Rom (dpa) - Der seit sechs Wochen in Rom festgesetzte kurdische Separatistenführer
Öcalan soll in Kürze Italien verlassen. Das sagte ein Sprecher
von Öcalan
nach einem Bericht des italienischen Fernsehens. Enge Mitarbeiter Öcalans
haben unterdessen Spekulationen zurückgewiesen, der Kurdenführer
habe Rom bereits
verlassen.
Mittwoch, 23. Dezember 1998, 17:14 Uhr
D'Alema weist Berichte über Ausweisung Öcalans zurück
PKK-Chef kann reisen, wohin er will
Rom (AP) Der italienische Ministerpräsident Massimo D'Alema hat
am Mittwoch Medienberichte zurückgewiesen, nach denen seine Regierung
über die Ausweisung
von Kurdenführer Abdullah Öcalan in ein Drittland verhandelt.
Öcalan sei frei zu reisen, wohin er wolle, sagte D'Alema auf einer
Pressekonferenz. Italienische und
kurdische Zeitungen berichteten in den vergangenen Tagen, Öcalan
solle aus Italien ausgewiesen werden. Als mögliche Aufnahmeländer
wurden Estland, Südafrika,
Lybien, Pakistan und die Ukraine genannt.
Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts in Rom in der vergangenen
Woche, alle Beschränkungen gegen Öcalan aufzuheben, sei es allein
seine Entscheidung,
wohin er gehe, sagte D'Alema. Zuvor hatte sich der Kurdenführer
noch unter Hausarrest befunden. Die italienische Tageszeitung «Corriere
della Sera» zitierte
unterdessen am Mittwoch einen kommunistischen Abgeordneten, nach dessen
Angaben Öcalan sich weigere, Italien zu verlassen, solange ihm kein
anderer, sicherer
Aufenthaltsort garantiert werde. Öcalan hat in Italien politisches
Asyl beantragt. Im Fernsehsender RAI wurde davon gesprochen, daß
er Italien innerhalb weniger
Tage verlassen haben werde.
Öcalans Eintreffen in Italien am 12. November löste einen
politischen und legalen Streit mit der Türkei aus, die seine Auslieferung
beantragte, um ihn wegen
Terrorismus vor Gericht zu stellen. Italien verweigerte den Antrag,
weil nach italienischem Gesetz Verdächtige nicht in Länder ausgeliefert
werden dürfen, in denen
ihnen die Todesstrafe droht. Anfang der Woche hatte ein römischer
Politiker angedeutet, Öcalan könne aber für Verbrechen ausgeliefert
werden, auf die nicht die
Todesstrafe steht. Am Mittwoch sagte D'Alema, die Spannungen mit der
Türkei seien überwunden. Über den Asylantrag Öcalans
hat Italien noch nicht entschieden.
Mittwoch, 23. Dezember 1998, 13:57 Uhr
Italien stellt Abschiebung von Öcalan in Aussicht
Rom (dpa) - Der italienische Ministerpräsident D'Alema hat erstmals
eine Abschiebung des kurdischen Separatistenführers Öcalan in
Aussicht gestellt. Es sei
wahrscheinlich, daß Öcalan Italien verlasse, sagte D'Alema
in Rom. Öcalan war am 12. November aus Moskau kommend in Italien eingereist.
Deutschland hatte
trotz eines Haftbefehls wegen Mordes aus Furcht vor Anschlägen
auf eine Auslieferung verzichtet.
Mittwoch 23. Dezember 1998, 04:55 Uhr
Türkische Armee wirft Westen Schutz Öcalans vor
Ankara - Die türkische Armee hat am Dienstag dem Westen vorgeworfen,
den Chef der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, zu
beschützen.
Armeechef Atilla Ates sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur
Anatolien, die westliche Welt verkehre den Sinn von Gesetzen ins Gegenteil.
All jene, die
sich in diesem Fall auf die Menschenrechte beriefen, beschützten
einen Mörder und behandelten ihn wie einen König. Öcalan
wurde in der vergangenen Woche in
Italien auf freien Fuß gesetzt. Er war Anfang November in Rom
festgenommen und später unter Hausarrest gestellt worden.
Italien lehnt eine von der Türkei geforderte Auslieferung des PKK-Chefs
mit der Begründung ab, ihm drohe dort die Todesstrafe. Deutschland
zog einen
Auslieferungsantrag aus Gründen des Rechtsfriedens zurück,
nachdem der PKK-Chef auf der Grundlage eines deutschen Haftbefehls festgenommen
worden war.
Die Türkei wirft Öcalan vor, für den Tod von mehr als
29.000 Menschen verantwortlich zu sein, die in dem 15jährigen Kampf
der PKK für einen unabhängigen
Kurdenstaat im Südosten des Landes ums Leben kamen.
Dienstag, 22. Dezember 1998, 18:31 Uhr
Generalstaatsanwalt fordert Inhaftierung Öcalans
PKK-Chef soll Bericht zufolge in die Ukraine abgeschoben werden
Rom (AP) Der italienische Generalstaatsanwalt Giovanni Malerba hat die
neuerliche Inhaftierung des Kurdenführers Abdullah Öcalan gefordert.
