|
White Noise, Soundtrack zu Mord und Totschlag
(gekürzte Zusammenfassung, Veranstaltung in der Feuerwache)
Nach dem Erstarken nationalistischer und völkischer Ideologien im Zuge des Jubels über die
"Wende" und die "Wiedervereinigung", den Progromen und großen
Aufmärschen in den Jahren ca. 1989-92, wurden die Forderungen an Politik und
Repressivorgane in der BRD von innen und vor allem außen lauter, entschlossener gegen
rechtsextreme Strukturen vorzugehen. Die Standortdebatte war eröffnet.
In den Jahren ca. ´92-´96 wurden die meisten Versuche der Nazis, Aufmärsche oder Konzerte
durchzuführen, verboten und einige der maßgeblichen Organisationen wie die Freiheitliche
Arbeiterpartei Deutschlands (FAP), die Wiking Jugend (WJ) oder die Nationalistische Front
(NF) verboten. Die Phase der Verunsicherung der Naziszene wurde aber eher eine Phase der
Umorganisierung und Sammlung.
Die zentrale Rolle nahm hierbei die NPD ein, deren neuer Bundesvorsitzender, Udo Voigt, für
die Öffnung der NPD für weite Teile der extremen Rechten, vom Dumpfbacken-Prügelnazi bis zu
den ehem. Funktionären der mittlerweile verbotenen Organisationen. Vorher hatte die NPD gute
20 Jahre mit einem Alterdurchschnitt, der an den der PDS erinnert, dahingedümpelt. In der
gleichen Zeit erschienen diverse Strategiepapiere, wie das oft zitierte zu "national
befreiten Zonen" und einige zur Katalyse einer rechten Jugendkultur. Dabei geht es im
Kern um die Verankerung rechter Ideologieversatzstücke in den Köpfen durch über Outfit und
Musik vermittelte Identifikation.
Die wichtigsten Strukturelemente dieses Ansatzes sollen hier sehr kurz beschrieben werden.
Fanzines
Derzeit werden in Deutschland ca. 50-80 rechtsextreme Fanzines mit Auflagen von 200-1.000
Stück zumeist illegal produziert und vertrieben. Diese sind größtenteils sehr offen
nazistisch.
Magazine
Neben den Fanzines existieren mehrere professionell aufgemachte Magazine.
Vor "Unsere Welt" und "N. D. W." nimmt "Rock Nord" mit bis zu
17.000 Stück Auflage (eigene Angabe) den Spitzenplatz ein. Inhalt sind Konzertberichte,
Interviews mit Bands, Plattenkritiken, thematische Beiträge u.ä. An die jeweiligen Magazine
sind in der Regel Versände und Verlage angegliedert, die Umsätze von 6-7stelliger Höhe
erzielen.
Versände
Die ca. 50-80 Versände, die teils ohne Kataloge agieren, werden meist von früheren Kadern
nazistischer Organisationen betreut. Ihr Programm beinhaltet Plakate, Bücher, Klamotten,
Platten/CDs, Devotionalien, bei der NPD seit einiger Zeit sogar Parfüm - wahlweise
"Nationalist" oder "Walküre".
Läden
Nach Schätzungen werden derzeit 30-50 Läden betrieben, die alles, was das Naziherz begehrt,
aber auch unverfängliche Produkte bis hin zu Hiphop-Utensilien anbieten. In der
Vergangenheit konnte über Kampagnen die Schließung mehrerer dieser Läden erreicht werden,
z. B. "Hehl´s World" in Ludwigshafen, dessen damaliger Betreiber mittlerweile im
Knast sitzt.
Konzerte
Bei Nazi-Rock-Konzerten kulminieren alle diese Punkte. 1998/99 fand statistisch gesehen alle
2 Tage ein solches statt. In der Regel kommen hierzu 100-500 Nazis, teilweise auch weit mehr
als 1.000, trotz der zum Teil sehr konspirativen Mobilisierung. So fand im September ´99 in
Garitz (Sachsen-Anhalt) ein Konzert mit mehr als 2.000 Gästen statt.
(siehe Artikel zu Köthen)
Auf diesen Konzerten wird an diversen Verkaufständen die ganze nazistische
Produktpalette feilgeboten. Der Gesamtumsatz kann dabei an einem Abend die 100.000-Marke
erreichen.
|