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Dezember 2002
Meinungstribunal zu Coca Cola in Bogotá

 

Politische Erklärung "Forum Arbeitsbedingungen in Kolumbien"
Erste Sitzung der Audiencia Pública Popular "Héctor Daniel Useche Berón" Atlanta, 20. Juli 2002

Das transnationale Unternehmen Coca-Cola ist eines der sechs grössten Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie der Welt; ist eines der besten Beispiele der neoliberalen Globalisierung. Während seine Gewinne Tag für Tag wachsen, wird die Situation seiner Arbeiter jeden Tag schwieriger. In den letzten Jahren wurden in Kolumbien mehr als 10.000 Arbeiter von Coca-Cola entlassen und durch Zeitvertrags-Arbeiter ersetzt. Mit Zeitverträgen, outsourcing und der ausserbetrieblichen Untervertragnahme von Dienstleistungen umgeht Coca-Cola die Kosten, die für die Arbeiter Stabilität und soziale Absicherung bedeuten und erhöht gleichzeitig die Gewinne. Das transnationale Unternehmen und seine Lizenznehmer versuchen darüber hinaus ständig, die Arbeitsgarantien abzubauen, die von den Arbeiter/innen erkämpft und in kollektiven Tarifverträgen festgeschrieben wurden.

Angesichts dieser Situation haben sich die Arbeiter/innen organisiert, um ihre Rechte zu verteidigen. Die Antwort des Unternehmens ist Terror und Repression. In den letzten zwölf Jahren wurden sieben Arbeiter von Coca-Cola ermordet, drei von ihnen während Tarifverhandlungen, 48 wurden vertrieben und zwei leben im Exil. Ebenso kam es zu unzähligen ungerechtfertigten Festnahmen von Gewerkschaftsführern, die Demonstrationen und Protestaktionen der Arbeiter/innen wurden militarisiert, und in vielen Fällen wurden die Leibwächter der Geschäftsführer und die Sicherheitskräfte des Unternehmens ausgenutzt, um die Gewerkschaft anzugreifen. Die Drohungen der Paramilitärs innerhalb der Werke und in den Munizipien sind konstant und verursachen grosse Besorgnis unter den Arbeitern und in den Gemeinden. Es ist offensichtlich, dass die Arbeitsrechte permanent verletzt werden. Aufgrund dieser systematischen Agression ist die Mitgliederzahl der Lebenmittelgewerkschaft SINALTRAINAL, die unter anderem die Arbeiter/innen von Coca-Cola vertritt, von 5.400 auf 2.300 zurückgegangen, und die Versuche, die Gewerkschaft auszulöschen halten an.

Die Haltung der kolumbianischen Regierung ist von völliger Komplizenschaft mit Coca-Cola geprägt. Ein Beweis dafür ist die totale Straflosigkeit, der sich die Verbrechen und die Übergriffe gegen die Gewerkschaft und die Arbeiter/innen erfreuen. Deshalb hat SINALTRAINAL vor dem Gerichtshof des Süddistriktes von Florida (Miami), USA, eine Strafanzeige gegen Coca-Cola gestellt und beruft sich dabei auf den Alien Torts Claims Act (ATCA), der vom Kongress der USA 1789 verabschiedet wurde. Für diese Anzeige hat die Gewerkschaft die Unterstützung und die Solidarität der United Steel Workers und des Internationalen Arbeitsrechtefonds der USA gewonnen.

Aber um das gewalttätige Vorgehen eines der weltweit grössten Unternehmen aufzuhalten, ist eine Anklage nicht genug. Um diese Aktion zu ergänzen, haben SINALTRAINAL und die sie begleitenden Organisationen vom 20. bis 22. Juli 2002 in Atlanta, Georgia / USA, die erste Sitzung der Öffentlichen Volksanhörung abgehalten, als Ausdruck des Kampfes des kolumbianischen Volkes und der internationalen Basisorganisationen für die Überwindung der vernichtenden Auswirkungen des Staatsterros und der Politik der multinationalen Unternehmen.