Für den Fall, daß
das Berufungsgericht seine Auslieferung in die Türkei anordne,
müsse Öcalan für die Justiz greifbar sein, erklärte
Malerba. Er deutete zugleich an, daß der Chef der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) wegen eines Vergehens ausgeliefert
werden könnte, auf das in der Türkei nicht die Todesstrafe steht.
Die mögliche Todesstrafe
wurde bisher in Italien als Grund genannt, Öcalan keinesfalls
in die Türkei auszuliefern, wo er wegen terroristischer Angriffe gesucht
wird.
Der türkische Privatsender TGRT meldete unterdessen, Italien wolle
Öcalan in die Ukraine abschieben. Dem Bericht zufolge soll für
den PKK-Chef bereits eine
Wohnung gefunden sein. Als Quelle nannte der Sender den italienischen
Wirtschaftsminister Pierluigi Bersani. In den vergangenen Tagen waren bereits
Südafrika,
Libyen, Pakistan und Nordkorea als mögliche Fluchtorte für
Öcalan genannt worden.
Öcalan wurde in der vergangenen Woche auf freien Fuß gesetzt,
nachdem er sich zuvor noch unter Hausarrest befunden hatte. Am 12. November
wurde er am
Flughafen in Rom festgenommen. Über seinen Asylantrag hat Italien
noch nicht entschieden. Deutschland hat trotz eines Haftbefehls keine Auslieferung
beantragt. Die
Regierung in Bonn nannte als Grund eine mögliche Bedrohung der
inneren Sicherheit.
Dienstag, 22. Dezember 1998, 16:51 Uhr
Staatsanwalt in Rom beantragt Auslieferung Öcalans an die Türkei
Rom (dpa) - Die Staatsanwaltschaft in Rom hat eine Auslieferung des
kurdischen Separatistenführers Öcalan an die Türkei beantragt.
In drei von sechs
Strafverfahren der Türkei gegen Öcalan sei nicht die Todesstrafe
vorgesehen, hieß es. Öcalan solle zudem in Italien wieder unter
Arrest gestellt werden. Das Gericht
wird vermutlich im Januar über eine Auslieferung des Vorsitzenden
der kurdischen Arbeiterpartei PKK beraten. Die Regierung in Rom lehnt es
wegen der
drohenden Todesstrafe bisher ab, Öcalan an die Türkei auszuliefern.
Dienstag 22. Dezember 1998, 00:11 Uhr
Yilmaz - Italien muß Öcalan-Fall lösen
Ankara - Der türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz hat
Italien aufgefordert, alle Unklarheiten über den Fall des Chefs der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK),
Abdullah Öcalan, zu beseitigen. Die Türkei erwarte, daß
sich Italien nach dem Zickzackkurs in dieser Angelegenheit jetzt wie ein
Rechtsstaat verhalte, zitierte die
Nachrichtenagentur Anatolien am Montag Yilmaz. Einzelheiten zu seinen
Forderungen nannte Yilmaz jedoch nicht. Der italienische Industrieminister
Pierluigi Bersani
äußerte zugleich die Hoffnung, die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen beiden Ländern würden sich wieder normalisieren. Das
werde auch die politischen Beziehungen
beleben, sagte Bersani nach einer Meldung der Agentur.
Ein italienisches Berufungsgericht in Rom hatte in der vergangenen Woche
den bis dahin unter Haurarrest stehenden Öcalan mit der Begründung
auf freien Fuß
gesetzt, Deutschland halte seinen internationalen Haftbefehl nicht
mehr aufrecht. Der PKK-Führer war bei der Einreise nach Italien Mitte
Oktober mit einem
gefälschten Paß festgenommen worden. Ministerpräsident
Massimo DAlema zufolge steht er aber weiter unter Polizeibeobachtung und
darf Italien vorerst nicht
verlassen. Der Fall Öcalan hatte die türkisch-italienischen
Beziehungen belastet.
Sonntag, 20. Dezember 1998, 11:47 Uhr
40.000 Kurden demonstrierten friedlich in Bonn
Gegen Unterdrückung in der Türkei
Bonn (AP) Mit einer friedlichen Demonstration in Bonn haben rund 40.000
Kurden aus allen Teilen Deutschlands und mehreren Staaten Europas am Samstag
gegen
die Unterdrückung ihres Volkes vor allem in der Türkei protestiert.
Unter dem Motto «Frieden, Freiheit und Demokratie» forderten
die Demonstranten auf Plakaten
und in Sprechchören eine politische Lösung des Kurdenproblems
und einen unabhängigen Staat für ihr Volk. Außerdem führten
sie Bilder des Kurdenführer
Abdullah Öcalan mit sich, dessen auch in Deutschland verbotene
Kurdische Arbeiterpartei (PKK) für ein autonomes Kurdistan kämpft.
Wie die Bonner Polizei mitteilte, kamen die rund 40.000 Teilnehmer der
Veranstaltung in zwei Sonderzügen und mehr als 400 Bussen in die Bundesstadt.
Von zwei
Sammelstellen aus marschierten die Demonstranten zu einer zentralen
Kundgebung auf einer Rheinuferwiese im Stadtteil Beuel. Die Polizei meldete
trotz der großen
Teilnehmerzahl keinerlei Zwischenfälle und sprach von einem erwartungsgemäß
«absolut friedfertigen Verlauf» der Protestveranstaltung.
(yahoo, 20.-24.12.98)