werden aufgrund der Konkurenz immer weniger.
Speziell Frauen haben es noch schlechter, sie bekommen weniger Lohn, viele alleinerziehende Mütter arbeiten in maquiladoras zu allerschlechtesten Bedingungen, da sie keine andere Wahl haben, außerdem reproduzieren die maquiladoras in ihrem System patriarchalische, sexistische Mechanismen.
Arbeitsausbeutung in Freihandelszonen ist jedoch ein weltweites Problem, sie bestehen z.B. in Polen, in Asien u.a., wobei sich Formen unterscheiden. So stellt ein Kongressteilnehmer aus Togo fest, daß die mexikanische Situation mit der in Afrika nicht zu vergleichen ist. Ausbeutung durch Industralisierung findet so in Afrika nicht oder kaum statt. Er gibt einige Erläuterungen zum Handel, den Frankreich auf seine Kosten mit dem Rohstoff Phosphat aus Togo betrieb.
Die Arbeitsgruppe stellt fest, daß "das Kapital" überall so ausbeutet, wie es am ertragreichsten ist. Ein Teilnehmer aus Peru bezieht sich auf den Neoliberalismus in Lateinamerika, der eine Neudefinition von Nationalstaat und Militär beinhaltet, die Zerstörung der produktiven Strukturen in den Ländern, eine Neudefinition der Menschenrechte...letztlich eine duale Gesellschaft ausformt, bzw. erhält, die sich trennt an der Teilnahme oder eben Nichtteilnahme am Markt.
Es wird zur Diskussion gestellt, welche Arten von Widerstand (bewaffnet oder zivil) wie zu unterstützen sind. Am Ende einigt sich die Gruppe aus folgenden Vorschlägen ein Manifest gegen den Neoliberalismus, die Arbeitsausbeutung usw. zu erstellen, was bei der Fortsetzung der AG diskutiert werden soll:
- Konzepte für Entwicklungsprojekte der Industrieländer haben nicht funktioniert.
- Es herrschen miserable Arbeitsbedingungen weltweit.
- Transnationale Konzerne haben nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Einfluß, bzw. ist ein bestimmter politischer Rahmen Voraussetzung
- Der Neoliberalismus ist keine neue Erscheinung, sondern lediglich eine neue Strategie, außerdem als Modell zu begreifen
- Es ist keine Unterscheidung zu machen zwischen der Ausbeutung durch internationales oder nationales Kapital
- Jede Form des Widerstandes beruht auf bestimmten historischen, regionalen, strukturellen Bedingungen; Widerstandsbewegungen müssen gleichberechtigt neben-, bzw. miteinander existieren.
- Widerstand ist als globale Antwort mit lokalen Elementen zu verstehen
- Die Wirtschaft muß überall auf der Welt den Menschen dienen, nicht die Menschen der Wirtschaft
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