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| Webjournal zum Flüchtlingskongress vom 21. April bis 1. Mai in Jena | zurück | back |
In der Nacht von Freitag, den 14. April zum Sonnabend, 15. April wurde in Jena- Lobeda ein afrikanischer Bürger aus Kongo-Zaire, der seit 1993 in Jena lebt und dessen Asylantrag aufgrund politischer Verfolgung Anerkennung fand, von einer Gruppe Jugendlicher bzw. junger Erwachsener brutal vor seiner Haustür zusammengeschlagen. Die ärztliche Untersuchung ergab schwere Rippenprellungen und Verletzungen am Kopf. Eine stationäre Behandlung war nicht erforderlich, jedoch ist der Überfallene aufgrund der starken Schmerzen zur Zeit nicht in der Lage, die Wohnung zu verlassen und ist auf auswärtige Hilfe angewiesen. Alle Anzeichen deuten auf einen rechtsradikalen bzw. zumindest fremdenfeindlichen Hintergrund hin.
Laut Aussage des Betroffenen befand er sich am Sonnabend, gegen 0.30 Uhr, auf dem Heimweg kurz vor seinem Wohnhaus in der Plattenbausiedlung in Jena-Lobeda. Aus einer Gruppe von sechs bis sieben jungen Erwachsenen, an einer Straßenbahnhaltestelle stehend, folgte ihm eine einzelne Person, anscheinend mit einem Anliegen. Während er auf diese Person wartete, versuchten die anderen Personen ihm den Weg zu seinem Haus abzuschneiden. Vor der Haustür wurde der Betroffene eingeholt und hinterrücks mit einem Baseballschläger in die Seite sowie mit einem eisernen Gegenstand (Schlagring?) mehrfach auf den Kopf bzw. ins Gesicht geschlagen. Im Niederfallen konnte er einen Angreifer mit niederreißen. Wahrscheinlich wegen aufgeschreckter Hausbewohner und zwei in der Nähe sich aufhaltender Angestellte eines Sicherheitsdienstes ließen die Täter von ihrem Opfer ab und flüchteten mit der Straßenbahn Richtung Lobeda-West. Die Polizei traf kurze Zeit später ein und nahmen mit dem Geschädigten die Verfolgung auf. An der nächsten Straßenbahn-Haltestelle in Lobeda-West wurden drei Verdächtige, die die Straßenbahn verließen, von der Polizei gestellt und deren Personalien aufgenommen. Mindestens eine Person wurde von dem Überfallenen zweifelsfrei wiedererkannt. Die anderen Beteiligten fuhren wahrscheinlich unbehelligt weiter in Richtung Winzerla. Eine Anzeige wegen Körperverletzung wurde von der Polizei aufgenommen. Dagegen fand im offiziellen Polizeibericht vom Wochenende der Vorfall keinerlei Erwähnung. Mehr noch: Gegenüber Reportern der Lokalpresse, die von Bekannten des Opfers informiert worden waren, wurde dieser Überfall zu einem unbedeutenden, scheinbar zufälligen Zwischenfall heruntergespielt. Ein rechtsradikaler oder zumindest doch fremdenfeindlicher Hintergrund, auf den verschiedene Merkmale eindeutig hinweisen (der völlig grundlose Angriff ohne jedes Vorspiel, auch der Baseballschläger), wird anscheinend von der Polizei nicht in Erwägung gezogen. Die Öffentlichkeit wird nicht informiert.
Information des Leseladen der JG-Stadtmitte aufgrund persönlicher Befragung des Geschädigten Jena, den 17.04.2000
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