Deshalb stellt die Gruppe der hier vertretenen Personen und Organisationen, die sich im Kampf für eine neue Weltordnung, basierend auf sozialer Gerechtigkeit und internationalistischer Solidarität, zusammengefunden haben, fest:
- Die unbegrenzte Habgier der transnationalen Unternehmen, im konkreten Fall Coca-Cola, erzeugt Armut und Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt in der ganzen Welt.
- Die Regierungen der abhängigen Länder, wie Kolumbien, übernehmen keine Verantwortung für die Respektierung der ökonomischen, sozialen, kulturellen, politischen und Arbeitsrechte, denn sie unterstützen die Interessen der transnationalen Unternehmen. Die Verbrechen und ihre Straflosigkeit kommen den transnationalen Unternehmen zugute.
- Nur die internationalistische Solidarität und der vereinte Kampf gegen die Macht der transnationalen Unternehmen können den Druck erzeugen, der für die Aufhaltung des Terrors und der Vernichtung der Arbeitsplätze in Ländern wie Kolumbien nötig ist.

Deshalb haben wir beschlossen, eine Solidaritäts- und Anklagekampagne zu starten, die die folgenden Ziele verfolgt:
- Brücken der Partnerschaft zwischen der Bevölkerung und der Arbeiterklasse Kolumbiens und den hier vertretenen Ländern zu bauen
- die Existenz von SINALTRAINAL und der Gewerkschaftsbewegung in Kolumbien als sozialer Vermittler zu garantieren
- die internationale Kampagne "Gegen die Straflosigkeit, Kolumbien fordert Gerechtigkeit" und die Entscheidungen und Aufgaben zu unterstützen, die sich aus ihr ergeben
- die Unterdrückungspolitik von Coca-Cola zu entlarven
- sozialen und politischen Druck auf das transnationale Unternehmen zu erzeugen, damit die Politik der Auslöschung der Gewerkschaft und die Unsicherheit des Arbeitsmarktes aufhöre, und Druck auf den kolumbianischen Staat, damit er die für die Ermordung kolumbianischer Gewerkschaflter Verantwortlichen verurteile und bestrafe
- die Bewegung des Widerstandes gegen die neoliberale Globalisierung zu unterstützen.

Die Kampagne fordert vom transnationalen Unternehmen Coca-Cola:
- die Entlassungen von Arbeiter/innen in Kolumbien und in anderen Ländern zu stoppen
- Arbeitsplatzstabilität und soziale Sicherheit der Arbeiter/innen in Kolumbien und anderen Ländern zu garantieren
- das Recht auf Organisierung, auf Streik und auf Gewerkschaftsarbeit zu respektieren
- die in den kollektiven Tarifverträgen gewonnenen Arbeitsrechte zu respektieren
- die Verantwortung für die vollständige Wiedergutmachung des durch den gegen die Arbeiter/innnen ausgeübten Terror Zerstörten zu übernehmen
- auf Druckausübung und Repression gegen die Arbeiter/innen zu verzichten.

Die Kampagne fordert vom kolumbianischen Staat:
- die Kriminalisierung des sozialen Protestes und die ungerechtfertigte Inhaftierung von sozialen und Gewerkschaftsführern zu stoppen
- die für die Ermordung von kolumbianischen Gewerkschaftlern Verantwortlichen zu verurteilen und zu bestrafen
- das Recht des kolumbianischen Volkes auf Organisierung und Mobilisierung zu garantieren
- den Staatsterror zu stoppen und die paramilitärischen Söldnergruppen aufzulösen.

Die internationale Gemeinschaft fordern wir auf, die für die Sanktionierung der transnationalen Unternehmen, die gegen das Leben, gegen soziale, ökonomische und kulturelle Rechte der Völker verstoßen, notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, und sich gleichzeitig für den Aufbau einer solidarischen Welt einzusetzen, in der die Menschenwürde und das Leben wichtiger sind als die Anhäufung von Kapital.

Die Kampagne ist ein Prozess des Widerstandes gegen die neoliberale Globalisierung, ist ein Prozess der internationalistischen Solidarität, die Alternativen zum totalitären Modell der Globalisierung sucht, ist ein Prozess der Bewusstmachung, der Organisierung und des Aufbaus von Widerstand.

 
v0.2 | last update: 14|12|02
     
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