Yahoo  Montag, 11. Januar 1999, 13:17 Uhr

Öcalan erhält in Italien vermutlich kein Asyl

D'Alema spricht erneut von möglichem Verfahren gegen PKK-Chef im Land

Rom (AP) PKK-Chef Abdullah Öcalan kann nach den Worten von Ministerpräsident Massimo D'Alema nicht mit politischem Asyl in Italien rechnen. D'Alema sagte
am Montag vor Journalisten in Rom, angesichts der schweren Anschuldigungen, die gegen Öcalan erhoben würden, glaube er nicht, daß das Asylersuchen positiv
beschieden werden könne.

D'Alema wiederholte, daß Italien Öcalan nicht an die Türkei ausliefern werde. Ankara habe eine Gelegenheit verpaßt, indem es nicht mit dem Rest Europas
zusammengearbeitet und eine Einigung über einen Prozeß erzielt habe. Der Chef der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) sei frei und könne das Land jederzeit
verlassen. Falls er das nicht tue, behalte sich Italien vor, ihn aufgrund der Anklage der türkischen Justiz vor Gericht zu stellen. Ähnlich äußerte sich D'Alema bereits
vor einer Woche. Am vergangenen Dienstag hatte er angekündigt, daß ein Gericht innerhalb von 20 Tagen über die Aufnahme eines Verfahrens entscheiden werde.

Öcalan hält sich unter Polizeibeobachtung in einer Villa am Rand von Rom auf. Er war am 12. November in Italien festgenommen worden. Italien verweigert eine
Auslieferung in die Türkei, da ihm dort die Todesstrafe droht. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wirft Öcalan Anstiftung zu Morden und Anschlägen in
Deutschland vor. Die Bundesregierung verzichtete aber auf einen Auslieferungsantrag, weil sie Gewalttaten von PKK-Anhängern und von militanten Türken in
Deutschland befürchtet.